
Kolonie Kongo
Eigentlich ist die „Demokratische Republik Kongo“ seit 1961 ein eigenständiger Staat und firmierte von 1971 bis 1997 unter der Bezeichnung „Zaire“. Eigentlich. Seit dem Ende des Kolonialregimes wird das Land allerdings von den westeuropäischen Eliten ausgebeutet. Unter der Regie des belgischen Königs Leopold II. wurde der Kongo zum blutgetränkten Kautschuklieferanten.
Jetzt soll der Kongo als Freiluftlabor für „Mpox“ dienen. Die absehbaren Opfer der Testisolierung und der experimentellen Genspritzen muss wieder einmal die dortige Bevölkerung bereitstellen. Im Unterschied zur Kolonialzeit zahlen dieses Mal die Zeche die Steuerzahler der Europäischen Union.
Wie wenig Selbstbestimmung dem Kongo zugebilligt wird, zeigte sich bereits wenige Monate nach der offiziellen Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Belgien am 30. Juni 1960. Ein halbes Jahr später wurde der erste frei gewählte Ministerpräsident Patrice Lumumba sehr wahrscheinlich unter Beteiligung westlicher Geheimdienste ermordet.
Seither hat das flächenmäßig zweitgrößte Land auf dem afrikanischen Kontinent mit seinen 100 Millionen Einwohnern nie zu einer friedlichen Entwicklung gefunden. Das Land wird durchgängig autoritär regiert. Politiker sterben in der Regel vorzeitig und plötzlich. Nur der Diktator Joseph Mobutu hielt sich 32 Jahre an der Macht. Es herrscht häufiger Krieg als Frieden. Der Völkermord an den Hutu brachte es auch in die internationalen Schlagzeilen. Trotz reicher Rohstoffvorkommen gehört der Kongo zu den ärmsten Regionen dieser Welt.
- Mayer, Peter F.(Autor)
Der Kongo war allerdings schon lange ein „failed state“ bevor er 1885 zur belgischen Kolonie degradiert wurde. Es begann schon mit dem ersten europäischen Kontakt, als die Portugiesen auf der Suche nach einem Seeweg zum indischen Subkontinent an der Mündung des Kongo einen Handelsposten errichteten. Der amtierende König Nkuwu kooperierte, ließ sich 1491 als João I. taufen und erhielt im Gegenzug militärische Hilfe. Nach dessen Tod blieb der christliche Mwemba als Dom Afonso I. (?-1543) für weitere 37 Jahre Vasall Portugals und des Papstes. Seine Hoffnung, von den Europäern auf Augenhöhe anerkannt zu werden, erfüllte sich allerdings nicht.
Dom Afonso I. erkannte zu spät, dass sein Land hinter der Maske eines angeblich wohltätigen Christentums zum Hauptumschlagplatz für afrikanische Sklaven verkam. Für die Abgabe von Menschen, Elfenbein und Kupfer hatten ihm die Portugiesen 1512 den Aufbau eines Rechtssystems, eines Heeres, missionarisches Engagement sowie die Unterrichtung des Hofes in portugiesischer Etikette zugesagt.
Afonsos Proteste gegen das Ausbluten seines Landes fanden kein Gehör. Nachdem drei Kuriere, die er entsandt hatte, um beim portugiesischen König und dem Papst zu protestieren, spurlos zwischen Lissabon und Rom verschwanden, verwies er 1526 die Portugiesen des Landes. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Kongo durch seine Abhängigkeit von Portugal allerdings längst seine Souveränität verloren.
Um einen Angriff durch das Volk der Jaga abzuwehren, rief man 1569 portugiesisches Militär zu Hilfe. Der Kongo wurde tributpflichtig und verlor seine formale Gleichwertigkeit als Königreich. Der Sklavenhandel expandierte und entvölkerte ganze Landstriche. Der Versuch, 1665 die mit Portugal abgeschlossenen Verträge für ungültig zu erklären und alle annektierten Gebiete zurückzuerhalten, scheiterte.
Eine portugiesische Armee besiegte das kongolesische Heer, enthauptete den König und zerschlug das Land in Einzelprovinzen. Das danach von politischen Marionetten geführte Königreich Kongo existierte lediglich noch auf dem Papier. Seither konnte so der Sklavenhandel durch Europäer, Afroaraber und einige afrikanische Völker ungestört und systematisch ausgebaut werden. Vom Anfang des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden etwa fünf Millionen Sklaven von der Küste des Kongo verschifft.
Das war die Situation, als König Leopold II. im September 1876 in Brüssel eine geographische Konferenz zur Erforschung des Kongo einberief. Man gab vor, helfen zu wollen und gründete eine Internationale Afrika-Gesellschaft (IAG), die humanitäre und wissenschaftliche Arbeiten koordinieren sollte.i Schon 1879 wurde der belgische Anteil an der IAG allerdings durch die Internationale Kongo Gesellschaft (IKG) ersetzt, in der es ausnahmslos um die ökonomische Erschließung des Kongobeckens ging. Lokale Herrscher traten dazu vertraglich ihre Gebiete an die IKG ab und ermöglichten den Aufbau der Infrastruktur für den Abtransport der Güter. 1885 wurde das Gebiet der heutigen Demokratischen Republik Kongo der IKG zugesprochen, deren alleiniger Eigentümer inzwischen Leopold II. war. Damit war der sogenannte Kongo-Freistaat Privatbesitz einer einzigen Person!
Es ist zu befürchten, dass „Mpox“ nur eine neue Episode der massenhaften Ermordung der dort lebenden Menschen darstellt. Bereits während der Kolonialherrschaft von Leopold II. kamen etwa die Hälfte der damals 25 Millionen Bewohner des Kongo durch Zwangsarbeit, Sklaverei, Mord und Unterernährung zu Tode.ii
Der zweite Kongokrieg nach dem Sturz Mobutus entvölkerte ganze Landstriche. Hochrechnungen gehen von mehr als drei Millionen indirekter Kriegsopfer aus. Ein dritter Kongokrieg dauerte offiziell von 2007 bis 2013. Seit März 2022 gibt es erneut Kämpfe zwischen den Rebellen und regulären Truppen. Man zählte mindestens sechs Millionen Binnenvertriebene im Land. Die Hälfte der Bevölkerung lebt mit unzureichender Nahrungsmittelversorgung. Am 19. Mai 2024 gab es einmal wieder einen Putschversuch.
In einem Land, in dem ständig Krieg und Not herrschen, müssen epidemische Infektionskrankheiten auftreten. Dies zur Grundlage einer weltweiten Notlage zu machen, demonstriert das interessengeleitete Agieren der WHO. Diese und andere Zusammenhänge werden im neuen Buch „Die Eroberung der Alten und Neuen Welt“ (Engelsdorfer Verlag) ausführlicher dargelegt.iii
Referenzen
i Hochschild A: King Leopold’s Ghost. Mifflin; Boston/New York 1998
ii Hochschild A: King Leopold’s Ghost. Mifflin; Boston/New York 1998
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Univ.-Doz.(Wien) Dr. med. Gerd Reuther ist Facharzt für Radiologie, Medizinaufklärer und Medizinhistoriker. Er hat insgesamt 8 Bücher veröffentlicht. Dr. phil. Renate Reuther ist Historikerin. Eben erschienen ist „Die Eroberung der Alten und Neuen Welt. Mythen und Fakten“.
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Euromomo – erinnern Sie sich noch?
Der „Aussatz“; ist zurück und heißt jetzt „Mpox“
Schlimm finde ich das auch die deutsche Bundeswehr in Afrika mitmischt. Oft hört man erst dann was davon wenn sie wieder mal irgendwo rausfliegen mit den Franzosen.
Der Kongo hat eine Fertilitätsrate von 6 Kindern pro Frau. Ein Viertel wird keine 10 Jahre alt, die Hälfte nicht älter als Zwanzig. Im hochgebildeten, überalterten und damit aber auch erfahrenen Österreich haben die Menschen unter Vernachlässigung jeder Contenance und Vernunft um Serien experimenteller Gentherapie-Injektionen gebettelt, trotz zweier Herzinfarkte und einem Schlagl in Spritznähe – und verlangen jetzt Kompensationszahlungen und Wiederherstellung.
Mit den Kindern im Kongo haben die Eugeniker leichtes Spiel. Gegen welche Menschen hat sich der amerikanische Rassismus gewendet, der Klu Klux Clan, die Sklavenhalter, die amerikanische Überlegenheitsphilosophie? Es wäre an uns, dem gebildeten und einflussreichen Westen, die Kabale abzudrehen. Aber das wäre Räääächts!!! Und außerdem unterstützen die Eugeniker Black Lives Matter! Und das reicht, um jegliche Kritik zu beenden.
Blinken: „Wer nicht am Tisch sitzt, steht auf der Speisekarte“
Gilt heute, galt schon bei der Kongokonferenz und für den ganzen Kolonialismus
Daß mit dem Kapitalismus und dessen Imperialismus oder dem Westen eine neue Ära angebrochen sei, ist dummes Zeug, es ist immer noch derselbe Kolonialismus derselben Kolonialmächte.
Also ich habe den Artikel der Reuthers gelesen.
Welchen Sie???