Journalistin und Mutter in Not – Republik Österreich unzuständig?

18. Dezember 2025von 9,2 Minuten Lesezeit

Vor kurzem erreichte mich die Information, dass Liza Ulitzka, Herausgeberin von „Die Krähe“, große Schwierigkeiten hat. Ihr ägyptischer Ehemann hat sich radikalisiert, worauf sie sich von ihm trennte. Nach einem vereinbarten Urlaub des Vaters mit den gemeinsamen Kindern in Ägypten, weigert sich der Vater, diese an die Mutter zurückzugeben. Die beiden Kinder – österreichische Staatsbürger – werden jetzt an einem unbekannten Ort in Ägypten versteckt. Die Republik Österreich erklärt sich als „nicht zuständig“.

Details zu dem Fall, der im Sommer 2025 begann, kann man auf Gofundme  rfahren, wo Freunde von Liza zu einer Spendenaktion für sie aufgerufen haben. Die bisher bereits angefallenen Anwaltskosten belasten die Mutter enorm – und ein Ende ist nicht absehbar.

Erst Mitte November hatte sich die 44-jährige Mutter entschieden, ihren Fall an die Öffentlichkeit zu bringen. Sie schrieb u.a. auf Facebook:

Dear Facebook-Community, it is time to make my ordeal of the last five months public now, to ask for you help. Since July this year I am searching for my two children Lily (8 years old) and Noah (6 years old). They have been kidnapped by their father Dentist Dr. Ramy Amr Mohamed Elsohagy who is Eyptian, born and raised in #cairo, in #nasrcity. He is currently hiding somewhere in #Egypt with my kids, most probably in #cairo, maybe somewhere in #nasrcity, where his family is still residing. Since five months my husband is banning me from any contact with my kids. Attached you find the pictures of my kids and my husband. I started criminal cases against him in Austria, where we were all living untill this year in spring, but as well legal measures against him are under way in Egypt. If you have any information about the whereabouts of my children please send me a direct message. This call goes especially to all my friends in Egypt. Please feel free to share this posting as much as you can. Thanks a lot for your help.

Dass es zwischen Ehegatten zu Streit um das Sorgerecht kommt, ist keine Seltenheit. Dass ein Elternteil sich über das Recht des anderen hinwegsetzt und die eigenen Kinder nicht wie vereinbart übergibt, leider auch nicht. In derartigen Fällen greift „der Staat“ üblicherweise ein, um die Probleme zu regeln. Im Falle von Liza Ulitzka besteht man jedoch darauf, nicht handeln zu müssen.

Ich nahm Kontakt mit ihr auf, um dazu beizutragen, den Fall publik zu machen, zu unterstützen aber auch um zu erfahren, warum die Republik Österreich kein Interesse am Verbleib von Lily (8 Jahre) und Noah (6 Jahre) hat, denn das halte ich für den eigentlichen Skandal.

Warum ist die Republik Österreich „nicht zuständig“?

Die Gesetzeslage, was derartige Fälle betrifft, ist absolut absurd.

Wieso?

Als er die Kinder mitgenommen hat, hatte er ja Erlaubnis vom Gericht, für drei Wochen mit den Kindern auf Urlaub zu fahren und sie am 19. Juli wieder zurückzubringen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch das Sorgerecht. Wir waren noch nicht geschieden, aber getrennt und hatten beide die Obsorge.

Und das Gesetz sagt, da er die Obsorge hatte, ist es keine Kindesentführung. Als Obsorgeberechtigter kannst du mit deinem Kind machen, was du willst, kannst hinfahren, wo du willst.

Jetzt ist er aber nicht mehr obsorgeberechtigt?

Die Obsorge wurde ihm dann im September entzogen. Da hat ihm das Bezirksgericht dann eine Woche Zeit gegeben, die Kinder wieder zurückzubringen, was er natürlich nicht gemacht hat.

Deswegen sagt jetzt die Staatsanwaltschaft hier, dass Österreich nicht zuständig sei, da ihm die Obsorge entzogen wurde, als er schon in Ägypten war und er ägyptischer Staatsbürger ist. Dabei hat Österreich das Haager Kindesentführungsübereinkommen (HKÜ) ratifiziert, in dem es um die Rückstellung eines unrechtmäßig verbrachten oder vorenthaltenen Kindes geht. Darin steht: „Entführung“ ist – sofern widerrechtlich, also mit einem Sorgerechtsbruch verbunden – nicht nur die Verbringung des Kindes, sondern auch das Zurückhalten (Paradebeispiel: ein Elternteil kommt mit dem Kind aus dem Auslandsurlaub nicht mehr zurück). Selbst ein Elternteil, der mit der Obsorge betraut ist, kann das Kind in diesem Sinn entführen, wenn er solche Aktionen gegen den Willen des anderen Elternteils und ohne gerichtliche Genehmigung setzt“

Ist das nicht absurd? Österreich hat dieses Abkommen unterzeichnet, sagt aber in seinem eigenen lokalen Gesetz, dass es keine Entführung sei.

Vielleicht ist das wirklich die Rechtslage hier, ich bin keine Juristin, aber sie schreiben doch schon in der Ausgangslage von „gegen den Willen … ohne Genehmigung eines Gerichtes DAUERHAFT an einen anderen Ort gebracht (oder von dort nicht mehr zurückgebracht)“.

Ja. Es ist ein Skandal, dass Elternteile – meistens sind es ja die Mütter, die von sowas betroffen sind, dass Mütter nicht besser vom österreichischen Staat geschützt und unterstützt werden.

Hast Du noch irgendwelche Möglichkeiten?

Ich werde weiterhin alles versuchen, was rechtlich möglich ist. Ich kann beweisen, dass er die Tat vorsätzlich geplant hat und zwar von Wien aus und damit ist auch das österreichische Rechtssystem zuständig. Vielleicht bringt das doch noch etwas in Bewegung.

Deine Kinder sind Österreicher?

Sie sind Doppelstaatsbürger, sind aber mit österreichischem Pass ausgereist.

Gibt es keinerlei rechtliche Verpflichtung, sich um entführte österreichische Staatsbürger zu kümmern?

Das ist das, was ich jetzt auch noch irgendwie herausfinden will. Das passiert ja immer wieder. Vor einigen Jahren gab es einen Fall von zwei Österreichern, die wurden in Mali in der Wüste entführt. Da haben wir in den Medien wochenlang über dieses Thema berichtet und wie der österreichische Staat sie unterstützt hat.

Aber bei Deinen Kindern bekommst Du keine Unterstützung?

Das ist eine Frage, die ich versuche zu klären. Ich bin ständig in Kontakt mit der österreichischen Botschaft in Ägypten. Ich habe dem Außenministerium geschrieben, ich hatte das Gefühl, sie behandeln den Fall nicht mit der angebrachten Dringlichkeit. Daraufhin bekam ich einen Termin beim dortigen Botschafter für Krisenintervention. Das Gespräch war sehr gut. Man hat mir versichert, dass über diplomatische Kanäle mein Fall bei jeder Gelegenheit angesprochen wird und dass sie im Außenministerium mein Problem sehr ernst nehmen.

Hast Du zur ägyptischen Botschaft hier in Österreich Kontakt aufgenommen?

Ja, aber die ignorieren mich konsequent.

Wer unterstützt Dich denn bisher?

Ich habe meine Anwältin hier in Wien, hauptsächlich wegen der Scheidung und des Sorgerechtentzugs. Und auch in Kairo habe ich natürlich einen Anwalt, ja. Dann meine Freunde, die jetzt öffentlich zum GoFundme aufgerufen haben. Das hat mich völlig überwältigt. Ich hatte das überhaupt nicht erwartet, dass mir da so eine Welle der Solidarität entgegenschlägt. Also mich hat das enorm berührt und ich bin echt dankbar. Es gibt Menschen die viel spenden und teilweise aber auch ganz kleine Beträge, wo mir klar ist, das sind sicher Leute, die ja echt nicht viel Geld haben und die trotzdem versuchen, irgendwie zu helfen. Also das ist echt, echt Wahnsinn.

Und medial unterstützt Dich bisher die Krone? Wie kommt das?

Ich habe denen einfach geschrieben und sie haben sich gleich gemeldet. Da bin ich froh, da sie sehr gute Reichweite haben. Die Politik schaut halt schon sehr drauf, was die Krone bringt. Und das ist für mir einfach wichtig.

Ich habe auch andere Medien angeschrieben – aber der ORF wollte es nicht machen bis jetzt. Inzwischen hat auch Österreich berichtet und der Falter wird eine kleine Geschichte machen. Vielleicht kommt ja noch was. Gerade im Hinblick auf die Radikalisierung von meinem Ex-Mann, müsste es für die Medien ja von Interesse sein.

Was ist daran interessant?

Er hat zwei Moscheen in Wien besucht und sich dort radikalisiert, er ist ja religiös komplett durchgedreht. Die eine Moschee ist ganz klar salafistisch, sie predigen da Hetze gegen Schiiten, gegen Juden. Sie rufen auch offen dazu auf, dass man sich von der Mehrheitsgesellschaft eher fernhalten sollte.

Böse gesagt, ich habe den Eindruck, Islamisten können hier schalten und walten, wie sie wollen. Wenn einer von denen einfach Kinder entführt, passiert nichts. Das finde ich schon krass, auch im Hinblick auf den österreichischen Staat und die Sicherheitslage.

Wird das nicht vom Staat kontrolliert?

Wir haben ein Islamgesetz und das besagt, die Freitagspredigten müssen immer auf Deutsch übersetzt werden. So, das machen die zwar, aber die Freitagspredig ist 40 Minuten lang und die deutsche Übersetzung 10 Minuten lang. Du kannst Dir vorstellen, dass die heiklen Passagen nicht Teil der deutschen Übersetzung sind.

Das wird auch nicht überprüft. Die schalten und walten in Hinterhof-Moscheen und hetzen die Menschen gegeneinander auf. Das finde ich einfach echt schlimm.

Du bist aufgrund Deiner Erfahrungen jetzt aber nicht zur Islamhasserin mutiert?

Nein. Sicher nicht. Ich bin Muslimin und ich praktiziere das auch weiterhin, aber nicht so wie die Radikalen das wollen.

Es gibt einen Artikel auf den Nachdenkseiten. Da schreibt Detlef Koch unter der Überschrift „Islamismus vs. Islam – Über Macht, Glaube und die Verantwortung des Gewissens“, dass radikale Prediger und Influencer vor allem online eine beachtliche Anhängerschaft, besonders unter Jugendlichen mobilisieren. Obwohl diese islamistischen Extremisten nur einen kleinen Bruchteil der etwa 5,5 Millionen hiesigen Muslime ausmachen, prägen ihre Taten und Parolen das öffentliche Islambild unverhältnismäßig stark. Siehst Du das ähnlich?

Ja – es gibt sehr viele andere Herangehensweisen und unendlich wunderschöne Aspekte, die in dem politischen Islam komplett untergehen. Für mich ist dieser Glaube sowas von tiefgründig und wunderschön. Ich muss wirklich sagen, dass ich über den Koran durch den Islam, einfach besser verstehen lernte, was man unter Gott verstehen kann. Der Islam war bisher die einzige Religion, die mir das näherbringen konnte.

Auch durch diesen Konflikt mit meinem Ex-Mann habe ich mich wirklich tiefergehend damit auseinandergesetzt und festgestellt, dass das Wunderschöne komplett zerstört wird von diesen Ultraorthodoxen. Ich habe keinen Bock auf Extremismus, ganz einfach. Das geht einfach gar nicht.

Ich bin mir auch sicher, dass er den Anstoß für die Aktion mit den Kindern von seinen Glaubensbrüdern bekommen hat. Das gibt er auch offen zu. Er hat ja ein Video hochgeladen auf YouTube, wo er seine Sicht der Dinge darlegt und ganz klar sagt, die Gesellschaft hier ist so schrecklich und daher musste er die Kinder von hier wegholen.

Wie kann man Dich unterstützen?

Ich hoffe, dass so viele Medien wie möglich meinen Fall aufgreifen, dass möglichst viele Menschen davon erfahren – und damit einen gewissen Druck auf die österreichischen Behörden erzeugen.

Ich freue mich auch, wenn noch mehr Spenden reinkommen. Ich hatte ja bereits über 16.000 Euro Anwaltskosten. Und da sind die Flüge und die ganzen Aufenthalte, die ich in Kairo hatte, bis jetzt noch gar nicht eingerechnet. Aber das Wichtigste ist die Publicity.

Dieses Interview ist ein Teil davon. Ich wünsche Dir alles, alles Gute und dass Deine Kinder möglichst bald wieder zuhause sind.


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge uns auf Telegram und GETTR



Katar: Tote in Ägypten, Deal mit US-Militär

Russische „Kindesentführungen“: Westliche Propaganda entlarvt

Kindeswegnahmen bei ungeimpften und Masken ablehnenden Eltern

 

Ein Kommentar

  1. Jan 18. Dezember 2025 um 8:25 Uhr - Antworten

    Ägypten hat das Haager Kinderentführungsabkommen nicht unterzeichnet. Es kann daher auch keine Grundlage für eine Rückführung werden, selbst wenn die dortige Definition einer Entführung erfüllt ist.

    Österreich wird kaum in der Lage sein, ägyptische Staatsbürger, die bei ihrem leiblichen Vater leben, mit Gewalt nach Österreich zu verbringen, weil ein untergeordnetes Gericht einen Anspruch der Mutter sieht.

    Die muslimischen Staaten stehen in einer anderen kulturellen Tradition und sehen den Vater als Oberhaupt der Familie.

    Österreich kann die ägyptischen Behörden informieren und die werden sich in der Schule erkundigen und vielleicht einen genaueren Blick auf die Kinder werfen. Aber ein Zahnarzt – wenn sich die Kinder angemessen entwickeln, wird niemand etwas sagen, so traurig das für die Mutter ist.

    Der Mutter ist zu raten, dass sie versucht, den Kontakt zu ihren Kindern nicht gänzlich abbrechen zu lassen. Dazu muss man vielleicht diplomatische Kompromisse eingehen, die dem Gerechtigkeitsempfinden zuwiderlaufen.

    Wenn durch die Spenden Geld zur Verfügung steht, könnte man dies vielleicht verwenden, um einen ägyptischen Anwalt einzuschalten, der die Mutter berät, was nach ägyptischem Recht realistisch ist. Ich könnte mir vorstellen, dass dies ein Recht auf Kontakt und eventuell Besuch sein könnte. Dazu müsste die Mutter nach Ägypten reisen und möglicherweise den Anspruch des Vaters akzeptieren. Ist es möglich für die Mutter, sich länger in Ägypten aufzuhalten, und dort zu arbeiten, damit sie die Kinder auch regelmäßig sehen kann? Möglicherweise macht es Sinn, die Scheidung zu stoppen, damit der Ehemann nach ägyptischen Recht für den Unterhalt aufkommen muss und die Dame als Gattin eines Ägypters Aufenthalt hat?

    Alles, was jetzt noch passieren kann, wird von den ägytischen Behörden abhängen. Das bedeutet, man muss sich mit ihren Entscheidungskriterien auseinander setzen.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Aktuelle Beiträge