Fünf Einblicke in die Gespräche zwischen Russland, Ukraine und den USA

30. Januar 2026von 3,6 Minuten Lesezeit

Alleine schon die russische Zustimmung zum neuen trilateralen Verhandlungsformat in Abu Dhabi ist ein beutender Politikwechsel des Kremls – inklusive weitreichender Kompromisse.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hat bestätigt, dass die zweite Runde der trilateralen Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi am 1. Februar stattfinden wird. Aus der ersten Runde sind nur wenige Informationen durchgesickert, sodass Beobachter über Inhalt und Bedeutung dieses neuen Formats lediglich spekulieren können. Dennoch lässt sich auf Basis bekannter und berichteter Fakten einiges ableiten, um diese neueste Entwicklung besser zu verstehen. Hier sind fünf wichtige Punkte:

Das Territorium ist Berichten zufolge das letzte offene Thema

Putins oberster Berater Juri Uschakow erklärte am Vorabend der ersten Verhandlungsrunde, dass „eine dauerhafte Regelung unwahrscheinlich sei, ohne die territoriale Frage auf Basis der in Anchorage vereinbarten Formel zu klären“. US-Außenminister Marco Rubio ergänzte vor dem Senatsausschuss für Auswärtige Beziehungen in der vergangenen Woche: „Das einzige verbleibende Thema … ist der territoriale Anspruch auf Donezk.“ Frühere Berichte, wonach Russland den Abzug der Ukraine aus dem Donbass fordert, könnten daher zutreffen.

Ein NATO-Einsatz nach dem Konflikt wird erörtert

Rubio teilte dem Ausschuss ferner mit, dass die Diskussionen zu „Sicherheitsgarantien im Wesentlichen den Einsatz einer Handvoll europäischer Truppen umfassen, hauptsächlich aus Frankreich und Großbritannien, ergänzt durch eine US-Rückendeckung“ – was Russlands Einwilligung erfordert. Die USA ringen jedoch noch mit der Frage, ob es klug sei, „sich potenziell in einen Konflikt, in einen zukünftigen Konflikt zu verpflichten“, obwohl Steve Witkoff und Jared Kushner zuvor die Unterstützung ihres Landes für NATO-Truppen in der Ukraine signalisiert hatten. Dieses Thema wird daher wahrscheinlich auch in der zweiten Runde eine Rolle spielen.

Quid-pro-Quo

Die Financial Times berichtete, dass US-Sicherheitsgarantien für die Ukraine von deren Abzug aus dem Donbass abhängen, während die New York Times angab, dass dieser von Kiew kontrollierte Teil der Region dann entweder zu einer entmilitarisierten Zone werden oder neutrale Friedenstruppen aufnehmen könnte. Ein Quid-pro-Quo könnte somit im Raum stehen: Die Ukraine zieht sich aus dem Donbass zurück im Tausch gegen US-Sicherheitsgarantien und einen NATO-Einsatz, dem Russland zustimmen könnte, sofern neutrale Friedenstruppen dazwischengeschaltet werden.

Trump vermeidet öffentlichen Druck auf Selenskyj

So vielversprechend dieses potenzielle Quid-pro-Quo auch wirken mag – zumindest hinsichtlich der Erreichung eines Mindestziels wie eines Waffenstillstands (vorausgesetzt, Russland kehrt seine formelle Ablehnung um) –, bleibt Selenskyj beim Abzug aus dem Donbass unnachgiebig. Trump hat es zudem vermieden, ihn öffentlich unter Androhung konkreter Konsequenzen zu drängen, etwa durch die unwiderrufliche Aussetzung von Waffenlieferungen an die EU, die für die Ukraine bestimmt sind. Dies deutet auf echte Grenzen hin, was die USA im Streben nach einem Abkommen zu tun bereit sind.

Die diplomatische Rolle der USA ist nun unverzichtbar

Trotz dieser Einschränkungen ist die diplomatische Rolle der USA nun unverzichtbar, wie Russlands Zustimmung zur Erweiterung der bilateralen Gespräche mit der Ukraine auf ein trilaterales Format beweist – ein signifikanter Politikwechsel. Russland scheint daher zu glauben, dass die USA es ernst meinen mit der Vermittlung eines Abkommens zwischen den Parteien, auch wenn sie nicht alle Hebel in Bewegung setzen. Da die russisch-ukrainischen Verhandlungen nun die USA einbeziehen, ist eine Rückkehr zum bilateralen Format unwahrscheinlich, solange der Konflikt andauert – zumindest bis zu einer zweiten Trump-Amtszeit.


Die fünf ableitbaren Einblicke in die trilateralen russisch-ukrainisch-amerikanischen Gespräche legen nahe, dass Putin weitreichende Kompromisse bei seinen ursprünglichen Maximalzielen der Spezialoperation in Betracht zieht. Es wäre verfrüht, über die Gründe zu spekulieren, doch sollte ein solches Ergebnis in einem rechtlichen Abkommen (sei es Waffenstillstand, Waffenruhe oder Friedensvertrag) festgehalten werden, wird es zweifellos analysiert, um zu verstehen, warum Putin es als vorteilhaft für Russland erachtet.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.


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5 Kommentare

  1. Sting2 31. Januar 2026 um 15:21 Uhr - Antworten

    Chrupalla an Merz: Rufen Sie in Moskau an und verhandeln Sie für Frieden in Europa!

    Der AfD-Co-Chef Tino Chrupalla hat Friedrich Merz dazu aufgerufen, endlich die inländischen Interessen zu vertreten und Probleme im eigenen Land zu lösen.

    „Herr Bundeskanzler, sollte Ihnen das Amt zu schwer werden, haben Sie jederzeit die Möglichkeit, es abzugeben.“

    Einen Außenkanzler mit permanenter Kommentarfunktion für die internationalen Krisen dieser Zeit brauche Deutschland nicht.

    „Und wenn Sie es können und vor allem wollen, treten Sie als deutscher Regierungschef selbstsicher auf, rufen Sie endlich in Moskau an und verhandeln Sie für Frieden und Wohlstand auf dem Kontinent Europa!“, so Chupalla.

  2. Sting2 31. Januar 2026 um 13:47 Uhr - Antworten

    Borell, Flintenuschi und Johnson – Wie der Westen den Krieg befeuert (11. April 2022)

    https://hinter-der-fichte.blogspot.com/search?q=Asow

    Großbritannien beliefert Nazis

    Boris Johnson trifft sich in Kiew mit dem Komiker, Multimillionär und Staatsoberhaupt – und damit Boss der ukrainischen Faschisten – um mit ihm Waffenlieferungen zu besprechen.

    Die von dem damit verlängerten Krieg erzeugten Flüchtlinge will er allerdings nicht.

    Der ehemalige Justizminister Schottlands fragte bereits im März die Regierung über Waffenlieferungen an die Asow-Nazis und bekam eine interessante Antwort. ALLES LESEN !!

  3. Sting2 30. Januar 2026 um 16:09 Uhr - Antworten

    HIER DIE FAKTEN DIE ALLE IN MEINEM ARCHIV SIND

    Dazu noch ein passendes Zitat des griechischen Dichters (456 v. Christus): „IM KRIEG IST DIE WAHRHEIT DAS ERSTE OPFER“

    1) 1990 hat der Westen Gorbatschow versprochen, dass sich die NATO nicht über die Grenzen Deutschlands hinaus ausdehnen werde.

    Das Versprechen wurde absichtlich gebrochen und danach dieses Versprechen bestritten.

    2) 2014 hat die Obama Regierung + Soros und andere Mitglieder des DEEP STATE einen bereits 2013 geplanten Anschlag auf die Ukraine mithilfe der bezahlten UKRA-NAZIS gemacht.

    Mit finanziert wurde dies auch u.a. von der Konrad Adenauer Stiftung !

    Hauptziel war es die Krim zu erobern und auf dem russischen Marine-Stützpunkt Sewastopol einen US-Stützpunkt zu errichten … was ja gründlich in die Hosen ging.

    Noch auf dem Maidan rief Victoria Nuland: „FUCK THE EU“, so wischte sie die Bedenken der Europäer zur Seite.

    Jedoch unser damaliger FLEISSIGER AUSSENMINISTER Steinmeier drückte den UKRA-NAZIS auf dem Maidan in Kiew fröhlich die Hände.

    3) Seit 2014 töten die UKRA-NAZIS (die im wesentlichen die Regierung der Ukraine stellen) ihre eigenen russischen Landsleute im Donbass und wundern sich, dass diese nicht mehr zur Ukranie gehören wollen !?

    4) Russland hat auf SEINEN Territorium SEINE Truppen stehen, was wohl jedes Land machen kann wie es will.

    Die USA, GB und andere Europäer haben IHRE Truppen nach der Ukraine geschickt und simulieren eine nicht vorhandene Bedrohung !

    NUR DER WESTEN, DIE NATO BEDROHT RUSSLAND !!

  4. Sting2 30. Januar 2026 um 15:52 Uhr - Antworten

    Russland verhandelt nicht mehr mit der „inkompetenten“ EU

    https://ansage.org/russland-verhandelt-nicht-mehr-mit-der-inkompetenten-eu/

    Vier Jahre dauert mittlerweile der Konflikt in der Ukraine.

    Er hätte nach fünf Wochen am Verhandlungstisch in Istanbul mit einer für beide Seiten befriedigenden Lösung beendet werden können.

    Doch es war der Westen, der nicht bereit war den Krieg zu beenden – wie der von der eliteinstruierten Biden-Marionettenregierung vorgeschickte britische Premierminister Boris Johnson seinerzeit sogar stolz verkündete.

    Der Konflikt hat das Verhältnis zwischen Russland und Europa nachhaltig gestört.

    Der Kreml war zu Verhandlungen des Öfteren bereit, die von unfähigen und nicht-integren Politikern wie der Kommissionschefin Ursula von der Leyen oder der Außenbeauftragten Kaja Kallas geführte EU war es nicht.

    Diese beiden „Damen“ und weitere EU-Politmarionetten sowie Regierungschefs wie Emmanuell Macron, Keir Starmer und Friedrich Merz haben den beendbaren Krieg auf Kosten der Ukraine und der europäischen Steuerzahler am Laufen gehalten.

    Moskau hat vor dem Hintergrund der Suche nach einer diplomatischen Lösung des Ukraine-Kriegs folgerichtig die politische Führung der EU als inkompetent kritisiert und Verhandlungen mit der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas ausgeschlossen. ALLES LESEN !!

  5. Jan 30. Januar 2026 um 13:57 Uhr - Antworten

    Mit einem Friedensvertrag ist Leyen erledigt, schon alleine deshalb werden sich Trump und Putin einigen!

    Merz wird stammeln, dass er es nie so gemeint hat. Wenn die Dumpfbacken nicht ganz umnachtet sind, werden die Konservativen zugunsten der Rechten in ganz Europa absteigen. Die Sozialdemokraten sind ja bereits erledigt.

    Der Schneekönig wird einen Friedensschluss klarerweise nicht überleben, daher zickt er noch ein wenig. Die Jause ist vorbei, die Angehörigen der Gefallenen werden ihm die Rechnung schicken. Die Knochenmühle hat ihn nun selbst zermalmt.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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