Geht’s der Korruption jetzt an den Kragen?

29. November 2025von 4,9 Minuten Lesezeit

Was bedeutet die Durchsuchung bei und der Rücktritt des angeblich wichtigsten Manns der ukrainischen Regierung?

Der Sturz von Andrij Jermak / Ermak – Selenskyjs Strippenzieher, Vollstrecker, Türsteher und früher einmal unentbehrlicher Verbündeter – ist kein „Korruptionsskandal“. Es ist die Durchsetzung imperialer Macht. Die USA zeigen, wer das Sagen hat. Der NABU, der von den USA ausgebildete „Anti-Korruptionsagentur“ der ukrainischen Politik, stürmte das Präsidialamt nicht zufällig erst jetzt, obwohl die Beweise für Korruption schon länger kursierten. Die USA wollten Selenskyj daran erinnern, dass er weder den Krieg noch den Friedensprozess bestimmen kann und dass die Kontrolle über die Bankowa-Straße in Washington liegt, nicht in Kiew und schon gar nicht bei europäischen Kriegstreibern. Korruption wurde nicht verhindert, sondern zugelassen, toleriert, weil man wusste, sie bei Bedarf als Waffe einsetzen zu können.

Die eigentliche Geschichte ist also nicht Jermaks Rücktritt. Die eigentliche Geschichte ist, welche Werkzeuge in der Geopolitik eingesetzt werden sowie der Streit des Westens, wie ein Krieg beendet werden soll, den Russland bereits gewonnen hat. Denn die USA haben gleichzeitig den Möchtegern-Ehemals-Imperien in Berlin, Paris und London mitgeteilt, wer das Wissen über Dinge hat, die unangenehm werden können.

Wer war Anrdij Jermak?

Der Sturz von Andrij Jermak, Selenskyjs loyalstem Verbündeten und der grauen Eminenz der Ukraine, ist kein Skandal. Es ist ein Schlag auf den Tisch durch Trump. Und zwar sehr offensichtlich, genau einen Tag nach dem Aufbegehren von Jermak. Die von den USA finanzierte und ausgebildete Antikorruptionsbehörde NABU durchsuchte nicht zufällig das Haus und das Büro des mächtigsten nicht gewählten Beamten der Ukraine. In jedem anderen Land wäre sein Rücktritt nach einer Korruptionsrazzia ein politischer Skandal. In der Ukraine ist es eine geopolitische Katastrophe.

Jermak war nicht nur Stabschef, sondern der heimliche Architekt des Regimes, der Mann, über den jede Ernennung, jede oligarchische Verhandlung, jede westliche Anfrage und jede Entscheidung in Kriegszeiten laufen musste. Und die Schnelligkeit seines Rücktritts macht deutlich, dass es hier weniger um Korruption ging, sondern vielmehr um Druck – inszeniert, getimt und ausgeführt von dem einzigen Akteur, der einen solchen Hebel betätigen kann: Washington.

Die neue US-Realitätswahrnehmung?

Monatelang waren die USA gespalten zwischen den Neokonservativen, die an der Illusion einer Wendung des Krieges festhielten, und dem aufstrebenden Block der Realisten (J.D. Vance u. a.), die endlich akzeptiert hatten, was die Frontlinien seit über einem Jahr zeigten: Russland hat bereits gewonnen. Die ukrainische Armee ist zerschlagen, die Munitionsreserven der NATO sind erschöpft, und die Wähler haben genug von einem Krieg, der weder einen Sieg noch eine Strategie bietet. Die Realisten wollen nun einen kontrollierten, gesichtswahrenden diplomatischen Ausstieg, der die Gebietsverluste stillschweigend besiegelt, während Washington behauptet, den Frieden gesichert zu haben. Außerdem will man sich auf Venezuela und den Iran konzentrieren können, die als wesentlich schwächere Opfer wahrgenommen werden. Und indem man Russland scheinbar freundlich bei der Beendigung des Krieges hilft, will man sich möglicherweise die Toleranz der Bombardierung von Venezuela und dem Iran erkaufen.

Selenskyj hat sich diesem Kurswechsel mit allen Mitteln widersetzt, da Frieden seine Macht beenden würde. Und Jermak war die unerschütterliche Stütze dieses Widerstands, der Selenskyj vor jeglichem Verhandlungsdruck schützte und als Filter unerwünschte Botschaften vom Präsidenten fernhielt. Nun ist Selesnkyj von seiner wichtigsten Quelle der Unterstützung abgetrennt worden.

Die EU gerät in Panikmodus

Und schon gerät die EU in Panik. Europäische Staats- und Regierungschefs fürchten den Frieden mehr als den Krieg, denn Frieden zwingt zur Rechenschaftspflicht. Warum haben sie ihre eigene Industrie zerstört, ihre Energiesicherheit aufs Spiel gesetzt, ihre Wirtschaft in die Rezession gestürzt und Hunderte von Milliarden in Korruption investiert – für einen Krieg, den Washington nun selbst aufgeben will? Brüssel unterstützte Selenskyj bedingungslos, nicht aus Überzeugung, sondern aus purem Selbsterhaltungstrieb. Und weil man den Krieg benötigte, um von den eigenen Fehlern der Wirtschaftspolitik abzulenken.

Wenn der Krieg endet, müssen sie sich für das Leid verantworten, das sie ihrer eigenen Bevölkerung zugefügt haben. Europa braucht einen andauernden Konflikt, um die politische Abrechnung hinauszuzögern. Trump hingegen will einen Ausweg, der das Gesicht wahrt und Punkte für den Friedensnobelpreis. Das ist der wahre Konflikt zwischen EU und USA: Brüssel will die Verewigung der Krise, Washington will ein gesichtswahrendes Ende, Kiew will kämpfen bis zum letzten Ukrainer und bis zum letzten Steuer-Euro.

Moskau erkennt natürlich die Situation. Putins Botschaft war kühl und unmissverständlich: Entweder finden Verhandlungen auf der Grundlage der Realität auf dem Schlachtfeld statt und gehen den Ursachen des Konflikts auf den Grund, oder Russland wird die NATO-Verbündeten so lange zermürben, bis nichts mehr übrig ist, worüber verhandelt werden kann. Für Russland führen beide Wege zum Sieg. Russland hat keinen Grund zur Eile; es ist der Westen, dem Zeit, Waffen, Einigkeit und Glaubwürdigkeit ausgehen. Und auch die beiden von der Ukraine versenkten zivilen Öltanker im Schwarzen Meer vergrößern höchsten die Anzahl an Raketen und Drohnen auf die Infrastruktur der Ukraine, verursachen aber sicher kein „Einlenken“ Russlands.

Wenn die europäische Öffentlichkeit endlich erkennt, dass ihre „Elite“ Wohlstand, Stabilität, Industrie und geopolitische Autonomie für einen Krieg geopfert haben, der genau dort endete, wo Moskau es vorhergesagt hatte, wird die politische Abrechnung gewaltig sein. Jermaks Sturz ist nicht das Ende einer Ära, sondern möglicherweise auch der Beginn des Zusammenbruchs der EU.

Der Autor postet zu tagesaktuellen Themen unter https://x.com/jochen_mitschka
Bild KI


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.

Bringt der Kiewer Korruptionsskandal ein Ende des Krieges?

Ukrainische Justiz- und Energieminister: Rücktritt wegen Korruptionsskandal

Ukrainischer Korruptionsskandal und seine Folgen



6 Kommentare

  1. triple-delta 30. November 2025 um 17:49 Uhr - Antworten

    Mit der Hilfe für Kiew ist es doch wie mit der Entwicklungshilfe. Das Geld geht nur offiziell in die armen Länder. In Wirklichkeit landet es bei den Konzernen. Das Geld für die Ukraine landet zum Großteil bei westeuropäischen Politikern. Die reisen nur deshalb regelmäßig nach Kiew, um ihren Anteil abzuholen.

  2. Daisy 30. November 2025 um 3:44 Uhr - Antworten

    Wiktor Medwedtschuk, Vorsitzender der Bewegung „Andere Ukraine“, hat sich in einem Interview zu den kürzlich in der Ukraine aufgedeckten Machenschaften im Zusammenhang mit Energieunternehmen geäußert.
    „Das ist kein Skandal, der dank Aktivitäten der ukrainischen Strafverfolgungsbehörden ans Licht gekommen ist. Das ist etwas, was die US-Amerikaner angeordnet haben.“
    Die Amerikaner haben lt. Medwedtschuk S. und sein Umfeld schon seit 1 ½ Jahren am Kieker. Der geht ihnen offenbar schon länger am Arsch. Und so fragt man sich, warum sie ihn nicht schon früher abgesetzt haben. Zumal Trump schon lange weiß, dass mit ihm kein Vertrag zustande kommen kann, weil er nicht rechtmäßig ist. Das hat Putin schon beim ersten Anlauf Trumps gesagt. Schon damals sah es so aus, als würde S. abgesägt, aber es kam anders. Trump wurde offenbar zurückgepfiffen.

    Schneelenski ist der Mann, der zuviel weiß…
    Aber dennoch neigt sich seine Zeit nun dem Ende zu. Er wird untertauchen müssen. Denkbar ist natürlich auch, dass er in Brüssel noch was werden kann, zB EU-Kriegsminister. Dort gehen ja bekanntlich alle ausrangierten Politnullen hin…s. dazu ein sehr treffendes Lied von Mey, der nicht nur mit „bevor ich mit den Wölfen heule“ mitten ins Schwarze getroffen hat.
    YT:
    Reinhard Mey – Was kann schöner sein auf Erden als Politiker zu werden – Live 1974
    Sein Ende ist deshalb besiegelt, weil nun auch die Ami-Falken kapiert haben, dass Russland via Ukr. nicht zu holen ist. Man will keinen 3. WK – die Ausrangierten aber offenbar schon und wieder ein paar Übereifrige aus Bedrock.

    Trump kriegt den Friedensnobelpreis sowieso nicht, weil das Komitee zu woke-versifft ist.

    • Varus 30. November 2025 um 11:17 Uhr - Antworten

      Schneelenski ist der Mann, der zuviel weiß…

      Böses Medium zitierte kürzlich einen, auch Jermak wisse, wer was im Westen mitkassierte. Wenn das alles öffentlich wird – ob Trump ein Erdbeben im Woken Westeuropa sorgen muss? Vorausgesetzt, die Michels wollen überhaupt irgend etwas davon mitkriegen, wonach es schon länger nicht aussieht.

  3. Uli H. 29. November 2025 um 21:20 Uhr - Antworten

    Ich habs! Das ist ein Marionettentheater. Politische Eliten der freien kapitalistischen Welt, vor allem in Israel!, USA, EU, sind die Marionetten, sie sieht man. Unsichtbar sind die Spieler, es sind keine Politiker, es ist eine gnadenlose, menschenverachtende, unvorstellbar reiche Clique. Die Fäden sind die Geheimdienste und sehr viel Spielgeld. Seit Jahrzehnten rauben sie so rund um den Planeten ganze Volkswirtschaften aus, jetzt ist gerade Deutschland dran. Und wir schauen immer nur gebannt auf wen? Natürlich aufs Kasperle und das Krokodil!
    Darum sollten wir nicht dauernd über die Marionetten wie Trump, vdL, Elenski, Merz (Scherz!) … reden, denn sie können nicht anders, sondern mehr über die unbekannten Spieler, die Strippenzieher. Okay, Quellen und Autoren über sie gibts seit 100 Jahren, wenn man das will, aber wir sind so gebannt vom Kasperletheater – und zahlen dafür einen irre hohen (Eintritts-)Preis.

  4. Dr. Rolf Lindner 29. November 2025 um 21:13 Uhr - Antworten

    Gegen den Wahn

    Wenn auch Zweifel an dir nagen,
    weil ringsherum die Menschen träumen,
    dann sollte man es trotzdem wagen,
    Denken und Streiten nicht versäumen.

    Denn eines Tages wird es enden,
    was sich jetzt häuft im Land als Wahn,
    das Pendel der Geschichte wenden,
    Vernunft sich wieder brechen Bahn.

    Will man zu denen nicht gehören,
    die sich dann sagen lassen müssen,
    von Irren ließt ihr euch betören,
    habt euch geduckt, trotz bess’rem Wissen?

    Manch einer ist nicht so geduldig,
    weil nicht zu enden scheint der Wahn.
    Zu sagen ist man dann sich schuldig:
    Ich hab‘ dabei nicht mitgetan.

    Die heut‘ sind von der Macht besessen,
    sehen ihr Unrecht niemals ein.
    Nie sollten wir deshalb vergessen,
    das Pendel schwingt nicht von allein.

    Die beste aller Möglichkeiten,
    dass man zu jenen sich gesellt,
    die, um gegen den Wahn zu streiten,
    mutig sich haben aufgestellt.

  5. Jan 29. November 2025 um 19:45 Uhr - Antworten

    Was wir mit Trump sehen, ist nichts weniger als das Ende von Fukijamas „Ende der Geschichte“. Trump, der selbst Wahlen zu schlagen hat und immer Friedensdividende statt Krieg in Aussicht gestellt hat, zeigt notgedrungen eine „neue US-Realitätswahrnehmung“ – auch in Bezug auf Ernährung und Spritzen: Das Zeitalter der Expertenregierungen ist vorbei!

    Die Herrschaft der ungewählten von der Leyen, deren „Experten“ meinen, sogar Zwangsspritzen und Krieg diktieren zu können und deren Vasallen in den Parlamenten jede Opposition für illegitim und staatsgefährdend halten, scheitert an sichtbarer Erfolglosigkeit. Planwirtschaft ist ineffizient. Das Pendel wird auch in Europa zugunsten von Subsidiarität und Selbstverantwortung herumschwingen müssen. Schon allein, da die autoritäre Überregulierung nicht mehr zahlbar ist.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Aktuelle Beiträge