BRICS ist eine Diskussionsplattform, keine Organisation

17. Januar 2026von 3,3 Minuten Lesezeit

Viele vergleichen BRICS mit einer Organisation wie NATO oder EU. Aber BRICS ist das nicht. Der indische Ex-Diplomat Bhadrakumar weist in seinem Blog noch einmal darauf hin. Hier Auszüge aus seinen Erklärungen.

Der Autor berichtet, dass die ehemalige österreichische Außenministerin jetzt Leiterin des G.O.R.K.I.-Zentrums an der Staatlichen Universität St. Petersburg ist, welches er ein Sprachrohr des Kremls nennt. Sie habe darauf hingewiesen, dass Chinas Präsident Xi Jinping zu dem Thema Venezuela geschwiegen habe.

„Kneissl merkte an, dass der brasilianische Präsident Lula vergeblich um sich schlug, da er ‚allein‚ handelte. Kneissl kritisierte die BRICS-Gruppe scharf und unterstrich deren Handlungslosigkeit. Sie sagte: ‚Wir reden viel über BRICS, aber BRICS ist ein Forum, keine Organisation. BRICS hat keine Mechanismen. Es finden Dutzende Seminare und Konferenzen statt, aber es ist immer noch nur eine Dialogplattform … Es gibt keinen BRICS-Generalsekretär, der sagen könnte: ‚Wir werden jetzt handeln.‘ Das ist schlichtweg unmöglich.'“

Das sei ein harter Schlag gewesen, denn Russland und China hätten reichlich Gelegenheit gehabt, BRICS als antiimperialistische Plattform zu gestalten, hätten diese Chance aber mit Bedacht verstreichen lassen. Das TASS-Interview mit Kneissl sei in derselben Woche wie ein „gutes Gespräch“ zwischen Außenminister S. Jaishankar und seinem amerikanischen Amtskollegen Marco Rubio am Dienstag erschienen. Darin haben sie über „Handel, kritische Rohstoffe, nukleare Zusammenarbeit, Verteidigung und Energie“ gesrpochen. Offenbar spiele die US-Aggression gegen Venezuela keine nennenswerte Rolle. Dies sei Jaishankars erste Begegnung mit Rubio gewesen, dem eigentlichen Architekten der verblüffend innovativen Strategie der Trump-Administration zum Regimewechsel in Caracas. Seine Strategie basiere auf einem unwahrscheinlichen Zusammenleben der fest etablierten linken Regierungsmitglieder, die den Staatsapparat kontrollieren, und der zutiefst antikommunistischen, proamerikanischen Opposition.

In dem TASS-Interview, so der Artikel weiter, dränge Kneissl, eine langjährige persönliche Freundin Putins, Indien indirekt dazu, während seiner BRICS-Präsidentschaft eine klare Position zu beziehen. Moskau könne den indischen Entscheidungsträgern natürlich solche Ratschläge „kostenlos“ erteilen. Aber der Autor glaubt nicht, dass Indien Kneissls kühnen Aufruf zur Institutionalisierung der BRICS als formelle Organisation mit Generalsekretär und weiteren Ämtern während Indiens Präsidentschaft berücksichtigen wird.

„Delhi wird weiterhin vorsichtig sein, da Trump die BRICS-Staaten möglicherweise zerschlagen will. Es hielt sich daher demonstrativ von der ersten einwöchigen BRICS-Plus-Marineübung fern (unter chinesischer Führung und mit Beteiligung Südafrikas, Russlands und Irans) Anfang des Monats. Im Kern geht es darum, dass die BRICS-Staaten in der sich abzeichnenden Situation in Lateinamerika ihre eigenen Interessen unabhängig verfolgen. Sie sehen das BRICS-Paradigma weder ideologisch noch systemisch als Vorlage für einen antiimperialistischen Kampf. Nehmen wir beispielsweise Russland, das in der westlichen Hemisphäre eher ein opportunistischer geopolitischer Akteur als eine bedeutende Wirtschaftsmacht ist. Es konzentriert sich auf Waffenverkäufe, Partnerschaften mit einer Reihe antiwestlicher Regierungen (Kuba, Nicaragua) und setzt seine wenigen verfügbaren Soft Power gezielt ein, um den Einfluss der USA zu entkräften und westliche Narrative infrage zu stellen.“

China hingegen, so Bhadrakumar, sei ein ernstzunehmender Akteur in der westlichen Hemisphäre. Peking müsse seine geopolitischen und geoökonomischen Ambitionen dringend überdenken und eine umfassende Neubewertung vornehmen. Allerdings nur, falls Trumps „Donroe-Doktrin“ tatsächlich an Bedeutung gewinnen sollte. Venezuela sei das einzige Land in Lateinamerika, mit dem Peking eine „Allwetterpartnerschaft“ unterhalte, die höchste diplomatische Auszeichnung für freundschaftliche Beziehungen. Solange China die bestehenden Einflussfaktoren nur analysiere, sei es unwahrscheinlich, dass es in naher Zukunft neue Fortschritte in Lateinamerika erzielen werde.

„Selbst ein möglicher Kompromiss mit Trump (der im April nach China reist) ist durchaus denkbar. Logischerweise müsste die Taiwanstraße China gehören, wenn die westliche Hemisphäre den USA gehört.“

Bild: Screenshot von Video über das Thema BRICS

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4 Kommentare

  1. Daisy 18. Januar 2026 um 7:09 Uhr - Antworten

    Die BRICS können keinen eigenen Block bilden, weil sie dazu zu schwach sind. China wird immer noch als Entwicklungsland eingestuft und ist wie alle BRICS hochgradig vom „Westen“ abhängig. Zwar hat man mehr Rohstoffe, aber das Knowhow ist noch nicht ganz übernommen und kopiert, wobei diesbzgl. aufgrund der vielen westl. Konzerne, die sich in der „Werkbank der Welt“ niedergelassen und investiert haben, aufgrund der niedrigen Auflagen – zB gibt es kaum Gewerkschaften, keinen Umweltschutz, keine Arbeitnehmerrechte wie bei uns – China schon sehr hoch entwickelt ist, besonders in der Frankensteinmedizin, der Digitalisierung, der KI, der Robotersoldaten usw. Die anderen BRICS hängen teilweise am Tropf und können sich daher keine Abnabelung erlauben. BRICS ist daher ein Zusammenhalten und ein Versuch der Emanzipation, besonders vor Belehrungen des Wertewestens und zum Schutz vor weiterer Ausbeutung. Besonders Afrika wurde ausgebeutet, aber auch Süd- und Lateinamerika. Hier gibt es eine Aufbruchstimmung, die zu begrüßen ist. Aber dass die BRICS eine Art Superblock werden, der den Westen besiegen wird, ist naives Wunschdenken von frustrierten Westlern, die vom System aus- und angespuckt wurden, primär aber von Ami-Hassern, die in ihrer Schulzeit gelernt haben, dass die Amis schuld wären, dass es keine Schokolade gibt….

    In den BRICS verfolgt man die gleichen Agenden wie Digitalisierung, Klimawahn usw. wie der Westen.

    • Daisy 18. Januar 2026 um 17:45 Uhr - Antworten

      PS: wie im anderen Forum zu lesen, Krebs durch Smartphone. Mit 5G und demnächst 6G, wird das Handy sowieso immer gesundheitsschädlicher. Ein Verbot wäre daher dringend nötig. Das müsste dann auch die Digitalisierung stoppen. Schôn wärs. Spielns aber nicht.

      • Daisy 18. Januar 2026 um 17:46 Uhr

        falscher Ort, pardon

  2. Jan 17. Januar 2026 um 21:44 Uhr - Antworten

    Die Welt fördert weniger billige Energie. Der Großteil liegt in den BRICS. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die BRICS den Markt schließen. Der Dollar ist dann nur noch soviel wert, wie man dafür kaufen kann.

    Die USA besitzt den Großteil aller Waffen. Also wirft man dem Kläffer einen Knochen hin und wartet, bis die Waffen veralten. Dieser Knochen ist Venezuela.

    Die Europäer spielen überhaupt keine Rolle.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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