Ex-ORF Redakteur an Regierung: „Vermisse klare Verurteilung der US-israelischen Angriffe auf den Iran“

10. März 2026von 7,1 Minuten Lesezeit

Der Mainstream zeigt sich beim Iran-Krieg so unterwürfig wie bei Corona, Klimawandel, Schäden durch 5G, den Krieg in der Ukraine seit 2014, den Völkermord in Gaza und nun den Irankrieg von USA und Israel. Scharfe Kritik gibt es aber dennoch von Journalisten aus Mainstream Medien, zumindest von pensionierten. Hier ist eine davon.

Der ehemalige ORF-Redakteur/Reporter und Moderator, Buchautor Hans-Christian Scheid, schreibt an TKP: „Ich darf Ihnen auf diesem Weg einen Brief übermitteln, den ich sowohl an Bundeskanzler Stocker als auch an Vizekanzler Babler geschrieben habe, weil ich über die bisherigen Äußerungen zum lran-Krieg seitens der Österreichischen Bundesregierung empört bin, die nämlich eine klare Verurteilung der US-israelischen Angriffe auf den Iran vermissen ließen. Ein neutraler Staat sollte sich meiner Ansicht nach wohl anders verhalten. Insbesondere fehlte mir ein empörter Aufschrei angesichts des Bombenabwurfs auf die Schule im Iran, bei dem so viele Zivilisten ihr Leben verloren.“

Das ist eine Bitte, der ich selbstverständlich gerne nachkomme. Ich vermute mal, dass Hans-Christian Scheid die Meinung vieler unserer Kollegen trifft, nicht nur die von pensionierten, sondern auch der aktiven, die die Blattlinie zu befolgen haben. Vor 10 bis 15 Jahren, etwa in den Jahren nach dem gescheiterten Versuch eine Pandemie mit einem Vogelgrippevirus zu veranstalten, sind offenbar die Mainstream Medien im politischen Westen an die Kandare genommen worden – teils mit staatlicher Medienförderung, teils mit gezielter Verteilung von Werbemitteln, teils mit Übernahmen und teils mit Finanzierung durch Oligarchen oder „NGOs“.

Bei den Ärzten haben wir die Folgen freier Meinungsäußerung und die Einhaltung medizinischer Ethik und des Hippokratischen Eides mitverfolgen können. In Deutschland laufen noch immer Polit-Prozesse und hervorragende Ärzte wie Dr. med. Bianca Witzschel wurden zu Haftstrafen verurteilt.

Aber genug der Vorrede, hier die Auszüge aus dem Brief:

„Bis ins hohe Alter hinein hat meine Mutter mir immer wieder von den Schrecken durch die Luftangriffe der damaligen alliierten Bomberverbände über Graz im Zweiten Weltkrieg berichtet. Meine Mutter, damals eine junge Frau, lief buchstäblich um ihr Leben auf dem Weg von ihrer Arbeitsstelle in den Stollen des Grazer Schlossbergs, dem Zufluchtsort für tausende Grazer damals. Es war durchaus aus ihren Schilderungen heraus zu hören, dass es für meine Mutter wohl lebenslang ein Trauma gewesen sein muss, was sie damals in Angst um ihr Leben so alles erlebte.“

Schon damals hatten die USA und die Briten Flächenbombardements von Städten durcgeführt um reinen Terror auszuüben. Bekannteste Beispiele sind die Zerstörung von Dresden und die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.

„Aufgrund dieser Erzählungen bin ich bis heute sehr demütig, weil ich mir bewusst bin, was meine Generation bis heute für ein Glück hatte, in all den Jahrzehnten seit Kriegsende in einem friedlichen Österreich gelebt haben zu diirfen. Umso mehr habe ich aber immer mitgefühlt, insbesondere mit jenen Menschen in aller Welt, die einem Bombenhagel aus Luftangriffen schutzlos ausgesetzt waren. Es hat mich auch immer wieder durchaus in Journalistenkreisen gestört, wenn ohne große Anteilnahme und Empathie über derartige Angriffe berichtet wurde.

Mit Erschütterung verfolge ich nun seit Samstag früh die Berichte über den Krieg im Nahen Osten. Ein Krieg, der gleich am ersten Tag mich an meine vor einigen Jahren verstorbene Mutter denken ließ, als ich von der Zerstörung einer Mädchenschule im Iran hörte, wo durch Bomben aus der Luft, abgeworfen von einem israelischen oder US-amerikanischen Kampfflugzeug, bis zu 150 Schülerinnen ums Leben gekommen sein sollen.

Und jetzt komme ich zu Ihnen. Ich bin über die Reaktionen der Österreichischen Bundesregierung zum Kriegsausbruch empört. Weder Sie Herr Bundeskanzler, Sie Herr Vizekanzler noch die Augenministerin haben bisher klаге Worte der Verurteilung für diesen Krieg gefunden. Ich hatte mir erwartet, dass Sie als österreichische Bundesregierung eines neutralen Staates die Urheber dieses Krieges in einer diplomatischen Note verurteilen und zur sofortigen Einstellung der Angriffe auf den Iran auffordern. Und die Urheber, man kann wohl von Aggressoren sprechen, sind die Vereinigten Staaten und Israel. Kopfschütteln hat bei mir eine Aussendung von Vizekanzler Babler vom vergangenen Samstag ausgelöst, in der zwar auf schwerwiegende Verstöße gegen das Völkerrecht verwiesen wird und auch auf das Gewaltverbot in der UN-Charta Bezug genommen wird, aber nicht „Ross und Reiter“ benannt werden. In der Aussendung von Ihnen, Herr Babler, fehlte der ausdrückliche Hinweis auf die Vereinigten Staaten und Israel, die diesen Krieg am Samstag begonnen haben.

Und das obwohl der als Vermittler in dеп Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran vermittelnde Außenminister des Oman sogar wenige Stunden zuvor noch von Fortschritten in den Verhandlungen gesprochen hatte. Es stellt sich mir hier also die Frage, ob die USA Scheinverhandlungen mit dem Iran geführt haben und eine »Diplomatie der bewussten Täuschung“ gegenüber dem Iran vorliegt. Der Iran hat in den vergangenen Wochen immer schon davon gesprochen, dass man sich im Falle eines Angriffes auf das Land zur Wehr setzen und sich verteidigen werde. Ich darf in diesem Zusammenhang auf Kapitel 51 der UN-Charta verweisen, wo das Selbstverteidigungsrecht festgeschrieben ist, die zentrale Ausnahme vom grundsätzlich geltenden Gewaltverbot.

Werter Herr Bundeskanzler Dr. Stocker, mir liegt eine Internet- Meldung der Tageszeitung Die Presse von gestern Abend vor, in der Sie ausführlich zum Krieg im Nahen Osten zitiert werden. Wieder verabsäumen Sie es die Auslöser des Krieges beim Namen zu nennen. Kritik gibt es von Ihnen lediglich am Iran. Sie werden unter anderem mit den Sätzen zitiert: „Der Terror des iranischen Regimes muss enden. Mit seinem Vorgehen hat sich der Iran völlig isoliert und einmal mehr gezeigt, dass er bereit ist, jede rote Linie zu überschreiten, so Stocker. Und weiter: „Der Iran sei nicht nur eine Bedrohung für Israel und andere Staaten der Region, sondern auch für uns.“ In der ganzen Meldung findet sich kein Kommentar von Ihnen zur Ermordung von Zivilisten im Iran, etwa zu dem Bombenangriff auf die Mädchenschule. Ebenso finde ich in der ganzen Meldung keinerlei Verurteilung der Ermordung des geistlichen Führers des Iran, Ayatollah Ali Khamenei. Mittlerweile hat die Berichterstattung zum Tod von Khamenei in westlichen Medien auch einen dramatischen Zivilisations-Verfall gezeigt. Man spricht Khamenei geradezu die Menschenwürde ab, entmenschlicht ihn, in dem etwa von ,einer Figur’ die Rede ist, die ,ausgeschaltet’ worden sei und es wird von Journalisten, die Frage aufgeworfen, ,ob man ihn nicht schon früher hatte ermorden sollen’ Ich kann Ihnen gerne dazu die entsprechenden Berichte vorlegen. Ich sehe den Journalismus auf einem weiteren Tiefpunkt angelangt und frage Sie, wollen Sie aus Ihrem Amt gebombt werden? Wohl kaum. Ist das die neue Normalität im Westen, in dem Staatschefs entführt oder mit Bomben ermordet werden? Ist das der vielbeschworene Wertewesten???“

Hier noch einige weitere kurze Auszüge:

„[Trump] ließ Venezuela, Nigeria, Syrien, den Jemen, den Irak, Somalia und nun mehr bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres den Iran bombardieren. Und die EU und ihre Politiker kuschen, weil wir offenbar so etwas wie Vasallen der USA zu sein scheinen.“

Thema Atombomben:

„So erzählt man uns übrigens ja schon seit Jahrzehnten (sic!), der Iran stehe kurz vor der Entwicklung einer Atombombe.“

„Ich würde von Ihnen auch noch gerne wissen, warum der Iran aus Ihrer Sicht nie und nimmer über eine Atombombe verfügen dürfe, aber Niemand auf internationaler Ebene den Atomwaffenbesitz Israels erwähnt. Warum schweigt die Welt über das israelische Atomwaffenprogramm? Letztlich ist der Atomwaffenbesitz durch Israel aber ein offenes Geheimnis. Es war übrigens ein US- Prasident namens John F. Kennedy, der Israel ursprünglich von der Entwicklung abbringen wollte.“

Und hier noch ein interessanter Vorschlag von Hans-Christian Scheid:

„Zum Schluss mochte ich Ihnen schon in diesem Schreiben einen Vorschlag unterbreiten, der mir gerade in diesen Tagen besonders am Herzen liegt. Was ist, wenn Österreich in einem Schulterschluss mit der Schweiz eine ,Achse für den Frieden‘, eine „neutrale Oase“ inmitten Europas bildet, basierend auf der Neutralität beider Staaten und der Tatsache, dass sowohl Wien als auch Genf UNO-Sitze sind. In Verbindung damit würde ich auch die Chance sehen, vielleicht die UNO wieder neu zu beleben und letztlich Wien tatsächlich wieder zu einer Bühne der internationalen Diplomatie zu machen.“

Hier ist der gesamte Text: Brief zu Iran an Stocker und Babler

Biild: Österreichisches Außenministerium, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

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7 Kommentare

  1. Goatpete 10. März 2026 um 22:02 Uhr - Antworten

    Ich vermisse hier nicht nur die Verurteilung des Angriffs auf den Iran, sondern auch die ständigen Angriffe auf den Libanon! Der wurde hier noch nicht einmal erwähnt!

  2. ibido 10. März 2026 um 20:54 Uhr - Antworten

    Danke für diesen Brief!
    Öffentlich Stellung zu beziehen ist wichtig.

  3. Daisy 10. März 2026 um 19:21 Uhr - Antworten

    Der ORF hat den Angriff Russlands auf die Ukraine verurteilt und sollte dies konsequenterweise auch in Bezug auf den Angriff USr. auf den Iran tun. Zu beidem wären wir als neutrales Land verpflichtet. Ich habe Russlands Angriff auf die Ukraine nicht verurteil, weil er provoziert war. Ich habe Trumps Entführung Maduros nicht verurteilt, weil es rasch und fast ohne Opfer ging und sich dort so etwas wie die NATO für Russland entwickelt hat. Es war aber wohl auch eine Vorbereitung für den Iran-Krieg. Ich habe immer gehofft, man kann sich am Verhandlungsweg einigen, leider hat sich der Gummizellenanwärter von da unten durchgesetzt. Dann habe ich gehofft, sie schaffen einen Regime-Change, denn das schien ja die Absicht zu sein. Mittlerweile ist das Ziel die totale Zerstörung. Man gibt die Hoffnung nicht auf und so hoffe ich auf ein baldiges Ende.

    Der Irankrieg war unprovoziert und verstößt daher ganz klar gegen das Völkerrecht. Aber Isr. macht das ja schon lange so. Wir als die ewig Schuldigen können es nicht kritisieren. Das haben wir unseren Politikern zu verdanken, die mit dieser Keule immer wieder versucht haben, die Opposition zu unterdrücken. Angefangen hat dieses System bei Waldheim, dessen Präsidentschaft man mit der ewigen Schuld verhindern wollte. Es gelang der SPÖ danals Waldheims Renomee (und damit auch unseres) zu ruinieren. Immerhin war er davor UN Generalsekretär. Ôsterreich wurde als Nadsiland geächtet und musste von da an vermehrt NS-Entschädigungen zahlen. Das wurde immer irrer bishin, dass heute der Verzehr von Eiernockerln schon nadsi ist, weil das angeblich H.s Leibspeise war. Und übrigens ist das auch der Grund, warum die FPÖ Isr. niemals kritisieren würde. Sofort hieße es, das wäre antidings und man ruft nach einem Parteiverbot…

    • Daisy 10. März 2026 um 19:25 Uhr - Antworten

      Renommee …schaut komisch aus, aber gehört wohl so…

  4. Bernhard 10. März 2026 um 18:41 Uhr - Antworten

    Dieser Brief an die Republik versprüht genau den Geist der Verfassung, den unsere stumpfen Spitzen verraten wollen. Dieser lässt sich nur zum Glück nicht so leicht austreiben.
    Die Schweiz wäre ein natürlicher Verbündeter, der ihn stärken könnte.
    Wenn aber alle geschwächt werden, die sich von Selbstüberschätzung und Feindbildern nähren, wird sich letztlich wahre Stärke herauskristallisieren. Neutralität und aktive Friedenspolitik sitzen langfristig am längeren Ast.
    So jemand wie Hans-Christian Scheid würde den ORF geistig enorm stärken. Er weiß nämlich – im Gegensatz zu Weißmann und gehandelten Nachfolge-Marionetten – , dass öffentlich rechtlicher Rundfunk den Geist unserer Verfassuung ausstrahlen muss.

  5. Jan 10. März 2026 um 15:48 Uhr - Antworten

    Es ist ein Streit um des Kaisers Bart. In wenigen Wochen wird die Finanzkrise alle Debatten beherrschen und die größten Fans einer Intervention werden sich in den Hintern beißen.

    Es werden die pragmatischen Lösungen vorgezogen werden, Selensky, Bibi und Trump werden durch die eigenen Leute fallen und anstelle des Sündenbockbashings wird man mit den Alltagsrealitäten genug zu tun haben.

    Die Situation ist so, wie wenn ein Ehestreit tobt, in den sich auch noch die Schwiegermütter einmischen und plötzlich kommt das Hochwasser und steigt in der Küche 70cm hoch.

    • Peter Ruzsicska 10. März 2026 um 16:49 Uhr - Antworten

      100pro! Der Sachzwang hat immer recht – Die lässige Normativität des Faktischen.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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