Wohnungsnot: Demonstrationen in Spanien

7. April 2025von 7,9 Minuten Lesezeit

Am 05.04.25 gab es Massenproteste in Spanien gegen hohe Mieten. Hohe Mieten und Wohnungsknappheit kennt man auch aus Deutschland.

Auch in Spanien wurde der soziale Wohnungsbau praktisch abgeschafft. Dagegen hat die Kurzzeitvermietung an Touristen in Deutschland keine so große Bedeutung, aber es gibt sie auch und die Vermieter verdienen damit mehr als mit der klassischen Vermietung.

In Euronews wurden die Hauptforderungen der Demonstranten vom 05.04.25 zitiert:

  • Sofortige Reduzierung der Mieten, gefordert wird eine Reduzierung von bis zu 50 %
  • Wiederherstellung „aller leerstehenden Wohnungen“
  • Illegalisierung von Räumungsunternehmen
  • Verbot der Zwangsräumung schutzbedürftiger Familien
  • Stopp der unkontrollierten Ausbreitung von Ferienwohnungen

Der Tag der Demonstrationen war kein Zufall. Am 03.04.25 trat ein Gesetz in Kraft, das die Rechte der Eigentümer gegenüber illegalen Hausbesetzern nur etwas gestärkt hat. So musste bisher eine Hausbesetzung innerhalb von 24 Stunden bei der Polizei als Einbruch oder Hausfriedensbruch angezeigt werden.

Danach galten die illegalen Eindringlinge als geduldet, und die Eigentümer mussten eine Räumungsklage gegen sie anstrengen. Das konnte Jahre dauern, Diese Frist wurde auf 72 Stunden verlängert. Bei einer zweiwöchigen Urlaubsreise müssen also die Nachbarn noch immer schriftlich bevollmächtigt werden, eine Hausbesetzung im Namen der Wohnungseigentümer anzuzeigen.

Wer ihnen als Eigentümer Strom und Wasser gesperrt hat, wurde wegen Nötigung strafrechtlich verfolgt. Nun haben 60 Richter öffentlich erklärt, dass sie einem Urteil des Provinzgerichts Barcelona folgen und die Sperren als Notwehr anerkennen wollen. Weiter werden nach der Gesetzesänderung Schnellgerichte geschaffen, damit innerhalb von 15 Tagen ein Räumungsurteil ergehen kann. Drei der fünf Forderungen richten sich ganz offen gegen das Gesetz.

Aktuell versucht die Erben-Generation, die selbst Wohneigentum hat, die Wohnungen ihrer verstorbenen Eltern loszuwerden. Vermieten ist wohl auch in Zukunft keine Option, denn der Mieterschutz wurde durch das Gesetz nicht angetastet. Ein zahlungsunfähiger legaler Mieter muss auch weiterhin praktisch keine Zwangsräumung fürchten. Also werden die Wohnungen zum Kauf angeboten.

Im April 2023 gab es in Roquetas de Mar mit ca. 100.000 Einwohnern über 2.000 Verkaufsangebote; zwei Jahre später sind es nur noch ca. 700. Viele dieser Wohnungen wurden nicht verkauft, sondern die Anzeigen in der Datenbank lediglich nicht verlängert. Die Wohnungen stehen dann seit 2 Jahren leer. Auf dieser Grundlage kann man von geschätzten 1.000 leerstehenden Wohnungen in einer 100.000-Einwohner-Stadt ausgehen; eigentlich kein Wohnungsmangel. Hiergegen richtet sich die Forderung nach „Wiederherstellung aller leerstehenden Wohnungen“; sie sollen wohl nach dem Willen der Demonstranten einer staatlichen Zwangsverwaltung unterstellt werden.

Erfuhren bisher Hausbesetzer von dem Leerstand, wurden die rechtmäßigen Eigentümer faktisch enteignet. Besetzte Wohnungen wurden für ca. 25 % des Preises renovierungsbedürftiger Wohnungen angeboten. Eigentlich wäre das ein Geschäftsmodell für die Russen-Mafia: Billig aufkaufen und unbürokratisch räumen! Die Forderung der Demonstranten nach der Illegalisierung von Räumungsunternehmen soll den betroffenen Eigentümern auch diesen Weg der Schadensbegrenzung verstellen.

Auch in Westberlin gab es um das Jahr 1980 eine Hausbesetzerszene. Damals gab es eine Preisbindung für die Mieten von Altbauwohnungen. Die Hauseigentümer, die mit diesen lächerlich geringen Beträgen nicht in der Lage waren, notwendige Instandhaltungen zu bezahlen, verkauften ihre Häuser billig an Finanzinvestoren, die abreißen und neu bauen wollten, um Neubaumieten verlangen zu können. Für eine Abrissgenehmigung mussten die Häuser aber baufällig sein, und da wurde von den neuen Eigentümern etwas nachgeholfen. Hiergegen richteten sich die „Instand(be)setzer“.

Die Opfer der spanischen Hausbesetzer sind aber Normalbürger. Gegen sie richtet sich ein gewöhnlicher Neid. Noch unter der Franco-Diktatur wurde Programme für den sozialen Wohnungsbau aufgelegt. Die Wohnungen wurden dann oft mit zinslosen Krediten an junge Familien verkauft. Die Inflation der 70er und 80er Jahre verschaffte denen dann außerplanmäßige Gewinne.

Wer 1970 eine Wohnung für 950.000 Peseten (ca. 50.000 DM) über 20 Jahre abbezahlte, musste im Ergebnis nur 327.000 Peseten mit der Kaufkraft von 1970 bezahlen. Bis 1990 hatte die Währung 90 % an Wert verloren. Die Wechselkurse sanken nur von 5,27 DM je 100 pts in 1970 auf 1,54 DM in 1990; die Nachfrage der Touristen hatte den Wechselkurs trotz der Inflation gestützt. Die Hausbesetzer argumentieren, dass den damaligen Käufern die Wohnungen fast geschenkt wurden, und dass die Erben sie jetzt der Gesellschaft auch ohne Profit zur Verfügung stellen sollten. Das sehen die aktuellen Eigentümer natürlich anders.

Mietnomaden

Am 01.04.25 schrieb Boris Reitschuster scheinbar zu einem anderen Thema auf* „In Deutschland ist alles geregelt. Wirklich alles. Vom Mietrecht bis zur Mülltrennung, von der maximalen Lautstärke beim Staubsaugen bis zu Vorschriften, wie lang Gardinen sein dürfen. Wer eine Wohnung mieten will, muss erst einmal ein ganzes Dossier zusammenstellen: Gehaltsnachweise, SCHUFA-Auskunft, Steuerbescheide, Mietschuldenfreiheitsbescheinigung – eine bürokratische Ganzkörperuntersuchung, bei der sich der Mieter quasi bis auf die Unterhosen ausziehen muss. Und das in einem Land, das sonst Datenschutz als heilige Kuh behandelt. Dabei ist das Misstrauen der eigentliche Grund für diesen Kontrollwahn. Der deutsche Staat traut seinen Bürgern nicht, Vermieter misstrauen ihren Mietern, und in der Nachbarschaft wird jeder argwöhnisch beäugt.“

Das Misstrauen der Vermieter hat aber Gründe. Der Verfasser hat vor 23 Jahren als privater Vermieter einer Eigentumswohnung viel Geld wegen eines Mietnomaden verloren. Der wurde zwar wegen seiner Hartnäckigkeit zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, er hat aber immer noch offene Forderungen von ca. 35.000 €, und auch ein rechtskräftiges Urteil verjährt nach 30 Jahren.

Der Kontrollwahn ist in Wirklichkeit Vorsicht, und die ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste. Natürlich ist es bedauerlich, dass die Masse der ehrlichen Mieter das Ganze ausbaden muss. Wenn dann aber das Rechtssystem den Eigentümer benachteiligt, wird er seine Wohnung nicht mehr vermieten. Das ist aktuell in Spanien der Fall und das Misstrauen führt nicht nur zu übermäßiger Vorsicht, sondern verhindert sogar die Vermietung. Die verbesserten Möglichkeiten zum Vorgehen gegen Hausbesetzer werden deshalb noch nicht dafür sorgen, dass die Eigentümer ihre leerstehenden Wohnungen vermieten. Hier könnte vielleicht eine Regelung helfen, bei der eine staatliche Stelle Mietschulden bis zu einem Höchstbetrag pro m² aufkauft und die Vermieter damit absichert. Der Bau zusätzlicher Sozialwohnungen dürfte sehr viel teurer werden.

Touristen

Natürlich durfte bei den Demonstranten aus dem grünen Umfeld auch nicht der Sündenbock des unkontrollierten Massentourismus und die Forderung nach einem „nachhaltiges“ Tourismusmodell fehlen. Der Wirtschaftswissenschaftler muss hierzu anmerken, dass keine Urlauber nach Spanien kommen, um in den Bergen zu wandern und dort Vögel zu beobachten. Somme, Meer und Party gibt es auch in Bulgarien.

Spanien lebt vom Massentourismus, wie Deutschland von der Automobilindustrie, und grüne Ideologen wollen beides zerstören. Auf den Beitrag des Verfassers vom 13.02.25 in TKP wird verwiesen. Die meisten Massentouristen wohnen in Hotels und Apartments, die nicht den Bedürfnissen der Einheimischen entsprechen.

Die Kurzzeitvermietung beim eher nachhaltigen Städtetourismus hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Ein Verbot dieser Angebote würde den Markt aber nicht wirklich entlasten. Einerseits ist der Umfang dieses Marktsegments noch immer viel zu klein, um den Wohnungsmarkt spürbar zu entlasten. Andererseits werden überwiegend leerstehende Wohnungen kurzzeitig vermietet.

Natürlich ist es ein Motiv, dass die Touristen das Vierfache zahlen, aber sie zahlen vor Allem im Voraus, und sie räumen die Wohnung auch wieder pünktlich. Beides ist bei der Langzeitvermietung an Einheimische nicht gewährleistet. Die Kampagne gegen den Massentourismus ist erkennbar von regierungsnahen Kreisen initiiert worden; damit wird von den eigentlichen Ursachen der Wohnungsnot abgelenkt. Im Grunde handelt es sich um die Forderung: Ausländer raus!

Die Demonstranten sprechen von einem Grundrecht auf Wohnen. Grundrechte sind aber Abwehrrechte der Bürger gegen den Staat. Das Grundrecht auf Schutz der Wohnung verbietet dem Staat, den Bürger in seinem privaten Raum zu belästigen. Es verschafft aber keinen Anspruch der Bürger, dass der Staat oder gar ein anderer Bürger ihnen eine Wohnung verschaffen muss. Das ergibt sich höchstens aus dem Sozialstaatsgebot. Das Eigentumsrecht erlaubt den Bürgern aber, über die Verwendung ihrer Immobilien selbst zu entscheiden. Die Forderungen der Demonstranten ließen sich nur dann realisieren, wenn alle Wohnimmobilien enteignet und staatlich verwaltet würden. Diesen radikalen Systemwechsel wird das Land nicht organisieren können.

Es bleibt der Politik nichts anderes übrig, als die drei Themen Hausbesetzer, Mietnomaden und Städtetouristen im Zusammenhang zu regeln. Wenn der Tourismusmarkt Apartments statt Hotelzimmer nachfragt, wird es dafür auch ein Angebot geben, ggf. bildet sich ein Schwarzmarkt. In Deutschland gibt es nur im Rahmen der Bebauungspläne eine Möglichkeit zur Beschränkung. Ein völliges Verbot wäre auch verfassungswidrig. Spanien könnte ein Lizenz-Modell einführen und damit die Anzahl der Touristenapartments in Ballungszentren begrenzen.

Hausbesetzer sind Straftäter, und müssen auch so behandelt werden. Die Wohnungspolitik des Franco-Regimes mag ein Fehler gewesen sein, er kann aber nicht mehr korrigiert werden. Vermieter sind nicht das Sozialamt. Zwangsräumungen von Familien und alten Menschen sind schon jetzt praktisch unmöglich; die Forderung der Demonstranten ist also reine Selbstbefriedigung. Sie hat die Konsequenz, dass schutzbedürftige Personen keine Wohnung mieten können, denn kein Vermieter wird dieses Risiko eingehen. Will man diesen Menschen eine Wohnung verschaffen, müsste das Risiko an den Vermietern auf eine andere Stelle übergeben.

P4K1T0, CC0, via Wikimedia CommonsBild:

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Prof. Dr. Werner Müller, ehem. Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Mainz, seit 2023 pensioniert und wohnhaft in Spanien.


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15 Kommentare

  1. Varus 8. April 2025 um 4:11 Uhr - Antworten

    Vermieter sind nicht das Sozialamt. Zwangsräumungen von Familien und alten Menschen sind schon jetzt praktisch unmöglich

    Und dann soll der Vermieter doch noch das Sozialamt spielen oder praktisch enteignet werden und die Wohnung fast umsonst abgeben? Dann wundert man sich, dass keiner in Wohnungsbau investiert und Wohnungen fehlen?

    Das Problem mit der höchst korrupten Politik ist, dass diese nur für eigenes Kassieren Geld in die Hand nimmt. Bei Problemen wie mit den Mietnomaden werden die auf sonst wen geschoben – hier auf Vermieter, die oft gesamte Lebensersparnisse in 1-2 Mietwohnungen investieren, um karge Rente aufzubessern. Das interessiert die korrupte Politik gar nicht – wenn es nur mehr Linke als Vermieter gibt, werden Vermieter rücksichtslos ausgeraubt, was den korrupten Politikern beim Prekariat Jubel sichern soll.

  2. Karsten Mitka 7. April 2025 um 19:42 Uhr - Antworten

    Das Problem mit den Mietnomaden beruht ja nur darauf, zumindest in Deutschland, daß es ewig dauert, teilweise Jahre, ein Räumungsbeschluß erwirkt wird und der Vermieter auch noch auf den Kosten für diese ganze Prozedur sitzen bleibt, zudem darf der Vermieter auch im Falle eines massiven Mietzahlungsverzuges nichtmal seine eigene Wohnung betreten um ggf. Schlösser austauschen etc.., damit macht er sich strafbar. Ein weiterer Fall von Täterschutz (Mietnomade) im besten Deutschland aller Zeiten.

  3. Sabine Schoenfelder 7. April 2025 um 18:17 Uhr - Antworten

    Denke außerhalb Spaniens kann sich keiner w i r k l i c h dieses Problem vorstellen. Sie nennen sich „okupas“ und lauern wirklich überall, weil sie immer straffrei ausgehen und sich kriminell einfach Zugang zu Wohnungen und Häusern verschaffen. Vor Ihren Augen tragen sie die Möbel des Nachbarn aus dem Haus zum Verkauf an Ihnen vorbei, und die herbei gerufene Polizei unternimmt NICHTS ! Es ist ein politisches Problem. Für CO2-Gedöns, Gendern, Waffen ist GELD DA, aber nicht für den Wohnungsbau ! Man arbeitet mit Neid und verweist auf diejenigen, die Geld ins Land bringen….auf Touristen.
    Die Einheimischen sind freundlich und erkennen ihre Verdienstmöglichkeiten. Der spanische Staat ist nicht beliebt, Sanchez korrupt und über DANA und Valencia muß man erst reden und wie bei uns, sind diese Demos von NGOs finanziert…..🤮

  4. Glass Steagall Act 7. April 2025 um 10:19 Uhr - Antworten

    Wenn man sich zum Beispiel die Probleme auf Mallorca ansieht, wo sich reiche Bürger aus Europa und den USA superteure Villen und Apartments zulegen, deren Preise kein Limit kennen, zieht das preislich den gesamten Wohnungsmarkt dort nach oben! Auch weniger Betuchte wollen alle gern eine Zweitwohnung auf Mallorca, um mal schnell von zuhause am Wochenende Kurzferien zu machen. Es gab wohl auch schon Proteste der Einheimischen, die sich wegen der gestiegenen Preisen keine Wohnung mehr leisten können! Ein ähnliches Problem gibt es in Deutschland auch auf Sylt. Überall, wo die wohlhabende Masse hin will, gibt es die gleichen Probleme. Gleiches können wir schon seit Jahren in großen Städten beobachten. Firmen und große Konzerne mieten für ihre Mitarbeiter Wohnungen an, egal zu welchem Preis und dadurch steigen die Mieten überall mit! Gleiches gilt für Investoren aus anderen Ländern, die in Europa ihr Geld in Immobilien anlegen wollen.

    Außerdem hat sich Europa auch mit den vielen illegalen Migranten ein Bein gestellt. Die Entwicklung ist dabei völlig krank, wenn inzwischen in Deutschland schon Luxushotels angemietet werden, um Wohlstands-Flüchtlinge in Wohnunterkünfte unterzubringen! Soweit ich mich erinnere, wurden 2015 noch Wohncontainer zur Verfügung gestellt. Aus welchem Grund auch immer, ist der Staat dazu übergegangen, Luxus den Illegalen anzubieten, die natürlich die Bilder nach Hause schicken. Genau das animiert noch mehr dazu, dass alle in das gelobte Land kommen wollen!

    Auf der anderen Seite gibt jetzt Europa das Geld der Steuerzahler lieber für unsinnige Rüstung aus, als für Wohnraum! Somit wird sich das Problem weiter verschärfen! Mehr Kapitalflucht in „Betongold“, mehr Flüchtlinge und gleichzeitig zu hohe Zinsen, die das Bauen weniger attraktiv machen. Alles führt genau zu den beschriebenen Problemen!
    Während die korrupte Politik lieber „Fake-News“ überwachen lässt, interessiert sie sich nicht die Bohne für die Not oder die Interessen der Bürger! Wie gesagt, das neue Motto heißt „Bomben statt Wohnungen“!

  5. Andreas I. 7. April 2025 um 10:15 Uhr - Antworten

    Hallo,
    wenn man gerne versucht, so radikal wie möglich zu denken, dann landet man letztendlich bei den ökonomischen Grundlagen und der Ideologie, Kapitalismus und Liberalismus. Ob einem das gefällt oder nicht, das ist die Situation.
    Und was die Grundlagen angeht, gibt es Ökonomen, die argumentieren, dass sich Grund & Boden nicht produzieren bzw. vermehren lässt (wie alle anderen Waren vom Schnürsenkel bis zur Yacht) und deshalb keine Ware und kein Eigentum sein dürfte.
    Da gäbe es m.E. zwei Fragen zu lösen.
    Erstens brauchen Menschen einen Platz, wo sie in Frieden leben können.
    Also bräuchte es eine Art Nutzungsrechte für Grund & Boden.
    Zweitens, wenn auf den Grund & Boden Häuser drauf gebaut werden, dann bestehen die durchaus aus Waren (Ziegel, Beton, Stromleitungen, Wasserrohre…) und außerdem wird beim Bau Arbeitskraft investiert.
    Üblicherweise gehört das dann demjenigen oder denjenigen, der / die das investiert haben (auf deutsch gekauft haben :). Ob das eine einzelne Person ist oder eine Eigentümergemeinschaft oder ein Aktienunternehmen oder der Staat oder die Oma … juristisch ist es Eigentum.
    Wenn nun aber Grund & Boden kein Eigentum ist, aber die Häuser darauf Eigentum sind, wie sollte das zusammen gehen? Zumal das, egal wie es geregelt würde, Rechtssicherheit voraussetzen würde und die wiederum würde Rechtsstaatlichkeit voraussetzen und nicht dass Politiker nach Belieben mal hü und mal hott und Grundrechte aushebeln können …
    Aber naja, wie gesagt, wenn man gerne versucht, so radikal wie möglich zu denken, landet man eben bei den Grundlagen.

    • Varus 7. April 2025 um 11:09 Uhr - Antworten

      dass sich Grund & Boden nicht produzieren bzw. vermehren lässt (wie alle anderen Waren vom Schnürsenkel bis zur Yacht) und deshalb keine Ware und kein Eigentum sein dürfte.

      Teurer Boden in Metropolen animiert zur intensiven Nutzung – etwa London wächst massiv in die Höhe. Das wäre auch in Barcelona oder Madrid möglich – statt Wohnungsmangel beklagen. Etwa Madrid hat eine Reihe von vier Hochhäusern über 200 Metern (Quatro Torres), doch um diese wird noch viel Platz verschwendet.

      Im Ostblock wurden zentrale Stadtteile viel zu dünn bebaut – weil eben der Boden keinen Preis hatte.

      • Andreas I. 8. April 2025 um 10:21 Uhr

        Hallo,
        intensive Nutzung beinhaltet auch Nutzung des Raums für Baüme, Parks und Straßencafes mit etwas Luft rundrum und alles mögliche, was für Menschen artgerechtes Leben ist.
        Wenn diese Räume fehlen, wird ,,intensive Nutzung“ zum Synonym für Käfighaltung.

        Und ob das Grundgesetz noch irgendeine Restbedeutung hat … aber da steht:
        ,,Eigentum verpflichtet, es zum Wohle der Allgemeinheit einzusetzen.“
        Man könnte also sogar direkt vom Grundgesetz herleiten, dass in Städten private Gewinninteressen zurückzustehen haben und das Wohl der Allgemeinheit im Vordergrund steht.

  6. Patient Null 7. April 2025 um 9:52 Uhr - Antworten

    Mieterschutz führt dazu das die Wohnungen nicht vermietet werden. Hanebüchen und die Demonstranten fordern noch mehr Gesetze. Da ist allerdings Deutschland auch auf dem besten Weg.

    Die einzige Lösung mehr Wohnungen bauen, ist doch eigentlich Grundschule. Man holt Millionen Flüchtlinge ins Land und statt mehr Wohnungen baut man weniger. Der Kollaps ist absehbar. Die CDU geht diesen Weg auch noch weiter. Das Geld soll halt lieber in Rüstung gepumpt werden.

    Die Frage, wäre das anders wenn Politiker, statt in Aufsichtsräten von Rüstungskonzernen oder deren Anteilseignern, in den von Wohnungbaugenossenschaften sitzen? Die Posten werfen leider keine Millionen ab.

    Wir brauchen wirklich Gesetze wenn Politiker vorsätzlich zum Schaden der deutschen Bevölkerung agieren.

    • Andreas I. 7. April 2025 um 10:50 Uhr - Antworten

      Hallo,
      wenn 1 % der Wohnungen leer steht (wie im Artikel beschrieben), müssten nicht zwangsläufig neue Wohnungen gebaut werden.
      Das Problem für Mieter dürfte hauptsächlich die Höhe der Mieten (bei niedrigen Einkommen) sein.
      Die Zwickmühle für Eigentümer dürfte sein, dass sie, falls sie an Mietnomaden geraten, keine Mieteinnahmen haben – und wenn sie aus Vorsicht vor Mietnomaden nicht vermieten, garantiert keine Mieteinnahmen haben (und hoffen müssen, die Bude bald vermietet zu kriegen, wenn aber die Einkommenssituation potentieller Mieter…).
      Da nutzen Gesetze m.E. wenig (und unausgegorene sowieso nicht), das alles dürfte ein Symptom einer volkswirtschaftlichen Situation sein.

      Und es gibt Mietnomaden und Miethaie, Betrüger auf beiden Seiten, aber wie im Artikel angedeutet ist es für die anständigen Mieter wie für die anständigen Vermieter ungünstig, wenn sie davon Nachteile haben, das ist keine Lösung.

  7. Varus 7. April 2025 um 9:19 Uhr - Antworten

    Sofortige Reduzierung der Mieten, gefordert wird eine Reduzierung von bis zu 50 %

    Schon wieder die sozialistische Mottenkiste – wenn Wohnungen fehlen, muss man zusätzliche bauen, was schwer geht, wenn man Geld im System halbiert. Dazu noch der geforderte Mietnomaden-Schutz, damit das Investieren in Wohnungen zum Horror wird.

    Wenn den Spaniern auch Tourismus nicht genehm ist, wovon wollen die noch mal leben? Gedanken abschalten und Schulden machen? Und wenn niemand mehr was leihen will?

    • charmaine 8. April 2025 um 19:10 Uhr - Antworten

      Als gebürtige Deutsche, die seit 50 Jahren in Mallorca lebt (und arbeitet) see ich das genauso. Leider, leider ist der politische Zirkus seit Jahren stetig skurriler geworden und die Bevölkerung, aller Generationen sehen einfach keinen Ausweg. Wahrscheinlich muss es erst noch schlechter gehen, bis sie zur Besinnung kommen.

  8. Jan 7. April 2025 um 7:59 Uhr - Antworten

    Geht man davon aus, dass Mietnomaden wollen, aber nicht können, wälzt die Gesellschaft mit dieser Rechtsinterpretation Sozialkosten, aber auch die Folgen zu geringer Löhne und Arbeitslosigkeit auf Vermieter ab. Diese werden quasi für ihren damaligen Wertzuwachs besteuert.

    Erwartet man, dass die Bevölkerungszahlen sinken, dürfte die Situation für Vermieter kaum besser werden.

    • Varus 7. April 2025 um 9:22 Uhr - Antworten

      Es gibt reichlich Mietnomaden, bei den es durchaus mangelndes Wollen ist – ein Können wird höchstens mit Ausreden vorgegaukelt. In einer Metropole leben, aber dicke Karre wichtiger als Miete zahlen – und so ähnlich.

    • Andreas I. 7. April 2025 um 10:58 Uhr - Antworten

      Hallo,
      es gibt Mietnomaden und es gibt Miethaie, es gibt in allen Bereichen Betrüger.
      Aber die Kunst, Gesetze zu machen, sollte darin bestehen, die Betrüger zu treffen und nicht die Anständigen. So wie ich den Artikel verstanden habe, sind in Spanien sowohl Mieter als auch Vermieter unzufrieden.

  9. bojownikruchuoporu 7. April 2025 um 7:19 Uhr - Antworten

    Die Lösung kann also nur lauten: Ende des Universalismus und zurück zu einem nationalen Isolationismus. Die irrige Idee soziale Lebensstandards in Ländern angleichen zu wollen, die eine vollkommen andere soziokulturelle Vergangenheit haben, hat offenkundig in diese Katastrophe geführt. Das Thema Mietnomaden und Wohnungseigentum ist alt. Verschärft hat sich lediglich die Situation durch den ungebremsten Zuzug von Millionen neuen „Österreichern und Deutschen“. Zunächst muss ein Staat dafür sorgen, dass seine eigenen Bürger ausreichend versorgt werden, danach kommen alle anderen! Trump macht es gerade vor, auch wenn dies vielen Menschen nicht zu passen scheint. Sie wollen viel lieber weiterhin die grenzen- u. schrankenlose Gesellschaft, die ihnen die Freunde der asozialen Gesellschaft präsentieren. Viele Linke haben immer noch nicht kapiert, dass ihre Ideologie längst Teil einer asozialen Agenda ist, die ihnen weder nützt und wenn überhaupt, dann nur schadet. Das ist wie immer noch Lindenstrasse schauen und irgendwann zum Islam konvertieren. In vielen Vierteln der Reste-BRD zittern die älteren Menschen wenn ein Nachbar stirbt. Was werden die Erben mit dem Haus machen? Wer wird das Haus kaufen? Die Mentalität des „take the money and run…!“ ist zur Normalität geworden. Die kurzfristigen Gewinner dieser asozialen Grundhaltung hocken dann auf irgendeiner asiatischen Tropeninsel und fabulieren von ihren Macbooks aus über Yoga, gesunde Ernährung und soziale Gerechtigkeit, während zuhause alles vor die Hunde geht. Bei jedem „Heimatbesuch“ wundert man sich dann während der Amts- und Arztgänge, dass alles immer seltsamer und vor allem immer „bescheidener“ wird. Heimat, Freiheit und Tradition sind natürlich böse und gehören zurück in die „braune“ Mottenkiste der ewig Gestrigen. Dabei gibt beim Farbmischen Rot und Grün ein sattes „K…braun“, bloß merken will es keiner. Der Kopf ist rund damit das Denken die Richtung ändern kann!

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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