Goldpreis: Keine Börsen-Rally, sondern ein Regime-Change

8. Oktober 2025von 3,4 Minuten Lesezeit

Weltweit verkaufen Zentralbanken ihre Dollar und holen sich stattdessen Gold. Der Goldpreis eskaliert in beispiellosem Tempo – das ist keine „Rally“ an den Börsen, sondern ein „Regime Change“.

Im März übersprang der Goldpreis erstmals die 3000-US-Dollar-Marke. Ein „Meilenstein“ und ein „historischer Sprung“. Aber wer dachte, die Entwicklung würde sich abkühlen, hat sich getäuscht: Jetzt, nur etwa ein halbes Jahr später, hat Gold die 4.000-US-Dollar-Marke geknackt. Diese Entwicklung ist nicht durch ängstliche Privatanleger zu erklären, die auf „sicheres“ Gold setzen.

Dass Gold (ebenso wie Bitcoin) von Rekord zu Rekord gehandelt wird, liegt an einer neuen Strategie der Wall Street, sehen Finanzanalysten wie ITM Trading. Zentralbanken kaufen massiv Gold. Private Institutionen geben ihre Dollar ebenfalls auf, denn die Geldmenge im Inland nimmt immer weiter zu, zudem ist die Waffe Dollar im Ausland immer unbeliebter. US-Staatsanleihen werden abgestoßen, was den Dollar weiter entwertet. Man setzt auf Gold und Bitcoin (für BlackRock ist der Bitcoin-ETF mittlerweile jener ETF, mit dem der Finanzriese am meisten Gewinne einsteckt).

„Gold steigt nicht aufgrund von Spekulationen, sondern als Signal dafür, dass sich das System bereits im Wandel befindet“, sagt ITM, so wie viele andere Analysten. Man muss kein Finanzexperte sein, um bei einem Blick auf den Goldpreis zu wissen: Da ist etwas im Gange. Vor allem, seitdem die US-Regierung in den „Shutdown“ gegangen ist, haben Gold und Bitcoin zum nächsten Preissprung angesetzt.

Der Journalist Arnaud Bertrand veröffentlichte einen vielbeachteten Text zur aktuellen Goldeskalation. Er schrieb:

Analysen vergangener Epochen zeigen, dass sich der Goldpreis in der jeweiligen Reservewährung nur selten verdoppelt – wie es im vergangenen Jahr geschah. Solche Phasen traten fast immer dann auf, wenn das Vertrauen in die bestehende Währungs- und politische Ordnung tief erschüttert war – ein Muster, das sich bis in die Zeit des Römischen Reiches zurückverfolgen lässt, etwa während der „Krise des dritten Jahrhunderts“.

Häufig markierte ein solcher Preissprung den Übergang von einer Macht-Ära zur nächsten: den Untergang Roms, den Niedergang Spaniens als Weltmacht, die Französische Revolution samt Terrorherrschaft oder das Ende des Systems von Bretton Woods.

Auffällig ist, dass diese Entwicklungen zugleich Symptom und Ursache tieferer Umwälzungen waren – Ausdruck einer massiven Vermögensverschiebung von der breiten Bevölkerung zu den wohlhabenden Eliten, die ihren Besitz in Gold absicherten. Genau diese Ungleichgewichte führten in der Geschichte immer wieder zu politischen Erschütterungen

.Das Bemerkenswerte an der heutigen Situation ist das ungewöhnliche Schweigen darüber: Die Welt erlebt möglicherweise einen der größten Wendepunkte der modernen Finanzgeschichte – und doch wird kaum darüber gesprochen.

Bertrands Analyse ist historisch durchaus korrekt. Es gibt solche Beispiele aus der Geschichte:

  • Im Römischen Reich kam es während der „Krise des dritten Jahrhunderts“ zu einer Geldentwertung, was die Reinheit von Goldmünzen von 95 % auf 38 % reduzierte. Das entsprach einem scharfen Anstieg des Goldpreises.
  • In Spanien im 16. Jahrhundert waren die Preise für Güter um das Zwei- bis Vierfache explodiert, aufgrund des Zuflusses an Edelmetallen und Inflation, was eine Geldentwertung gegenüber Gold widerspiegelte.
  • Während der Französischen Revolution verursachte Hyperinflation einen Anstieg des Goldpreises.
  • Als das Bretton-Woods-System, in dem der US-Dollar an den Goldpreis gekoppelt gewesen war, beendet wurde, verdreifachte sich der Goldpreis von 35 US-Dollar auf über 120 US-Dollar pro Unze innerhalb von zwei Jahren.

Allerdings gibt es auch historische Umwälzungen, währenddessen der Goldpreis stabil geblieben ist. In den beiden Weltkriegen blieb der Goldpreis stabil, auch während der Dot-Com-Blase oder durch den Schwarzen Montag 1987.

Anders als Bertrand aber schreibt, ist der Goldpreisanstieg sehr wohl Thema. Einen direkten Einfluss auf die meisten Menschen dürfte die Sache aber (noch) nicht haben. Profiteure sind zudem neben kleinen Anlegern vor allem die Eliten: Sie halten oftmals viel Gold – häufig über viele Generationen hinweg – und so transferiert sich Reichtum weiter in die Hand von einigen wenigen.

Bild „Gold Buddha“ by @Doug88888 is licensed under CC BY-NC-SA 2.0.

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5 Kommentare

  1. rudifluegl 8. Oktober 2025 um 21:52 Uhr - Antworten

    Ob ich noch erleben werde, dass die Mafia _ also alle über die TKP so ausführlich schreibt_ liebensentwertete Genossen in Gold statt Betonpatscherl versenkt?
    Damit fahren die auch viel schneller in den Grund! Beim Grundelsee zum Beispiel.

    • ibido 8. Oktober 2025 um 23:08 Uhr - Antworten

      Toplitzsee wäre tiefer und auch kälter, hehe ;-)
      und da passen sie auch gänzend zu dem dort angeblich versenkten Falschgeld (engl. Pfund)

  2. Vivarium Eins 8. Oktober 2025 um 19:02 Uhr - Antworten

    ´Gold, Silber, PLatin, Palladium, Technologiemetalle……haut rein Leute, es ist noch genug da!

  3. Jurgen 8. Oktober 2025 um 12:16 Uhr - Antworten

    Ja, die Neubewertung von Edelmetallen, die jahrzehntelang gedrückt worden sind, ist ante portas. Wer keins hat, steht irgendwann dumm da.

    • LmaA 10. Oktober 2025 um 20:05 Uhr - Antworten

      „Wer keins hat, steht irgendwann dumm da.“
      Genau, oder wenn er kein Gold hat um seine Familie zu ernähren, holt sich das Gold oder die Lebensmittel von den Reichen welche im Speckgürtel der Großstädte leben. Es lebe die Anarchie 😬

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