
Luxus-Hotspot Dubai plötzlich Kriegsschauplatz
Dubai, die schillernde Metropole des globalisierten Kapitalismus – der scheinbar sichere Hafen für Superreiche aus aller Welt – wurde plötzlich und unvorbereitet zum Kriegsschauplatz. Die iranische Strategie ist riskant, könnte sich aber als Erfolg erweisen.
Ausgelöst durch den israelisch-amerikanischen Angriff auf iranische Ziele am Samstagmorgen schlug der Iran mit einer massiven Antwort zurück. Hauptziel war dabei nicht – wie man hätte vermuten können – Israel, sondern mehrere Länder der arabischen Halbinsel und die dortigen US-Militärbasen. Auch auf die Vereinigten Arabischen Emirate, die schillernde Metropole des globalisierten Kapitalismus, regnete es Raketen und Drohnen.
Laut offiziellen Angaben schossen die Luftabwehrsysteme der UAE die iranischen Geschosse ab. Videos zeigen Explosionen am Himmel über Bauwerken wie dem Burj Al Arab, der Palm Jumeirah oder über dem Kite Beach – gefilmt von Tausenden, die plötzlich aus dem High-Society-Leben gerissen wurden.
Trümmer und zumindest eine iranische Drohne schlugen ein: Im Luxusviertel Palm Jumeirah brach Feuer im Bereich des Fairmont The Palm Hotels aus, vier Menschen wurden verletzt. In Abu Dhabi tötete herabfallendes Raketentrümmer mindestens eine Zivilperson. Mehrere schwere Detonationen erschütterten die Stadt, Fenster barsten, Bewohner flüchteten in Tiefgaragen und Bunker.
Dubai verkörpert wie kaum eine andere Stadt die extreme Widersprüchlichkeit der modernen Golfmonarchien. Es regieren die Al-Maktoum-Scheichs mit absoluter Macht – Kritik am Herrscherhaus wird mit Haft oder Ausweisung bestraft. Hunderttausende Arbeitsmigranten, vor allem aus Indien, Pakistan und Bangladesch, schuften unter oft sklavenähnlichen Bedingungen auf Baustellen und in der Hotellerie. Sie haben in den letzten Jahrzehnten eine hypermoderne Welt geschaffen.
Nach außen hin ist die UAE ein ultra-liberales und weltoffenes Magnet für westliche Touristen (und vor allem Investoren) geworden. Alkohol fließt in Hotelbars, Frauen in Bikinis bevölkern die Strände, Transgender-Sexpartys finden in privaten Villen statt – alles vor dem Hintergrund einer strikten islamischen Grundordnung. Doch die Scheichs versuchen seit Langem, einen anderen Weg zu gehen – die Muslimbruderschaft gilt seit mehr als zehn Jahren als Terrororganisation.
Ebenso wie Katar setzt die UAE auf Sport-Greenwashing. Besonders surreal wurde das auch dieses Wochenende: Mitten im Kriegschaos findet das ATP-Tennisturnier Dubai Tennis Championships seinen Abschluss. Während am Himmel Abfangmanöver tobten, wurde Daniil Medvedev am Samstagabend zum Champion erklärt – sein Finalgegner Tallon Griekspoor zog sich wegen einer Verletzung zurück. Das Doppel-Finale wurde trotz der Bedrohung durchgespielt.
Die Tennisstars sitzen nun fest: Alle Flughäfen Dubais (DXB und Al Maktoum) sind bis auf Weiteres geschlossen, der Luftraum gesperrt. Hunderte Tennisprofis, Trainer und Fans sind gestrandet – viele posten Stories aus Hotelzimmern mit Ausblick auf Rauchwolken. Immerhin: Influencer.
Social-Media-Influencer – Dubai ist für diese Branche ein besonders beliebtes Ziel. Gestern noch Champagner auf der Yacht – heute streamen sie Live-Bilder von Leuchtspuren und Rauchwolken. „Das ist kein Content mehr, das ist Realität“, schreibt eine bekannte Dubai-Bloggerin, während sie mit ihrer Community betet.
Eine interessante Einschätzung kommt von Finanzjournalisten Mikkel Rosenvold. Die Strategie des Irans, die USA auf der ganzen arabischen Halbinsel anzugreifen, ist zwar zweifellos ein riskantes Spiel, könnte sich aber als „genial“ herausstellen:
„Israel ist seit 40 Jahren ständigen Raketenangriffen ausgesetzt. Das kümmert sie nicht. Die US-Stützpunkte in der Region sind auf diese Angriffe vorbereitet. Dubai ist völlig unvorbereitet und die Bevölkerung hat keine Lust auf eine längere Kampagne. Nach zwei bis drei Tagen wird in Dubai Panik ausbrechen. Dubai (VAE) hat unterdessen großen Einfluss auf Trump. Erinnern Sie sich an all die Trump-Münzen, seine persönlichen Investitionen und seine Spende an den Friedensrat? Ein Angriff auf Dubai macht es für Trump sehr kostspielig, den Krieg fortzusetzen. Und der Iran ist in die Enge getrieben. Ihm sind die künftigen Beziehungen zu den VAE gleichgültig. Für die UAE geht es um Schadensbegrenzung. Die Angriffe müssen JETZT aufhören. Rache oder politische Motive dürfen für sie keine Priorität haben. Sie werden Trump unter Druck setzen, den Krieg sehr schnell zu beenden.“
Diese Analyse wurde am Samstag geschrieben. Seither gibt es weiter Angriffe auf die Emirate, Touristen verbrachten die Nacht in den Tiefgaragen der Luxushotels. Immer wieder kommt es zu Einschlägen, vor allem in Bahrain dürfte die Luftabwehr versagen, was für die USA unangenehm werden könnte. Denn was bringen US-Truppen und US-Militär auf eigenem Boden, wenn sie keine Sicherheit bieten?
Dazu ein indischer politischer Analyst:
„Dubai ist stark von den Raketenabwehrsystemen Patriot und THAAD abhängig, die beide in den Staaten hergestellt werden. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind bei Wartung und Integration auf US-Technologie, US-Schulungen und US-Unterstützung angewiesen. Das wirft eine ernsthafte Frage auf: Wenn alles auf externer Unterstützung beruht, wie unabhängig ist dann die Verteidigungsarchitektur wirklich? Und wenn Irans Raketenstrategie trotz hochentwickelter westlicher Systeme immer noch Druck ausüben kann, bedeutet das, dass selbst Spitzentechnologie ihre Grenzen hat? Hat selbst die US-Technologie versagt? Moderne Städte, luxuriöse Skylines, Finanzkraft – all das bedeutet wenig, wenn die Kernverteidigungsfähigkeit nicht autark ist. Ganz egal, wie fortschrittlich man aussieht, wahre Stärke liegt in unabhängiger und widerstandsfähiger Sicherheit!“
Bild „Dubai“ by Eugene Kaspersky is licensed under CC BY-NC-SA 2.0.
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Orbán: Der Krieg steht vor der Tür
…… was bringt us-militär auf eigenen boden?
na was wohl, die krauts wissen es seit 1945
auf jeden fall ein künftiges schlachtfeld, dass wissen die einfältigen krauts bis heute nicht.