Venezuela: Warum gab es keinen Widerstand?

3. Januar 2026von 3,5 Minuten Lesezeit

Noch ist viel ungewiss rund um den Angriff auf Venezuela. Doch eine Frage drängt sich besonders auf: Warum gab es keinerlei Verteidigung gegen den US-Angriff?

Die Maduro-Vize Delcy Rodríguez hat mittlerweile bestätigt, dass der Aufenthaltsort von Nicolás Maduro unbekannt ist. Die Angaben von Trump, dass er festgenommen und außer Landes gebracht wurde, dürften richtig sein. Viel mehr weiß man aber schon auch nicht. Laut US-Justizministerin Pam Bondi ist Maduro nach New York gebracht worden. Dazu passen Angaben aus der venezolanischen Opposition, wonach Maduro seine Gefangennahme und den darauffolgenden „Auszug“ verhandelt haben soll.

Das ist freilich nicht zu überprüfen; überhaupt ist unklar, ob man von Maduro überhaupt noch einmal etwas hören oder sehen wird. Man erinnert sich unweigerlich an Bashar al-Assad: Der langjährige syrische Präsident hat sich seit seiner Flucht ins Exil nicht mehr an die Öffentlichkeit gewendet. Die „Ausverhandlung“ ist außerdem höchst seltsam, da die USA Venezuela bombardiert haben. Eher unwahrscheinlich, dass Maduro das auch „ausgehandelt“ hätte. Außerdem erklärt Pam Bondi, dass man Maduro den Prozess machen werde – das spricht ebenfalls eindeutig gegen eine Absprache.

Was aber besonders auffällig rund um den US-Angriff ist, war die völlig fehlende Luftabwehr Venezuelas. Dabei kam der Angriff alles andere als überraschend. Dies lässt sich im Grunde nur durch zwei Möglichkeiten erklären: Überlegene High-Tech-Waffen der USA haben die Luftabwehr vorher neutralisiert – man griff mit Helikoptern an, die für eine funktionierende Luftabwehr ein leichtes Ziel wären –, oder es gab übergelaufenes Militär im Vorfeld.

Ein interner Bruch innerhalb des Machtapparats von Venezuela macht noch aus einem anderen Grund Sinn: Eine Festnahme Maduros durch die Amerikaner kann nur funktionieren, wenn der Präsident von seinen Sicherheitskräften nicht geschützt wird. Zudem soll es keine toten US-Soldaten geben (auch das ist nicht zu überprüfen).

Die USA dürften demnach keine Invasion planen, sondern ein inneres Kippen des Machtapparats unterstützen. Ob das so aufgeht, wie es sich Washington vorstellt, ist freilich fraglich. Die fehlende Luftabwehr ist jedoch äußerst auffällig gewesen.

Was nun mit dem Land passiert, ist völlig offen. Der Venezuela-Telegram-Kanal eines deutschen Auswanderers berichtet über lange Schlangen vor Tankstellen und Supermärkten. Parkplätze seien gesperrt worden, um Plünderungen vorzubeugen. Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen. In der Hauptstadt Caracas soll eine gespenstische Stille herrschen sein. Ein prorussischer Kanal schreibt mit Verweis auf venezolanische Medien: „Die Straßen sind fast menschenleer, nur vereinzelt sieht man Fußgänger, Autofahrer und Sicherheitspatrouillen. Es ist offensichtlich, dass die Bevölkerung entweder Angst vor möglichen erneuten Maßnahmen der USA oder vor Straßenkämpfen zwischen Gegnern und Anhängern Maduros hat.“

Die USA – und ihr Vasallen-Konstrukt in Brüssel – haben sich jedenfalls wieder völlig entblößt. Würde Brüssel wie gegen Russland handeln, müsste man bereits das erste Sanktionspaket gegen die USA verabschieden – immerhin hat man einen völkerrechtswidrigen Angriff durchgeführt. Sahra Wagenknecht formuliert die enttarnte Heuchelei in EU-Europa prägnant:

Die USA bombardieren Venezuela und haben Präsident Maduro entführt. Wo bleibt der Aufschrei der Bundesregierung? Dieser Angriff ist ein unprovozierter Völkerrechtsbruch und ein unverblümter Akt der Aggression! Ganz unabhängig davon, wie man zur venezolanischen Regierung steht: Offenkundig geht es den USA nicht um den „Kampf gegen Drogen“, sondern darum, durch einen Regime Change eine Marionettenregierung zu installieren, um sich nach Wildwestmanier die Ressourcen des ölreichsten Landes der Welt unter den Nagel zu reißen. Schwarz-Rot sollte sofort den US-amerikanischen Botschafter in Berlin einbestellen. Wenn die Bundesregierung diesen Staatsterrorismus nicht aufs Schärfste verurteilt und mit allen diplomatischen Mitteln zurückweist, ist das der endgültige Beleg ihrer krassen Doppelmoral!

Bild Liett73La Boyera antenna strikesCC BY-SA 4.0

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14 Kommentare

  1. Der Zivilist 3. Januar 2026 um 20:35 Uhr - Antworten

    Ein krasser Verstoß gegen sämtliche UN Standards.

    Und due EU, naja, die macht’s mit Samthandschuhen, Duterre sitzt in Den Haag, ewig nichts mehr von ihm gehört

  2. Picard001 3. Januar 2026 um 20:11 Uhr - Antworten

    Ich habe irgendwo in den alternativen Medien mal gehört/gelesen (weiss nicht mehr wo und wann), dass die Weltgeschehnisse, so wie sie sich abzuspielen scheinen, so gut wie immer inszeniert sind, um die Menschen etwas bestimmtes glauben zu machen.

    Könnte es sich daher bei dieser Entwicklung vielleicht auch nur um eine riesige Scharade für die Weltöffentlichkeit handeln? Mal angenommen, Trump und Maduro haben tatsächlich einen Deal abgeschlossen, bei dem der Machtverzicht Maduros als filmreife Entführung inszeniert wird: Maduro bekommt in Wirklichkeit sicheres Geleit für sich und seine Ehefrau (warum kommt die plötzlich ins Spiel?) ins Ausland und steht gleichzeitig nicht als Verräter da, weil die Rolle des Bösewichts ja von Herrn Trump übernommen wird, der sich im Gegenzug als Super-Rambo gegenüber dem Deep State inszenieren kann – eine Win-Win-Situation sozugagen…

    • Daisy 3. Januar 2026 um 22:43 Uhr - Antworten

      Sowas hab ich mir auch schon gedacht. Irgendwo las ich vor kurzem, dass Maduro erklärt hat, dass er gesprächsbereit sei. Möglicherweise hat er eingesehen, dass er keine Chance hat und ist auf diese Weise abgedankt. Er hat nicht sehr viel Rückhalt bei seinen Leuten und schon gar nicht beim Volk, das unter seinem Regime darben musste.

      • Der Zivilist 4. Januar 2026 um 13:14 Uhr

        Zu Beginn der der Sonderoperation sind ja Ru Fallschirmjäger bei Kiev gelandet, die mußten sich aber zurückziehen, Zelenskis Truppe stand wohl unter britischem Schutz. Russland ist einigen NATO Bellizisten in die Falle gegangen und andere Soziopathen benutzen die Gelegenheit, um die EU zu ruinieren.

        Auch den Venezolanern ist wohl klar, daß sie unter US Sanktionen darben.

  3. Daisy 3. Januar 2026 um 16:34 Uhr - Antworten

    Moskau verurteilt die US-Operation in Venezuela, doch Militäranalysten und Blogger loben ihre Effizienz und ziehen unbequeme Vergleiche zur Ukraine.

    https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/russland-reaktion-trump-venezuela-maduro-kriegsblogger-ukraine-li.10012465

    Russland braucht 4 Jahre und ist immer noch nicht fertig – Folge: Mio Txte. Trump machts an einem Tag.
    Kriegsblogger: Operation war „schnell, effektiv und sauber“

    Ganz anders fällt der Ton jenseits der offiziellen Verlautbarungen aus. In der russischen Kriegsblogger-Community wird die „Trump-Operation“ nicht primär moralisch bewertet, sondern vor allem operativ analysiert und mit Blick auf den eigenen Krieg gegen die Ukraine seziert. Der einflussreiche kremlnahe Telegram-Kanal „Dwa Majora“ bringt eine Interpretation offen auf den Punkt: Wenn Washington in der Lage sei, binnen kurzer Zeit das politische Zentrum eines Gegners zu treffen und dessen Staatschef festzusetzen und außer Landes zu bringen, stelle sich zwangsläufig die Frage, „warum Russland die gesamte Kiewer Führung nicht in der ersten Woche der Spezialoperation ausgeschaltet hat“.

    Tja…

    • Sabine Schoenfelder 3. Januar 2026 um 18:46 Uhr - Antworten

      „ Russland braucht 4 Jahre und ist immer noch nicht fertig – Folge: Mio Txte. Trump machts an einem Tag.“….😂👍🏼….spart Geld, Munition und Menschenleben…

    • Varus 3. Januar 2026 um 21:29 Uhr - Antworten

      Wenn Washington in der Lage sei, binnen kurzer Zeit das politische Zentrum eines Gegners zu treffen und dessen Staatschef festzusetzen und außer Landes zu bringen, stelle sich zwangsläufig die Frage, „warum Russland die gesamte Kiewer Führung nicht in der ersten Woche der Spezialoperation ausgeschaltet hat“.

      Wenn gar nicht zum Kampf kommt… Sanya po Floridie erzählte heute auf Rutube, dass er seit 25 Jahren in Florida lebt und auch Südamerika gut kennt. Die Armee Venezuelas hat mindestens 5000 Manpads, dazu viele S300, zahlreiche Panzir, andere Luftabwehr, chinesische Radare. So wirken Videos mit ruhig fliegenden US-Hubschraubern über Caracas surreal – die Venezulaner hätten mit etwas Kampfgeist alle abschießen können. Weiter erzählte er, dass in Südamerika niemand Kampfgeist habe. Die Soldateska flieht weg, wenn es nur ernst wird.

      Kampfgeist hat er den Russen, den Ukros, den Amis und erstaunlicherweise den Michels bescheinigt. Den Franzosen nicht – nach einem russischen Witz haben französische Panzer einen Vorwärtsgang, vier Rückwärtsgänge und weiße Fahne als Standardausstattung. Anscheinend hat Putin 2022 erwartet, dass es wie in Venezuela laufen wird und daher nur 150 Tsd. Soldaten eingesetzt. Würden die Ukros gar nicht kämpfen (wie in Venezuela), ginge alles in ein paar Tagen.

      • Daisy 3. Januar 2026 um 22:40 Uhr

        Naja, was hindert Putin, sich den Klavierspieler aus seinem Palast zu holen? Der ist ja genauso illegitim wie Maduro.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4sidentschaftswahl_in_Venezuela_2024

        Bestimmt würde Schnorrlenskis Bedienstete auch keinen Finger rühren, dies zu verhindern… ;-)

        Hahaha, und dann verkündet Putin, dass Russland bis zur Wahl die Regierung der Ukraine übernimmt. Ja, Varus, sowas musst einmal zammbringen…:-)

  4. Sabine Schoenfelder 3. Januar 2026 um 15:29 Uhr - Antworten

    Wo bleibt der Aufschrei ? Ein Land, aus dem sich ein Viertel der Einwohner bereits verabschiedete und der Rest, Selenskyj-like, nur von Geld geschmiert, das System trägt, das schreit nicht auf, sondern wird heimlich aufatmen. Die USA ist in der Lage die Bodenschätze zu „heben“. Wird Wohlstand generieren. Was glauben Sie, wieviel „Ausgereiste“ gerne und lässig der USA halfen ! So geschieht es, wenn man ostentativ gegen das Volk regiert.
    Das rechtfertigt in keinster Weise das amerikanische Vorgehen, aber WO, bitte schön, herrscht noch RECHT und ORDNUNG ? ☹️
    Scheindemokratien entwickeln sich in den Faschismus, Brasilien setzt gar einen verurteilten Straftäter ins höchste Regierungsamt, tatsächlich herrscht der Bundesrichter De Moraes, m a k a b e r ‼️…..und was ist mit EUROPA ?? Hier herrscht der Irrsinn in Potenz.
    Wer regt sich darüber aus, daß Milliarden in den korruptesten Staat Europas mit aller politischen EU-Macht, ungewählt und undemokratisch, transferiert werden ??

    • Jakob 3. Januar 2026 um 15:49 Uhr - Antworten

      ‚Wird Wohlstand generieren‘.
      Aber ganz sicher auch. Und dieser Wohlstand wird ohne jeden Zweifel beim Volk ankommen.
      Die USA werden die Bodenschätze „heben“.
      Stimmt. Aber allein zu ihren Vorteil und den ihrer korrupten Handlager.
      Sie können noch so sehr ablenken mit Hinweisen auf den Wahnsinn der in der Welt herrscht; Tatsache ist dass die USA ein weiteres Mal einen staatsterroristischen Akt durchgeführt haben.
      Mit ihren Ablenkungsversuchen und Umdeutungen beweisen Sie nur Teil der Westpropaganda zu sein.

      • Sabine Schoenfelder 3. Januar 2026 um 18:43 Uhr

        Sie fügen sich dem allgemeinen linken gut-böse Schema, und fördern damit das erwünschte Spalten und Walten…….Gratulation. Wer, wie ich, nicht in das Anti-USA-Geheule einstimmt, gehört zum westlichen Feindbild…😂
        Bloß nicht differenzieren, und garantiert nur das Unrecht auf des „Gegners“ Seite fokussieren. Ich lenke nicht ab. Ich beleuchte beide Seiten.
        Gewöhnlich „reicht“ das linker Verblendung nicht.
        Maduro setzte die Opposition ab, und betrog sich in seine 3.Amtszeit. Er regierte das Land in Grund und Boden und herrscht als Diktator. Auch DAS sind Tatsachen.

      • Jakob 3. Januar 2026 um 19:33 Uhr

        Sabine
        Allein dass Sie bei diesem völkerrechtswidrigen Angriff das links-rechts Schema strapazieren beweist ihre Haltung.
        Nach dieser verbrecherischen Aktion der USA noch von einem Anti -USA- Geheule zu schreiben entlarvt sie als (bezahlte?) Propagandistin.
        Und ihre „Tatsachen“ sind eine seit Jahren bekannte weitere Lügengeschichte produziert von us-geführten Propagandaagenturen.

      • Sabine Schoenfelder 3. Januar 2026 um 23:30 Uhr

        Sie wiederholen sich. Stramme Indoktrination. Was Ihnen nicht in den Kram paßt, ist Lüge…bin ich jetzt Maduro-Verweigerer…😂….?..oder Venezuela-Leugner ?
        Als Ich Netanyahu kritisierte, den „Ausfall“ des angeblich besten Sicherheitssystems der Welt, wurde ich als Margot Honecker bezeichnet….welch infantiles Geplänkel intoleranter Besserwisser.

  5. Jan 3. Januar 2026 um 15:23 Uhr - Antworten

    Wenn damit ein Krieg verhindert wurde – Chapeau!

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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