EU lässt sanktionierten Journalisten verhungern

10. Januar 2026von 3,2 Minuten Lesezeit

Der deutsche Journalist Hüseyin Doğru steht durch die EU-Sanktionen nun vor dem Hungertod: Auch sein letzter Zugang zu dem gewährten Notgroschen von 500 Euro monatlich wurde ihm jetzt versagt. Doğru ist Vater zweier kleiner Kinder.

2025 wurde Hüseyin Doğru, Gründer von red-Media, von der EU-Kommission sanktioniert – ohne jegliches Gerichtsverfahren. Für Brüssel gilt er als „russische hybride Bedrohung“. Doğru war der erste in der EU lebende Journalist, der unter dieses Sanktionsregime gestellt wurde. Zusammen mit ihm traf es im Mai 2025 auch die im russischen Exil lebenden Thomas Röper und Alina Lipp. Für Doğru, der in Deutschland lebt, fallen die Sanktionen jedoch deutlich härter aus.

Im Januar 2026 hat sich die Lage für Doğru, der türkischer Herkunft ist, noch einmal dramatisch zugespitzt. Bereits zuvor durfte er Deutschland nicht mehr verlassen und nicht mehr arbeiten. Jede finanzielle Transaktion muss dokumentiert und von den Behörden freigegeben werden. Wer ihm helfen möchte, verstößt selbst gegen das Sanktionsregime. Vermögenssperre, Reiseverbot und Wirtschaftsverbot – so lässt sich die gegen ihn verhängte Sanktionsliste zusammenfassen.

Laut Doğru wurde ihm nun auch der Zugang zu seinem letzten Privatkonto verwehrt. Über dieses Konto hatte er bisher Zugriff auf die ihm von der Kommission zugestandenen letzten 506 Euro pro Monat. „Die EU hat de facto auch meine Kinder mit sanktioniert“, sagt der Journalist, der nun nicht einmal mehr seine Kinder ernähren kann.

Das EU-Sanktionsregime gegen eigene Bürger steht, so befürchten viele, erst an seinen Anfängen. Zuletzt wurde der Schweizer und in Belgien lebende Ex-Militär Jacques Baud sanktioniert, gemeinsam mit einer weiteren Schweizerin. Eine Petition gegen das EU-Regime und für Baud wurde eingerichtet.

Die deutsche Journalistin Aya Velázquez kommentierte anlässlich der letzten Kontosperre gegen Dogru:

Die EU hat sich mit ihrem inhumanen Sanktionsregime endgültig selbst delegitimiert: Sie tritt ein in ein neofeudales Zeitalter, in dem sie je nach Gusto Bürgern Grundrechte gewähren oder entziehen kann – wie ein Feudalherr im Mittelalter. Sie spricht Menschen ohne Anhörung vor einem Richter für schuldig, entzieht ihnen die komplette Existenzgrundlage, macht sie zu „Unpersonen“, und bietet keinen rechtssicheren Weg einer Anfechtung. Denn wird ein Verfahren gegen einen Sanktionsfall vor dem Europäischen Gerichtshof gewonnen, kann die EU anschließend dagegen in Revision gehen. Für die Betroffenen ist es ein jahrelanger, lebensbedrohlicher Albtraum ohne absehbares Ende. Die EU muss weg.“

Das EU-Sanktionsregime verstößt gegen Grund- und Menschenrechte und gehört sofort abgeschafft. Mit ihm abgeschafft gehört das gesamte überstaatliche Elitenkonstrukt namens EU: Sie hat die Grundrechte ihrer Bürger bis hin zur Existenzvernichtung verletzt, und damit sogar gegen ihre eigene Charta verstoßen. Sie handelt nach eigenen Maßstäben illegal, und hat ihre Daseinsberechtigung irreversibel verspielt. Die EU muss weg.“

Doğru hatte von der Bank zunächst keinerlei Informationen darüber erhalten, warum der Zugang gesperrt wurde. Eine entsprechende Frist, die sein Anwalt gesetzt hatte, ließ die Bank verstreichen. „Es ist die Verantwortung der Bundesregierung und der EU, dafür zu sorgen, dass ich Zugriff zumindest auf die 506 Euro habe«, sagte Doğru zur Jungen Welt. Bis dahin ist es für den Journalisten eigentlich illegal, sich Essen für sich und seine Familie zu besorgen.

Bild „Stigma“ by Das Fotoimaginarium is licensed under CC BY 2.0.

Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.


Das Geheimnis der Macht

Neue Klage gegen Leyen



 

12 Kommentare

  1. UU89 11. Januar 2026 um 17:50 Uhr - Antworten

    Dass sich nicht genug Menschen finden, die da aushelfen, das kann doch nicht sein. Wenn abertausende ihm trotzdem helfen, dann kann sich der EU-Rat brausen gehen.

    • UU89 11. Januar 2026 um 20:21 Uhr - Antworten

      Nachtrag: Nirgends finde ich Hinweise, wie wir Hüseyin Doğru persönliche Hilfspakete für ihn und seine Familie zukommen lassen könnten. Auch wenn ich als Pazifist seine politischen Aktivitäten leider teilweise als sehr bedenklich sehen muss und der Nationalfahnen schwingenden sogenannten „Palästinasolidarität“ nur den gewaltfreien (positiven) Widerstand / zivilen Ungehorsam nach Mohanda Gandhi empfehlen kann, so muss ich als Menschenrechts- und Demokratiefreund die ausserlegalen Strafaktionen des EU-Rates gegen einzelne Menschen/Untertanen klar ablehnen.

      Wenn abertausende Menschen Hüseyin Doğru und seiner Familie konkrete Hilfe angedeihen lassen, wäre das sicher besser als nur verbal die Faust in der Hostentasche / virtuellen Blase zu ballen.

      Ein bisschen mehr Kreativität, etwas mehr nachdenken und sich erinnern, was früher alles schon gemacht worden ist, das würde uns heute wieder weiter bringen!

  2. Fischefrau99 11. Januar 2026 um 10:23 Uhr - Antworten

    Da man die Petition nur unterzeichnen kann, wenn man seinen Namen veröffentlichen läßt, lasse ich es.

    Bedarf es eines weiteren Kommentars?

  3. Der Zivilist 11. Januar 2026 um 9:36 Uhr - Antworten

    Das ist die Aushebelung der Menschenrechte, deren erstes ist das Recht auf Leben, abgeleitet sind die weiteren wie Recht auf Arbeit, Recht auf Eigentum etc. Ausgerechnet die EU bringt das, wo sich doch Europa rühmt, die Menschenrechte überhaupt etabliert zu haben. Rückfall in den Feudalismus, digital.

  4. therMOnukular 11. Januar 2026 um 1:18 Uhr - Antworten

    „Diejenigen, die von europäischen Werten sprechen und sie gegen Andere einsetzen, die sind das neue Gesindel“……
    Peter Handke 2016

  5. Pfeiffer C 10. Januar 2026 um 19:39 Uhr - Antworten

    EU lässt sanktionierten Journalisten verhungern – Istgleich: „Und willst du nicht mein Bruder sein, sonst schlag ich dir dein Konto ein!“

    Ist das neue, aus der dunkelsten Epoche Europas ursprünglich stammende, leicht modifizierte Zitat, das als Ausdruck von ultimativer Loyalität oder als Drohung für den Fall der Nicht-Zusammenarbeit mit unserer völlig durchgeknallten Herrscherschicht innerhalb unserer „Schönen Neuen Welt“ zur Anwendung kommt.

    Daß dies eine Übertretung aller nur denkbar roten Linien des „Deutschen Grundgesetzes“ (eine Zensur findet nicht statt) und der österreichischen Verfassung spiegelt – geschenkt!

    In der Corona-Betrugs-Epoche galt ja auch der Nürnberger Kodex nicht mehr! Die bedingt zugelassene, gentechnisch basierte, u.a. im Puff und im Stephansdom verabreichte medizinische Intervention war nichts anderes als ein großes medizinisches Experiment mit zweifelhaftem Pioniercharakter! – Unwirksam, verbunden mit leichten, schweren, allerschwersten oder gar letalen Folgen!

    Der Nürnberger Kodex (1947), entstanden aus den Gräueltaten der NS-Ärzteprozesse, der die freie, informierte Zustimmung der Versuchsperson zur Bedingung macht, um sicherzustellen, dass Experimente ethisch, freiwillig und zum Wohl der Gesellschaft durchgeführt werden!

    „Und willst du nicht mein Bruder sein, sonst schlag ich dir dein Konto ein!“ bedeutet, dass man sich entscheiden muss: Entweder man gehört dazu und ist loyal (wie ein Bruder), oder man wird als Feind behandelt und angegriffen, heisst, existentiell vernichtet. Es ist eine Form der Erpressung oder eines Ultimatums.

    Heute wird es also skrupellos verwendet, um extreme Positionen zu rechtfertigen, um die Zwangsläufigkeit einer Entscheidung zu betonen, sei es in politischen Auseinandersetzungen oder im Alltag.

    Der Feuilletondemokrat Christoph Ransmayr sagt in seinem Artikel „Nachrichten aus der Wüste“ Im „Süddeutschen Beobachter“ (SZ) Ende Februar 2025 u.a.:

    „In den USA haben die fähigsten und krativsten Geister – Regisseure, Wissenschaftler, Schriftsteller, Maler, Schasuspieler, kurz: Frauen und Männer, denen Amerika seine hellsten und glänzendsten Seiten verdankt – gegen raffinierte und dabei strohdumme Ganoven…angeschrieben, gespielt, gefilmt, gemalt…

    …Schockstarre, höre ich, herrsche in Wien…und kaum ein Wort aus Kunst und Kultur…“ –

    Ich frage Herrn Ransmayr hier öffentlich:

    Erklären Sie sich als Stellvertreter gesellschaftskritischer österreichischer/deutscher Regisseure, Wissenschaftler, Schriftsteller, Maler, Schasuspieler, kurz: Frauen und Männer, denen Europa „seine hellsten und glänzendsten Seiten“ verdankt –

    zur Coronaepoche
    zum von westlicher Hemisphäre provozierten Ukrainekrieg
    zur jüngsten US-Aggression in Venezuela, inklusive der Entführung seines gewählten Präsidenten

    und:

    zu den ohne vorherigem Gerichtsverfahren exekutierten EU-Kommissions-Sanktionen gegen Vertreter der staatlichen > „Vierte Gewalt“:

    „Vierte Gewalt“: Bekanntlich die Bezeichnung für die Medien (Presse, Funk, Internet), die in einer Demokratie neben den drei staatlichen Gewalten (Legislative, Exekutive, Judikative) eine Kontrollfunktion ausüben, indem sie über die Regierung und staatliche Institutionen informieren, das Handeln der Mächtigen kritisch hinterfragen und so die öffentliche Meinung bilden und den Machtmissbrauch verhindern sollen.

    Diese Rolle beruht auf der Pressefreiheit und ist eine wesentliche Säule der Demokratie – vergessen?

  6. Jakob 10. Januar 2026 um 17:43 Uhr - Antworten

    „Wir verteidigen unsere Werte“

    zum Beispiel in der Ukraine bei den Nazis
    oder bei massivster Einschränkung der Meinungsfreiheit
    oder eben auf diese, mir fällt kein anderes Wort ein als bestialische Weise.

    Kann Mensch wirklich so blind, so träge, so obrigkeitshörig, so dämlich sein um nicht zu verstehen was hier passiert?

  7. Jan 10. Januar 2026 um 17:40 Uhr - Antworten

    Auf welchen Rechtssätzen basieren diese Sanktionen? Damit werden grundgesetzliche Garantien sowie EMRK außer Kraft gesetzt. Gibt es dazu nationale Gerichtsentscheidungen?

  8. gkazakou 10. Januar 2026 um 17:24 Uhr - Antworten

    das ist unerträglich!

  9. Gabriele 10. Januar 2026 um 16:13 Uhr - Antworten

    Wo sind wir eigentlich? Schon mitten in der Hölle??

    • pem 10. Januar 2026 um 17:43 Uhr - Antworten

      Gute Frage. Mittelalter 2.0? Neofeudalismus? globale Mafia? Such Dir was raus …

      • Toilettentieftaucher 10. Januar 2026 um 21:03 Uhr

        technologisch im sogenannten „21. jahrhundert“ – mental in der steinzeit.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Aktuelle Beiträge