Trumps Venezuela Politik als Beispiel für Neokolonialismus

22. Dezember 2025von 5 Minuten Lesezeit

Donald Trump verhängte eine Seeblockade gegen Venezuela und gab zu, dass er dessen Öl haben und es US-Unternehmen geben will: „Wir hatten dort viel Öl. Sie haben unsere Unternehmen rausgeworfen, und wir wollen es zurück.“ Trump setzt damit einen Präzedenzfall für alle Kolonialmächte, die mit dem gleichen Recht ihre früheren Kolonien wieder einfordern könnten.

Hochrangige US-Beamte haben deutlich gemacht, dass der Ölreichtum Venezuelas der Hauptgrund für den Krieg gegen das südamerikanische Land ist. Trump hat am 16. Dezember eine illegale Seeblockade gegen Venezuela verhängt. Die US-Regierung will Venezuela daran hindern, Öl an China zu verkaufen, um Caracas die Exporteinnahmen zu entziehen. Die Trump-Regierung blockiert außerdem illegal die Einfuhr wichtiger Güter nach Venezuela – darunter Leichtöl und Chemikalien, die für die Verarbeitung und Raffination des eigenen Schweröls benötigt werden.

Das Ziel der USA ist es, eine extreme Krise in Venezuela herbeizuführen – „die Wirtschaft zum Schreien zu bringen“ – in der Hoffnung, dass dies zu einem Regimewechsel führt.

Weiters hat die US-Bombardierungskampagne gegen mutmaßliche Drogenboote in den Gewässern Lateinamerikas nach Angaben der Trump-Regierung und des US-Militärs mehr als 100 Menschen das Leben gekostet.

Die jüngsten Angriffe wurden am 18. Dezember vom US-Südkommando angekündigt und richteten sich gegen Boote im östlichen Pazifik. Nach Angaben des SOUTHCOM wurden bei den Angriffen fünf „Narkoterroristen“ getötet, ein Begriff, den die Regierung verwendet, um die Tötung von Menschen auf See ohne Gerichtsverfahren wegen eines mutmaßlichen Verbrechens zu rechtfertigen.

US-Unternehmen sollten Venezuelas Öl kontrollieren

Am 17. Dezember fragte ein Journalist den US-Präsidenten: „Ist das Ziel der Blockade Venezuelas ein Regimewechsel?“

Trump antwortete:

„Es ist nur eine Blockade. Wir werden niemanden durchlassen, der nicht durchkommen sollte.

Sie erinnern sich, sie haben uns alle unsere Energierechte genommen. Sie haben uns unser gesamtes Öl genommen, vor nicht allzu langer Zeit. Und wir wollen es zurück.“

Ein anderer Reporter fragte Trump dann: „Was Venezuela betrifft, Sir, Sie haben erwähnt, dass Sie Land von Venezuela zurückhaben wollen. Um welches Land handelt es sich dabei?“

Der US-Präsident erklärte:

Land, Ölrechte, alles, was wir hatten. Sie haben es uns weggenommen, weil wir einen Präsidenten hatten, der vielleicht nicht aufgepasst hat. Aber das werden sie nicht tun. Wir wollen es zurück.

Sie haben uns unsere Ölrechte weggenommen. Wir hatten dort viel Öl. Wie Sie wissen, haben sie unsere Unternehmen rausgeworfen, und wir wollen es zurück.“

Trump verhängt Seeblockade gegen Venezuela

In diesen Fragen bezogen sich die Journalisten auf einen Beitrag vom 16. Dezember auf Trumps Website Truth Social, in dem der US-Präsident „eine vollständige und umfassende Blockade aller sanktionierten Öltanker, die nach Venezuela ein- und auslaufen“ ankündigte.

Diese US-Sanktionen gegen die venezolanische Ölindustrie sind einseitige Zwangsmaßnahmen, die nicht vom UN-Sicherheitsrat gebilligt wurden und daher nach internationalem Recht illegal sind.

In seinem Beitrag forderte Trump „das gesamte Öl, Land und andere Vermögenswerte, die sie [Venezuela] uns zuvor gestohlen haben”.

Er bezog sich dabei auf venezolanisches Öl, venezolanisches Land und venezolanische Vermögenswerte, die Trump als Eigentum der Vereinigten Staaten betrachtet.

Das chinesische Außenministerium erklärte am Montag, dass die Beschlagnahmung von Schiffen eines anderen Landes durch die Vereinigten Staaten einen schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht darstelle, nachdem die USA vor der Küste Venezuelas einen für China bestimmten Öltanker abgefangen hatten.

Venezuela habe das Recht, Beziehungen zu anderen Ländern aufzubauen, sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, bei einer täglichen Pressekonferenz und fügte hinzu, dass China alle „einseitigen und illegalen” Sanktionen ablehne.

Hugo Chávez‘ vollständige Verstaatlichung der venezolanischen Ölindustrie

Venezuela verfügt über die größten Ölreserven der Welt. US-Unternehmen versuchen seit 2007 verzweifelt, Zugang zum Rohöl des Landes zu erhalten, als der linke ehemalige Präsident Hugo Chávez die venezolanische Ölindustrie vollständig verstaatlichte.

Die venezolanische Regierung verabschiedete eine Richtlinie, wonach die staatliche Ölgesellschaft PDVSA die Mehrheit aller Projekte besitzen muss. Ausländische Firmen durften nur eine Minderheitsbeteiligung an Joint Ventures halten.

Große US-Unternehmen wie ConocoPhillips, Chevron und ExxonMobil lehnten diese Bedingungen ab und verließen das Land.

Die Trump-Regierung hat diese Verstaatlichung vor 18 Jahren als Angriff auf die Vereinigten Staaten dargestellt.

Trump prahlte damit, Venezuelas Öl an sich reißen zu wollen

Dies ist keineswegs das erste Mal, dass Trump Venezuelas natürliche Ressourcen ins Visier genommen hat.

Während seiner ersten Amtszeit als US-Präsident startete Trump 2019 einen weiteren Putschversuch in Venezuela. Er ernannte einen wenig bekannten rechten Oppositionspolitiker, Juan Guaidó, zum vermeintlichen „Interimspräsidenten” Venezuelas. Wir erinnern uns, dass Guaidó von der EU und vershciedenen Ländern freudig als der neue Präsident Venezuelas anerkannt wurde nur um später sang- und klanglos in der Versenkung zu verschwinden.

Obwohl dieser Putschversuch scheiterte, gab Trump später zu, dass das Ziel darin bestand, Venezuela zu „übernehmen” und sein Öl zu plündern – und damit dieses souveräne, unabhängige Land wie eine Kolonie der USA zu behandeln.

In einer Rede auf einer Kundgebung der Republikanischen Partei im Jahr 2023 erklärte Trump:

Venezuela, wie wäre es, wenn wir Öl aus Venezuela kaufen? Als ich ging, stand Venezuela kurz vor dem Zusammenbruch. Wir hätten es übernommen. Wir hätten all das Öl bekommen. Es wäre direkt nebenan gewesen.

In seiner ersten Amtszeit war Trumps erster Außenminister Rex Tillerson, der von 2006 bis 2016 als Vorstandsvorsitzender und CEO von ExxonMobil tätig war.

ExxonMobil war eines der großen US-Ölkonzerne, die Venezuela 2007 nach der vollständigen Verstaatlichung der Industrie unter Hugo Chávez verlassen hatten.

Seitdem ist ExxonMobil intensiv bemüht, wieder nach Venezuela zurückzukehren.

Bild von Franck Barske auf Pixabay


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9 Kommentare

  1. local.man 23. Dezember 2025 um 12:22 Uhr - Antworten

    Das sind doch alles Fake News buuuh.
    Es geht wie immer nur um Menschenrechte, Demokratie und Freiheit.

    Das sollte man doch gerade hier im deutschsprachigen Raum verstanden habe. Die Politiker und Medien beten dies doch bei jedem Mist runter.

  2. Sabine Schoenfelder 23. Dezember 2025 um 11:45 Uhr - Antworten

    Öl ist eine globale Industrie, die sich nicht verlangsamt. Die US-amerikanische Öl- und Erdgasindustrie boomt und investiert rund 9,8 Millionen Arbeitsplätze in den USA. Drei der zehn größten Ölunternehmen der Welt sind in den USA vertreten: Exxon, Chevron und ConocoPhillips. Dieses Trio von Ölriesen pumpt zusammen mit anderen amerikanischen Ölfirmen jährlich Milliarden Dollar in die Wirtschaft der USA und versorgt gleichzeitig den Energiebedarf amerikanischer Unternehmen und Eigenheimbesitzer. Diese Unternehmen suchen, entwickeln und vermarkten Öl und Erdgas.
    Downstream: Raffinerien und Distributoren
    Das ist die nachgelagerte Industrie und umfasst Ölraffinerien, petrochemische Anlagen, Händler für Mineralölprodukte, Einzelhandelsgeschäfte und Erdgasverteiler. Zum Beispiel erfordern die 17 Millionen Barrel Rohöl, die an einem Tag in den USA gefunden werden, Teams aus Wissenschaftlern, Ingenieuren und Sicherheitsexperten, die von Raffinerien eingesetzt werden, um ihr Potenzial freizusetzen, indem sie Rohöl in Erdgas, Ethan, Propan und Butan, Flüssiggas umwandeln. Benzin, Kerosin, Düsentreibstoff, Schmiermittel, Wachse, Agrochemikalien, Pestizide, Asphalt, Heizöl, synthetischer Kautschuk, Kunststoffe, Pharmazeutika und Hunderte von anderen Petrochemikalien.
    Mit Verlaub, Ihre Googelei ist tendenziöses Halbwissen. Ihre gewagte These würde bedeuten, daß die USA leichtes Öl für Kerosin und Diesel exportiert, weil sie keine passenden Raffinerien besitzt und stattdessen schweres Öl importiert für Bitumen und Schmieröl…..😂…

  3. Daisy 23. Dezember 2025 um 3:20 Uhr - Antworten

    Das ist das Nette an Trump. Er sagt immer ganz offen und gerade heraus, was er will…

  4. Sabine Schoenfelder 22. Dezember 2025 um 18:45 Uhr - Antworten

    Die „Heartland-Theorie“ ist eine starke, veraltete Vereinfachung geopolitischer Verhältnisse und sicherlich nicht allzu schwer zu begreifen.
    Meine Frage, WARUM ist aus dem leichten US-Öl kein Kerosin „herstellbar“ ? Dachte in Kalifornien/USA findet man auch ´schwere Öle ˋ ?😵‍💫
    Meines Wissens entsteht GERADE aus leichten Ölen Diesel und Kerosin, aber ich lerne gerne dazu.
    Länder mit leichten Ölreserven haben häufig strategische Energievorteile, dachte ich.
    Die USA ist nicht nur Selbstversorger, sondern verkauft j e d e Menge ÖL. Exportiert.
    Natürlich erkennt die USA im Gegensatz zu Europa, daß man nie genug Energiequellen zur Verfügung haben kann…
    Wir sitzen unterm Windrad, top-vegan…..😂

    • triple-delta 22. Dezember 2025 um 21:28 Uhr - Antworten

      Onkel Google hilft: Ja, die USA brauchen weiterhin schweres Rohöl, obwohl sie selbst die weltweit größten Ölproduzenten sind, weil ihre Raffinerien hauptsächlich für die Verarbeitung von
      schwerem, bitumenhaltigem Öl mit hohem Schwefelgehalt ausgelegt sind, während das meiste neu geförderte US-Öl durch Fracking leichtes, süßes Öl ist, das besser nach Europa und Asien exportiert wird. Dieses Missverhältnis führt dazu, dass die USA kanadisches und venezolanisches (wenn verfügbar) Schweröl importieren müssen, um ihre heimische Nachfrage zu decken und die spezielle Infrastruktur ihrer Raffinerien zu nutzen, wie die jüngsten US-Maßnahmen gegen venezolanische Tanker zeigen.

      • triple-delta 22. Dezember 2025 um 21:32 Uhr

        Nachtrag: Eine Raffinerie wird für eine bestimmte Ölsorte ausgelegt und kann nicht mal so eben auf eine andere Sorte umgestellt werden. Das ist auch das Problem von Schwedt. Hier ist man auf das russische Öl eingestellt und angewiesen.

      • Sabine Schoenfelder 22. Dezember 2025 um 23:22 Uhr

        Öl ist eine globale Industrie, die sich nicht verlangsamt. Die US-amerikanische Öl- und Erdgasindustrie boomt und investiert rund 9,8 Millionen Arbeitsplätze in den USA. Drei der zehn größten Ölunternehmen der Welt sind in den USA vertreten: Exxon, Chevron und ConocoPhillips. Dieses Trio von Ölriesen pumpt zusammen mit anderen amerikanischen Ölfirmen jährlich Milliarden Dollar in die Wirtschaft der USA und versorgt gleichzeitig den Energiebedarf amerikanischer Unternehmen und Eigenheimbesitzer. Diese Unternehmen suchen, entwickeln und vermarkten Öl und Erdgas.
        Downstream: Raffinerien und Distributoren
        Das ist die nachgelagerte Industrie und umfasst Ölraffinerien, petrochemische Anlagen, Händler für Mineralölprodukte, Einzelhandelsgeschäfte und Erdgasverteiler. Zum Beispiel erfordern die 17 Millionen Barrel Rohöl, die an einem Tag in den USA gefunden werden, Teams aus Wissenschaftlern, Ingenieuren und Sicherheitsexperten, die von Raffinerien eingesetzt werden, um ihr Potenzial freizusetzen, indem sie Rohöl in Erdgas, Ethan, Propan und Butan, Flüssiggas umwandeln. Benzin, Kerosin, Düsentreibstoff, Schmiermittel, Wachse, Agrochemikalien, Pestizide, Asphalt, Heizöl, synthetischer Kautschuk, Kunststoffe, Pharmazeutika und Hunderte von anderen Petrochemikalien.
        Mit Verlaub, Ihre Googelei ist tendenziöses Halbwissen. Ihre gewagte These würde bedeuten, daß die USA leichtes Öl für Kerosin und Diesel exportiert, weil sie keine passenden Raffinerien besitzt und stattdessen schweres Öl importiert für Bitumen und Schmieröl…..😂…

  5. Glass Steagall Act 22. Dezember 2025 um 18:25 Uhr - Antworten

    Zum Thema USA gegen Venezuela passt der Spruch von Noam Chomski:

    „Leute mit Macht verstehen genau eine Sache: Gewalt.“

  6. triple-delta 22. Dezember 2025 um 17:47 Uhr - Antworten

    Das Problem ist, dass Trump gern Russland stärker sanktionieren will, denn auch er hat das mit der Herzland-Theorie inzwischen begriffen. Wenn er aber auf das russische Erdöl verzichten will, braucht er dringend Ersatz, weil mit dem leichten US-Öl kein Diesel resp. Kerosin herstellbar ist. Dafür braucht er das schwere Öl aus Venezuela. Hier spielt die Geopolitik mal wieder über Bande.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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