Trump jüngste Aussagen: Schutzgelderpressung oder NATO-Austritt?

10. Januar 2025von 14,2 Minuten Lesezeit

Trump ist zuletzt durch irrlichternde Aussagen aufgefallen, wie EU/NATO-Staaten sollten ihre Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent erhöhen. Er will aber einem NATO-Staat, nämlich Dänemark, mit Grönland Territorium abnehmen, Kanada eingliedern und Panama zurück holen. Was ist davon zu halten?

Am 07.01.25 kündigte Donald Trump an, von den anderen NATO-Ländern einen Militäretat von 5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu verlangen. Im Wahlkampf sprach er noch von 3 %. Ein paar Tage zuvor brachte er eine Annektion Grönlands und Kanadas in Spiel und forderten den Panama-Kanal zurück. Der (in cm) große Friedrich (Merz) hat die Aussage heruntergespielt. Der (von Format) kleine Olaf (Scholz) hat den Ex-Kanzler Gerhard Schröder gespielt, der im Wahlkampf 2002 eine deutsche Beteiligung am Irak-Krieg energisch und glaubwürdig zurückgewiesen hat. Der (von Beruf) kindische Robert (Harbeck) macht Männchen und er hat selbst ein 3,5-%-Ziel formuliert und die (im Auftreten) forsche Alice (Weidel) analysierte, dass sich die USA in einem ewigen Kampf zwischen Expansionismus und Isolationismus befänden.

Es ist Wahlkampf, und auch die Ampelunion darf sich nicht zu unterwürfig zeigen. Für die Erfüllung von Trumpa Forderung müssten überschlägig 90 % des Sozialbudgets gekürzt und für Rüstung ausgegeben werden, oder man müsste die Lohnsteuer um 80 % oder die Umsatzsteuer von 19 % auf 33 % erhöhen. Nach der Wahl könnten die deutschen Erfüllungspolitiker aber umfallen, und den Wählern eine Kombination aus solchen Grausamkeiten zumuten. In Frankreich können solche Forderungen angesichts der parlamentarischen Mehrheiten dagegen nur ein höhnisches Gelächter hervorrufen.

Ich will mich an dieser Stelle etwas weit aus dem Fenster lehnen und die ungewöhnlichen Forderungen einordnen. Die einzelnen plakativen Aussagen werden unten vertieft.

Trump ist unberechenbar (1), nachtragend (2) aber nicht dumm (3). Er verfolgt seine Forderungen „America first“ (4), „make America great again“ (5), „drain the swamp“ (6) und er hält sich für den „dealmaker“ (7), der mit seinen Gegnern hart verhandelt und alle Probleme löst. Er hat versprochen, den Ukraine-Krieg über Nacht zu beenden (8) und er will sich von den Pflichten aus der NATO befreien (10). Trumps Blick richtet sich nach China (9). Die unrealistische Forderung nach 5 % des BIP für das Militär wird er eher als Rechtfertigung benutzen, mit den USA aus der NATO auszutreten.

Als Fazit kann man zu dem Ergebnis kommen, dass Donald Trump gefährlich ist (11), dass die Reaktion der übrigen Länder aber einen friedliche Welt erschaffen kann (12).

Bei dieser Analyse wäre eine Umorientierung der deutschen Außenpolitik zwingend notwendig. Es wäre wirtschaftlicher Selbstmord, die 5-%-Forderung von Trump erfüllen zu wollen. Würde man es unter größten Opfern schaffen, würde Trump wie jeder Erpresser weitere Forderungen nachlegen und seine Versprechen nicht einhalten. Deutschland braucht eine Kanzlerin, gleichgültig ob Weidel oder Wagenknecht, die sich Deutschland außerhalb der NATO vorstellen und das Verhältnis zu Russland normalisieren kann. Die drei männlichen Kandidaten haben sich für diese Aufgabe disqualifiziert.

(1) Trump ist unberechenbar

In seiner ersten Amtszeit hat sich Donald Trump mit Beratern umgeben, die ihm nach dem Munde geredet und ihm kaum widersprochen haben. Als Anti-Politiker denkt er in anderen Kategorien. Als Immobilien-Mogul will er Großprojekte realisieren; Details sind ihm nicht wichtig. Zu Beginn des Präsidentschaftswahlkampfes sagte Wladimir Putin, ein Sieg von Joe Biden läge im russischen Interesse, denn der würde mit Sicherheit einen Atomkrieg vermeiden wollen.

Trump will den Krieg wahrscheinlich auch nicht, ihm könnte aber das Gespür für die Gefahren fehlen, bei denen er einen fatalen Automatismus auslösen könnte. Dann braucht ein US-Präsident selbstbewusste Berater, die ihm rechtzeitig widersprechen. Anderseits denkt Trump in alle Richtungen, also auch quer. Das stellt hohe Anforderungen an das Team. Es muss flexibel genug sein, sich auf neue Richtungen einzustellen statt monoton mit „das geht nicht“ zu antworten.

Aus der Unberechenbarkeit ergeben sich also Chancen und Risiken. Trumps jüngste Äußerungen sind Ausfluss seiner unkonventionellen Art.

(2) Trump ist nachtragend

Donald Trump wird es den europäischen Politikern nicht so schnell vergessen, dass sie sich massiv in den Präsidentschaftswahlkampf eingemischt haben, um seinen Sieg zu verhindern. Das legitimiert ihn, sich seinerseits in europäische Wahlkämpfe einzumischen. Und er will besonders den Deutschen, die seine Gegenkandidaten besonders fanatisch unterstützt und ihn verteufelt haben, eine Lektion erteilen. Dabei wird er seine Machtposition ausnutzen und die Politiker der Ampelunion demütigen. Die Erhöhung der 3-%-Forderung auf 5 % kann auch als Antwort auf die europäische Einmischung gewertet werden. Die Aussage von Elon Musk, nur die AfD könne Deutschland retten, hat vor diesem Hintergrund eine besondere Bedeutung. Nur eine Kanzlerin Alice Weidel könnte Deutschland dem Groll des Donald Trump entziehen, denn sie hat sich nicht in den US-Wahlkampf eingemischt und ihre Sympathien für Trump geäußert.

Man kann auch feststellen, dass Trump bei Treffen mit seinen Gegnern immer versucht hat, für eine gute Stimmung zu sorgen. Die Floskel „he did a very good job“ durfte nie fehlen. Anscheinend muss man ihm als Konkurrent und nicht als Vasall gegenübertreten.

(3) Trump ist nicht dumm

Trump wird nicht ernsthaft davon ausgehen, dass seine Forderung von allen Ländern erfüllt wird. Seine territorialen Forderungen gegen die NATO-Mitglieder Kanada und Dänemark können aber ein „Plan B“ sein, um die NATO zu sprengen. Er weiß, dass es in der Außenpolitik keine Freundschaften gibt, sondern nur nationale und gelegentlich auch gemeinsame Interessen. Er analysiert die Interessen der USA und stellt nüchtern fest, dass sich die nicht mit den europäischen Interessen decken. Sie haben schon überhaupt kein Interesse, wegen europäischer Ängste vor einer russischen Übermacht einen Atomkrieg zu führen. Das hätten sie nur, wenn die USA die Europäer als Kanonenfutter in einem Krieg gegen Russland bräuchten. Trump könnte aber zutreffend analysieren, dass Russland keine Interessen in Nordamerika hat und er könnte entschieden haben, dass die USA keine Interessen in Asien oder Europa haben. Daraus folgt, dass sich beide hochgerüstete Atommächte bequem aus dem Weg gehen können. Das wäre keine dumme, sondern eine sehr kluge Strategie.

(4) Trump verfolgt seine Forderung „America first“

Die America-first-Forderung ist Ausdruck eines Isolationismus. Nach dem Ersten Weltkrieg gewann der Republikaner Harding mit der Orientierung die Wahl, dass sich die USA nicht in Sachen einmischen sollten, die sie nichts angingen. Diese Position war bis 1941 mehrheitsfähig. Mit den territorialen Forderungen an Panama, Kanada und Dänemark hat Donald Trump das Interessengebiet der USA definiert.

Neben den außenpolitischen hat Trump noch die wirtschaftlichen Interessen. Er will die US-Wirtschaft vor Konkurrenz schützen und die Rolle des US-Dollar als Leitwährung erhalten. Wie er dieses Ziel erreichen will, ist aktuell nicht erkennbar.

(5) Trump verfolgt seine Forderung „make America great again“ (MAGA)

Eigentlich ist die MAGA-Forderung das Gegenteil von Isolationismus. Auf der anderen Seite impliziert die Forderung, dass Amerika aktuell nicht groß ist; sonst wäre es kein Ziel. Das schafft Raum für eine Neuaufstellung.

Die USA haben sich in den letzten Jahrzehnten auch mit ihrem Imperialismus verzettelt. Den Islamismus, den die CIA um das Jahr 1980 in Afghanistan selbst erschaffen hat, wollte George Bush jr. mit seinem Kreuzzug gegen den Terror wieder bekämpfen, und er nötigte die ganze Welt, ihn zu unterstützen. Viele Länder haben aber keine Lust, den Anweisungen der USA zu folgen. Dazu zählten Russland und China. Die wechselnde Klassifizierung als Hauptfeind, erst Russland, dann China, danach wieder Russland, führte zu einem Schulterschluss zwischen beiden. In dieser Situation wirkte der Angriff der Hamas vom 07.10.23 auf Israel wie ein gigantischer Selbstmordanschlag. Er provozierte Israel zu einer überzogenen Reaktion im beginnenden Wahlkampf konnten es sich die USA nicht leisten, die israelische Regierung daran zu hindern. Mit der rückhaltlosen Unterstützung für Israel haben die USA weite Teile der Welt in eine Abwehrhaltung versetzt. MAGA wird dies verstärken.

Trump kann Misserfolge, die er schnell einräumt, seinem Vorgänger anlasten. Mit einer Neuaufstellung der US-Außenpolitik muss aber für den Durchschnittsamerikaner eine Stärkung der USA erkennbar werden. Panama und Grönland wären dabei leichte Ziele, Kanada etwas anspruchsvoller. Es ist auch möglich, dass Trump eine Invasion Kubas beabsichtigt. Die Exil-Kubaner sind für ihn eine wichtige Gruppe. Sofern Trump mit Verweis auf die Ukraine geltend macht, dass die USA einen feindlich eingestellten Staat vor der Haustür nicht dulden kann. Könnte er die Aufgabe der Ukraine im Tausch gegen einen kubanischen Regimewechsel nach syrischem Vorbild als außenpolitischen Erfolg verkaufen. Anschließend könnte Trump das Gebiet von Kuba, Jamaika, Haiti, der Dom. Rep. und der Bahamas zusammen mit Puerto Rico zum US-Einflussgebiet erklären und hier eine „Verteidigungsgemeinschaft“ aufbauen.

(6) Trump verfolgt seine Forderung „drain the swamp“

Den Sumpf trockenlegen (drain the swamp) ist eine innenpolitische Forderung, die von der breiten Mehrheit der US-Bürger als korrupt empfundenen Mechanismen des US-Systems zu überwinden. Aber Trump ist durchaus Teil dieses Sumpfes. Er stützt sich auf die Rüstungs-Lobby, die Waffen-Lobby und die Israel-Lobby. Korruption und Mafia-Struktur hat in den USA Tradition.

Der designierte Gesundheitsminister Robert Kennedy wird die schwierigste Aufgabe bei der Korruptionsbekämpfung bekommen. Die Kosten der Gesundheitsversorgung pro Kopf der Bevölkerung liegen in den USA bei 252 % des OECD-Durchschnitts, weit vor der Schweiz und Deutschland, die mit gerundet 161 % auf Platz 2 und 3 liegen. Besonders der extrem hohe Wert in den USA lässt sich nur mit Korruption erklären. Spanien als Wahlheimat des Verfassers hat mit 89 % den Platz 22, wobei der Verfasser keine schlechtere Versorgung als in Deutschland feststellen kann. China hat mit 20 % den Platz 45.

Wenn „America first“ bedeutet, dass sich die USA wie nach 1920 zuerst um ihre eigenen Probleme kümmern wollen, dann ist das Austrocknen des Sumpfes eine Aufgabe, der die ganze Kraft des Landes erfordert. Amerika würde wie früher durch das gute Beispiel groß, nicht durch ein großspuriges Auftreten.

(7) Trump hält sich für den „dealmaker“

Trump mag die Erfahrung gemacht haben, dass er als Immobilien-Mogul kleinen Subunternehmern die Bedingungen diktieren kann. Die harte Forderung verbirgt ein Verhandler hinter einem freundlichen Umgangston. Trumps Floskel bei Gipfeltreffen, „he did a very good job“, ist ein Teil solcher Inszenierungen. Er irritierte die Welt, dass er sich mit Kim Jong Un traf und er wollte ihm in einem freundlichen Ton erklären, wie sich Kim zu verhalten habe. Es gab spektakuläre Fotos und einen beginnenden Dialog, aber Kim zeigte sich am Ende unbeeindruckt. Auch Wladimir Putin wird sich keine Friedensbedingungen für die Ukraine diktieren lassen. Die „Deals“ zwischen Staaten werden nicht von den Chefs ausgehandelt, sondern von der Arbeitsebene. Eine politische Entscheidung „ich gebe dir und du gibst mir“ muss der Chef treffen, die Teufel stecken dann aber oft im Detail. Trumps Dealmaker-Bilanz seiner ersten Amtszeit war deshalb eher bescheiden.

(8) Trump hat versprochen, den Ukraine-Krieg über Nacht zu beenden

Trumps Wahlversprechen in seiner Dealmaker-Rolle hat ihn unter Druck gesetzt. Es kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass schon eine vertraulich ausgehandelte Lösung in der Schublade liegt. Die müsste dann aber noch durch die Ukraine umgesetzt werden. Wahrscheinlich bräuchte Trump noch eine Putschistentruppe in Kiew, und die müsste die CIA nach seiner Amtsübernahme noch aufstellen. Das Szenario wäre dann, dass sich die USA und Russland auf einen Frieden verständigten, Kiew diesen Plan ablehnt und Generäle aus der zweiten Reihe den aussichtslosen Kampf nicht weiter fortsetzen wollen und den Plan nach einem Staatsstreich akzeptieren.

Eine koreanische Lösung, also ein Einfrieren des Krieges am aktuellen Frontverlauf, wäre Ende 2022 eine Option gewesen, nach den russischen Erfolgen auf dem Schlachtfeld ist sie es nicht mehr. Dabei sind auch die russischen Hyperschallraketen zu berücksichtigen, denen die USA nichts gleichwertiges entgegensetzen können. Viel mehr als ein Kuhhandel, die Ukraine gegen Kuba wie in Punkt (5) im letzten Absatz beschrieben, wäre für die USA nicht zu erreichen. Sofern sich Selenski mit einem abgesprochenen Umsturz abfinden würde, könnte er in der Westukraine, soweit sie bis 1939 zu Polen gehörte, einen Marionettenstaat bekommen, den der Westen dann zunächst als einzige legitime Ukraine anerkennen kann, wie 1949 im Fall von Taiwan. Die Kiewer Regierung würde aber die neuen russischen Grenzen anerkennen und wie einst Finnland neutral bleiben.

(9) Trumps Blick richtet sich nach China

Schon in seiner ersten Amtszeit zeigte Donald Trump, dass ihn Russland und Europa nicht wirklich interessieren. Er hält China für die ernstere Bedrohung für die Machtposition der USA. Wegen Hawaii und Guam ist der Pazifik für die USA auch wichtiger als der Atlantik. Japan, Südkorea, die Philippinen und Taiwan sollen den chinesischen Zugang zum Pazifik blockieren. Russland können die USA aus dem Weg gehen, China nicht. Weil sich China im Ukraine-Krieg neutral verhalten hat, wird Russland China in einer militärischen Auseinandersetzung mit den USA auch nicht aktiv unterstützen. China wäre also aktuell ein beherrschbarer Gegner.

(10) Trump will sich von den Pflichten aus der NATO befreien

In der Ausrichtung auf Nordamerika und den Pazifik hat Europa keinen Platz. Im Juni 1961 hatte in Ostberlin niemand die Absicht, eine Mauer zu errichten und seit 1949 hatte kein US-Präsident die Absicht, im Ernstfall Europa aufzugeben. Trump hat diese Absicht auch ohne Ernstfall schon im Wahlkampf mit der Aussage vorbereitet, er werde kein Land verteidigen, das seine Rechnung nicht bezahlt. In der ersten Amtszeit waren das 2 % des BIP, im Wahlkampf 3 % und jetzt 5 %. Es muss jedem Europäer klar sein, dass Trump den NATO-Vertrag innerlich schon gekündigt hat. Jeder weitere Euro für die NATO ist herausgeschmissenes Geld.

(11) Donald Trump ist gefährlich

Trump ist nicht nur für seine Gegner gefährlich, sondern vor Allem für seine Verbündeten. Eine akute Gefahr besteht für die Nachbarn der USA. Die Gefahr für Europa geht vom Erbe des Ukraine-Kriegs und von der Zerstörung der Beziehungen zu Russland aus. Die Transatlantiker werden versuchen, mindestens einen Kalten Krieg am Kochen zu halten um ab 2029 die NATO zu restaurieren. Mit diesem Wissen könnte der korrupte Geschäftsmann Trump die Europäer zappeln lassen und sie zu dicken Aufträgen für die US-Rüstungsindustrie nötigen.

Trumps ostasiatische Verbündete würden auch zunächst mit uneigennütziger amerikanischer „Hilfe“ abhängig gemacht, in eine aggressive Haltung gegen China hineingetrieben und später mit der Forderung nach höheren Verteidigungsbeiträgen konfrontiert.

Eine zusätzliche Frage wäre, wie sich Trump im Nahostkonflikt verhalten wird. Seine Nähe zur Israel-Lobby lässt eine bedingungslose Unterstützung für die israelische Regierung erwarten. Das wäre auch für den Fall gelten, wenn sich Israel zur vollständigen Vertreibung der Palästinenser aus dem Westjordanland und dem Gaza-Streifen entschließen sollte. Bereits die Politik der Biden-Regierung hat für einen fast vollständigen Ansehensverlust der USA im globalen Süden gesorgt. Trump könnte dies ausnutzen und nach dem Motto handeln: Ist der Ruf schon ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert!

(12) die Reaktion der übrigen Länder kann einen friedliche Welt erschaffen.

Russland und China werden die aktuellen Aussagen von Donald Trump nur am Rande zur Kenntnis nehmen. Lateinamerika sollte aufmerksam werden und Europa ist irritiert. Ostasien sollte sich gut überlegen, ob es sich von den USA vereinnahmen lässt. Es ist zu erwarten, dass die BRICS+ weiter gestärkt wird und dass die Welt nach Wegen sucht, ohne die USA zurecht zu kommen. Trump dürfte den Übergang in eine multipolare Weltordnung, die er mit seiner MAGA-Agenda verhindern will, eher beschleunigen. Die zentrale Frage dabei ist, wie sich ein von den USA abgekoppeltes Europa in dieser multipolaren Weltordnung positionieren will. Sprachlich und kulturell sind sich Europa und Lateinamerika nahe. Gemeinsam könnten Sie China auf Augenhöhe gegenübertreten.

Auf der Erde lassen sich etwa 10 Regionen ausmachen, die sich ethnisch, kulturell und religiös nahe sind. In diesen Regionen gibt es auch stärkere Staaten mit größerem Einfluss, sog. Regionalmächte. Eine multipolare Weltordnung respektiert die jeweiligen Eigenheiten und organisiert eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zum gegenseitigen Vorteil. Eine weiter wachsende BRICS+, in die sich auch Europa einbringen würde, könnte ein friedliches Miteinander organisieren. Nordamerika nach Trump, vielleicht unter einem lernfähige Präsidenten J. D. Vance, könnten sich eines Tages als gleichberechtigter Partner statt als Hegemonialmacht einbringen. Wladimir Putin wäre dann 76, und sein Nachfolger könnte auch dieses emotionale Hindernis beseitigen.

Bild: Ali Shaker/VOA, Public domain, via Wikimedia Commons

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Prof. Dr. Werner Müller, ehem. Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Mainz, seit 2023 pensioniert und wohnhaft in Spanien.


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11 Kommentare

  1. Andreas I. 10. Januar 2025 um 20:13 Uhr - Antworten

    Hallo,
    zu (1) ,,Trump ist unberechenbar“
    Mag sein oder auch nicht, aber was spielt das für eine Rolle?!
    Man kann m.E. davon ausgehen, dass USA unipolares Weltimperium bleiben will, denn warum sonst sollte USA China eindämmen wollen und warum sonst sollte USA den US-Dollar als weltweite Leitwährung verteidigen wollen und warum sonst sollte USA immer mehr Geld von den westeuropäischen EU-und-Nato-Staaten fordern?!
    Aus dieser Voraussetzung, dass USA unipolares Weltimperium bleiben will, ergeben sich Sachzwänge.
    Also kann Trump, wie jeder Präsident, nur innerhalb eines berechenbaren Rahmens unberechenbar handeln.

    zu (2) ,,Trump ist nachtragend“
    Mag sein oder auch nicht, aber ob mögliche Charaktereigenschaften in der Politik eine wesentliche Rolle spielen wie bei Familienstreitigkeiten, wie sie sich Otto-Normalbürger aus seinem Lebenshorizont vorstellen kann … oder ob es um die Konkurrenz verschiedener politischer Lager geht, wo weniger irgendwelche Charaktereigenschaften und mehr die dahinter stehenden ökonomischen Interessen entscheidend sind …
    Der Tiefe Staat der USA ist auch hartnäckig. Und wie sehr westeuropäische und besonders ,,deutsche“ Politiker sich gegen Trump gestellt hatten (in seiner ersten Amtszeit und im letzten Wahlkampf), das zeigt, wie stark der Tiefe Staat der USA innerhalb der EU und besonders innerhalb der BRD ist.

    zu (3) ,,Trump ist nicht dumm“
    Ähh … aber wie dem auch sei, bei einem Präsidenten liegt als Vergleichsmaßstab nahe, mit anderen Präsidenten zu vergleichen.
    Nicht dumm im Vergleich zu etlichen Vasallen-Regierungschefs zu sein, das ist nicht schwer.
    Nicht dumm im Vergleich zu den Regierungschefs der Opponenten zu sein, das ist schon ein anderer Maßstab.
    Letzteres würde auch beinhalten, die intellektuelle Kapazität zu haben zu bedenken, dass in anderen Kulturkreisen anders gedacht wird. An der Stelle wäre die Frage, ob der gute Donald denn lernfähig ist. Denn wenn man diesbezüglich seine erste Amtszeit betrachtet …

    zu (4) ,,Trump verfolgt seine Forderung „America first“ “
    Sowohl die alte Oligarchie der Ölkonzerne, als auch die alte Oligarchie der Banker rund um FED und Leitwährung, als auch die neue Oligarchie der Digitalkonzerne, als auch die Rüstungskonzerne … jemanden vergessen? Ach ja BlackRock und Vanguard … die verfolgen alle weltweite Interessen.
    Und die haben reichlich finanzielle Macht, frei nach dem Motto: Ist mir doch egal, wer unter mir regiert.

    zu (5) ,,Trump verfolgt seine Forderung „make America great again“ (MAGA)“
    Bisher hatten alle Imperien der Weltgeschichte eine Entstehungsphase, eine Blütephase und eine Niedergangsphase.
    Bisher hatten alle Imperien der Weltgeschichte (als letztes vor USA das British Empire) sich gegen ihren Niedergang gestemmt und dabei fast alles verloren (UK ist noch nützlicher Assistent für USA, mehr ist da nicht mehr).
    Also wer nicht dumm ist, müsste zu der Schlussfolgerung kommen, bei Eintritt der Niedergangsphase den Anspruch, weiterhin Imperium sein zu wollen, aufzugeben und so viel wie möglich vom Erreichten (oder Erbeuteten :) zu retten und den Staat möglichst auf dem erreichten Niveau zu konsolidieren. Dann bliebe dieser Staat wenigstens noch ein starker Spieler unter anderen starken Spielern und würde nicht alles verlieren.
    Dem stehen aber erstens die Interessen der zu (4) genannten Oligarchien gegenüber und zweitens gibt es da noch ein klitzekleines Problemchen, nämlich die Staatsschulden der USA. Durch die besteht ein Sachzwang Imperium bleiben zu müssen, obwohl das unrealistisch ist.

    zu (6) ,,Trump verfolgt seine Forderung „drain the swamp“ “
    Naja; das sind, wie ja auch im Artikel als ,,Tradition“ bezeichnet, seit mindestens den 1870er Jahren gewachsene Strukturen.

    zu (7) ,,Trump hält sich für den „dealmaker“ “
    Dann kann er Lawrow fragen, wie das in der internationalen Politik geht. :-)

    zu (8) ,,Trump hat versprochen, den Ukraine-Krieg über Nacht zu beenden“
    Nachdem das Minsker Abkommen als Hinhaltetaktik benutzt wurde, muss USA in Vorleistung gehen, damit überhaupt eine Gesprächs- bzw. Verhandlungsgrundlage entsteht.
    Das sind zwei Schritte, also selbst wenn … ist ,,über Nacht“ illusorisch.

    zu (9) ,,Trumps Blick richtet sich nach China“
    Und China baut seit Jahren seine Dollarbestände und seine Bestände an USA-Staatsanleihen langsam und stetig ab.
    Aber so lange China noch nennenswerte Dollarbestände und USA-Staatsanleihen hat, könnte China die im Ernstfall alle auf einmal auf ,,verkaufen“ stellen.
    Außerdem hat China zwar nicht das größte Arsenal, aber China ist A-versichert.
    Außerdem hat China eine starke Realwirtschaft …
    Also was könnte USA gegen China tun?
    Da käme man zu Panama.

    zu (10) ,,Trump will sich von den Pflichten aus der NATO befreien“
    Wobei mir nicht klar ist, welche Pflichten für USA das sein sollten.

    zu (11) ,,Donald Trump ist gefährlich“
    Für wen?
    Man kann ja von Donald T. halten, was man will, ich bin auch nicht gerade ein Fan, aber wenn man Spekulationen mal Spekulationen sein lässt und sich an den Tatsachen seiner ersten Amtszeit orientiert, dann wüsste ich zumindest nicht, was an Trump gefährlicher sein soll als an Clinton, Bush, Obama, Biden …

    zu (12) ,,die Reaktion der übrigen Länder kann einen friedliche Welt erschaffen.“

    Hoffen wir es!

  2. Verschwoerungspraktiker 10. Januar 2025 um 10:20 Uhr - Antworten

    Für „Trump ist nicht nur für seine Gegner gefährlich, sondern vor Allem für seine Verbündeten. “
    und „..Mit diesem Wissen könnte der korrupte Geschäftsmann Trump…. “ würde ich mir eine Erklärung wünschen, wie Sie den auf diese Behauptungen kommen?

    Tatsache ist, dass Trump in seiner ersten Amtszeit keinen einzigen Auslandseinsatz befohlen und im Gegenzug alle laufenden Auslandseinsätze der USA beendet, oder zumindest eingehegt hat!

    Nicht vergessen: Trump ist in erster Linie Geschäftsmann und Top-Einkäufer. In diesem Kontext müssen auch viele Aussagen gesehen werden. Das sind politstrategische Verhandlungstaktiken.

    • Andreas I. 10. Januar 2025 um 20:28 Uhr - Antworten

      Hallo,
      ,,Tatsache ist, dass Trump in seiner ersten Amtszeit keinen einzigen Auslandseinsatz befohlen“

      richtig

      ,,und im Gegenzug alle laufenden Auslandseinsätze der USA beendet, oder zumindest eingehegt hat!“

      falsch
      Syrien
      Es blieben nicht nur USA-Soldaten in unverminderter Anzahl in Syrien, sondern zu Trumps Amtszeit gab es einen massiven USA-Luftangriff auf Ziele in Syrien, mit Tomahawk-Marschflugkörpern, den es so vorher nicht gab. (300 Marschflugkörper oder irgendwas in der Größenordnung, ich weiß nicht mehr)
      Inwiefern das was mit Trump zu tun hatte und ob es nicht generell überbewertet wird, wer Präsident spielen darf, das sei mal dahingestellt, aber es war zu Trumps erster Amtszeit.

  3. Sabine Schoenfelder 10. Januar 2025 um 9:23 Uhr - Antworten

    Sagen wir mal so :
    1. Trump ist nicht unberechenbar, sondern f l e x i b e l. Das ist eine unabdingbare Eigenschaft für einen guten Dealer, denn seine „Entschlußkraft“ richtet sich ausschließlich nach seinem angestrebten ERGEBNIS.
    Ohne Musk und Thiel hätte Trump niemals sein Ziel, eine zweite Präsidentschaft, erreicht.
    Trump will keinen Krieg, denn ein guter Geschäftsmann zerstört n i e seine Verhandlungsmasse ‼️
    2. Natürlich ist er nachtragend. Er wurde gedemütigt und drangsaliert. Kriminell und abseits aller ethischen und rechtsstaatlichen Konventionen. Jedes Kaufmaul des Deep States kennzeichnet sich gerade s e l b s t, indem es sich in absurdester, undemokratischer Weise zu einem einfachen Dialog zwischen Musk und Weidel öffentlichkeitswirksam echauffiert. Die Heuchler geben sich zu erkennen, wobei mittlerweile JEDER, DER ES WISSEN WILL, weiß, wer diese Handlanger protegiert und finanziert….😂🤣
    Trump ist nicht dumm und wird vieles unternehmen, um seine Feinde des Deep States zu schwächen. Darin liegen Chancen für Europa, aber NUR, wenn s e l b s t d e n k e n d e Politiker agieren.
    Er w i l l viel und wird Einiges erreichen.
    Mein Tipp : Der Ukraine-Krieg wird enden. Zu teuer. Grönland wird amerikanisches Protektorat. Israel wird unter „Landgewinn“ den Krieg in seiner Amtszeit beenden.
    Pharmazeutische Produkte werden strenger gesetzlich überwacht, Impfpflicht ausgeschlossen, aber Impfen beibehalten. 🤨
    Woke geht broke und die Welt wird sich unter weniger ostentativen Irrsinn trotzdem z u n e h m e n d ständig im Auge eines „digitalen Palantirs“ befinden, wenn nicht der globale Monopolismus endgültig zerschlagen wird, 👉 denn akkumuliertes Geld ohne Beschränkungen führt immer in den Faschismus.
    Der Teufel scheis.t immer auf den größten Haufen. 🤓✌️

  4. Jan 10. Januar 2025 um 9:07 Uhr - Antworten

    Man sollte die Folgen des Rückzugs der USA als Weltpolizist nicht unterschätzen! Sichere Handelswege, Versicherungen und Eigentumsgarantien sind die Grundlage für die große Verfügbarkeit von Rohstoffen und Waren, die unsere Zeit charakterisieren.

    Ohne Weltpolizist müssen die einzelnen Staaten ein Sicherheitsnetz formen, wir wissen vom historischen Partikularismus, wie das ausgeht.

    Das Problem ist nicht nur Trump: Die europäischen Staaten haben die Grundrechte, wozu auch Eigentum und Freizügigkeit gehören, willkürlich aufgehoben, ohne dass Justitia dies nachträglich gestraft und kompensiert hätte.

    Wer sich heute noch als Unternehmer einbringt, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden.

    Beides zusammen wird zu einem drastischen Rückgang von wirtschaftlicher Tätigkeit führen. Aber den Leuten ist sowieso alles egal. Noch ein paar Spritzen und das pro-Kopf-Verhältnis stimmt wieder!

  5. Gabriele 10. Januar 2025 um 9:04 Uhr - Antworten

    Tja, da haben wir ihn wieder…. den echten Donald.
    Besonders die Punkte 3 und 12 würde ich aber unterstreichen…
    Dass es so ähnlich kommen wird, war ja zu erwarten oder dachte jemand, er hätte sich geändert – oder gar
    dazugelernt. Wenn er lernt, dann nur dort, wo es seiner ganz persönlichen Sicht der Welt nützt.
    Das „Lustigste“ an seiner Regierung werden wieder die vielen unerwarteten Überraschungen sein.

  6. OMS 10. Januar 2025 um 9:02 Uhr - Antworten

    Ami go home und lass die Welt im Frieden leben. 66% der US-Militärausgaben für das eigene Land ausgeben und die USA würden aufblühen und die Welt ihren Frieden von diesem Kriegs- und Terrorstaat haben.

  7. triple-delta 10. Januar 2025 um 9:00 Uhr - Antworten

    Trump ist nur für die unberechenbar, die ihn nicht verstehen wollen. Das hat er mit Putin gemeinsam. Schließlich ist Putinversteher das größte Schimpfwort im Westen.
    Trump will aus der NATO, kann es aber selbst nicht machen, weil die USA die NATO gegründet haben. Also muss er die Europäer so lange quälen, bis diese ihm den Gefallen tun.

  8. Der Zivilist 10. Januar 2025 um 8:49 Uhr - Antworten

    Trump rettet Europa nicht, das müssen wir schon selbst tun !

    Zu den intelligenteren Statements der letzten Tage gehört Magnet, mit v Witzleben @ apolut: Die Konjunktur der linken Globalisten läßt nach, aber die Rechten, die kommen, könnten auch Globalisten sein, das konnten die auch schon vor all dem woken Dünnschiss.

    Und so ein dummes Zeug, wie ich es gerade von Weidel gehört habe, läßt mir die Haare zu Berge stehen, wenn wir sie nicht hätten, wüßte ich heute noch nicht, daß Hitler ein Kommunist war. Als Kernaussage kann ich aus dem Gespräch mit Musk nur herausdestilieren: LEICHTER REICH !

  9. Daisy 10. Januar 2025 um 8:46 Uhr - Antworten

    Ich versteh das schon…wem das zuviel ist, der kann ja austreten. Und wenn wer so dxxf ist, so dankt die amerikanische Rüstungsindustrie. Er sollte 10% verlangen, aber das wäre zu auffällig… :-)

    Der Vorschlag des dt. IfW-Präsidenten, die Rentner sollen die Rüstungsausgaben blechen, ist übrigens typisch woke-gaggig.

    Trump wünscht sich vor allem eins: Die Souveränität der Staaten. Jeder kehre vor seiner eigenen Türe. Die USA sind nicht die Welt-Nanny. Und ja, er möchte „America great again“ machen. Er ist Isolxtionist. Auch die Gruppe um Orban strebt mehr Unabhängigkeit vom Zentralregime an. Small is beautiful. Wer hindert eigentlich Deutschland daran, auch wieder normal zu werden?

    • Daisy 10. Januar 2025 um 10:00 Uhr - Antworten

      Hm?

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