Gaddafis Sohn ermordet

4. Februar 2026von 1,6 Minuten Lesezeit

Kurzmeldung: Gaddafis Sohn, von dem vermutet worden war, dass er  als neuer Präsident Libyens das Land würde einen können, und den Bürgerkrieg beenden, der seit der NATO-Bombardierung für Not und Chaos sorgt, wurde ermordet.

Muammar Gaddafis Sohn Saif al-Islam Gaddafi ermordet

Wer war es? Unsere Quellen vor Ort in Libyen vermuten, dass der britische Geheimdienst lokale Agenten einsetzte, um den Mann zu ermorden, der von vielen als derjenige angesehen wurde, der Libyen 15 Jahre nach dem NATO-Bombardement und dem damit einhergehenden Zusammenbruch des Staates im Zuge der Kampagne zur Tötung Muammar Gaddafis wiedervereinen konnte.

Wir wissen auch, dass Frankreich in Libyen ein starkes Interesse hat. Aus Wikileaks-Dokumenten geht hervor, dass Frankreich 2011 einen größeren Anteil an der libyschen Ölproduktion anstrebte und Sarkozy verhandelte, um sich bis zu 35 % der libyschen Ölproduktion zu sichern.

Wir wissen, dass die USA, Großbritannien und Frankreich Muammar Gaddafis Plan für eine panafrikanische Golddinar-Währung sowie sein Engagement für die panafrikanische Einheit – ein Erbe, das Saif al-Islam Gaddafi antrat – fürchteten.

Saif al-Islam Gaddafi verbrachte Jahre damit, in ganz Libyen Wahlkampf zu führen, um bei den immer wieder verschobenen Wahlen anzutreten, und galt vielen als aussichtsreichster Kandidat für einen Sieg bei jeder Präsidentschaftswahl. Er genoss sogar die Unterstützung von Stämmen, die 2011 noch gegen seinen Vater gekämpft hatten.

Nun beobachten wir, wie die USA, Großbritannien und Frankreich die lange verzögerten Wahlen in Libyen mit Nachdruck vorantreiben, nachdem der einzige aussichtsreiche Kandidat, der Libyen hätte vereinen und sich ihren Anweisungen widersetzt hätte, Libyen zu einer faktischen Kolonie zu machen, die permanent ihrer Ölreserven beraubt wird, tot ist.

Bild: Wikipedia

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9 Kommentare

  1. Jochen Mitschka 4. Februar 2026 um 11:57 Uhr - Antworten

    Ein x-Thread (übersetzt) https://x.com/AGomati/status/2018818809373859937

    Vier Agenten drangen in sein gesichertes Versteck ein, töteten ihn und verschwanden anschließend.

    Bislang hat sich keine Gruppe oder Fraktion zu der Tat bekannt. Diese Präzision erfordert eine Eliteausbildung, Beziehungen und das Abschalten interner Überwachungskameras.

    Nur ausländische Geheimdienste gewährleisten in Libyen ein solches Maß an operativer Sicherheit.

    Der Zeitpunkt ist verdächtig.

    Sein Tod ereignete sich 48 Stunden nach einem von den USA vermittelten Treffen in Paris zwischen Saddam Haftar und Ibrahim Dbeibah – den Machthabern im Osten und Westen Libyens.

    Gaddafi-treue Kreise sehen einen Zusammenhang. Der Zeitpunkt wirft Fragen auf.

    Saif hatte sich seit 2017 aus Angst vor einem Attentat versteckt gehalten. Sein einziger öffentlicher Auftritt war die Registrierung für die Präsidentschaftswahlen im November 2020, bevor er im Dezember von Haftars Truppen am Betreten des Gerichtsgebäudes in Sabha gehindert wurde.
    Er erzielte in den Umfragen ein besseres Ergebnis als Haftar.

    Das machte ihn zu einer Bedrohung.

    Wer profitiert davon?

    Haftar beseitigt seinen größten Rivalen um die Zukunft Libyens. Der Weg zur Nachfolge für seine Söhne ist nun frei.

    Dbeibah beseitigt den unberechenbaren Faktor, der jede politische Einigung hätte gefährden können.

    Die USA schwächen Russland, das seine Gaddafi-Versicherung verliert und nun tiefer in Haftars Einflussbereich gedrängt wird.

    Wer übernimmt die Führung?

    Die Familie Gaddafi wird sich nicht erholen. Aisha im Oman, Saadi in Istanbul, Hannibal gerade aus dem libanesischen Gefängnis entlassen – keiner von ihnen kann das politische Gewicht von Saif ausgleichen. Ehemalige Regimefiguren haben sich bereits Haftar angeschlossen.

    Der Grüne Block hat keinen Anführer, um den er sich scharen oder den er unterstützen könnte.

    Die letzte Hoffnung auf Stabilität in Libyen ist dahin – Milizenherrschaft oder Krieg werden fortbestehen. Diejenigen, die sich gegen Gaddafis Regierung stellten, bereuen es nun, denn sie sind ärmer, haben keine Zukunft, keine Regierung und, ehrlich gesagt, keinen Respekt mehr.

  2. Glass Steagall Act 4. Februar 2026 um 11:39 Uhr - Antworten

    Der gesamte Westen betrachtet Afrika immer noch als seinen Kolonial-Lieferanten für billige Rohstoffe. China ist da auch nicht viel besser. Man hält Afrika bewusst arm und beutet es immer noch mit langfristigem Knebelverträgen mit viel zu günstigen Konditionen aus. Man nutzt korrupte Parlamente und Präsidenten, die teilweise sogar vom Westen installiert worden sind! Denen gibt man etwas Geld, damit sie ihre Landsleute verraten und die Rohstoffe viel zu günstig an den Westen abgeben! Der angeblich so christliche Westen ist auch nicht besser als der angeblich so böse moslemische Bereich. Beide berufen sich auf Gott, aber keine Seite hält sich an seine Gesetze!

  3. Konrad Kugler 4. Februar 2026 um 9:17 Uhr - Antworten

    Nicht freier Handel, nur auf Raub aus.

  4. Daisy 4. Februar 2026 um 7:57 Uhr - Antworten

    Ihm wurde vorgeworfen, an der Niederschlagung der Aufstände mitgewirkt zu haben. Sodann wurde er zum Txde verurteilt und vom IStGh gesucht. Er saß im Gefängnis in Sintan. Die Machthaber in Sintan überstellten ihn nicht nach Tripolis, wo er verurteilt wurde, und lieferten ihn nicht aus. 2021 soll er dennoch versucht haben, an der Präsidentenwahl in Lybien teilzunehmen, indem er seine Kandidatur einreichte. Dies klappte nicht.

    • Daisy 4. Februar 2026 um 8:07 Uhr - Antworten

      Es kann sich um eine Hinrichtung gehandelt haben. Das sind halt die Sitten da unten… verurteilt war er ja schon.
      Was den Arab. Frühling betrifft, so war der natürlich gewiss westlich verursacht und gefördert und am Weg zum Iran in Syrien von Putin gestoppt worden. Ich erinnere mich, wie der ORF die Aufständischen, die die Regime stürzen wollten, immer „Rebellen“ nannte. Doch waren sie gut ausgebildete Terroristen. Gaddafi musste mMn weg, weil er das Ende des Petrodollars vorbereitet hatte…hinter allem standen natürlich wieder die sattsam bekannten Geheimdienste mit MI6-Beteiligung, imho…

    • Daisy 4. Februar 2026 um 8:17 Uhr - Antworten

      Die Folge des Arab. Frühlings war die Destabilisierung der gesamten Region, denn die Regierungen, die man gestürzt hatte, waren allesamt gemäßigt, s. auch Syrien oder Ägypten. Auch Gaddafi in Libyen war längst salonfähig geworden. Die Region ins Chaos zu stürzen, war sicher Absicht. Doch denke ich, schon damals war man am Weg zum Iran. Bibi plant schon seit gut 30 Jahren, den Iran zu überfallen…auch daran sieht man, was es eigentlich kostet, dass dieser Zwergstaat da unten sich halten kann. Ob nicht der Weg, freundlich zu den Nachbarn zu sein, zielführender und weniger aufwändig gewesen wäre? Aber sicher, dann hätten sie sich halt vermischt…

  5. Jochen Mitschka 4. Februar 2026 um 7:56 Uhr - Antworten

    Der Ermordete hatte eine Schwester, Aisha Gaddafi. Aisha darf nicht politisch tätig werden. Sie ist im Exil im Oman und hat sich verpflichtet politisch nicht in Erscheinung zu treten. Experten und Beobachter wie der libysche Think-Tank-Direktor Anas El Gomati sehen die Gaddafi-Familie nach dem Tod von Saif al-Islam als „politisch erledigt“ an https://x.com/AGomati/status/2018818853380465137 : Aisha fehle das Gewicht und die Unterstützung, die ihr Bruder hatte, und ehemalige Regime-Anhänger haben sich bereits anderen Figuren wie Khalifa Haftar zugewandt.

    Damit ist die Chance vertan, dass Libyen in den nächsten 10 Jahren wieder befriedet werden kann. In wessen Interesse das ist erscheint offensichtlich. Kolonialismus hat nie geendet.

  6. Jochen Mitschka 4. Februar 2026 um 7:38 Uhr - Antworten

    Gaddafi hatte man versucht, mit dem IStGH auszuschalten, allerdings erfolglos. Ein Bericht aus 2017: https://jomenschenfreund.blogspot.com/2017/07/libyen-ein-erfolgreiches-neokoloniales.html

    Saif hielt sich seit 2017 aus Angst vor einem Attentat versteckt. Sein einziger öffentlicher Auftritt erfolgte im November 2020, als er sich für die Präsidentschaftswahlen registrieren ließ, bevor ihn Haftars Truppen im Dezember am Betreten des Sabha-Gerichtsgebäudes hinderten.
    Er erzielte ein besseres Ergebnis in Umfragen als Haftar.
    Das machte ihn zu einer Bedrohung.(https://x.com/AGomati/status/2018818834527133860)

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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