Bewusstsein und Unbewusstes gehören zusammen wie die Wellen des Meeres und dessen Tiefe

11. März 2026von 7,1 Minuten Lesezeit

Die Wertimagination nach Prof. Dr. Uwe Böschemeyer.

Der Psychotherapeut Prof. Dr. Uwe Böschemeyer (Jahrgang 1939) hat als Theologe und persönlicher Schüler von Viktor Frankl eine ganz besondere Sicht auf seelische Vorgänge und Problemlagen. 1980 autorisierte Frankl ihn zu Lehre und Praxis, und so gründete Böschemeyer 1982 mit Frankls Zustimmung das erste Institut für Existenzanalyse und Logotherapie. Heute lebt er mit seiner Frau in Salzburg und begleitet zahlreiche Klienten in Einzeltherapie. Ausserdem bietet an seinem Institut Fort- und Weiterbildungsseminare in Wertimaginativer Psychotherapie an und ist ein bekannter Bestsellerautor.

In seinem neuen Fachbuch «Wo die Seele zuhause ist. Wie Wertimaginationen unser Leben verändern können.», das nicht nur für Therapeuten geschrieben wurde, sondern auch für interessierte Laien gut verständlich ist, geht Böschemeyer auf seine ureigene Therapieform ein, die er aus seiner Praxis als Psychotherapeut und Fortbildner heraus empirisch entwickelt hat: Die Wertorientierte Persönlichkeitsbildung (WOP). Die Wertimagination möchte seelisch-gesundheitlichen Störungen vorbeugen, Störungen geistiger, seelischer oder körperlicher Art überwinden, zur Aussöhnung mit dem Leben ermutigen, Liebesfähigkeit, Verantwortlichkeit und Freiheit stärken und begrüsst Offenheit für die Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält.

Ohne Tiefe erreichen wir unsere Mitte nicht

Bewusstsein und Unbewusstes sind eine Einheit. «Und nur wenn wir zu beiden Bereichen eine gute Beziehung entwickeln, leben wir ganz und schaffen die Voraussetzungen für ein gelingendes Leben.» Wer aber seiner Mitte nicht nahe kommt, ist nicht bei sich selbst und ist existenziell frustriert. Böschemeyer sieht, wie viele andere bekannte Autoren, in der Entwicklung unserer Zivilisation eine Verkümmerung des Gefühlslebens und eine Dominanz der Rationalität. So komme es zu einem Verlust der «Dimension der Tiefe». In seinem Buch zeigt er einen Weg, wie Menschen Zugang zum unbewussten Geist finden können. Er bietet seinen Klienten und Studenten «Wanderungen durch die innere Welt» an, denn der «unbewusste Geist» stellt für ihn das stärkste Energiezentrum dar.

Die Bilder der inneren Welt sind die «Muttersprache der Seele“ …

sagt Erich Fromm. Das Erleben dieser inneren Welt bahnt zugleich eine (neue) Liebe zum Leben an, sagt Böschemeyer. Es gibt einen «tragenden Grund» in uns, dessen ist er sich gewiss. Er verweist auch auf unsere Träume, die uns wichtige Signale geben können und laut Talmud «Briefe Gottes» sind, die der Mensch zu eigenen Wohl lesen sollte. Wie komme ich nun in Kontakt mit meiner Tiefe? Böschemeyer fing mit allgemeinen Symbolbildern an, die bei den Klienten in einem Ruhezustand mit geschlossenen Augen auftauchten und starke Gefühle auslösten. Später begann er mit «personifizierten Werten», mit «Wertgestalten» zu arbeiten. Also zum Beispiel nicht mit «Güte», sondern mit «den Gütigen», nicht mehr mit «Freiheit», sondern «den Freien». Und wenn sich ein Imaginand auf eine Wertgestalt ausrichtete, erschienen die Gestalten, anfangs vielleicht etwas mühsam, im Lauf der Zeit aber deutlich plastisch, unmittelbar, ausgestattet mit starker Energie. Und diese Wertgestalten waren noch wirksamer als die allgemeinen Wertsymbole.

Die inneren Verbündeten

Der oder die innere Verbündete ist die wichtigste innere Gestalt. «Fast immer zeigt er sich als Gestalt mit hellem Gewand. Warm und wohlwollend sind seine Augen. Er wirkt freundlich, frei, kraftvoll, selbstbewusst, verständnisvoll, Vertrauen erweckend, grossherzig, gütig, versöhnlich, liebevoll. … Er weckt Hoffnungen, ermutigt, zeigt neue Wege. Er bejaht den Menschen. Er will sein Bestes. Er vermittelt das Gefühl tiefer Geborgenheit.» Seine verwandten Wertfiguren sind «die Zuversichtlichen»,«die Wahrheitsfinder» oder«der Diagnostiker». «Die Gütigen» gehören zu den besonders wichtigen und geschätzten Wertgestalten der inneren Welt, weil sie Dunkles nicht übersehen, jedoch nicht bewerten, beurteilen oder gar verurteilen. Sie geben dem Verunsicherten, sich schuldig fühlenden oder gescheiterten Menschen das Empfinden, trotz allem angenommen zu sein und im Leben sein zu dürfen. Zu den Aspekten der Selbstheilungskräfte gehört beispielsweise «die heilende Indianerin». Man trifft sie am hell erleuchteten Eingang einer Höhle. «Die Empörer» stehen den Klienten zur Seite, die Unmenschliches erfahren haben, Missbrauch oder andere Traumata. Zu den besonders sympathischen Figuren gehört «der Lebenskünstler». «Seine Offenheit führt dazu, dass er immer wieder neue Gründe findet, warum es sich zu leben lohnt.» Auch «der innere Gegenspieler», die personifizierte Lebensverneinung, kann befragt werden und uns zeigen, was uns so oft daran hindert, das zu tun, was unserer Vernunft entspricht, wie etwa mit dem Rauchen aufzuhören.

Die Wertgestalten sind also legitime Interpreten der inneren Welt, und sie vermitteln zugleich die Kraft, aus Erkenntnissen Taten werden zu lassen. Die Imagination kann sowohl in Einzelarbeit als auch in der Gruppe durchgeführt werden. Die Symbole wollen dann gedeutet werden, d.h. die Deutungsarbeit rundet die wertimaginative Arbeit ab. Deutungshoheit hat dabei der Imaginand.

Der Verbündete hilft gegen angsteinflössende Ankläger

Ein Klient mit einer Zwangsstörung merkt in der Imagination, dass seine Schuhsohlen beim Gehen auf dem Boden haften. So werden die anhaftenden Gedanken der Zwangsstörung angesprochen. Es fällt ihm schwer, sich fortzubewegen. Er erreicht eine Höhle. An einem Feuer trifft er auf eine massige Gestalt, die ihm Angst einjagt und ihm entgegentönt: «Du bist schuldig! Du bist nichts wert! Du taugst zu nichts!» Solche «gegenspielerische» Anklagen sind typisch bei Menschen mit zwanghaften Gedanken. Der Mann möchte den Ort schnellstens wieder verlassen, aber der Therapeut legt ihm nahe «den Verbündeten» kommen zu lassen. Dieser strahlt für den Imaginanden «Ruhe, Kraft und Unbeirrbarkeit» aus. Zusammen mit dem Verbündeten, der ihn ermutigt, kann der Mann auf den Ankläger zugehen. Dann geschieht Erstaunliches: Der Ankläger zieht sich zurück. Auf dem Rückweg haften die Schritte des Mannes kaum noch. Eine lange nicht mehr gefühlte Erleichterung füllt ihn aus. Auf dem Gesicht des Verbündeten zeigt sich ein wissendes Lächeln. – Mit einer Imagination dieser Art sind die Zwänge nicht gleich beseitigt, aber diese Sitzung war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gesundung.

Die Dioptrien und die Hornhautverkrümmung gingen zurück

Auch körperliche Störungen lassen sich mit Wertimaginationen bearbeiten. So verlor eine Frau immer mehr an Sehfähigkeit und hatte Angst zu erblinden. Der Augenarzt konnte sich nicht erklären, warum sich die Sehfähigkeit so rasch verschlechterte. Bei über acht Dioptrien und einer starken Hornhautverkrümmung begann die Wertimagination. Der Therapeut empfahl der Klientin die Brille abzulegen und startete mit ihr die Reise in die innere Welt zu den inneren Bildern, die sie gut sehen konnte. Nach einigen Sitzungen ging die Klientin mit «den Vitalen» zum Sehnerv. Die Vitalen nahmen die Imaginandin an die Hand und führten sie über Hügel und Felder zu einem Seil, an dem ein Auge sehr müde, energielos und traurig hing. Die Vitalen nahmen das Seil in ihre Hände.«Dann geschah etwas Seltsames, das ich bis heute nicht begreifen kann. Lebensfreude und ein tiefes Gefühl von Dankbarkeit erfüllten dieses mein Auge und füllten mein Herz aus», berichtet die Klientin. In dem vor ihr liegenden Auge erkennt sie das Auge Gottes. Es leuchtete heller als alles, was sie bisher gesehen hatte. Ein Gefühl purer Liebe, Einheit und Vertrauen füllte die Imaginandin aus: «Ich hatte das Gefühl eins zu sein mit dem Kosmos, mit dem Leben, mit der Transzendenz.»Tränen waren der Imaginandin während der Sitzung über das Gesicht gelaufen, und sie hatte es nicht einmal bemerkt.

«Nach einiger Zeit konnte ich beim Tragen meiner Brille wieder kaum etwas scharf erkennen. Ich vermutete eine weitere Verschlechterung. Doch als ich beim Augenarzt war, konnte ich es kaum glauben, als er mir sagte, meine Sehkraft habe sich verbessert. Sie hat sich tatsächlich verbessert!», berichtet die Klientin später.

Das Buch von Uwe Böschemeyer «Wo die Seele Zuhause ist. Wie Wertimaginationen unser Leben verändern können.» (ISBN 978-3-695-15095-3) ist ein Praxisbuch mit vielen eindrucksvollen Beispielen. Es hat 152 Seiten und kostet 20 Euro.

Josef Wabinski, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Dr. Christine Born ist Autorin und freie Journalistin.


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