Sayer Ji: Trumps Lobeshymne auf den Polio-Impfstoff ohne Fundament und sollte «Alarmglocken läuten lassen»

11. September 2025von 6,9 Minuten Lesezeit

Trump lud sogar Bill Gates zu sich ins Weiße Haus ein, bei dem er auch den Polio-Impfstoff promoten durfte. Doch dass derlei Werbung ohne Substanz ist, zeigt allein die Tatsache, dass es keine solide Placebo-Studie gibt, die aufzeigt, dass die Impfung besser ist als Nichtstun.

In einer dreiteiligen Replik auf einen Artikel des Mediziners Michael Palmer (siehe hierhier und hier) habe ich mit Hans Tolzin, Herausgeber des Impf-Report, dargelegt, warum Polio keine Virus-, sondern eine «Lifestyle»-Krankheit ist.

Sayer Ji, unter anderem Gründer von Greenmedinfo, hat jetzt in die gleiche Kerbe gehauen, und zwar mit seinem Substack-Beitrag «Warum Trump mit seiner Polio-Impfung Unrecht hat: Es ist alles andere als erstaunlich». Aufhänger für dieses Stück ist, wie der Titel schon verdeutlicht, eine Aussage oder besser gesagt Lobeshymne des aktuellen US-Präsidenten auf die Polio-Impfung. So äußerte sich der 79-Jährige am 5. September 2025, als er zu Floridas Ankündigung, als erster US-Bundesstaat jegliche Impfpflicht aufheben zu wollen (siehe TN-Beitrag hier) befragt wurde, wie folgt:

«Sehen Sie, es gibt einige Impfstoffe, die wirklich großartig sind. Ich finde den Polio-Impfstoff einfach großartig. Viele Leute halten [den] COVID[-Impfstoff] für großartig, viele glauben fest daran. Aber es gibt einige Impfstoffe, die so unglaublich sind. Und ich denke, man muss sehr vorsichtig sein, wenn man sagt, manche Menschen müssten nicht geimpft werden.»

Dazu Sayer Ji:

«Aus dem Mund eines Populisten, der einst mit Impfskeptikern kokettierte, markierte dieses nachdrückliche Lob für die Polio-Impfung eine erstaunliche Wende. Nur wenige Tage zuvor hatte Microsoft-Gründer Bill Gates bei einem Abendessen im Weißen Haus eine prominente Plattform erhalten. Er saß neben First Lady Melania Trump, lobte Impfstoffe und sprach davon, ‹amerikanische Innovationen auf die nächste Stufe zu heben, um Krankheiten wie Polio zu heilen und sogar auszurotten›.
 
In derselben Woche sagte Gates, ‹Trump habe Polio erwähnt› als Bereich, in dem neue Anstrengungen erforderlich seien. Plötzlich schien eine führende Persönlichkeit der ‹America First›-Bewegung Gates und dem globalen Impfestablishment zuzustimmen und sich dem einseitigen, widerlegten Narrativ anzuschließen, das Polio jahrzehntelang dominiert hat.»

Dieses Zusammentreffen sollte, Ji, «die Alarmglocken läuten lassen». Nicht nur sei der Zeitpunkt verdächtig – Gates und Trump beharrten innerhalb weniger Tage auf ihrem Mantra, die Polio-Impfung sei großartig –, sondern es belebe auch eine vereinfachende Geschichte über Polio und Impfstoffe wieder, die durch seriöse Forschung gründlich widerlegt worden sei.

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In der Mainstream-Darstellung sei Polio eine schreckliche Virus-Plage, die durch Salks und Sabins «Wunderimpfstoffe» ausgerottet worden sei, und heute stünden wir kurz davor, sie weltweit auszurotten, wenn nur alle mitmachten. Gates selbst lasse keine Gelegenheit aus, zu wiederholen, dass die Polio-Fälle seit 1988 «dank Massenimpfkampagnen» um 99 Prozent zurückgegangen seien. Der Polio-Impfstoff, so werde uns gesagt, sei «unumstritten» – ein Modell sicherer, wirksamer Medizin, gegen das sich kein vernünftiger Mensch wehren könne. Ji weiter:

«Trump schloss sich genau dieser Meinung an und forderte: ‹Impfstoffe, die wirken … sie sind überhaupt nicht umstritten … diese Impfstoffe sollten eingesetzt werden.› Doch diese rosige Darstellung ist bei weitem nicht die ganze Wahrheit. Tatsächlich ist sie in mehrfacher Hinsicht schlichtweg falsch.
 
Denn hinter Polio steckte nicht einfach ein ansteckendes Virus, das wahllos zuschlug – vielmehr war es häufig ein Nebenprodukt industrieller Giftstoffe (wie Pestizide wie DDT und Arsen) und anderer Umweltfaktoren.»

Die Idee, Polio würde durch einen Keim verursacht, der durch eine Spritze auf magische Weise besiegt werden konnte, sei schlicht realitätsfern. Die Ausrottung der Kinderlähmung durch die Impfungen sei eine «Fata Morgana». Ji:

«Selbst wenn die wilde Polio-Epidemie eingedämmt ist, zirkuliert das Impfvirus weiter, mutiert und löst Ausbrüche aus. Zudem können Viren wie das Poliovirus im Labor erzeugt oder manipuliert werden – eine Tatsache, die von führenden Wissenschaftlern eingeräumt wird. Das bedeutet, dass Polio jederzeit wieder auftreten könnte, was eine echte Ausrottung praktisch unmöglich macht.
 
Hinter der Polio-Saga verbirgt sich ein warnendes Beispiel für unternehmerische Gier, wissenschaftliche Verfehlungen und geopolitische Macht. Die vereinfachte Fabel ‹Impfstoff besiegt Virus› diente dazu, industrielle Vergiftungen zu vertuschen, Impfopfer zu ignorieren und westlichen Mächten über philanthropische Organisationen wie die Gates Foundation einen Soft-Power-Einfluss in Entwicklungsländern zu verschaffen. Kurz gesagt: Der Polio-Kreuzzug hat ebenso viel mit PR, Politik und Profit zu tun wie mit der öffentlichen Gesundheit.»

«Trumps neuerliches Nachplappern von Gates’ Polio-Argumenten» ist daher «kein Triumph der Überparteilichkeit – es ist eine gefährliche Neuzentrierung eines Narrativs, das dringend hinterfragt werden muss.»

Tatsächlich ist Polio eines der «heißesten Eisen», wenn es um das Thema Viren und Impfungen geht. Dies musste Robert F. Kennedy Jr. (RFK Jr.) Ende 2024 erleben, als er noch darum kämpfen musste, Leiter des US-Gesundheitsministeriums HHS zu werden, und dafür US-Senatoren Rede und Antwort stand (siehe dazu auch den Teil 1 unserer eingangs erwähnten Replik auf Michael Palmers Beitrag).

So gehörte zu denjenigen, die über das politische Schicksal von RFK Jr. entscheiden sollten, der republikanische Senator Mitch McConnell. Bei ihm war, als er zwei Jahre jung war, Kinderlähmung diagnostiziert worden. Ohne Kennedy namentlich zu erwähnen, sagte er Mitte Dezember vergangenen Jahres im Alter von 82 Jahren:

«Bemühungen, das öffentliche Vertrauen in bewährte Heilmethoden [wie den Polioimpfstoff] zu untergraben, sind nicht nur uninformiert, sondern auch gefährlich. Jeder, der die Zustimmung des Senats für einen Posten in der neuen Regierung sucht, täte gut daran, auch nur den Anschein einer Verbindung mit solchen Bemühungen zu vermeiden.»

Bekanntermaßen erhielt Robert F. Kennedy am 13. Februar schließlich genügend Stimmen aus dem Senat und bekam damit die Leitung des US-Gesundheitsministeriums überantwortet. Dabei stimmte McConnell als einziger Republikaner – und zusammen mit allen Demokraten – gegen den Neffen des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy. Er begründete seine ablehnende Haltung wie folgt:

«Ich bin ein Überlebender der Kinderlähmung. Im Laufe meines Lebens habe ich gesehen, wie Impfstoffe Millionen von Leben vor verheerenden Krankheiten in Amerika und der ganzen Welt gerettet haben. Ich werde es nicht dulden, dass erwiesene Heilmittel wieder in Frage gestellt werden …
 
Diese Regierung – geführt von demselben Präsidenten, der mit dem ‹Project Warp Speed›[1] ein medizinisches Wunder vollbracht hat – verdient eine Führungspersönlichkeit, die bereit ist, die Wirksamkeit lebensrettender Impfstoffe uneingeschränkt anzuerkennen und die ein Verständnis für die grundlegenden Elemente des US-Gesundheitssystems aufbringen kann. Herr Kennedy hat nicht bewiesen, dass er die bestmögliche Person für die Leitung von Amerikas größter Gesundheitsbehörde ist.»

Doch die Belege dafür, dass das von McConnel Vorgetragene ohne Substanz ist, sind frappierend. Allein der Umstand, dass es keine solide Placebo-Studie gibt, aus der hervorginge, dass die Polio-Impfung Nichtstun überlegen ist, entzieht jeglicher Behauptung, die Polio-Impfung sei wirksam, den faktischen Boden (siehe dazu den TN-Beitrag «Polio ist keine Virus-, sondern eine «Lifestyle»-Krankheit – eine Replik auf Michael Palmer; Teil 2»).

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist nicht zuletzt, worauf Ji bereits 2012 aufmerksam machte, nämlich dass «Polio-Impfstoffe jetzt die häufigste Ursache für Polio-Lähmungen sind».

Quelle:

Substack von Sayer Ji: Why Trump is Wrong About the Polio Vaccine: It is Far From Amazing – 8. September 2025

Der Artikel erschien zuerst bei Transition News.

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Bild: Quelle: commons.wikimedia.org/

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Torsten Engelbrecht ist freier Journalist in Hamburg (mit Artikeln für den OffGuardian, die SZ u.v.m.) und war Redakteur bei der Financial Times Deutschland. Er ist Autor des Buches „Virus-Wahn“. Für seinen Artikel „Die Amalgam-Kontroverse“ erhielt er den Alternativen Medienpreis.


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3 Kommentare

  1. Jan 11. September 2025 um 11:55 Uhr - Antworten

    Trump ist ein extrem begabter Kommunikator. Er reagiert schnell auf ungeplante Verläufe und ist geübt darin, komplexe Phänomene prägnant „zu verorden“ ohne sich festzulegen.

    In der politischen Kommunikation ist es notwendig, Mehrheiten zu versammeln und Shit-Storms zu vermeiden. Trump nutzt dazu oft das Mittel, sich zum Schiedsrichter aufzuschwingen, anstelle selbst Partei zu sein.

    Neben der Lesart, dass er Bill Gates Argumente übernimmt, ist auch die Lesart möglich, dass er aus strategischen Gründen für eine Zeit sich offen gibt.

    • Gabriele 11. September 2025 um 12:24 Uhr - Antworten

      Wer auch nur ein bisschen was von Narzissmus versteht, dürfte wohl merken, dass Donald ein großes Kind ist. Schnell von einem neuen Spielzeug begeistert und ebenso schnell hat er wieder die Nase voll, wenn sein „Deal“ nicht läuft…er nicht im Mittelpunkt steht. Wie jemand richtig sagte: er ist aktuell der weltweit beste Zufallsgenerator für die Wahrheit. Ich weiß nicht, warum man seine „Klugheit“ derart überschätzt.
      Der Mann kann keinerlei Zusammenhänge herstellen zwischen seinem großen „Wissen“ und er wird es leider auch nie lernen. Außerdem kann er dem Geld nicht widerstehen… was soll da am Ende herauskommen?

  2. Patient Null 11. September 2025 um 11:41 Uhr - Antworten

    Vielleicht hätte er Bill man fragen sollen ob er ihm jetzt gleich mal die Impfung verpassen könne, um alle Bedenken auszuräumen. ;)

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