
Warten auf Trumps Angriff
Ausgerechnet auf seinem „Friedensrat“ verkündet Trump öffentlich ein Ultimatum an den Iran – Orwell wäre stolz. Die Welt wartet auf den US-Angriff auf den Iran – Folgen unvorhersehbar.
Am Freitag hat die USS Gerald R. Ford, der weltgrößte Flugzeugträger, die Straße von Gibraltar passiert und ist ins Mittelmeer eingelaufen. Begleitet von Zerstörern wie der USS Winston S. Churchill und der USS Bainbridge verstärkt die Carrier Strike Group die ohnehin massive US-Präsenz in der Region. Die USA bereiten sich auf einen Angriff auf den Iran vor. Am Donnerstag forderte Trump Teheran auf, „innerhalb von 10 bis 15 Tagen“ einen „Deal“ abzuschließen – nicht wenige glauben jedoch, dass die Entscheidung für einen Angriff ohnehin bereits gefallen ist.
Vizepräsident JD Vance konkretisierte die US-Forderungen: Der Iran müsse jegliche Urananreicherung einstellen und die Reichweite seiner ballistischen Raketen, einschließlich Hyperschallwaffen, drastisch begrenzen. So in etwa die Maximalforderungen aus Washington. Besonders pikant: Mit dem Angriff der USA im Zwölf-Tage-Krieg hatte Trump erklärt, das Atomprogramm des Iran völlig zerstört zu haben. Etwa neun Monate später ist wieder alles anders und die USA drohen erneut unverhohlen – Grund: das eigentlich völlig zerstörte Atomprogramm. Ebenso wenig redet man in Washington noch über die inneriranische Opposition, die Trump im Jänner zum Protest öffentlich angestachelt hat. Das ist mittlerweile alles egal. Davon reden Trump, Vance, Rubio und andere nicht mehr.
Auch innenpolitisch gibt es in den USA kaum eine ernsthafte Debatte. George W. Bush war damals – das Gepäck voller Lügen – durch das Land gezogen, um für seinen Angriff auf den Irak zu werben. Dieser sei notwendig zum Schutz der Iraker, wegen Massenvernichtungswaffen und so weiter. Heute gibt es so etwas nicht. Trumps Administration stellt sich den Fragen „Warum“ und „Warum jetzt“ der Iran angegriffen werden soll, gar nicht.
Anders als beim Irak-Krieg formiert sich auch keine „Koalition der Willigen“. Die europäische NATO dürfte im Krieg kaum relevant mitmischen. Die USA und Israel stehen weitgehend allein. Die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer hat bereits klargemacht, dass sie den USA keine Nutzung von RAF-Basen – etwa in Fairford oder auf Diego Garcia – für Angriffe auf den Iran gewähren wird. Das hat in Washington erhebliche Empörung ausgelöst.
London sorgt sich offenbar, in den Konflikt hineingezogen zu werden und – angeblich – ob der Missachtung des Völkerrechts. Andere NATO-Staaten halten sich bedeckt – ob Paris oder Berlin, man mischt sich kaum in die US-Kriegsrhetorik ein. Man kann aber davon ausgehen, dass Berlin die US-Basen im Land nicht blockieren wird.
Eine Bodeninvasion soll weiterhin nicht geplant sein. Manche Berichte sprechen von einem „begrenzten Erstschlag“, was allerdings voraussetzt, dass der Iran keinen relevanten Gegenschlag führen kann. Israelische Militärs sprechen auch davon, dass der Iran verbesserte Raketen im ganzen Land herstellt. Diese hätten ausreichend Reichweite, um Ziele in Südosteuropa zu treffen, wo es – anders als in Israel – kaum oder gar keine Luftabwehr gibt. Diese Raketen hätten schon im Sommer erhebliche Schäden in Israel angerichtet. Offenbar rechnet auch Israels Militärführung nicht damit, dass ein Luftschlag den Iran einfach zum Einlenken bringen würde.
Wie schwer die US-Administration einzuschätzen ist, hat Trump mit seinem Blitzangriff auf Venezuela eindeutig bewiesen. Ob es sich um Säbelrasseln handelt oder ob der Angriff schon längst entschieden ist? Die Öffentlichkeit kann nur mutmaßen.
Auch innerhalb der USA hat ein Angriff auf den Iran sehr wenig Unterstützung. Die große Mehrheit der Amerikaner, etwa 70 Prozent, sprechen sich gegen einen Angriff, selbst einen „einmaligen Luftschlag“ aus. Ebenso ist die Mehrheit der iranischen Diaspora in den USA dagegen, das sagte eine Umfrage schon Mitte Januar. Damals zum Höhepunkt des Aufstandes im Iran. Ein Militärschlag dürfte seither nur noch weniger Unterstützung haben. Aber ob Trumps Administration das irgendwie interessiert, kann bezweifelt werden.
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