Der neue eiserne Vorhang

30. Januar 2026von 2,8 Minuten Lesezeit

Der neue eiserne Vorhang, mit dem das US-Imperium versucht, seine Vasallen und Interessen abzuschotten und davon abzuhalten, in den Kreis der Länder überzutreten, welche sich dem Multipolarismus anschließen wollen, wird immer deutlicher sichtbar.

Einfrieren und Beschlagnahme von Vermögenswerten, z.B. von Afghanistan, dem Iran, Venezuela, Russland … wer nicht spurt wird bestraft. Erzwungene Verkäufe von TikTok und jetzt von Panamas Hafen, ist der nächste Hebel.

Investitionen nur durch USA erlaubt

Ein Artikel in Substack beschreibt einen milliardenschweren Deal, bei dem BlackRock die globalen Hafenportfolios von CK Hutchison für 22,8 Milliarden Dollar übernehmen wollte, der jedoch durch regulatorische Blockaden Chinas aufgehalten wurde. Chinas Behörde SAMR verzögerte die Genehmigung zehn Monate lang und forderte, dass das chinesische Unternehmen COSCO Shipping die Mehrheitskontrolle und Vetorechte erhält. Standardmäßige Finanz- und geopolitische Risikomodelle betrachteten dies als übliche Verhandlungssache, die durch Zugeständnisse gelöst werden könnte. Am 29. Januar 2026 erklärte jedoch der Oberste Gerichtshof Panamas die Hafenkonzessionen für Balboa und Cristobal für verfassungswidrig und damit von Anfang an ungültig, was die Vermögenswerte rechtlich löschte und den Deal hinfällig machte. Dadurch umging Panama Chinas Einfluss und machte die regulatorische Blockade irrelevant. Der Kern der Aussage ist, dass verfassungsrechtliche Hebel in Schwellenländern wie Panama hochriskante internationale Geschäfte zunichtemachen können, ohne dass herkömmliche Risikoanalysen dies vorhersagen, und dass dies eine Verschiebung in der Infrastrukturrisikoarchitektur darstellt.

Aber das könnte eine zu oberflächliche, rein technische  Beurteilung sein.

Abschotten!

Die Nachricht, die hier gesendet wird, geht tiefer: Gesetze, oder in diesem Fall die Interpretation der Verfassung, können jederzeit Investitionen Chinas und anderer Länder des Globalen Südens mit einem Federstrich zunichte machen, wenn diese Länder als „Hinterhof“ des Imperiums beansprucht werden, oder sogar im Imperium selbst stattfinden. Nach der Diskussion über die „Beschlagnahme“ russischen Staatsvermögens in Belgien, der Enteignung von Eigentum russischer Privatpersonen, ein weiterer Hinweis für Investoren, wie gefährlich es ist, in dem von den USA beanspruchten Regionen wirtschaftlich aktiv zu sein. Ein weiterer Sargnagel für die Globalisierung, wenn man so will, seit sich dieser immer offensichtlicher entgegen den Interessen der imperialen Macht „Vereinigte Staaten von Amerika“ entwickelt.

Die EU-Führung zwingt die souveränen Mitgliedsländer schon mal, jeden wirtschaftlichen Kontakt, insbesondere billiges Öl und umweltfreundliches Gas aus Russland zu kaufen. Ein weiterer Meilenstein des Imperiums beim Bau der neuen Mauer bzw. des neuen eisernen Vorhangs, der bitte nur für das Imperium selbst durchlässig sein soll. Wie z.B. bei der Ausbeutung der Arktis.

Für den Globalen Süden ist es eine Chance. Wenn die Reichen dieser Region eben nicht mehr in Daimler oder BMW investieren, nicht mehr in Deutsche Bank-Aktien, oder Fußballclubs in Großbritannien kaufen, werden sie nun ihr Geld in Anlagen fließen lassen, von denen es unwahrscheinlicher ist, dass sie durch Maßnahmen des Imperiums und seiner Vasallen „beschlagnahmt“ werden können. Wieder mal ein Schuss in den berühmten eigenen Fuß.

Bild: Wikipedia Panamakanal

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2 Kommentare

  1. Bernhard 31. Januar 2026 um 0:14 Uhr - Antworten

    Danke für diesen Weltblick! Wer in Europa lebt, muss sich ja mit einer verkürzten Weltsicht zufrieden geben.
    In einem Altersheim ohne Rohstoffe. Und mit Jugendlichen, die erst mal die Algorithmen überwinden müssen, damit sie merken, dass sie gemeint sind, wenn die neuen Feindbilder für sie an die Wand gemalt werden,
    In der Station Belvedere in Wien wurde noch bis vor nicht so langer Zeit an eine öffentliche Wand projeziert:
    Kriege gehören ins Museum.
    Wer hat interveniert, dass so jetzt im Heeresmuseum im Arsenal nicht mehr der Krieg dorthin beordert wird, wo er auch wirklich hingehört?
    Wer ist für diese schleichende Militarisierung verantwortlich?
    Sie wollen die Wehrpflicht verlängern.
    Besser die Pflicht zum selbständigen Denken verlängern und so die vielen Wege zum sinnlosen Leiden verkürzen.

  2. Jan 30. Januar 2026 um 23:26 Uhr - Antworten

    Im Lockdown wurden Grundrechte mit Füßen getreten. Die Österreicher werden sich ebenso schwer überlegen, ob sie noch ein Unternehmen eröffnen möchten.

    Aktuell wird das Anmelden von Arbeitnehmern verunmöglicht, da die Regierung bei der Digitalisierung ständig versagt. Darüber berichtet niemand.

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