Ohne AKW Zusammenbruch von Europas Stromnetzen im Winter

23. Januar 2026von 4 Minuten Lesezeit

Der technische Vorstand des österreichischen Übertragungsnetzbetreibers APG, Gerhard Christiner erklärt, dass Europa weiterhin auf Kernenergie angewiesen ist, um die Stromversorgung in den Wintermonaten aufrechtzuerhalten.

In einem Interview mit dem neuen österreichischen Wirtschaftsmedium Selektiv sagte Gerhard Christiner, Technischer Direktor der Austrian Power Grid (APG): „Europäisches Stromsystem ohne Atomkraft im Winter undenkbar.“ Und weiter: „Mit dem Gedanken ‚Wind und Sonne schicken keine Rechnung‘ hat man sich in diese Situation hineinmanövriert“, kritisiert Christiner.

Christiners Äußerungen kommen zu einer Zeit, in der Österreich auf 100 Prozent Energie aus Wind und Sonne bis 2040 hinarbeitet, ein Ziel, das in der nationalen Politik verankert ist, während das Land mit kostspieligen Importen und Ineffizienzen im Stromnetz zu kämpfen hat. Obwohl Österreich 2024 auf Bilanzbasis einen Anteil von 94 Prozent erneuerbarer Energie erreichte und fast 5 Terawattstunden (TWh) exportierte, änderte sich das Bild 2025 aufgrund der schwächeren Wasserkraftproduktion dramatisch.

Österreich importierte etwa die gleiche Menge wie im Vorjahr exportiert hatte, was zu einer Schwankung von fast 10 TWh führte.

„An dunklen, windstillen Wintertagen – wie jener Tag, an dem das Interview geführt wurde – liegt die Produktion von PV und Windkraft bei nahezu null“, hält Gerhard Christiner im Gespräch mit Selektiv fest und prognostizierte anhaltende Defizite über die Winter hinweg, möglicherweise bis 2030, wodurch Österreich auf absehbare Zeit zum Nettoimporteur werden würde. „Über die Wintermonate werden wir auch im Jahr 2030 ein Defizit haben und à la longue weiterhin Stromimporteur sein.“

„Wir fördern also ein Produkt, das ein Viertel der Zeit keinen Marktwert hat“, sagte er.

Die Abhängigkeit von Importen erstreckt sich über ganz Europa, wo die Umstellung auf Stromproduktion aus Wind und Solar viele Länder zu Winterimporteuren gemacht hat.

Frankreich mit seinem umfangreichen Kernkraftwerkpark bleibt der größte Exporteur des Kontinents und liefert oft durchschnittlich 8.000 Megawatt (MW).

Österreich bezieht weitere Energie aus der Tschechischen Republik, einem Vorreiter im Bereich Kernkraft.

Christiner stellte jedoch klar, dass das europäische System von den Kernenergieexporten dieser Länder abhängig ist.

„Österreichs physikalische Importe im Winter enthalten einen Anteil Atomstrom. Auf absehbare Zeit wird das auch so bleiben.“, stellte er fest.

Länder wie Belgien, das seinen Atomausstieg verschoben hat, und die Schweiz, die über eine Kehrtwende debattiert, tragen zu dieser kritischen Masse bei, trotz der langjährigen Anti-Atom-Haltung Österreichs.

In dem Interview wurden auch die finanziellen Auswirkungen der energiepolitischen Herausforderungen Österreichs angesprochen.

Der 10-Jahres-Plan der APG zum Ausbau des Stromnetzes, der von der Regulierungsbehörde E-Control genehmigt werden muss, sieht bis 2035 Investitionen in Höhe von 9 Milliarden Euro in die Übertragungsinfrastruktur vor.

Mit Blick auf die Zukunft schätzen Szenarien, die mit der Software „ZusammEN2040“ der APG modelliert wurden, die Gesamtkosten für die Umstellung auf ein klimaneutrales Energiesystem bis 2040 auf rund 140 Milliarden Euro.

Diese Zahlen berücksichtigen den doppelten Strombedarf durch Elektrifizierung und Effizienzsteigerungen, wobei die genauen Ergebnisse von der Wahl der Technologien und den Verbrauchstrends abhängen.

Christiner kritisierte politische Verzögerungen beim Netzausbau und argumentierte, dass die Konzentration auf Wind und Solar ohne entsprechende Infrastruktur zu Ineffizienzen geführt habe.

Die Preisunterschiede zu Deutschland beispielsweise kosten Österreich jährlich 650 Millionen Euro, basierend auf einer Differenz von 9,60 Euro pro Megawattstunde (MWh) bei einem Verbrauch von 70 TWh.

Rechnet man 100 Millionen Euro für das Engpassmanagement und Verluste aus der PV-Produktion bei Null- oder Negativpreisen hinzu – wo 24 Prozent der Produktion betroffen sind –, belaufen sich die gesamten Ineffizienzen auf fast 1 Milliarde Euro pro Jahr.

Er lehnte Forderungen nach einer Wiedervereinigung der österreichischen und deutschen Strompreiszonen ab und verwies auf mögliche Überlastungen und höhere Redispatch-Kosten in Deutschland, die sich bereits auf 2 bis 3 Milliarden Euro pro Jahr belaufen.

Der APG-Direktor plädierte für eine bessere Koordination, einschließlich diversifizierter Importquellen, um die Energiesouveränität zu stärken.

„Österreich kann keine Energieautarkie erreichen“, sagte er und betonte die Notwendigkeit einer robusten europäischen Vernetzung, um Zugang zu den günstigsten verfügbaren Stromquellen zu erhalten.

Eine vollständige Selbstversorgung wäre seiner Meinung nach „massiv teurer“.

Christiners Aussagen basieren auf einfachen physikalischen und technischen Tatsachen, die von einer ideologisierten Politik und den Konzernmedien geleugnet werden.

Fossile Brennstoffe haben um eine Million höhere Energiedichte als Wasserkraft, aber um eine Million geringere als Kernbrennstoffe. Die Energiedichte von Wind ist nochmal um fast eine Million geringer als Wasserkraft. Die Folge ist, dass Windparks um auch nur einen geringen Beitrag zu Stromerzeugung zu liefern, riesige Flächen bedecken müssen. Und jedes einzelne Windrad braucht einen Netzanschluss, was die Netzausbaukosten in astronomische Höhen treibt.


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