Völkermord und ethnische Säuberung weiten sich aus

29. Januar 2026von 6,7 Minuten Lesezeit

Nachdem die Welt nach Jahrzehnten der schleichenden ethnischen Säuberung den Völkermord in Gaza ungestraft geschehen lässt, weitet der sich nun auf den Rest Palästinas aus. Dort ohne „laute“ Bombardierungen, aber mit gewalttätigen Siedlern und einer brutalen Besatzungsarmee. Aber es gibt einzelne mutige israelische Journalisten, die noch dagegen anschreiben.

Die wunderbare Amira Hass, welche schon bei einer Reise in Deutschland die Heuchelei deutscher Politik entlarvte, und seid Jahren versucht, sich gegen die Faschisierung der israelischen Gesellschaft zu stemmen, veröffentlichte in der israelischen Zeitung Haaretz einen Meinungsartikel mit dem Titel (übersetzt): „Die endgültige Vertreibung der Palästinenser ist im Gange – und Ihre Gleichgültigkeit ermöglicht sie.“ Eine Anklage gegen die israelische Gesellschaft. Es ist eine Anklage gegen das politische Establishment.

„Die Veränderungen im Westjordanland – die unter dem Deckmantel der Entschlossenheit vollzogen werden – sind tektonisch und vollziehen sich blitzschnell. Die israelische Opposition schweigt.“

Sie schreibt, dass „der Regierungsputsch“, der die israelische Gesellschaft zurückwerfe, eine „ältere Schwester“ in Finanzminister Bezalel Smotrichs „Entschlossenem Plan“ der „freiwilligen“ Vertreibung sei. Und diese Pläne stürzten Israel Tag für Tag in neue Abgründe. Doch die zionistische Opposition, die den Vernichtungs- und Rachekrieg im Gazastreifen durch zusätzliche Einsätze von Reservisten, Blutvergießen und Parolen unterstützt habe, ignoriere weiterhin den untrennbaren Zusammenhang zwischen beiden. Was werde also geschehen, wenn die Nachkommen Josuas in die palästinensischen Städte im Westjordanland einmarschieren, sie in Brand setzen, auf Häuser schießen und Passanten mit Knüppeln verprügeln, fragt sie. „Werden Sie, die Mitglieder und Unterstützer der Demokraten und von Jesch Atid, sich eiligst zum Militärdienst melden, um diese heiligen Krieger vor den Palästinensern im Westjordanland zu schützen, die sich weigern, zu kapitulieren?

„Die Veränderungen, die unter dem Deckmantel der Entschlossenheit vorgenommen werden, sind tektonisch und vollziehen sich blitzschnell. Sie haben biblische Ausmaße. Die offiziellen Armeen Gottes und ihre Verbündeten sind in Vertreibung und Auslöschung verstrickt und ahmen die Erfolge in Gaza nach. Diese Legionen heiliger Krieger vertreiben eine Hirten-Gemeinschaft nach der anderen, greifen Dorf um Dorf und Schule um Moschee an. Eine Quelle, eine fruchtbare Ebene und ein Olivenhain – der Zugang dazu ist denen versperrt, die sie seit Jahrhunderten besitzen. Die Einnahmen der Palästinensischen Autonomiebehörde befinden sich in den Händen unseres Finanzministeriums. Die Sabra-Pflanzen und die Schönheit des Landes gehören allein uns. Es gibt hier und da noch schwindende palästinensische Hirten-Gemeinschaften oder Dörfer, deren Gebäude vor 1967 errichtet wurden, aber keine Sorge. Sie werden immer ärmer und erschöpfter.

Das Gebiet C im Westjordanland, das uns vom Berg Sinai überliefert wurde, ist übersät mit streng koscheren Schafzuchtbetrieben, die im Geld schwimmen und staatliche Gelder und Unterstützung fordern. Nun haben sie sich bereits in Gebiet B ausgebreitet. Als Nächstes ist Gebiet A mit seinen Städten an der Reihe. Die Armee der Auserwählten Gottes kennt keine Furcht, kein Mittel des Missbrauchs ist ihr zuwider. Jeder stellvertretende Bataillons-, Brigade- und Kompaniechef, jeder Polizeibeamte und Stabschef ist ihr aktiver Partner. Eure Waffenbrüder in Judäa und Samaria nehmen die palästinensischen Städte ins Visier. Ohne eure Gleichgültigkeit hätten sie keinen Erfolg gehabt.

Nachdem die Palästinenser in von Israels „besten Militärführern“ inszenierten städtischen Enklaven konzentriert wurden, berichtet die Autorin, werde es Zeit sein, ihre endgültige Vertreibung zu planen. Sie fragt, ob Jordanien ein Ziel der Vertreibung sein könnte, oder vielleicht doch ein weiterer Krieg. „Ein Klacks für die Armee des Allmächtigen.“

Smotrichs Projekt laufe seit drei Jahren, offen und konsequent. Die Grundlagen dafür seien bereits Mitte der 1990er Jahre von den geistigen Vorbildern im Westjordanland gelegt worden – von Jitzchak Rabins Umgehungsstraßen über Ariel Scharons Aufruf an die Siedler, „in die Berge zu gehen“, bis hin zur inszenierten Hilflosigkeit der Sicherheitskräfte angesichts der organisierten Gewalt der Siedler gegen Palästinenser und deren Eigentum. Ähnliche Warnungen seien mehrfach ausgesprochen worden (nicht zuletzt auch in Deutschland), und die Chancen, dass sie nun die Ohren und Herzen der Opposition erreichen, die sich selbst als liberal und demokratisch definiert, sind gering. hinzu komme, dass zwei ihrer wichtigsten Akteure – Yisrael Beiteinu und Naftali Bennett mit seiner mysteriösen Partei – Teile des entscheidenden Plans bereits vor dem Amtsantritt des jetzigen Urhebers umgesetzt hätten.

Darüber hinaus habe das „glorreiche Rechtssystem“, das die Verteidiger Israels in den letzten drei Jahren so hervorgehoben  haben, „kleine“ Deportationen ermöglicht und begünstigt, von Umm al-Hiran in der Negev-Wüste bis al-Hadidiya im nördlichen Jordantal. Der kritischen Teil der israelischen Gesellschaft bleibe nur noch, Frustration und Wut auszudrücken, solange das Regime es zulasse.

„Das selbstauferlegte Schweigen und die Einschüchterung der Juden, die Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung aus dem Land, eine Diktatur der Juden, nachdem sie den Palästinensern erfolgreich aufgezwungen wurde, die Vollendung dessen, was wir 1948 nicht erreichen konnten, und eine neue Inkarnation des Königreichs Juda und die Herrschaft der Halacha. „Können zwei miteinander gehen, wenn sie sich nicht geeinigt haben?“

Soweit der Artikel. Der Kern ihrer Aussage kulminiert im letzten Absatz.

Der letzte Satz „Will two walk together, except they have agreed?“ ist eine direkte Anspielung auf ein Bibelzitat aus dem Alten Testament, genauer gesagt aus dem Buch Amos, Kapitel 3, Vers 3. In der englischen King-James-Übersetzung lautet es genau so, während es auf Deutsch in der Lutherbibel etwa „Werden zwei miteinander wandeln, sie seien denn eins untereinander?“ heißt. Dieses Zitat wird rhetorisch verwendet, um die Notwendigkeit einer Übereinkunft oder Einigkeit für eine gemeinsame Handlung oder Koexistenz zu betonen – ohne Einvernehmen kann keine Partnerschaft oder friedliche Kooperation bestehen.

Hass beschreibt die anhaltende Vertreibung und Unterdrückung der Palästinenser im Westjordanland, die sie mit einer „Diktatur für Juden“ vergleicht, die nach der erfolgreichen Unterdrückung der Palästinenser komme. Sie verweist auf die Vervollständigung dessen, was 1948 (der Nakba, die Vertreibung vieler Palästinenser) nicht vollständig gelang, und auf eine Wiederbelebung eines theokratischen „Königreichs Juda“ unter halachischem Recht (jüdisches Religionsgesetz). Das Bibelzitat unterstreicht die implizite oder erzwungene „Übereinkunft“ durch Schweigen und Gleichgültigkeit: Die israelische Opposition und liberale Öffentlichkeit schweigen zu den tektonischen Veränderungen (wie Siedlungsausbau, Landenteignung und Gewalt), was die radikalen Kräfte (z. B. unter Finanzminister Bezalel Smotrich) ermöglicht und eine echte Koexistenz zwischen Juden und Palästinensern unmöglich macht. Es impliziert, dass ohne echte Einigung keine gemeinsame Zukunft („zusammen wandeln“) möglich ist, und kritisiert die Spaltung der Gesellschaft durch Indifferenz.

Schlussfolgerung

Seit über weit über 10 Jahre warnen Kritiker der deutschen und westlichen Politik genau vor dieser Entwicklung. Die Bedingungslose Unterstützung jedweden Völkerrechts und die Menschenrechte ignorierender Politik Israels musste zwangsläufig zu dieser Faschisierung der Herrschaft führen. Während die menschenverachtende Ideologie des islamischen Staates, der sich auf archaische Texte stützt scharf bekämpft wurde, übersah man geflissentlich im Westen, dass der Zionismus die gleiche Entwicklung nahm. Entmenschlichung, Vernichtung, Vertreibung wurden immer ungehemmter ausgelebt, unter dem Schutz, ja der Unterstützung der alten Kolonialländer.

Nun ist es zu spät. Der israelische Staat in der ursprünglich in der Teilungserklärung der noch gar nicht richtig installierten UN angedachten Form hat sich durch die expansive Politik selbst die Existenzgrundlage geraubt. Die Implosion ist nun kaum noch zu verhindern. Dan Steinbock schätzt, dass der Staat in seiner heutigen Form in 12 Jahren nicht mehr existieren wird. An seiner Stelle werde, wie einst in Algerien, eine staatliche Organisation treten, in dem alle Menschen, die unter der Herrschaft leben, die gleichen Rechte erhalten. Wie viel Blut und Krieg auf dem Weg noch zu erleiden sein wird, bevor die Apartheidherrschaft des Zionismus beendet sein wird, hängt unter anderem auch davon ab, wie sich die mächtigen westlichen Länder positionieren.

Bild: Wikipedia


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



Israelische Folterlager in vernichtendem Bericht als „lebende Hölle“ von israelischer Menschenrechtsorganisation entlarvt
Warum aus Antisemitismus Israelunterstützung wächst
Mythen und FakeNews über Israel

Ein Kommentar

  1. Hausmann_Alexander 29. Januar 2026 um 9:03 Uhr - Antworten

    Schlimmer Zustand.
    Internationale Gesetze sollten von
    jedem Land eingehalten werden.

    Das Einfachste wäre, denke ich,
    Menschen so zu behandeln, wie man auch behandelt werden möchte.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Aktuelle Beiträge