
Transmedizin verliert vor Gericht – aber hat die Vernunft jetzt wirklich gewonnen?
Sabine Maur hat vor Gericht verloren. Die Vize-Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Deutschlands hat auf einer Fortbildung Teilnehmern nahegelegt, Krankenkassenregeln zu umgehen, um mehr Trans-Operationen zu ermöglichen. Den Videomitschnitt wollte sie nicht im Netz sehen. Daher verklagte sie die Privatperson Rona Duwe und unterlag (in fast allen Punkten). Das Video darf geteilt werden. Aber hat die Vernunft jetzt wirklich gewonnen?
Sabine Maur ist ein Name, der in genderkritischen Kreisen den Puls beschleunigt. Ihre Ansichten zu Transmedizin sind krass. Sie ist mitverantwortlich für die deutsche Leitlinie, wonach Kindern schon in jungen Jahren Pubertätsblocker und Gegenhormone verschrieben werden dürfen. Ohne medizinische Evidenz. Gegen die Haltung in fast allen anderen Staaten der Erde. Eltern sollen mitspielen, wenn magersüchtige, selbstverletzende pubertierende Mädchen plötzlich behaupten, sie seien Jungen. Wenn sie Hormone fordern, die sie für immer unfruchtbar machen. Die ihre Stimme für immer absenken und den Bartwuchs starten. Auch wenn es keinen Nachweis gibt, dass dieses Vorgehen Mädchen in solch einer Krise weiterhilft. Sabine Maur findet das gut. Sie nimmt ja schließlich nach eigenen Angaben eine ausführliche Anamnese vor, bevor sie die Indikation erstellt, dann sei das schon richtig so.
Und Sabine Maur hat Macht. Sie ist die Präsidentin der Psychotherapeutenkammer in Rheinland-Pfalz und die Vize-Präsidentin der gesamtdeutschen Kammer. Sie sitzt in der Leitlinienkommission, die entscheidet, was hierzulande erlaubt ist und was nicht. Als Kammerpräsidentin ist sie dafür zuständig, Berufspflichtverletzungen zu ahnden.
Nun ist es für sie natürlich nicht gerade angenehm, wenn ein Videomitschnitt im Netz kursiert, in dem sie Teilnehmern einer Fortbildung erklärt, wie diese Krankenkassenvorschriften umgehen können um damit mehr Transoperationen genehmigt zu bekommen. Es sei problematisch, so das Gericht, wenn sie, die dafür zuständig ist, die Einhaltung der Berufspflichten zu überwachen, „sich selbst (berufs-)rechtswidrig verhält“.
Statt aber vor der eigenen Türe zu kehren, zog Sabine Maur vor Gericht. Sie verklagte Rona Duwe, eine genderkritische Frau, die sich für die Rechte von Frauen und Mädchen einsetzt. Und mit Mädchen und Frauen meint Duwe das, was man gemeinhin darunter versteht: biologisch weibliche Menschen, nicht solche mit Penis, Stöckelschuhen und einem Eintrag der weiblichen „Geschlechtsidentität“ vom Standesamt. Für Maur also ein rotes Tuch, denn Mann und Frau, das findet für sie im Wesentlichen im Kopf statt. Sie klagte.
Das Gericht hat nun geurteilt. Das Video dokumentiere ein „Ereignis der Zeitgeschichte“. Es gebe ein öffentliches Interesse an der Verbreitung des Videos, da es „Unstimmigkeiten zwischen der öffentlichen Selbstdarstellung der Antragstellerin und ihrem eigenen Verhalten“ aufwerfe. (Antragstellerin war Maur, die geklagt hatte.).
Ein Erfolg für Duwe, zweifelsohne. Aber hat sie jetzt wirklich gewonnen? Wer in Deutschland Geschlecht als eine biologische Tatsache ansieht und sich auch noch traut, das öffentlich zu äußern, der kann sich auf eine Klagewelle gefasst machen.
So wie Duwe. Sie teilte einen Videomitschnitt, der die Äußerungen der Funktionsträgerin Maur in ihrer Eigenschaft als Dozentin auf einer Fortbildung zeigt. Man muss erstmal darauf kommen, dass man dafür verklagt werden kann. Und die Klage dann auch noch vor Gericht zugelassen wird. Auf Duwe kamen erhebliche Anwaltskosten zu (das Crowdfunding der Frauenheldinnen e.V. schätzte diese auf 15.000€), sie musste vor Gericht erscheinen und Verdienstausfälle hinnehmen. Sicher hat sie sich Sorgen gemacht. Auch wenn Maur hier nicht als Kammerpräsidentin geklagt hatte, hinter ihr steht der mächtige und großzügig mit Steuergeldern finanzierte Bundesverband Trans. Eine einzelne Frau gegen eine mächtige Lobbygruppe. Rona gegen Goliath, sozusagen.
Jetzt ist Maur erst mal auf dreiviertel der Verfahrenskosten sitzengeblieben. Aber sie kann in Revision gehen. Sie kann Duwe morgen wieder verklagen. Wegen etwas anderem. Oder die nächste Person, die ihren Standpunkt in Frage stellt.
Das Nachrichtenportal Nius erlebt das gerade. Sie hatten über einen Menschen berichtet, der sich trotz Penis in ein Frauen-Fitnessstudio einklagen und dort gerne mit den Frauen in die Gemeinschaftsdusche will. Ein Mensch, der sich diskriminiert fühlt, wenn Frauen das nicht wollen. Ein Mensch, den man aufgrund des Selbstbestimmungsgesetzes unter keinen Umständen „Mann“ nennen darf. Dieser Mensch also klagt nun gegen jeden, der das doch wagt – das Nachrichtenportal Nius, Julian Reichelt persönlich, auch gegen die Frauenheldinnen, wer auch immer biologische Tatsachen als Tatsachen betrachtet, bekommt eine Klage ins Haus.
Das hat gerade Mode. Heerscharen von Anwaltskanzleien sind damit beschäftigt, Beleidigungen und angebliche Beleidigungen im Netz aufzuspüren und dagegen vorzugehen. Gerade kann man von Luisa Neubauer lesen, deren Anwälte selbst gegen Beleidigungen vorgehen, die nur 3 Views haben – wobei mindestens ein View von der Kanzlei selbst stammt. Bei Neubauer unterstellt „Tichys Einblick“ eine Masche. Das Magazin legt nahe, dass Neubauer absichtlich im Netz provoziert, um dann mit Gewinnerzielungsabsicht gegen jeden vorgehen zu können, dem die Galle überkocht. Einmal pro Monat provozieren und schon ist die Miete drinnen.
Könnte das bei Maur solch eine Masche sein? Vermutlich eher nicht. Denn erstens dürfte sie anders als Neubauer gut verdienen und sie hat ein Interesse daran, dass Transmedizin nicht in den Medien diskutiert wird. Die meisten Leute glauben, bei der Trans-Frage ginge es darum, dass jeder machen können soll, wie er will. Und sind dafür. Wenn dagegen klar wird, dass es darum geht, dass sich jeder biologische Spermien-Ejakulator in die Frauenumkleide einklagen kann, sinkt die Zustimmung vermutlich. Und noch mehr, wenn man Maur im Video-Mitschnitt zuhört.
Empörend ist dabei nicht nur, dass sie Krankenkassen täuschen will. Maur sagt in der kurzen Sequenz auch, dass sich etwa dreißig Prozent der Leute, die Operationen bezahlt haben wollen, als „non-binär“ definieren. Nun weiß eigentlich niemand so genau, was das sein soll, non-binär, aber dass es im Widerspruch steht zu dem Satz „Transfrauen sind Frauen. Punkt“, das ist schon klar. Es sind schon komische Ideen: Eigentlich weiß das junge Mädchen gar nicht, was es nun ist, aber die Brüste sollen jedenfalls mal ab? Einer fühlt sich weder als Mann noch als Frau, wer ihn aber als Mann bezeichnet, wird vor Gericht gezerrt?
Und hier liegt der eigentliche Erfolg der Klage. Die Trans-Lobby wirkt so mächtig, aber sie ist an einer Stelle sehr verwundbar: Sie möchte für die Trans-Frage in der Öffentlichkeit gerne ein Tralala-Bild mit rosa Einhorn aufrechterhalten. Deswegen muss sie gegen jede Berichterstattung klagen, die an diesem Image kratzt. Aber solche Klagen sind öffentlich. Der Artikel der „Mit-Glied-Schaft“ über den Menschen mit Duschwunsch im Damen-Fitness-Studio hat Nius 6.000€ gekostet (Mit-Glied-Schaft darf man schreiben, aber nicht behaupten, dass es sich um einen Mann handelt), andererseits aber viel Aufmerksamkeit gebracht.
Da kommen dann Fragen auf. Ist es wirklich richtig, dass Frauen dazu gezwungen werden, sich vor einem Menschen mit Penis auszuziehen? Weil der Mensch sonst diskriminiert wird? Oder, um auf den konkreten Fall zu kommen: Fast ein Drittel der Menschen, die sich auf Krankenkasse Brüste machen lassen wollen, fühlen sich gar nicht weiblich, sondern non-binär? Wie bitte? Und da sollen dann Krankenkassenvorschriften umgangen und die Rechte von Frauen massiv beschnitten werden, damit der Mensch sich gleichzeitig an Penis und Brüsten erfreuen kann und beides in voller Pracht in der Dusche präsentieren darf?
Jede Berichterstattung über den Prozess ist bitter für die Trans-Lobby. Weil es zeigt, wovon hier eigentlich die Rede ist. Es sind nicht viele Magazine, die darüber schreiben, aber es werden mehr. Auch die Bereitschaft, in den Rechtshilfefonds der Frauenheldinnen zu spenden, ist da. Das macht eine Klage sicher nicht angenehm, ruiniert die Person aber wenigstens nicht finanziell. Die 15.000€ für Rona Duwe kamen relativ schnell zusammen. Für hundert Prozesse würde das Geld sicher nicht reichen, aber nach hundert wäre die Translobby auch am Ende. Nicht finanziell, da sie öffentlich finanziert werden, aber in den Zustimmungsraten der Öffentlichkeit. Die Translobby in England kann ein Lied davon singen, was passiert, wenn Leute anfangen, über das Thema nachzudenken. Sie haben definitiv einmal zu oft geklagt.
Nun bleibt abzuwarten, was Sabine Maur tut. Geht sie in Revision, um ihre Kritikerin leise zu bekommen? Oder tut sie das nicht, weil die Berichterstattung darüber viel mehr schadet als die eine Frau, die sich auf X äußert? Aber was, wenn sich das dann plötzlich viel mehr Leute trauen? Keine leichte Entscheidung für Sabine Maur.
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Anne Burger ist Hochschullehrerin für Mathematik und Logik. Sie lebt mit Mann und Kindern in Süddeutschland.
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Etliche Medien, Parteien und Lobbyverbände versuchen der Öffentlichkeit das Bild zu verkaufen es gibt eine große, solidarische LGBTNIQ Gemeinschaft oder FLINTE Gemeinschaft die Alle dieselben Interessen hätten.
Dem ist nicht so. Das ist schlicht falsch. Und ich danke einer deutschen Zeitung für einen Artikel der regelrechte Aufklärungsarbeit geleistet hat.
Es gibt Gruppen von F mit klar anderen Interessen
Wie es genauso LGB Gruppen mit anderen Interessen gibt
Es gibt auch T die diesen Gruppen von F und LGB zustimmen ihre Interessen zu verteidigen
Schön dass auch das von der Sonne beschienen wird
Der Artikel ist gut geschrieben.
Ein wichtiges Thema.
Ich wollt das eigentlich letztens hier vor ein paar Tagen zum Artikel “ Trump Saboath“ von Prof. Pacin erwähnen, indem er versucht den Lesern das Glaubenssystem von Evangelikalen und Zionisten näher zu bringen.
Ich finde es ist wichtig zu wissen wie ticken die/ woran Glauben die, wie Fühlen die. Und bei all dem erinnert mich das auch an die Thematik der Genderdebatte: Es ist gut für mich zu wissen woran sie glauben und wie sie fühlen. Das darf alles sein. Die Grenze beginnt da wo jemand seine Gefühle und Glauben mir und anderen Überstülpen will. Das geht gar nicht! Aber sowad von nicht.
Ich weiß nicht wie es in Österreich und der Schwiez um die Debatte und Gesetzgebung bezüglich Genderitis steht. In der BRD kommt nun zum Selbstbestimmunggesetz/Gedchlechtseintrag der Versuch hinzu das Grundgesetz mit hinzunahme in Artikel 3 den besonderen Schutz der sexuellen Identität aufzunehmen, indem so getan wird als sei die sexuelle Identität nicht nach dem GG geschützt. Das ist aber falsch
Fakt ist, und das enke ich erkennen selbst alle Nichtjuristen wie Ich, die sexuelle Identität findet bereits ausreichend Berücksichtigung in Artikel 1, 2, 4 und 5.
Ich plädiere dafür sich mit dem Thema zu beschäftigen und die Rechte von Frauen, Mädchen, Jungs, Lesben, und Schwulen zu verteidigen indem die Grenzen klar aufgezeigt werden.
Von mir aus darf es gerne transFrauen und transMännner Saunen Umkleiden Fitnessstudios, Wettkämpfe and so on. Gar kein Ding, aber nicht auf Kosten und zum Schaden anderer.
Sehr guter Beitrag, Frau Burger. Dieses Geschäftsmodell der Verstümmelung von Jugendlichen muss an die Öffentlichkeit gezerrtt werden.
Leider wagen viele Ärzte nicvht ihre Stimme zu erheben.
Diese Praxis stellt unser Gesellschftsmodell infrage.
Das liegt denke ich bei einigen auch daran, weil es fassungslos macht und die passenden Worte/Argumente fehlen/nicht einfallen
In den Knast mit Leuten wie Maur! Männerknast natürlich- einfach um zu spüren wie es sich anfühlt…wer willentlich mit seiner pervertierten Haltung das Leben junger Menschen zerstört darf nichts entscheiden dürfen!
Ich war neulich mal wieder in der Sauna. Ein Mann mit Penis und Brüsten. Es widert mich an. Die meisten von denen haben sichtlich einen IQ von einem Silberfisch, ohne diesen diskriminieren zu wollen.