Nach 38.000 Klagen: Johnson & Johnson nimmt Babypuder vom Markt

13. August 2022von 1,5 Minuten Lesezeit

Nach milliardenschweren Niederlagen vor Gericht stoppt Pharmariese Johnson & Johnson den Verkauf seines Talk-Babypuders weltweit. Man streitet weiterhin alle Vorwürfe ab. 

Der Pharmakonzern Johnson & Johnson wird den Verkauf von seinem Babypuder, das auf Talkum basiert, im nächsten Jahr weltweit einstellen. Das hat der Konzern am Donnerstag mitgeteilt. In den USA stoppte man den Verkauf bereits im Jahr 2020, nachdem Tausende Verbraucher geklagt hatten.

Förderte Babypuder Krebs?

Mit insgesamt 38.000 Klagen ist Johnson konfrontiert. Die Verbraucher und ihre Hinterbliebenen werfen dem Konzern vor, dass das Produkt mit Asbest kontaminiert gewesen sei und deshalb Krebs verursacht habe.

Johnson spricht von „Fehlinformationen“ rund um die Sicherheit des Produkts. Das hatte den Pharmariesen dazu veranlasst, in den Vereinigten Staaten und Kanada den Verkauf einzustellen. Im nächsten Jahr soll es nun weltweit vom Markt genommen werden.

Die Vorwürfe werden vehement bestritten. Stattdessen hätten „jahrzehntelange wissenschaftliche Tests und behördliche Zulassungen“ gezeigt, dass der benutzte Talk asbestfrei sei. Bei der Verkündung des weltweiten Verkaufstopps am Donnerstag, wiederholte man diese Ansicht.

Niederlagen vor Gericht

Vorgesorgt hat Johnson bereits. Die Tochtergesellschaft LTL Management hatte man im Oktober ausgegliedert, Talkansprüche abgetreten und in Konkurs geschickt. Damit wurden die anhängigen Klagen gestoppt. Die Kläger sagen nun, Johnson müsse sich gegen die Klagen verteidigen, während Johnson sagt, es habe sich um einen „gerechten Weg“ gehandelt, die Kläger zu entschädigen.

LTL hatte bei Konkursanmeldung Kosten in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar durch Urteile und Vergleiche zu tragen. Ein Gerichtsurteil hatte 22 Frauen über 2 Milliarden Dollar zugesprochen.

Das Talkum-Puder wird nun durch ein Babypuder ersetzt, das auf Maisstärke basiert. Schon jetzt werde das neue Produkt „in vielen Ländern der Welt verkauft“, sagt der Konzern.


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge uns auf Telegram und GETTR


Niemand will Verantwortung tragen

Überraschung in Innsbruck: Impfkampagne eingestampft

11 Kommentare

  1. Annette Seelenmeyer 15. August 2022 at 18:10Antworten

    Wer bildhauerisch mit Speckstein arbeitet,genießt die hautfreundliche ,pflegende Eigenschaft von Talkum.Rauhe,rissige Hände werden weich,Mückenstiche oder Pickel heilen sehr schnell ab.Seit über 30 Jahren arbeite ich in der Pädagogik mit diesem Material, bei Kindern und Jugendlichen besonders beliebt.(Das das Material geprüft ist,versteht sich von selber!)Wer sich intensiver mitTalkum beschäftigt ,weiß das es auch als Füllstoff für Tabletten benutzt wird.Nix mit Asbest.Dieses Gerücht kursiert nun bald schon seit 20 Jahren im Netz,wer weiß, was da im Puder war🤔😱👌😂💎

  2. Taktgefühl 14. August 2022 at 19:45Antworten

    Bis 2018 ist Johnson & Johnson 27 mal verurteilt worden zu einer Gesamtsumme von 3.370.247.328 Euro. Mit den 3.194.355.000 Milliarden Euro hätte Johnson & Johnson den Spitzenplatz unter allen Pharmakonzernen bei Straf- und Vergleichszahlungen erreicht: 6,5 Milliarden Euro.
    Bis 2018 stand Pfizer auf dem Spitzenplatz mit 47 Verurteilungen und 4,4 Milliarden Euro Strafzahlungen.
    Das Erstaunliche finde ich, daß die Konzerne an der schlechten Presse nicht zerbrechen?
    Man merkt auch, daß „Transparenz“ kaum einen Effekt in der Bevölkerung hat. Die Daten sind leicht zugänglich, aber da scheint es ein genetisches Basisproblem zu geben.
    Die „Freaks“ scheinen mir da besonders unterinformiert zu sein. Das sind unglaublich eifrige Maskenträger. Tätowiert, geimpft, maskiert.
    Als Jugendlicher wollte ich auch dazu gehören, aber die haben mich zunehmend verstört.

  3. Karin Fürhapper 14. August 2022 at 11:41Antworten

    Ameisen sind ein wunderbarer Indikator für die ‚Wirksamkeit‘ von Johnsons Babypuder….sie verlegen ihre Straßen…grad empirisch beforscht ….und verlassen das gepuderte Terrain ….also Restbestände statt Ameisengift verwenden!

  4. Glass Steagall Act 13. August 2022 at 21:48Antworten

    Erstaunlich wie lange es brauchte um das festzustellen. Das Produkt muss mindestens über 50 Jahre im Programm gewesen sein.

    Aber man kennt ja auch inzwischen die gefährliche Wirkung von Teflon bei Millionen von Pfannenbeschichtungen. Lange hatte sich DuPont dagegen gewehrt. Und selbst heute wird noch das giftige Zeugs weiter auf Pfannen aufgetragen. Zig ahnungslose Kunden benutzen es täglich. Das gilt auch für sämtliche Antihaftbeachichtungen mit ähnlichen Namen. Seitdem ich es weiß, nehme ich nur noch Gusseisenpfannen!

    • Pierre 13. August 2022 at 22:29Antworten

      Hm ich bin auch kein Fan von Teflon, aber gibts dazu irgendwelche Berichte? Wenn die Beschichtung zu heiss wird, kann was abdampfen, was definitiv ungesund ist, aber sonst? Ansonsten sind jedenfalls auch emaillierte Pfannen gut. Im Grunde eine Glasschicht, die so ziemlich inert sein sollte.

      • Glass Steagall Act 14. August 2022 at 16:20

        Genau, das Ausdampfen ist ungesund, da man auch noch mit der Kopf darüber steht. Wie so oft krebserregend. Da es sich um langkettige chemische C8-Verbindungen handelt. Wie lange es ausdampft weiß ich nicht. Zumindest lange genug. Wieviel davon im Essen landet weiß ich auch nicht. Einfach mal nach C8-Verbindungen googeln. DuPont hat lange genug darüber geschwiegen.

  5. Pierre 13. August 2022 at 18:21Antworten

    Dachte ich auch: Wer braucht Babypuder…? Noch nie sowas benutzt, naja…

    Und wie will man nachweisen, dass vor Jahrzehnten irgendwelche Chargen mit Giftstoffen belastet waren… schwierig…

  6. Tony X 13. August 2022 at 13:34Antworten

    Wieso kann man das nicht einfach durch eine größere Zahl an Stichproben im Labor nachweisen ob Asbest drin ist? Oder wurde es nachgewiesen? Im Artikel wird es nicht erwähnt …
    2 Milliarden für 22 Frauen ist auch eine ziemliche Summe Geld.

    • matti 13. August 2022 at 16:43Antworten

      Tony X
      13. August 2022 at 13:34Antworten
      2 Milliarden sind für so einen Konzern ein Taschengeld. Umsatz 2021 93 Milliarden. Tendenz steigend.

  7. Alexander 13. August 2022 at 13:11Antworten

    Babypuder…. ganz ehrlich: Braucht keine Sau. Kartoffelstärke aus’m Küchenregal funktioniert wunderbar und da ist garantiert kein Asbest drin und es verdient auch kein Pharmariese Geld daran.

    • sepp1000 15. August 2022 at 10:51Antworten

      @Alexander aber Agrarriese verdient wegen Glyphosat-Maisstärke.
      Aus Kostengründen gibt es nämlich kaum noch Kartoffelstàrke ;)

Wir freuen uns über jeden Kommentar, aber ersuchen einige Regeln zu beachten: Bitte bleiben wir respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe, keine (Ab-)Wertungen und bitte auch keine Video-Links und Texte mit roten Rufzeichen. Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Aktuelle Beiträge