Irans (erfolgreicher) Krieg gegen Starlink und das Internet

13. Januar 2026von 3,3 Minuten Lesezeit

Seit Donnerstag sind die Iraner vom Internet weitgehend abgeschnitten. Die USA versuchten via Starlink Internetzugang zu ermöglichen, doch das Musk-Netzwerk wurde ebenfalls abgedreht – das ist damit erstmals einem Land gelungen.

Am Dienstag gibt es erste Berichte, dass der Internetzugang und vor allem Telefonverbindungen wieder vereinzelt zugelassen werden. Inmitten des Informationskrieges – westliche Regimechange-Bemühungen einerseits, iranische Regierungspropaganda auf der anderen Seiten –kann zumindest der Internetausfall im Iran, der weiter anhält, bestätigt werden. Die jahrelangen Bemühungen des Regimes in Teheran, das Land bei Unruhen von der Außenwelt abzuschotten, sind nicht neu. Dieses Mal haben sie aber eine neue Qualität erreicht.

Am 8. Jänner bestätige Cloudflare um 18:46, dass der Iran vollständig vom globalen Internet abgeschnitten ist. Schon am nächsten Tag versuchte das US-(Militär) über seinen Akteur Elon Musk die Internetsperre zu durchbrechen. Doch Starlink scheiterte und brach fast gleichzeitig mit dem herkömmlichen Netz zusammen.

Die Netzexperten und Bürgerrechtler von Reclaim the Netdie, das muss vielleicht in diesem Zusammenhang extra erwähnt werden, ebenfalls kritisch gegen dem US-Empire sind, berichten über Details:

Anfängliche Störungen betrafen etwa 30 Prozent des Signalverkehrs von Starlink, innerhalb weniger Stunden stieg dieser Anteil auf über 80 Prozent.

Da Starlink für die Positionierung und Synchronisation auf GPS angewiesen ist, hat eine Störung dieses Ausmaßes zu einer Fragmentierung des Dienstes in unregelmäßige Zugangszonen geführt, sodass viele Bezirke vollständig vom Netz getrennt sind.

Der Datenverkehr von Starlink brach zusammen, als gleichzeitig Berichte über einen weitreichenden Kommunikationsausfall im Internet auftauchten.

Laut NetBlocks „dauert der Internetausfall im Iran nun bereits mehr als 60 Stunden an, während die nationale Konnektivität weiterhin bei etwa 1 % des normalen Niveaus liegt”.

Die Militarisierung der Signalunterbrechung erweitert die Zensurstrategie des Iran über die traditionellen Online-Beschränkungen hinaus.

Starlink war für Journalisten, Organisatoren und Bürger, die während der Abschaltungen durch die Regierung in Verbindung bleiben wollten, eine letzte Option gewesen. Nun wird sogar diese Ausweichmöglichkeit systematisch abgeschafft.

Regierungen haben bereits zuvor in Starlink eingegriffen, aber keiner ist es gelungen, den Zugang landesweit zu unterbrechen. Der neue iranische Blackout scheint der erste Fall zu sein, in dem es einem Staat gelungen ist, das Satellitennetzwerk innerhalb seines eigenen Territoriums in so großem Umfang zu stören.

In der Ukraine haben russische Einheiten für elektronische Kriegsführung seit 2022 wiederholt Starlink-Terminals ins Visier genommen, um die Konnektivität sowohl für militärische als auch für zivile Nutzer zu beeinträchtigen.

Zu den Angriffen gehörten GPS-Störungen und Versuche, die Ku-Band-Frequenzen, auf die Starlink angewiesen ist, zu stören.

Ukrainische Beamte und Elon Musk haben diese Operationen bestätigt, die zu zeitweiligen Dienstunterbrechungen und Paketverlusten geführt haben. Die Störungen blieben jedoch lokal begrenzt, beschränkten sich in der Regel auf aktive Frontlinien und führten nie zu einer vollständigen Abschaltung im ganzen Land.

SpaceX führte Software-Updates ein, um Starlink-Terminals bei der Anpassung an Störversuche zu unterstützen, sodass das System trotz anhaltender Angriffe weitgehend funktionsfähig blieb.

Die früheren Bemühungen des Iran waren weitaus begrenzter als die derzeitige landesweite Störung.

Während der Mahsa-Amini-Proteste im Jahr 2022 störten die Behörden die GPS-Signale, die Starlink-Terminals zur Orientierung in Richtung Satelliten verwenden.

Dies führte zu unregelmäßigen Verbindungen in Städten wie Teheran und Isfahan, jedoch nur in bestimmten Gebieten.

Das Regime blockierte auch die Website von Starlink und verschärfte seine üblichen Filter- und Zensurmaßnahmen gegen ausländische Nachrichten und Satellitenfernsehen. Im Vergleich zu der militärischen Signalunterdrückung, die derzeit im Jahr 2026 zu beobachten ist, war dies jedoch nur eine rudimentäre Maßnahme.

Bild „Starlink Mission“ by Official SpaceX Photos is licensed under CC BY-NC 2.0.

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Ein Kommentar

  1. Jochen Mitschka 13. Januar 2026 um 16:47 Uhr - Antworten

    Der Iran war teilweise erfolgreich mit dem Abschalten von Starlink-Signalen. Er konnte verhindern, dass unmittelbar und live Bilder und Videos übertragen wurden. Die Signale konnten reduziert, aber nicht komplett gekappt werden. Es gibt mehrere Analysen die das beschreiben, und erklären, dass für die Steuerung der Proteste (und Agenten) Textnachrichten ausreichten, welche nur wenig Traffic benötigten, und gepuffert würden, dank Internetstruktur, so dass sie nicht verloren gehen.

    Chinesen hatten im Vergleich zu einer technischen Analyse, welcher Aufwand getrieben werden müsste, um Taiwan abzuschneiden Modelle dargestellt, die aufzeigten, dass es Gerätschaften in großer Höhe benötigen würde, die wiederum durch Luftangriffe zerstörbar wären. So dass sie zu dem Schluss kamen, dass durch die Starlink-Fähigkeiten bodengestützte Störung wohl nie eine Komplettabschaltung erreichen könnte, lediglich ein „Ausbremsen“ (Also z.B. keine großen Daten, keine Videos, Bilder u.ä.)

    Ein Artikel verwies auch daraufhin, dass das Militär andere Konzerne beautragt hat, Militärsatelliten für die US-Armee zu entwickeln, welche weiter entfernt im Orbit stationiert werden, das wird nicht durch Starlink realisiert werden. Einen dieser Artikel habe ich noch im Verlauf gefunden: https://substack.com/inbox/post/184292744

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