Kalter Krieg in der Ostsee um Gas- und Stromleitungen

29. Dezember 2024von 4,6 Minuten Lesezeit

Nach dem Terroranschlag auf die Nord Stream Pipelines durch USA/UK/Ukraine – je nach Quelle – rücken nun Stromleitungen ins Visier von Sabotage. Wie bei Nord Stream wird die Tat von NATO & Co den Russen in Schuhe geschoben. Die Frage ist aber: Wem nützt es?

Diese Woche kam es wieder zu einem Vorfall mutmaßlicher Sabotage an Unterseekabeln in der Ostsee. Berichten zufolge wurde eine Stromleitung unterbrochen, die am Meeresboden von Finnland nach Estland verläuft. Westliche Medien machen einen Tanker, der russisches Rohöl transportiert, dafür verantwortlich und unterstelle damit, dass der Schaden absichtlich verursacht wurde.

In den letzten Wochen gab es weitere Vorfälle mutmaßlicher Sabotage an Telekommunikationskabeln unter der Ostsee. Am 17. November wurde eine Datenverbindung zwischen Finnland und Litauen beschädigt. Am nächsten Tag, am 18. November, wurde Berichten zufolge eine weitere Internetleitung auf dem Meeresboden von Finnland nach Deutschland durchtrennt. Beide Kabel sollen durch äußere Gewalt zerstört worden sein.

Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius und andere Politiker haben angedeutet, dass es sich bei der mutmaßlichen Sabotage um eine Form des „hybriden Krieges“ handelt, der von Russland geführt wird und bei den Vorfällen im November möglicherweise mit Hilfe Chinas.

Moskau und Peking haben jegliche Beteiligung an Eingriffen in die Unterwasserinfrastruktur im Ostseeraum kategorisch bestritten. Kreml-Sprecher Dmitry Peskov wies die Anschuldigungen gegen Russland wegen schwerer Sachbeschädigung als „absurd“ zurück und merkte an, dass sie in der Regel ohne überprüfbare Beweise erhoben würden.

Der neue NATO-Generalsekretär Mark Rutte versicherte nach dem jüngsten Vorfall in dieser Woche Finnland, Schweden und den baltischen Zwergstaaten, dass die Allianz auf ihre Forderungen nach mehr Sicherheit reagiert, indem sie die militärischen Kräfte für die Überwachung der Seewege aufstockt.

Jeder unabhängige Kriminalermittler würde leicht glaubwürdige Antworten auf die Frage „Cui bono“ (Wem nützt es?) finden.

Kabel werden mit ungewöhnlicher Häufigkeit durchtrennt (was auf keine zufälligen Schäden hindeutet); die Personen, die den Schaden melden, tun dies ohne Beweise für die Beschädigung vorzulegen; die Anschuldigungen werden ohne Beweise gegen Russland erhoben; die Anschuldigungen werden wiederum angeführt, um einen verstärkten NATO-Schutz zu fordern; und die NATO stellt den geforderten „Schutz“ ordnungsgemäß zur Verfügung.

Eine Folge davon ist, dass sich das Militär der NATO die Erlaubnis erteilt, die Zahl der Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Überwachungssysteme an der Nordflanke Russlands zu erhöhen – alles unter dem Vorwand, „auf russische Sabotage zu reagieren“.

Auffällig ist, dass dies kurz vor dem Machtwechsel in Washington geschieht und angesichts der Erklärungen von Donald Trump, dass er die USA aus dem Konflikt mit der Ukraine und überhaupt aus Europa herauslösen möchte. Die NATO und diejenigen, die im Weißen Haus die Politik  bestimmen, haben noch knapp drei Wochen Zeit in der Ostsee eine Verschärfung der Lage herbeizuführen und Trump in etwas hineinzuziehen, was er nicht möchte.

Auch die Kontrolle der arktischen Seewege und Ressourcen ist ein strategisches Ziel der Vereinigten Staaten und insbesondere ihrer skandinavischen NATO-Partner. Russland hat aufgrund seiner geografischen Lage einen natürlichen Vorteil in der Arktis. Eine Möglichkeit, das Gleichgewicht der Vorteile zu kippen, besteht für die NATO darin, die Region zu militarisieren.

Ein weiteres strategisches Ziel besteht darin, den russischen Frachtverkehr über die Ostsee einzuschränken. Tanker, die von den russischen Ostseehäfen Primorsk, Ust-Luga, St. Petersburg, Wyborg und Vystok aus operieren, stellen eine wichtige Seeroute für die russischen Rohölexporte dar.

Eine militärische Eskalation in der Ostsee könnte das erreichen, was mit den Sanktionen nicht gelungen ist,  nämlich die russischen Ölexporte über die Ostsee zu unterbinden.

Eine vielsagende Schlagzeile in der Europäischen Prawda (einem US-gesponserten Propagandamedium) lautete: „Warum die EU die russischen Ölexporte immer noch nicht einschränkt und was stattdessen getan werden sollte“.

In dem Artikel heißt es weiter: „Das Volumen der Rohölexporte auf dem Seeweg aus russischen Ostseehäfen macht etwa 60 % der gesamten maritimen Ölexporte Russlands aus … Früher oder später wird die EU oder eine Koalition von Ostseeanrainerstaaten zusammen mit Norwegen und dem Vereinigten Königreich gezwungen sein, restriktive Maßnahmen gegen diesen maritimen Ölhandel zu ergreifen.“

Angesichts der Tatsache, dass die von den USA angeführte NATO-Agenda, Russland über seinen Stellvertreter in der Ukraine zu besiegen, gescheitert ist und sich die westlichen Wirtschaftssanktionen gegen Russland als nutzlos erwiesen haben, ist davon auszugehen, dass nach anderen Wegen zum Erfolg gesucht wird. Die Unterbrechung der Öl- und anderen Frachtrouten Russlands in der Ostsee wäre ein kalkulierter Schlag.

Durch die massive Präsenz von NATO-Marine-Einheiten in der Ostseeregion könnten russische Tanker bedrängt und die Voraussetzungen für eine Blockade der russischen Seehäfen geschaffen werden.

Der mutmaßliche Vandalismus an den Unterseekabeln ist eine Rückkehr zum Tatort des Nord-Stream-Verbrechens. Es ist offensichtlich, dass die von den USA geführte NATO von den jüngsten Vorfällen profitiert.

Die Ironie dabei ist, dass der nächste Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, den NATO-Mitgliedern Kanada und Dänemark (Grönland) mit der Annexion ihres Territoriums droht, während andere NATO-Mitglieder in der Ostseeregion den amerikanischen Oberherren um Schutz anflehen.


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8 Kommentare

  1. Der Zivilist 30. Dezember 2024 um 20:21 Uhr - Antworten

    Den bisher besten Beitrag zu dieser Thematik habe ich von Dagmar Henn gelesen, u.a. bei Peds Ansichten

    Ich erlaube mir zu ergänzen, daß längst nicht alle Schiffe mit Anker unterwegs sind, aufgefallen war mir das bei der Estonia, 2 Anker vorgesehen, aber nicht ein Bild, wo diese an ihrem Platz sind und ich sah Bilder von weiteren Fähren im selben Zustand. Ich gehe nicht davon aus, daß all diese Anker verloren wurden, sondern daß sie verkauft wurden.

    https://zivilist.substack.com/publish/posts/detail/149559384?referrer=%2Fpublish%2Fposts

  2. Pfeiffer C 30. Dezember 2024 um 10:40 Uhr - Antworten

    Nach dem Terroranschlag auf die Nord Stream Pipelines durch USA/UK/Ukraine – je nach Quelle – rücken nun Stromleitungen ins Visier von Sabotage.

    Das hat mit Sicherheit n -i – x mit dem kürzlich in der Rostocker Hanse-Kaserne für 66 Millionen Euro neu errichteten Funktionsgebäude zu tun: Es beherbergt den neuen Stab DEU MARFOR (NATO-Abkürzung für German Maritime Forces Staff).

    „Künftig soll DEU MARFOR als „nationaler maritimer Einsatzstab mit multinationalem Anteil” nicht nur kleinere Einsätze der Deutschen Marine, sondern auch größere Operationen mit Bündnispartnern aus EU und NATO planen und führen können“.

    „Temporär aufgestockt um weitere Marineoffiziere aus NATO-Staaten soll DEU MARFOR künftig auch zu einem regionalen NATO-Marinekommando anwachsen können. Dann unter dem Namen „Baltic Maritime Component Command (BMCC) soll die Schaltzentrale in Rostock ab 2025 in der Lage sein Marineopera-tionen nicht nur in der Ostsee, sondern entlang der gesamten NATO-Nordflanke und darüber hinaus führen zu können“.

    Quelle: IMI „Informationsstelle für Militarisierung e.V.“ – „Der Blick geht Richtung Osten“ –

    Läuft unter „Neues taktisches Hauptquartier für NATO in Rostock“ (Copyright ARD)

    Alles klar?

    „Das dürfte fulminant gegen den 2+4 Vertrag verstoßen, denn der legt unmissverständlich fest, dass in Ostdeutschland keine NATO-Truppen stationiert werden dürfen“ postete ein „Verschwörungstheoretiker-User“ noch vor geraumer Zeit.

    Die „Verstörungs-Fakten.Checker“ analysierten damals:

    „Diese Behauptung ist jedoch falsch. In Rostock wird kein neues NATO-Hauptquartier errichtet. Ein bereits bestehender Führungsstab im Marinekommando Rostock, der bereits mit verschiedenen Ländern zusammenarbeitet, werde künftig zusätzlich Aufgaben für die NATO wahrnehmen“ –

    Tja – wir, die leitmediale Gegenfraktion (David sticht Goliath), diie Faktenchecker – Checker sagen heute:

    Quod erat demonstrandum

    • Vortex 31. Dezember 2024 um 1:24 Uhr - Antworten

      Historisch betrachtet hätte die Menschheit einen weiseren Weg einschlagen können, um die Energieversorgung zu sichern, diese Option (tinyurl.com/54t53wkz, tinyurl.com/24mv76ec, tinyurl.com/bdzbvpdc) wäre immer noch offen …

  3. Sabine Schoenfelder 30. Dezember 2024 um 9:32 Uhr - Antworten

    🥱. Wen soll diese inszenierte Kriegstreiberei noch interessieren ? Ist es nicht völlig egal, ob Strom und Wärme durch eigene staatliche Unfähigkeit oder scheinbare „Kriegshandlungen“ beabsichtigt unterbrochen und unterbunden werden ?
    Frieden ist „rechtsextrem“ und „Fossile“ sind Nazi.
    Dieses absurde Theater kostete Geld, Zeit- und Energie-Ressourcen. 🤮
    Und warum ? Um uns in Abhängigkeiten auf Mittelalter-Niveau zu treiben.
    Nennt sich Transformation. 👎🏽👎🏽👎🏽 Ich nenne es Totalitarismus mit dem Ziel Menschen zu schinden und zu „reduzieren“.

  4. Daisy 30. Dezember 2024 um 6:58 Uhr - Antworten

    Naja, jetzt geht es überhaupt auch um die Liefer- und Handelswege. Denn den Amis genügt es nicht mehr, Währungen und Resourcen zu kontrxllieren..Trump fordert, EUropa soll ausschließlich Gas und Öl aus Amerika kaufen, den Panama-Kanal möchte er zurück, Kanada soll Bundesstaat werden, aber nur das Rote Meer/Suez Kanal wird blöderweise gerade von den Huthis kontrxlliert. Das muss sich natürlich auch ändern! Da passt es, dass wenigstens die NATO die Ostsee schon überwacht. Kein Mensch überprüft die Gründe, die dafür angegeben werden. Weiß eh jeder, dass alles gelogen ist. Um dort Russen in Seenot zu retten, ist die NATO sicher nicht vor Ort, denn das wird neuerdings verweigert (Norwegisches Unternehmen erklärt Weigerung, Besatzung der gesunkenen Ursa Major aufzunehmen) – das ist eine massive Verletzung internationalen Rechts, eine unfassbare Barbarei.

    Der Westen ist in jeder Hinsicht am untergehen. Alles zerfällt, als erstes die Moral. Besonders die selbsternannten Gut:innen lassen eine gewaltige rxssistische Sxu heraus – das ist atemberaubend. Grund- und Menschenrechte werden ausgehebelt, Menschen werden mit Giftstoffen bespritzt, Studien dazu gefälscht, man glaubt, das Spurengas CO2 beseitigen zu müssen, damit es nicht wärmer wird usw. Dafür kassieren Superreiche Fantastilliarden. Wahlen sind unwichtig. Wenn man das Ergebnis nicht mit der Briefwahl fälschen kann, wird die Wahl annulliert oder man bildet Allianzen der Verlierer – nach jetzigen Umfragen hat die österr. Ampel jetzt schon keine 50% mehr! Die machen aber unbeirrt weiter. Sie brauchen mehr Ministerposten, hieß es jüngst, weil es halt soviele Parteien sind, die sich um den Trog scharen, gell ja?

    Schweden erhöht die Fläche von Friedhöfen, da man mehr „Kriegstxte“ erwartet….

  5. Glass Steagall Act 29. Dezember 2024 um 20:48 Uhr - Antworten

    Im Prinzip ist es ganz einfach, wer für diese ganzen Schäden oder auch nur den Geschichten darum verantwortlich ist! Das einzige Land, welches überall in der Welt zündelt, um sich geostrategische Vorteile zu schaffen, hat drei Buchstaben und grenzenlose Weltherrschaftsambitionen wie kein anderes Land!

    Man muss sich einmal fragen, an welchen Ort der Welt sie noch nicht irgend etwas zerstört, manipuliert oder getötet haben? Dazu haben sie extra das Pentagon, die CIA und das Militär bis an die Grenzen ausgestattet und bewaffnet, um jeden in der Welt damit auszubeuten und zu unterdrücken!

    Und selbst wenn etwas nicht zerstört wurde, so wurde im Sinne der Propaganda so getan, als ob. Nur um es einem anderen in die Schuhe zu schieben, um sich damit selbst die Legitimation für einen Angriff zu geben, bei dem sonst niemand in der Welt zustimmen würde. Sie sind Ankläger, Richter und Vollstrecker in einem.

    Mal ganz ehrlich, wer will da noch ein Freund von diesem Land sein? Wer glaubt denen noch ein Wort?

  6. Andreas I. 29. Dezember 2024 um 19:00 Uhr - Antworten

    Hallo,
    sicherlich nur ein Zufall: am 23. Dez. ist ein russisches Frachtschiff im Mittelmeer gesunken und die Reederei spricht von einem Terroranschlag auf das Schiff.

    Militärisch wäre das Wahnsinn (die Ostsee militärisch zu blockieren), denn das wäre kein Stellvertreterkrieg mehr, obwohl … die westeuropäischen Nato-Staaten wären der Stellvertreter für USA … aber jedenfalls wäre das eine direkte militärische Konfrontation Nato gegen Russland. Und Russland hat keine in dem Sinne nennenswerte Flotte, Russland hätte nicht genug Fregatten o.ä., um jeden Öltanker zu begleiten, aber darin läge das Risiko, denn Russland hat Luftwaffe und Raketentruppen.
    Also mal angenommen, russische Kampfflugzeuge fliegen wie üblich (wenn US-Zerstörer im Schwarzen Meer oder in der Ostsee zu aufdringlich wurden, war das so) im Tiefflug nah am Nato-Schiff vorbei, aber das Nato-Schiff würde nicht reagieren und einen russischen Tanker weiterhin blockieren. Was dann?
    Das wäre nur nebenbei ein Frage von Emotionen wie der oft beschworenen russischen Geduld, denn was hat es mit Geduld zu tun, was der USA-geführte Westen macht, so lange es die Wirtschaft Russlands nicht ernsthaft stört, ,,geduldig“ sind eher die deutschen Mehrheitsmichel, das nur nebenbei … aber eine Seeblockade?! Da wird es ernst, also rational.
    Als Drohung, um irgendeine Verhandlungsmasse gegenüber Russland zu haben, was USA ansonsten nicht hat, das könnte ich mir durchaus vorstellen. Aber ernsthaft eine Seeblockade?!
    Das wäre ein direkter Krieg Nato gegen Russland.

    • Der Zivilist 30. Dezember 2024 um 20:25 Uhr - Antworten

      Bzgl des Frachters im Mittelmeer habe ich zuerst von einer Explosion im Maschinenraum gelesen, dann gab es aber auch eine Meldung, daß Besatzungsmitglieder gesehen haben, daß die Ränder der Löcher nach INNEN gebogen waren, was eher für Haftminen spricht. Altes Problem, Explosion innen oder außen ? > Itavia 870

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