Sanktionen wirken: Gazprom beschleunigt Pipeline-Gastransporte nach China

21. September 2024von 2,1 Minuten Lesezeit

Russland beschleunigt seine Gasexporte nach China und strebt an, die volle Kapazität von 38 Mrd. Kubikmetern jährlich über die Power-of-Siberia-Pipeline bis Ende 2024 zu erreichen, ein Jahr früher als geplant. Moskau wendet sich China zu, da es europäische Käufer ersetzt, die aufgrund von Sanktionen verloren gegangen sind.

Russland beschleunigt seine Erdgasexporte nach China über die Power-of-Siberia-Pipeline und strebt an, die maximale Kapazität bis Ende 2024 zu erreichen – ein ganzes Jahr früher als geplant. Gazprom, der staatliche Energieriese Russlands, hat mit der China National Petroleum Corporation (CNPC) vereinbart, die Lieferungen im Dezember zu erhöhen und die geplante Kapazität der Pipeline von 38 Milliarden Kubikmetern (bcm) pro Jahr zu erreichen.

Diese Erhöhung der Gaslieferungen spiegelt Russlands Hinwendung zu China wider, da Moskau versucht, die verlorenen europäischen Käufer nach der der Sprengung von Nord Stream und den wiederholten Sanktionspaketen der EU zu ersetzen. Gazprom hat die Lieferungen bereits erhöht und in den ersten acht Monaten des Jahres 2024 nach Berechnungen von Bloomberg 20,8 Mrd. Kubikmeter geliefert, was fast der Gesamtmenge des Vorjahres von 22,7 Mrd. Kubikmetern entspricht.

Zusätzlich zur Power-of-Siberia-Pipeline entwickelt Russland eine zweite Pipeline aus seinem Fernen Osten, die bis 2027 voraussichtlich 10 Mrd. Kubikmeter pro Jahr hinzufügen wird. Die Verhandlungen über die geplante Power-of-Siberia-2-Pipeline, die die gesamten russischen Gasexporte nach China auf fast 100 Mrd. Kubikmeter pro Jahr steigern könnte, sind jedoch aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die Preisgestaltung ins Stocken geraten. Die Entscheidung der mongolischen Regierung, die Finanzierung für den Bau der Pipeline „Power of Siberia 2“ nicht in ihren Fünfjahreswirtschaftsplan aufzunehmen, wird allgemein so verstanden, dass China das Pipeline-Projekt überdenkt.

China ist zwar zum größten Energiekunden Russlands geworden, doch Peking überdenkt seine Abhängigkeit von russischem Gas. Geopolitische Bedenken, das Risiko einer zu starken Abhängigkeit und Chinas Interesse an einer Diversifizierung seiner Energiequellen sind die Gründe für dieses Überdenken.

Trotzdem ist Russland weiterhin bestrebt, seine Pipeline-Exporte nach China zu steigern, da die europäischen Märkte aufgrund von Sanktionen und Investitionen in alternative Energien weiter schrumpfen. Die anhaltenden Diskussionen und Entwicklungen deuten auf eine deutliche Verschiebung in der russischen Energiestrategie hin, wobei China eine zentrale Rolle in den Zukunftsplänen des Landes spielt.


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3 Kommentare

  1. Jan 21. September 2024 um 8:42 Uhr - Antworten

    Der Bau wird zB auf Wikipedia zwar als Folge der westlichen Politik gesehen, doch muss man die geografische Lage in Jakutien berücksichtigen. Die Landschaft ist berauschend schön, aber sehr schwierig. Gas mit seinem niedrigen Brennwert wird man kaum kostengünstig von Jakutien nach Europa bekommen können, bereits die Bereitstellung in China gilt als nicht profitabel.

    • Patient Null 21. September 2024 um 11:39 Uhr - Antworten

      Grad mal nachgeguckt, die Pipeline nach D (Sojus) ist 2700 km die Power-of-Siberia-2-Pipeline 2200 km.
      Pipeline ist anscheindend um einiges günstiger und btw auch umweltfreundlicher, als LNG Transport.

      Das billige Gas bekommt jetzt China. Die uns ja eh bereits mit besseren Preisen zu schaffen machen.
      Ampel Wirtschaftspolitik.

    • Andreas I. 22. September 2024 um 18:42 Uhr - Antworten

      Hallo,
      2014/15 hieß es, es hätte schon vorher Pläne gegeben, aber China und Russland konnten sich nicht auf einen Preis einigen, dann kamen die ,,Sanktionen“ und China konnte die nutzen, dass Russland einen niedrigen Preis akzeptierte. Und ich finde, das klingt plausibel. Außerdem bezeichnete Putin damals die Chinesen als ,,harte Verhandlungspartner“ und am Ende stand das berühmte Foto, wie Putin und Xi auf den Vertragsabschluss ein Glas Schnaps heben. Auch das passt dazu.
      Also wird Russland wohl vergleichsweise wenig Gewinn machen, aber immernoch Gewinn, sonst wäre die Röhre nicht gebaut worden.

      Was den Bau angeht, da weiß ich nicht, wie weit es über Permafrostboden geht, da ist es etwas aufwändiger, aber immerhin geht alles über Land. Das Gas durch Nord-Stream und Turkish-Stream konnte / kann Russland etwas teurer verkaufen, aber der Bau dieser Röhren unter Wasser dürfte auch teurer gewesen sein, als über Land.

      Und die Entfernung von Sibirien nach Westeuropa ist groß, aber ich weiß jetzt nicht, wie ggf. die bestehenden Gasröhren innerhalb Russlands ein Netz ergeben oder zu einem ausbaufähig wären. Denn dann müsste ,,nur“ bis zur nächsten möglichen Einspeisung eine neue Röhre gebaut werden.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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