
Schwemmt Demokratie die Schlimmsten der Übelsten nach oben?
Wenn man erkennt, dass die allermeisten Kriege seit dem 2. WK und dutzende von Millionen Opfern in Kriegen und durch Sanktionen durch „Demokratien“ verursacht wurden, und wenn man das Vorgehen der so genannten „liberalen Demokratien“ des Westens auch heute sieht, fragt man sich, ob der griechische Philosoph Platon recht hatte, als er schrieb, dass Demokratie die Schlimmsten der Übelsten nach oben schwemmt.
Platon äußert sich in seinem Werk Der Staat (griechisch: Politeia), insbesondere im achten Buch, kritisch zur Demokratie. Er beschreibt sie als eine Staatsform, die aus der Oligarchie entsteht und durch übermäßige Freiheit und Gleichheit zu Chaos führt, wodurch letztlich die schlechtesten Elemente – wie Demagogen und Profiteure – an die Macht gelangen. Diese Idee, dass die Demokratie „die schlimmsten der Schlimmen nach oben schwemmt“, ist eine gängige Umschreibung seiner Kritik, die er mit dem Bild der „Drohnen“ (faule, parasitäre Figuren) veranschaulicht.
Nun wird man einwenden: „Moment, es gibt ja gar keine Oligarchien. Für die USA wurde wissenschaftlich klargestellt, dass es eine Oligarchie ist„. Aber das soll hier keine Rolle spielen, weil zumindest der Eindruck der Demokratie erweckt wird, mit dem Ziel, den Massen vorzugaukeln, dass sie selbst über ihr Schicksal entscheiden.
Laut Platon entsteht die Demokratie, wenn die Armen in der Oligarchie revoltieren und die Reichen stürzen. Doch diese Freiheit führt zu Zügellosigkeit: Jeder tut, was er will, ohne Rücksicht auf Kompetenz oder Moral. Die „Drohnen“ – also kecke, ehrgeizige Redner und Demagogen – übernehmen die Führung, da sie das Volk täuschen und manipulieren. Platon schreibt sinngemäß: „Die Kecksten wirken dort in Rede und Tat, der Rest sitzt um die Rednertribüne und lässt infolge seines Gebrumms keine andere Meinung aufkommen; daher liegt die Leitung eines demokratischen Staates fast ausnahmslos in den Händen solcher Menschen.“
Diese „schlimmsten“ Persönlichkeiten saugen den Staat aus wie Drohnen einen Bienenstock, verteilen nur wenig an das arme Volk und hetzen es gegen die Wohlhabenden auf, was zu Anklagen, Prozessen und schließlich zur Tyrannis führt – der schlimmsten Staatsform. Platon argumentiert, dass in der Demokratie mangels richtiger Erziehung und Auswahlkriterien die falschen Leute regieren, getrieben von persönlichem Ehrgeiz statt Weisheit. Er warnt, dass diese Form „an dem unersättlichen Streben nach ihrem höchsten Gut, der Freiheit, letztlich zugrunde gehen“ und in Tyrannei münden werde. Stattdessen plädiert er für eine Aristokratie der Philosophen, wo nur die Besten (nach Bildung und Vernunft) herrschen. Diese Kritik basiert auf Platons Beobachtungen der attischen Demokratie in Athen, die er als verkommen ansah, und dient als Warnung vor dem Verfall von Staaten.
Liberale Demokratien vs China
Im Globalen Süden wird die Hypothese lebhaft diskutiert, dass China durch die strikten Auswahlkriterien der Führung des Landes die Warnungen und Kritik von Platon berücksichtigten, ohne aber direkt eine Aristokratie eingeführt zu haben, wenn auch Tendenzen dazu bestehen, weil die politische Führung Privilegien nutzt. Diese Hypothese erscheint durchaus plausibel und wird in der politischen Theorie intensiv diskutiert, insbesondere im Kontext der „politischen Meritokratie“ Chinas, die als Alternative zur westlichen Demokratie gesehen wird. Platon warnte in Der Staat vor den Gefahren der Demokratie: Sie fördere übermäßige Freiheit, die zu Anarchie führe, und lasse Demagogen – die „Schlimmsten der Schlimmen“ – an die Macht kommen, da das Volk leicht manipulierbar sei und Kompetenz vernachlässige. Stattdessen plädierte er für eine Aristokratie der Philosophen, wo die Weisesten und Tugendhaftesten durch Bildung und Vernunft ausgewählt werden, um den Staat zu leiten.
Chinas politisches System unter der Kommunistischen Partei (KPCh) kann als eine moderne Umsetzung solcher Warnungen interpretiert werden, ohne jedoch eine reine platonische Aristokratie zu sein. Es basiert auf einem meritokratischen Auswahlverfahren, das Leistung, Prüfungen und praktische Erfahrung priorisiert, um die von Platon kritisierten Schwächen der Demokratie zu umgehen – wie die Herrschaft der Unfähigen oder die Tyrannei der Mehrheit. Führungskader steigen durch ein hierarchisches System auf: Beginnend mit lokalen Posten, wo sie durch Leistungsbeurteilungen, Parteischulungen und manchmal Prüfungen (ähnlich dem imperialen Beamtenexamen) bewertet werden. An der Spitze, wie beim Generalsekretär oder Politbüro, erfolgt die Auswahl durch interne Deliberationen der Partei-Elite, nicht durch Wahlen. Dies soll sicherstellen, dass nur erfahrene, kompetente Personen regieren, die langfristig denken und nicht auf kurzfristige Popularität angewiesen sind.
Befürworter wie Daniel A. Bell argumentieren, dass dieses Modell die „Tyrannei der Mehrheit“ (Platon) vermeidet, indem es Merit über Stimmen stellt, und es mit demokratischen Elementen an der Basis kombiniert, wie lokalen Wahlen oder Experimenten in mittleren Ebenen.
Allerdings ist es keine direkte Umsetzung von Platons Ideal: Platon wollte unabhängige Philosophen, die durch Weisheit und Ethik regieren, während Chinas Meritokratie stark parteigebunden ist – Loyalität zur KPCh und ideologische Konformität sind entscheidend, was Kritiker als verdeckte Autokratie sehen. Korruption und Nepotismus existieren trotz des Systems, und es fehlt an Transparenz oder echter Rechenschaftspflicht gegenüber dem Volk, was Platon möglicherweise als Verfall kritisieren würde. Was aber vorwiegend von westlichen Kritikern so gesehen wird. In China selbst weist man auf die rigide Verfolgung von Nepotismus und Korruption hin, die auch vor höchsten Parteikadern nicht zurückschreckt.
Chinas System hat große Erfolge gezeigt, z. B. in der Armutsbekämpfung und wirtschaftlichem Wachstum, was als Beweis für stabile, kompetente Führung gilt – im Gegensatz zu populistischen Tendenzen in Demokratien. Und China hat, anders als die westlichen „Demokratien“, vermieden, durch Kriege geopolitische Ziele durchzusetzen.
China scheint Platons Kritik an der Demokratie zu berücksichtigen, indem es ein selektives System schafft, das die „Besten“ (nach parteispezifischen Kriterien) fördert, ohne zu einer vollständigen Philosophenkönigsherrschaft zu werden. Es ist eine hybride Form, die Meritokratie mit autoritären Elementen verbindet, und bleibt umstritten – je nach Perspektive als überlegen oder als Bedrohung für Freiheit. Ob das System in westlichen Gesellschaften kopiert werden kann ist fraglich. Die mehrtausendjährige Kultur Chinas hatte schon immer einen anderen Weg gefunden. Während Generationen im Westen auf Individualismus, Wokismus, Glauben an die Demokratie als quasi-Religion, indoktriniert wurden.
Natürlich kann man Platons Thesen nach tausenden von Jahren nicht mehr als mit Menschenwürden vereinbar umsetzen. Auch die Herrschaft eines kommunistischen Einparteiensystems kann nicht die Lösung sein, mit der außer einem erfolgreichen Staat auch die Selbstbestimmung eines modernen Menschen erreicht werden kann. Andererseits hat die „Demokratie“ wie man sie heute praktiziert, bewiesen, dass sie ebensowenig beides entscheidend erreicht. Die Aufgabe wäre, einen richtigen neuen Zwischenweg zu finden.
Bild: Screenshot aus einem Video über Platons Staatsprinzipien
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Es ist logisch einsichtig, dass die unterlegene Minderheit niemals den Kompromiss eingehen könnte, von der siegreichen Mehrheit getötet oder enteignet zu werden. So also kanns nicht gemeint sein.
Schauen wir zur Landtagswahl nach Baden-Württemberg, so liegt die Grünschwarze Koalition bei 60%, die Afd bei über 9%, die SPD bei über 5%. Rechnet man aber die Nichtwähler von 30% mit ein, erreicht die Koalition nur 41%, der Ministerpräsident wurde von 20% der Bevölkerung gewählt, ein Fünftel. Dass ist die „Mehrheit“. Özdemir sieht man dieses Bewusstsein nicht an.
Es entsteht eine Drittelung in Europa, ein Drittel traditionelle Parteien, ein Drittel Rechts, ein Drittel Nichtwähler. Dh es ist keine Regierung möglich, die nicht zwei Drittel Gegner hätte. Qua definitionem ist das keine Mehrheit.
Da die Nichtwähler sich durch die Politik der letzten Jahre sehr nachdrücklich von den traditionellen Parteien entfernt haben und inhaltlich häufig den Rechten nahe stehen, werden die Rechten, so sie demnächst in der Regierung sind, sich über Volksentscheide und Co mit den Nichtwählern verbünden und eine Zweidrittelmehrheit erhalten.