Warum Rumänien für die NATO so wichtig ist

7. Dezember 2024von 2,9 Minuten Lesezeit

Die größte Militärstadt Europas errichtet die NATO gerade in Rumänien, nahe an der Grenze zur Ukraine und unweit vom Schwarzen Meer. Der Stützpunkt soll die NATO-Infrastruktur wesentlich verändern. 

Rumänien, die Südostflanke der NATO mit Zugang zum Schwarzen Meer, ist für die NATO von besonderer strategischer Bedeutung. Und man hat massiv investiert: Aktuell wird dort der größte NATO-Stützpunkt Europas gebaut. Mit einem Präsidenten, der von der bedingungslosen Westanbindung abweicht, wäre dieses Projekt gefährdet.

Militärstadt am Schwarzen Meer

100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt und direkt am Schwarzen Meer baut man am Regionalflughafen in Constanta den größten NATO-Stützpunkt aller Zeiten. 10.000 Soldaten will man hier bald stationieren – Streitkräfte für Boden, Luft und See. Die Arbeiten haben im März 2024 begonnen.

Der deutsche Mainstream berichtete im Sommer über das Projekt, als noch niemand dachte, dass Rumänien, das seit dem NATO-Betritt 2004 ein politisch stabiler und sicherere Hafen für die USA gewesen ist, plötzlich von NATO-Kritikern übernommen werden könnte:

Die NATO will im Osten Rumäniens die Ostflanke des Verteidigungsbündnisses stärken. Der Standort ist strategisch wichtig – nah gelegen an der Ukraine und nur gut 15 Kilometer entfernt vom Schwarzen Meer, das Russland für sich beansprucht. Jahrelang hat die NATO die Region eher vernachlässigt, doch seit der russischen Annexion der Krim wird sie aufgerüstet. Seit der vollständigen Invasion der Ukraine ist sie so wichtig wie nie.

Der Flughafen in der Nähe der Stadt Constanța hat bereits einen militärischen Teil, der von den rumänischen Luftstreitkräften und ihren NATO-Verbündeten genutzt wird. In den nächsten 20 Jahren wird „Mihail Kogălniceanu“ aber deutlich vergrößert und modernisiert. Geplant ist, den Stützpunkt auf 3000 Hektar auszubauen, das ist etwa zehnmal größer als das Tempelhofer Feld in Berlin und stellt sogar die große Ramstein-Basis in Rheinland-Pfalz in den Schatten.

Das Projekt kostet der NATO 2,5 Milliarden Euro, 20 Jahre soll der Ausbau dauern. Eine eigene Militärstadt, eine NATO-Stadt, soll „im Prinzip“ gebaut werden: Schulen, Kindergärten, Geschäfte, Krankenhaus. Auch die Familien der Soldaten sollen hier leben. Technisch sind Lande- und Startbahnen, Rollfelder und Hangars für Kriegsmaterial geplant. Dazu kommen Munitionslager, Treibstoffdepots und Lagerplätze für Technik.

Balkan Insights berichtete zu Beginn des Projekts:

„Der neue Stützpunkt wird Rumänien eine größere Rolle in der Sicherheitsarchitektur der NATO und eine stärkere Position im Schwarzen Meer verschaffen, das militärisch von Russland dominiert wird.“

Wie wichtig Rumänien für die NATO geworden ist, zeigt ein Blick auf das „Steadfast Defender 2024“ Manöver des Militärbündnisses. Ein wesentlicher Teil der Übung, auch unter Führung Deutschland, war die Verlegung von kampfbereiten Truppen nach Rumänien. Dazu kommt, dass mit dem Nachbarland Moldau ein kleines und noch neutrales Land zwischen NATO und der Ukraine angesiedelt ist. Immer wieder wurden die Spannungen in Moldau und Transnistrien größer. Die politische Führung Moldaus will eine EU/NATO-Anbindung. Die Opposition nicht.

Ein radikales Ausscheren Rumäniens aus dem NATO-Kurs  – und ein solches hatte Calin Georgescu angekündigt, bevor die Wahl aufgehoben worden war – kann man sich in Washington wohl kaum leisten.

Bild „US 2nd Cavalry Regiment perform a mounted march through Romania.“ by NATO is licensed under CC BY-NC-ND 2.0.

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5 Kommentare

  1. cwsuisse 10. Dezember 2024 um 22:06 Uhr - Antworten

    Die EU-Kommission in Brüssel zerstört Europa gesellschaftlich und wirtschaftlich.

  2. Der Zivilist 10. Dezember 2024 um 4:29 Uhr - Antworten

    Fuellmich sprach 2022 mit Georgescu :

    https://icic.law/2022/12/30/oligarchen-besitzen-die-u-n-oligarchs-own-the-u-n/
     
    Die Oligarchen können doch auch nicht NEIN sagen, das sind doch auch nur Sklaven, Sklaven der greed, übersetzen wir’s mal mit Habgier. (Geld allein macht nicht unglücklich) Und die wird ja nach wie vor an den Unis gelehrt, das heißt dann BWL oder Ökonomie.

    Naja, was die UN betrifft liest man besser bei Zoche Jr.  WELT MACHT GELD   nach

    Ich erlaube mir, Bretton Woods den Übergang vom Territorialkolonialismus zum Finanzkolonialismus zu nennen und die heute verwirklichte Weltordnung ist doch Churchill’s Traum, die Ausübung der Weltherrschaft von US & UK gemeinsam, notiert 1900 von Mark Twain.

    https://ia800206.us.archive.org/32/items/anti-imperialist_twain_1210_librivox/antiimperialistwritings_03_twain.mp3

  3. triple-delta 7. Dezember 2024 um 17:53 Uhr - Antworten

    Wird Zeit, dass die Völker Osteuropas sich an Afrika, Asien und Südamerika ein Beispiel nehmen und gegen ihre Kolonisation aufstehen. Bis auf eine kleine Oberschicht hat in diesen Ländern niemand von der Integration in die EU profitiert. Man diente als Reservoir für billige Arbeitskräfte.

    • Der Zivilist 10. Dezember 2024 um 4:30 Uhr - Antworten

      Und was ist mit den anderen Völkern des fernen Westens Eurasiens ?

  4. Fritz Madersbacher 7. Dezember 2024 um 12:57 Uhr - Antworten

    „Ein radikales Ausscheren Rumäniens aus dem NATO-Kurs … kann man sich in Washington wohl kaum leisten“

    Viele Rumänen – und nicht nur sie – sehen jetzt, wohin der westliche Kurs nach dem Putsch gegen das blockfreie Land geführt hat: in eine EU- und NATO-Kolonie, die als Frontstaat und Lieferant von Kanonenfutter zu dienen hat. Aber das kommt eben nicht „plötzlich und unerwartet“, sondern ist das Ergebnis langjähriger Vor- und Wühlarbeit.
    Ebensowenig „plötzlich und unerwartet“ wurde und wird der Widerstand dagegen stärker und für die Ambitionen der westlichen Kriegstreiber bedrohlich gefährlich. Die verbissenen Anstrengungen zur Verewigung ihrer Hegemonie stossen in allen Teilen der Welt an ihre Grenzen und werden immer fraglicher und anfälliger für ihr Scheitern …

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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