
Rechtsextrem oder unbequem: Kritische Betrachtung zum Buch von Elsa Mittmannsgruber
Jeder, der gegen die Corona-Maßnahmen protestiert hat, kennt das: Unvermittelt wurde er von Antifa und Medien als rechtsextrem geschmäht. Das war es völlig egal, wie er sich selbst sah und welche Parteien er vor dem Ausnahmezustand gewählt hatte. Inzwischen wird das Etikett „rechtsextrem“ auf zahlreiche weitere Positionen geklebt. Jeder ist rechtsextrem, der das Narrativ vom menschengemachten gefährlichen Klimawandel auch nur minimal in Frage stellt, sich über die maßlose Bevorzugung von LGBTQ-Personen ärgert, die Massenmigration für ein Problem hält und Frieden mit Russland fordert.
Elsa Mittmannsgruber möchte mit ihrem Buch Rechtsextrem? zeigen, dass dies nicht stimmt und der Begriff zu einem reinen Kampfbegriff geworden ist. In dieser Rezension soll gefragt werden, ob sie diesen Anspruch einlösen kann, oder ob sich bei ihr nicht zumindest in einigen Punkten doch stark rechte Ideologien verbergen.
Im Grunde genommen halten die linksliberalen woken Milieus alle für rechtsextrem, die nicht so ticken wie sie selbst. Also mindestens 80% der Bevölkerung.
Das entsprach bisher nicht der Realität. Sahra Wagenknecht stellte noch in ihrem Buch „Die Selbstgerechten“ von 2020 fest: Bisher gab es in den meisten westlichen Ländern keinen rechten Zeitgeist. Umfragen zeigten, dass die weit überwiegende Mehrheit mit der in den 70er Jahren stattgefundenen sexuellen Liberalisierung einverstanden ist. Homosexuelle und Menschen anderer Hautfarbe sollen die gleichen Rechte haben. Eine Mehrheit ist durchaus bereit, Flüchtlingen und Verfolgten zu helfen. Auch stehen die meisten Menschen sozioökonomisch links und wünschen sich mehr soziale Gerechtigkeit.
Aber sie fühlen sich nach Wagenknecht zum Beispiel auf den Arm genommen, wenn Vertreter der Gender-Theorie behaupten, es gäbe keine biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau; sie wollen auch nicht von ihrer „heterosexuellen Matrix“ erlöst werden und auch nicht mit immer mehr Zuwanderern um Arbeitsplätze und Wohnungen konkurrieren. Die meisten Menschen lieben ihre Heimat und identifizieren sich mit ihrem Land. Sie wollen dafür nicht angefeindet oder moralisch herabgewürdigt werden.[1]
Seit dem Buch von Sahra Wagenknecht sind 5 Jahre vergangen. Der Meinungskorridor ist wesentlich enger geworden und die woke Ideologie noch fanatischer und verrückter. Immer mehr Menschen werden aus dem öffentlichen Diskurs ausgeschlossen und als rechtsextrem geschmäht.
Wenn fast alle rechtsextrem sind, ist es niemand. Also eigentlich ideale Bedingungen für tatsächliche Rechte. Elsa Mittmannsgruber arbeitet beim rechten österreichischen Sender AUF1. Mit ihrem Buch „Rechtsextrem?“ will sie mit 8×8 Tabus abrechnen, die als rechtsextrem geschmäht werden. In vielen Fällen gelingt ihr das auch und das Aussprechen von inzwischen verbotenen Wahrheiten wirkt befreiend. Aber sie geht in einigen Kapiteln durchaus darüber hinaus und es ist die klare Absicht erkennbar, den gesamten öffentlichen Diskurs nach rechts zu verschieben, wenn auch zunächst sehr vorsichtig. Daneben existieren auch noch einige Kuriositäten, wie Überbleibsel der Grünideologie. Interessant ist auch, welche Themen vermieden werden.
Verbotene Wahrheiten
Zu den verbotenen und von Mittmannsgruber ausgesprochenen Wahrheiten gehören, dass die Massenmigration ein Problem und die Integration gescheitert ist. Nicht nur schwarze, sondern auch weiße Leben zählen.
Mittmannsgruber sagt zu Recht: Zwei Geschlechter sind genug, Hetero ist die Norm und das Gendern muss weg.
„Der alte weiße Man ist nicht unser Feind“, stellt die Autorin fest. Viele woke und Linke wollen ihre empfundene „White Guilt“ damit tilgen, dass sie die kleinen alten weißen Männer zerstören – materiell und moralisch. Das gilt selbstverständlich nicht für Angehörige der Machtelite, in deren Reihen sich sehr viele alte weiße Männer befinden (S. 51f).
Auch Mittmannsgruber will niemanden wegen seiner sexuellen Neigung diskriminieren. Aber sie stört die massive öffentliche Zurschaustellung der Sexualität von LGBTQ-Personen zum Beispiel auf Paraden, die Heranführung u.a. von Drag Queens an Kinder, der übertriebene öffentliche Fokus auf diese Personen und ihre überbordende materielle Förderung durch unzählige staatliche Einrichtungen.
Bei der Olympia-Eröffnungsfeier 2024 parodierten potthässliche Transgender-Personen Leonardos letztes Abendmahl – ein Frontalangriff auf das Christentum. Insgesamt erwecken nach Mittmannsgruber Medien und die Kulturindustrie den Eindruck, als wären Homo- und Transsexuelle die besseren Menschen (S. 54).
Unter der Kapitelüberschrift „Ich liebe meinen Verbrenner!“ schreibt Mittmannsgruber: „Aber ich habe mir mein erstes Auto vergleichsweise spät gekauft […] Bis zu meinem 25. Lebensjahr war ich nur mit den Öffis oder zu Fuß unterwegs. Als ich ihn dann aber hatte, meinen kleinen Opel Corsa war es wie Liebe. Oder sagen wir: Es war die Liebe zur Unabhängigkeit! Das Auto selbst zählte für mich weniger. Es war nicht schnell, es war nicht sexy, aber es fuhr. Ich konnte mit ihm fahren, wohin ich wollte, und das war alles, worum es ging.“ (S. 71)
Dazu kann ich nur sagen, alle Achtung. Sie spricht mir aus der Seele. Damit dürfte ich nicht der einzige sein. Aber: Selbst nichtwoke Linke vermeiden solche Lobeshymnen auf das Auto, auch wenn sie es selbstverständlich nutzen. Die Doppelmoral ist eben immer weiter auf dem Vormarsch.
Beim Großthema Klima und Umwelt dürfte bei vielen Menschen recht unumstritten sein, dass die Bauerproteste im Winter 2023/24 berechtigt waren, dass der Mensch kein Parasit an der Erde ist und dass es Wahnsinn ist, aus Gründen des Klimaschutzes keine Kinder zu bekommen. Auch, dass die Doppelmoral der Langstrecken-Luisa (Neubauer) abstößt, genauso wie das im WDR von einem Kinderchor gesungene Lied „Meine Oma ist ne alte Umweltsau“ Anfang 2020.
Auch Wandern gilt inzwischen in woken Kreisen als rechtsextrem, besonders wenn das Ziel dieser Wanderung Kaiserberge wie der Unterberg bei Salzburg sind, in denen angeblich Kaiser Barbarossa bis zum Weltende schlafen soll. Überhaupt lehnen Linke Trachten, Bräuche, Dialekte und Volksmusik kategorisch ab und dokumentieren damit ihre abgrundtiefe Verachtung gegenüber der eigenen einheimischen Bevölkerung.
Die Ablehnung des Krieges gegen Russland, der immer mehr um sich greifenden Medienzensur sowie die Forderung nach einer freien Wissenschaft und die Nutzung von Alternativmedien dürften ebenfalls außerhalb der linksliberalen woken Blase weit verbreitet sein. Viele Menschen lehnen Erklärungsversuche von Ereignissen nicht allein deswegen ab, weil sie von den Medien mit dem Schmähbegriff Verschwörungstheorie belegt wurden.
Im letzten 64. Kapitel macht sich Mittmannsgruber über die Besessenheit von Woken und Linken mit angeblichen Nazisymbolen wie die Zahlen 18 („Adolf Hitler“) und 88 („Heil Hitler“) lustig. Um diesem Personenkreis etwas zu „entschlüsseln“ zu geben, hat sie ihr Buch bewusst in 8 x 8 Kapitel gegliedert.
Rechtsverschiebung
Nun kommen wir zu den Punkten, bei denen Mittmannsgruber den Diskurs nach rechts verschieben will. Im Kapitel „Es gibt Grenzen, und das ist gut so“ schreibt sie: „Die Vielfalt der Völker und Kulturen ist eine unglaubliche Bereicherung für unseren Planeten. Jeder Versuch, sie zu leugnen, auszulöschen, anzugleichen und einzuebnen, ist ein Verbrechen. Schutz der Völker bedeutet deshalb auch Grenzschutz.“ (S. 39)
Diese Auffassung ist eine Beschreibung des neurechten Konzepts des Ethnopluralismus, der hier in den Diskurs eingeschmuggelt werden soll. Solange es starke sozioökonomische Reichtumsunterschiede auf der Welt gibt, sind Grenzkontrollen, Zurückweisungen und auch die Remigration von illegalen Ausländern notwendig. Anzustreben ist jedoch eine Welt mit Wohlstand für alle, wo es Grenzkontrollen genauso wenig gibt, wie an den Grenzen zwischen zwei Bundesländern.
Überhaupt kann man die Völker nicht wie in einem Ethnozoo voneinander isolieren. Für eine gewisse Angleichung der Kulturen sorgen allein schon der moderne Verkehr und die Massenmedien. Dies passiert auch ohne dass eine solche Vermischung durch Massenmigration wie in der EU forciert wird. Auch Amazonas-Indianer zum Beispiel wollen nicht mehr als Wildbeuter leben, sondern an den Annehmlichkeiten der Zivilisation teilhaben. Dies allein bewirkt einen starken ökonomischen und sozialen Wandel. Er kann im ungünstigen Fall zur Auslöschung dieser Ethnie führen. Die Sowjetunion hat vorgemacht, wie es auch anders geht. Sie ermöglichte u.a. den Völkern Sibiriens erstmals die Nutzung einer Schrift, wodurch ihre Sprache, ihre Sagen und Legenden aufgezeichnet werden konnten und so auch in der Moderne weiterexistierten.
Mittmannsgruber hält die Befreiung der Frau für eine Lüge und sieht ihre Rolle primär als Hausfrau und Mutter. Sie schreibt: „Die Hausfrau und Mutter, Hüterin des Lebens, Hort der Liebe, Retterin unserer Zukunft, Beschützerin unserer Heimat, Bewahrerin unseres Erbes. Kling das nicht besser? Ich finde schon.“ (S. 135)
Ausgangspunkt dieser Vorstellung ist auch hier wieder die Vorstellung, dass es nicht nur biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt, sondern hiervon abgeleitet auch Mentalitätsunterschiede, die sich bereits im Kindesalter zeigten. Demnach sei eben die Rolle des Mannes die des Ernährers und die der Frau die der Hausfrau und Mutter. Dieses angestaubte erzreaktionäre Frauenbild fällt weit hinter die Aufklärung zurück. Bereits Marx und Engels erkannten, dass die einzige Möglichkeit einer Emanzipation für die Frau ihre Teilnahme am modernen Verkehr, an der Arbeitswelt ist.
Dieses angestaubte erzreaktionäre Frauenbild passt auch nicht auf Elsa Mittmannsgruber selbst, die es immerhin zur Chefredakteurin der Zeitschrift Wochenblick gebracht hat und deren Lieblingsfernsehserie als Jugendliche „Xena, die Kriegerprinzessin“ war![2]
Aus der zweifellos vorhandenen Doppelbelastung der Frau darf nicht geschlossen werden, dass sie sich grundsätzlich von der Arbeitswelt fernhalten sollte. Vielmehr wäre eine radikale Arbeitszeitverkürzung für Männer und Frauen bei vollem Lohnausgleich anzustreben. Von der technischen Seite her wäre das kein Problem. Ein großer Teil der heutigen Tätigkeiten besteht aus so genannten Bullshit-Jobs (David Graeber), die ohne Verlust für die Gesellschaft ersatzlos gestrichen werden könnten. Bei einer Tagesarbeitszeit von vier statt acht Stunden hätten beide Geschlechter weitaus mehr Zeit für die Betreuung ihrer Kinder, Hobbys und Hausarbeiten, die aber auch noch stärker automatisiert werden könnten.
Auf Seite 144 fordert Mittmannsgruber keine Gnade für Kinderschänder. Diese hätten die härtesten Strafen verdient (S. 146). Sie sagt es zwar nicht ausdrücklich, aber die Forderung nach der Todesstrafe für Kinderschänder wird von Rechten regelmäßig geäußert. Damit wäre sie ein Einfallstor für die Wiedereinführung der Todesstrafe überhaupt.
Auf Seite 116 bricht Mittmannsgruber eine Lanze für die menschenverachtende Ideologie des Sozialdarwinismus. Dieser gehe angeblich davon aus, dass Menschen und Gesellschaft besser werden sollten und dies auch anstreben sollten. Die Frage ist natürlich nur mit welchen Mitteln. Der Sozialdarwinismus vergöttert skrupellose Kapitalisten und Milliardäre, die sich – notfalls über Leichen gehend – im Gesellschaftsdschungel bis zur Spitze emporgekämpft haben. Umgekehrt glaubt er, dass die Armen selbst an ihrem Schicksal schuld seien und man ihnen deshalb auch nicht helfen müsse.
Die wichtigste Methode einer Verbesserung der Gesellschaft aus Sicht des Sozialdarwinismus ist die Eugenik. Demnach müsse die Fortpflanzung von genetisch wertvollen Menschen, also vor allem der Reichen gefördert und diejenige von „wertlosen“ Menschen verhindert werden. Letzteres steigerte sich im deutschen Faschismus hin zur Vernichtung „lebensunwerten Lebens“ in der Aktion T4. Diesem Massenmord fielen über 200.000 Menschen zum Opfer. Wissenschaftler behaupteten vor 1945, jetzt seien radikale Maßnahmen erforderlich, denn ansonsten stehe die Menschheit durch die Vermehrung von genetisch wertlosen Menschen kurz vor ihrem Untergang. Diese Befürchtungen haben sich selbstverständlich nicht bestätigt und nach 1945 war die Eugenik gründlich diskreditiert. Doch sie war ein Vorläufer für die Wissenschaftspaniken unserer Zeit wie den Klima- und den Coronawahn.
Tatsächlich rechtsextrem?
Auf Seite 25 stellt Mittmannsgruber fest: „Wir müssen auf alle Ewigkeit wiedergutmachen, während andere Jahr um Jahr die Abschlachtung der Deutschen im Krieg an ihren Gedenktagen feiern.“ Der wichtigste Feiertag, wo die „Abschlachtung der Deutschen im Krieg“ gefeiert wird, ist gegenwärtig der 8. Mai, also der Sieg über den Faschismus. Ein Hinweis darauf, dass dieser Feiertag wirklich gemeint ist, gibt Seite 151. Hier schreibt Mittmannsgruber, dass die NS-Zeit nicht ausschließlich und zu 100 Prozent nur Kriminelles hervorgebracht hatte. Als positive Ergebnisse nennt sie den 1. Mai als Feiertag und die Erleichterung von Ehescheidungen in Österreich. Wenn die Frage so absolut gestellt wird, ist es natürlich möglich, einige wenige positive Ergebnisse zu finden. Aber das ist überhaupt nicht der Punkt. Der deutsche Faschismus hat in vielfältiger Weise Unheil über das deutsche Volk und andere Völker gebracht. So zum Beispiel 27 Millionen Tote in der Sowjetunion, die Ermordung von 6 Millionen Juden, Millionen Menschen in Konzentrationslager gesperrt, Abschaffung der politischen Demokratie, Zerstörung fast aller deutschen und vieler ausländischer Städte etc. etc.
Deshalb können wir den Völkern der Sowjetunion und der Roten Armee nur dankbar sein, dass sie diesen Alptraum beseitigt haben und die „Mitternacht des 20. Jahrhunderts“ (Victor Serge) einem neuen Morgen gewichen ist.
Jede – auch noch so vorsichtige – Rehabilitierung des deutschen Faschismus verbietet sich selbstverständlich. Wer dies dennoch versucht, setzt sich dem Verdacht aus, rechtsextrem zu sein.
Das bedeutet noch lange nicht, dass die heutigen Deutschen wegen der Verbrechen der Nazizeit leiden müssen. Das Antideutschtum ist ebenfalls zurückzuweisen. Die Ampel hat gezeigt, dass Politiker, die mit Deutschland noch nie etwas anfangen konnten oder denen es egal ist, was ihre Wähler denken, auch keine Skrupel haben, der deutschen Bevölkerung im Namen ihrer Ideologie massiv zu schaden. Ein gewisser positiver Bezug auf Deutschland ist demnach für eine Politik im Interesse der Bevölkerung notwendig.
Aber bedeutet das, dass wir auf Deutschland stolz sein müssten? Das ist schwierig. Das heutige Deutschland ist ein Land der Kapitalisten und Milliardäre, während die einfachen Menschen praktisch nichts mehr zu sagen haben. Die Industrie geht den Bach runter, wahnsinnige Klimamaßnahmen verteuern Energie immer mehr, die Wohnungsnot und Verarmung erreicht neue Höchststände. Sind das Zustände, auf die wir stolz sein können? Doch wohl eher nicht!
Im Unterschied zu vielen Ländern Europas ist in Deutschland jede Revolution gescheitert (1525, 1848, 1918), es hat aber die jeweilige darauf folgende Konterrevolution voll abbekommen. Deshalb gibt es in Deutschland keine allgemein akzeptierte Ursprungserzählung wie die Französische Revolution, die Russische Revolution und sogar den Rütlischwur in der Schweiz.
Dies bedeutet aber wie gesagt nicht, dass es aufgrund der Geschichte gerechtfertigt wäre, eine Politik gegen die Interessen der Bevölkerung zu machen. Positive Identifikationsmerkmale bieten immerhin die deutschen Errungenschaften im Bereich der Kunst und Kultur, der Wissenschaft, der Industrie aber auch die vielfältigen Landschaften.
Kuriositäten
Mittmannsgruber lehnt die CO2-Theorie ab. Aber offenbar um kompensatorisch ihr Umweltbewusstsein zu demonstrieren, schreibt sie ohne jeden Beleg: „Unsere Lebensmittel, unsere Luft, unsere Kosmetik, unsere Kleidung machen uns krank. Überall begegnen wir dem schleichenden Tod und dieser ist industriell verursacht.“ (S. 69) Wenn sie das ernst meinen würde, wäre es ein Frontalangriff auf unsere industrielle Zivilisation, deren Annehmlichkeiten, zum Beispiel in Form von Autos, sie aber nicht missen will. Möglicherweise handelt es sich hierbei auch nur um ein Überbleibsel der Grünideologie.
In einem Kapitel zur Volkstracht zitiert sie zustimmend Thierry Baudet, der eine gegen das Eigene gerichtete Zerstörungswut diagnostiziert. „Dazu zählt auch ein internationaler Stil formloser, modernistischer Gebäude und abstrakter bedeutungsloser Kunst.“ (S. 111)
Dieser Internationale Stil wurde wesentlich im deutschen Bauhaus entwickelt. Also eigentlich ein Grund, um auf Deutschland stolz zu sein, sollte man meinen. Aber von dieser Errungenschaft will Mittmannsgruber nichts wissen. Das Bauhaus wurde ja auch von den Nazis geschlossen.
Wo historische Gebäude noch existieren, zum Beispiel in den mittelalterlichen Städten Rothenburg ob der Tauber und Dinkelsbühl, sollten diese selbstverständlich erhalten werden. Gefällige Neubauten in diesem Stil wären jedoch nur eine falsche Imitation von früheren, längst vergangenen Epochen und entsprechen nicht den heutigen Bedürfnissen. Meiner Meinung nach passen zum Beispiel Skistationen mit einer modernen Architektur wie Flaine und Les Menuires durchaus in die Alpen. Sie entsprachen auf jeden Fall dem optimistischen, aufstrebenden, vorwärtsgewandten Lebensgefühl der 60er und 70er Jahre.
Aber auch hier gilt: Über Geschmack lässt sich nicht streiten!
Was nicht gesagt wurde
Über einige Themen macht Mittmannsgruber auffällig einen Bogen, vermutlich weil sie glaubt, dass diese Themen nicht oder noch nicht populär genug sind.
So lehnt sie auf S. 74 völlig zu recht Windkraftanlagen ab. Aber über die naheliegende Alternative Kernenergie verliert sie kein Wort. Dies wäre zumindest nicht gerechtfertigt, wenn allein die Verhältnisse in Deutschland betrachtet würden. Dort kommt die Kernenergie seit Jahren stabil auf Zustimmungsraten von etwa zwei Drittel der Bevölkerung[3] und die AfD kann mit ihrer Befürwortung stark punkten. Im Österreich mag sich die Situation jedoch anders darstellen.
Auf S. 98 stellt Mittmannsgruber in Zusammenhang mit der Ablehnung einer Zwangsimpfung fest: Über meinen Körper bestimme nur ich. Diese Aussage erinnert sehr stark an die bekannte Parole der Frauenbewegung Mein Bauch gehört mir, wo es um die Legalisierung der Abtreibung ging. Davon findet sich jedoch kein Wort im Buch. Als Rechte lehnt Mittmannsgruber wahrscheinlich die Abtreibung kategorisch ab. Aber sie glaubt wohl, dass sie in der Bevölkerung so populär ist, dass man damit nicht punkten kann.
Auch das Thema Wirtschaft kommt kaum vor. Dies ist verständlich, wenn man die Positionen der Rechten hierzu kennt. So durfte der Marktradikale Markus Krall auf dem AWEF[4] fordern, den Staatsanteil von jetzt etwa 50 auf 10% des BIP abzusenken. Dies würde unter anderem eine totale Demontage des Sozialstaates bedeuten. Populär in der Bevölkerung ist sowas nicht. Dass nicht nur AUF1-Chefredakteur Stefan Magnet, sondern auch Elsa Mittmannsgruber durchaus in diese Richtung tendiert, zeigt ihre Rehabilitierung des Sozialdarwinismus (S. 116).
Fazit
Mittmannsgrubers Buch hilft sehr dabei, das Wirken des österreichischen Senders AUF1 und die dahinterstehende Ideologie besser zu verstehen. Ihr Ausgangspunkt ist Gegnerschaft zur woken Ideologie, die in den letzten Jahren immer verrückter und radikaler wurde. Sie wird deshalb inzwischen von sehr vielen Menschen außerhalb des wohlhabenden linksliberalen Milieus abgelehnt. Also können Bücher, die dagegen polemisieren, wie das von Mittmannsgruber auf große Aufmerksamkeit und Zustimmung hoffen.
Dies ermöglicht es ihr auch, weit darüber hinaus zu gehen, original rechte Ideologeme unterzubringen und in der Bevölkerung zu verbreiten. Dies sind u.a.: Ethnopluralismus, die Rolle der Frau als Hausfrau und Mutter und der Sozialdarwinismus. Bei der Bewertung des deutschen Faschismus geht Mittmannsgruber noch (?) sehr vorsichtig vor und beschränkt sich auf Anspielungen.
Ob das rechtsextrem ist, ist eine Definitionsfrage. Klar aber ist: Mittmannsgruber befürwortet eine hierarchische, von Ungleichheit geprägte Welt. Anzeichen dafür, dass sie diese gewaltsam durchsetzen will, finden sich nicht. Insofern wären selbst ihre grenzwertigen Aussagen im Sinne der von ihr auf S. 16 zitierten österreichischen Definition nicht rechtsextrem.
Was bei ihr so Hip und modern daherkommt, besteht im Kern aus altmodischen, reaktionären, verstaubten Ideologemen, die weit hinter die Aufklärung zurückfallen.
Noch eine Anmerkung: Im Buch sind die Seitenzahlen und der Name der Autorin auf dem Titelbild außerordentlich klein geraten. Versehen oder Absicht?
Elsa Mittmannsgruber: Rechtsextrem? Unkorrekt, aber richtig!, Linz 2024, Pionier Verlag.
[1] Vgl. Sahra Wagenknecht: Die Selbstgerechten, Frankfurt am Main, New York 2021, Kapitel: Solide Liberal, E-Book-Ausgabe
[2] Vgl. Persönliche Einblicke: Was Sie schon immer über Elsa Mittmannsgruber wissen wollten, AUF1, 19.11.2023, im Internet: https://auf1.tv/spielmacher-auf1/persoenliche-einblicke-was-sie-schon-immer-ueber-elsa-mittmannsgruber-wissen-wollten, abgerufen am 12.03.2025
[3] Vgl. Jan Müller: Kernenergie in Deutschland: Träumerei oder realistische Perspektive?, TKP, 02.02.2025, im Internet: https://tkp.at/2025/02/02/kernenergie-in-deutschland-traeumerei-oder-realistische-perspektive/, abgerufen am 11.03.2025.
[4] AWEF = Alternative Western Ethics Formation, Alternativveranstaltung des Senders AUF1 in Prag im Dezember 2024 zum World Economic Forum (WEF) in Davos.
Bild Jan Müller
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Jan Müller, geboren 1971, ist Soziologe und lebt in einer Stadt in Hessen.
Tja, da hat eine Frau in einem Buch ihre Sicht zu diesem und jenem Thema ausgebreitet, sehr zum Mißfallen des Kritikers.
Wie kann sich frau auch für ihre Meinung im ganzen Parteienspektrum einfach so bedienen? Jetzt kann man sie nicht so leicht mit althergebrachten Vorurteilen hier oder dort verorten!
Es wäre mal an der Zeit, sich mit der Tatsache zu versöhnen oder soviel Toleranz aufzubringen, daß jede politische Richtung auch objektiv positive Aspekte vertritt.
Vor allem könnte einem anderen Menschen eine andere als die eigene Meinung zugestanden werden.
Unter einer Buchkritik verstehe ich was anderes, aber was soll‘s.
wenn man die rezension schnell liest, fallen viele positive fakten auf. wo ist das vorurteil irgendwelcher
white old men versteckt? wieso ist die authorin hinter der zeit? weil sie über die nazizeit nicht genug
schreibt?
In den 50er Jahren hat McCarthy ein Diffamierungsprogramm gegen Schwule gefahren. Das war Absicht!
Heute wird das inhaltlich gleiche Programm als Befreiungsprogramm gefeiert – nicht von den Schwulen, sondern von Heteros.
Auf den Regenbogenparaden fahren Pornolabels mit. Als ob Porno zur schwulen Identität gehörte.
Schwule sind Männer, die ein sexuelles und/oder Liebesverhältnis zu Männern aufbauen. Sie sind nicht an Trans oder Drag interessiert.
Auf dem Lifeball gibt es keine als Drags geschminkten Schwulen, die sonst auch so herumlaufen würden. Alles sind bezahlte Statisten des ORF. Es sind Künstler!
Es war richtig, die Homoehe einzuführen. Aber Schwule arbeiten als Lehrer, Verkäufer, Mechaniker, Bauleiter, Richter, Arzt. Die wenigsten arbeiten als Schauspieler oder Dressman. Die meisten Models sind Heteros.
Mit Steuergeldern zwingt die Republik den Schwulen ein Image auf, das mit der Realität nichts zu tun hat und das ganz klar rufschädigend ist!
Wer es nicht verstanden hat: Die AfD-Cefin ist mit einer Frau verheiratet. Der Ex-FDP-Chef war mit einem Mann verheiratet. BZÖ-Urgestein Grosz ist es. Meinen die Gerichte wirklich, dass Lesben und Schwule, wie sie der ORF darstellt, keine Volksverhetzung wären?
Dürfen wir wir von der Bellen auf einer Vagina reitend abbilden, ohne dass dies rufschädigend wäre?
Bitte stellt doch auch den Spendenaufruf von AUF1.TV ein.
https://auf1.tv/
Es ist SO WICHTIG, diesen Sender zu behalten
DANKE
Interessant ist für mich nur die auf dem Umschlag verwendete neue Trennvorschrift des Unwortes!