77 Jahre und kein bisschen leise – wenn es um die Nato geht

14. Februar 2025von 5,4 Minuten Lesezeit

Fred Schumacher, ein ehemaliger Zeitungsredakteur und Unternehmer und heutiger Buchautor und Rentner wagt einen neuen Versuch. Er will mit der Online-Plattform „Raus aus der Nato“ eine Bewegung von unten für den Nato-Austritt Deutschlands ins Leben rufen.

Seit Jahrzehnten gibt es immer wieder Bemühungen, den Nato-Austritt Deutschlands voranzutreiben. Den Krefelder Apell unterstützten in Westdeutschland in den 80er Jahren noch mehrere Millionen Menschen. Die fast ebenso lange andauernden Spaltung der Friedensbewegung führe aber dazu, dass heute kaum mehr gemeinsam Aktionen in Deutschland in dieser Richtung stattfinden.

Dabei besteht auch heute nachgerade Konsens bei allen Friedensbewegten, dass die Nato einer der Hauptverursacher zahlloser Kriege der letzten Jahrzehnte darstellt, sei es durch direkte Einsätze, sei es durch Militarisierung und Finanzierung der kriegsführenden Parteien.

Auf unzähligen Webseiten wird über die Gründe informiert, warum ein Nato-Austritt dringend notwendig ist. Viele Friedensaktivisten verschiedener Couleur engagieren sich dafür, den Strukturen der Nato – und damit der Bedrohung Deutschlands – ein Ende zu setzen. Die jeweiligen Leitfiguren sind aber nicht unumstritten.

Fred Schumacher (geb. 1947), der seit 12 Jahren in Spanien lebt, ist – was die Friedensbewegung angeht – de facto ein unbeschriebenes Blatt, auch wenn er im Westdeutschland der 70er und 80er Jahre politisch sehr engagiert war. Wie viele seiner Generation war er im Bonner Hofgarten mit dabei, im MSB Spartakus aktiv und hat sich dann in der VVN – Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten – stark engagiert, die in dieser Zeit noch eine wirklich antifaschistische Organisation war.

Sein Buch Waffen für die Welt. Rheinmetall und das Geschäft mit dem Krieg“ wurde im Interview mit ihm durch Moritz Enders bereits im September 2024 bei TKP  vorgestellt. Er ist der festen Überzeugung: Will Deutschland nicht untergehen, muss es aus der NATO austreten – sofort.

Durch seine Tätigkeit als Unternehmer hatte er sich viele Jahre aus der Politik zurückgezogen, erhebt aber seit einigen Jahren wieder seine Stimme und will eine Online-Plattform ins Leben rufen, auf der sich Menschen artikulieren können, warum sie für einen Nato-Austritt Deutschlands stehen.

Sein Ziel ist es, den Austritt aus der Nato noch selbst zu erleben. Für die Entwicklung der Online-Plattform benötigt er finanzielle Unterstützung, nachdem sein erster Anlauf diese Webseite online zu stellen, innerhalb kürzester Zeit von Hackern unterbunden worden war.

Warum engagieren Sie sich Herr Schumacher? Wäre es jetzt nicht Zeit, den Ruhestand zu genießen?

Im Gegenteil. Gerade als Rentner habe ich die Möglichkeit etwas zu tun. Es ist ja nicht zu übersehen, wie nahe wir bereits vor einem drohenden Weltkrieg stehen. Gleichzeitig ist die Friedensbewegung in Deutschland faktisch zerstört. Alles ist gespalten, es wird taktiert aber nicht paktiert, nicht gemeinsam gehandelt. Es wird alles aufgespalten.

Ich hoffe auf einen Neuanfang in der Anti-Nato-Bewegung, an dem sich alle beteiligen können. Ohne das Hickhack der verschiedenen Gruppen. Das wird alles nicht einfach – es ist ein harter Kampf, der auf allen Ebenen gefochten werden muss, aber ich will die Chance nutzen und etwas für meine Kinder und Enkel tun.

Und das Ziel der Plattform?

Die Seite „rausausdernato.com“ soll keine Informationsplattform sein, davon gibt es schon viele und sehr gute Seiten im Web. Sie soll den Menschen die Möglichkeit bieten, ihre Stimme aktiv zu erheben, Gesicht zu zeigen, ihre ureigenen Ängste vor und Argumente gegen die Nato zu äußern.

Mit dieser Unterstützer-Webseite wollen wir einen entscheidenden Impuls geben. Es handelt sich um eine Bewegung von unten, welche die politische Landschaft verändern soll – ganz im Sinne von: „Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“ Und je mehr Menschen sich dort äußern, desto deutlicher sollte es der Politik werden, dass dringender Handlungsbedarf besteht.

Sie hatten die Plattform bereits fertiggestellt, aber dann gab es Probleme?

Ja. Erste prominente Unterstützer wie Dr. Daniele Ganser und der Dokumentarfilmer Moritz Enders waren auch schon dabei, als wir die Seite live geschaltet haben. Aber dann wurde es richtig hässlich. Die Details habe ich ausführlich im Gespräch mit Markus Klöckner beim Overton Magazin erläutert.  Kurz gesagt, die Seite wurde acht Stunden, nachdem sie online ging, professionell gehackt, ein Wiederhochfahren unmöglich gemacht, mein Entwickler, der in Indien lebt, wurde telefonisch bedroht.

Sie machen aber trotzdem weiter?

Selbstverständlich! Mit dieser Seite können wir aber einfach nicht weitermachen. Die zugrundeliegende Technologie ist für ihre Sicherheitsrisiken bekannt. Wir müssen das System neu aufbauen ohne eines der weltweit gängigen Systeme – manuell programmiert und von Sicherheitsspezialisten auf Lücken überprüft bevor sie online geht.

Warum arbeiten Sie mit einem indischen Programmierer zusammen?

Das hat zwei Gründe. Zum einen habe ich selbst zwei Jahre in Indien gelebt, es ist ein früherer Mitarbeiter von mir, der bereit ist, meine zentrale Forderung „Deutschland raus aus der Nato!“ zu unterstützen. Zum anderen sind die Kosten für die Individual-Entwicklung in Indien deutlich niedriger als in Deutschland.

Ihr Spendenziel ist mit 6.500 Euro wirklich nicht gering für eine Seite dieses Umfanges.

Die erste Seite habe ich selbst finanziert, aber die Kosten für die neue Seite sind aufgrund der Individualprogrammierung deutlich höher. Ein Angebot eines deutschen Spezialisten betrug nur für die Programmierung 10.000 Euro. Und es geht ja nicht nur um die Programmierung der Seite. Wir benötigen auch Geld für das Monitoring, den Hacker, der die Seite auf Herz und Nieren prüft, die laufenden Sicherheitsmaßnahmen und Marketing-Aktivitäten, um die Seite bekannt zu machen. Erste Maßnahmen – z.B. Social Media Werbung bei Facebook – sind bereits eingerechnet.

Wenn mehr Geld als benötigt zusammenkommt, möchte ich auch – wie früher in den 70er und 80er Jahren wieder mit Kulturschaffenden zusammenarbeiten, die ein derartiges Thema in die Breite tragen können. Auch über die Webseite könnte man für kritische Kulturprojekte Spenden auftreiben. Aber jetzt muss die Seite erst mal neu erarbeitet werden.

Wie kann man Sie unterstützen?

Natürlich durch Spenden – ganz klar. Auf Startnext kann man für ein paar Tage noch spenden. Ich freue mich aber auch über mediale Unterstützung, die aktive Verbreitung der Seite und möglichst viele aktive Unterzeichner, sobald sie wieder online geht.

Dann hoffe ich, dass sich durch unser Gespräch noch der eine oder andere Unterstützer findet.

Bildquelle startnext.com

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Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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