OMV-Krise: „Österreichischer Gas-Hub Geschichte“

18. November 2024von 2,4 Minuten Lesezeit

Eine „hausgemachte Krise“, erlebe Österreich, die sich durch das Ende der russischen Gaslieferungen nun weiter verschärfen werde. Das sagt Karin Kneissl zur aktuellen OMV-Krise. 

Die ehemalige österreichische Außenministerin Karin Kneissl gilt als Expertin für Energiepolitik. In Österreich wird sie aber bekanntlich nicht mehr gern gesehen, sie lebt mittlerweile in Russland. Umso interessanter ist ihre kurze Stellungnahme zum Konflikt zwischen der OMV und Gazprom. Dieser führte dazu, dass Österreich kein Gas mehr direkt von der Gazprom bekommt. Kneissl veröffentlichte eine kurze Einschätzung dazu am Samstag auf ihrem Telegram-Kanal.

Hier der Text, der zuerst auf Englisch erschienen ist (Hervorhebungen TKP):

Am Abend nach unserem Seminar wurde ich von RT German und RT International eingeladen, um die möglichen Folgen der Entscheidung der österreichischen OMV zu diskutieren, die Zahlungen an Gazprom als Reaktion auf eine Gerichtsentscheidung zugunsten der OMV einzustellen. Es geht um die Preiserhöhungen, die die Industrie, Haushalte und kleine Unternehmen in Gastronomie und Tourismus bereits hart getroffen haben. Sie können sich ihre Stromrechnungen nicht mehr leisten. Darüber hinaus haben österreichische Beamte es versäumt, Gaslieferverträge über den türkischen Gas-Hub zu reservieren, der russisches Erdgas beispielsweise nach Ungarn liefert.

Angesichts des Transitstopps für russisches Gas über die Ukraine zum 31. Dezember wird dieses fehlende Gasvolumen das eigentliche Problem darstellen. Und zur Erinnerung: Österreich hat 2024 mehr russisches Erdgas gekauft als vor 2022. Der Transport von LNG-Gas über Deutschland oder Kroatien wird die Transportkosten für das Binnenland ohne Seeterminals erhöhen. Der österreichische Gas-Hub ist Geschichte. Er wurde 1968 auf dem Höhepunkt des Prager Frühlings gegründet, als die Rote Armee die Unruhen in der Tschechoslowakei niederschlug. Damals hatten OMV und die österreichische Regierung weniger Bedenken hinsichtlich der Gaskäufe aus der Sowjetunion, die ihre Verträge stets einhielt.

2002 startete OMV das Nabucco-Projekt, bei dem es darum ging, russisches Gas zu umgehen. Dieses Projekt wurde von Brüssel stark unterstützt. Aber das von OMV geführte Konsortium konnte nie einen Gasliefervertrag abschließen. Aus diesem Managementdesaster hätte man Lehren ziehen sollen – Und es war bereits vor etwa 20 Jahren klar, dass in der EU der politische Wille bestand, russisches Gas abzulehnen. Es war sicherlich nicht Russland, das „den Energiemarkt als Waffe benutzte“. Aber derzeit ist von Brüssel bis Wien wieder simple Propaganda in vollem Gange. Energiepolitik sollte rational und nicht emotional betrieben werden – zum Wohle derjenigen, die versuchen, ihre Rechnungen und Steuern zu bezahlen. Leider werden sie im Regen stehen gelassen.

Einige Stunden später ergänze Kneissl noch:

„Österreichische mittlere und kleine Unternehmen gehen fast wöchentlich in Konkurs. Es ist eine hausgemachte Krise.“

Bild „05 OMV gas station prices in Austria – gas prices in Europe 2012“ by Marek Ślusarczyk (Tupungato) Photo portfolio is licensed under CC BY 3.0.

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5 Kommentare

  1. Jan 18. November 2024 um 11:06 Uhr - Antworten

    Es gibt zwei Bestrebungen:

    Der Öl/Gasmarkt dreht sich in einen Anbietermarkt, die Folge ist eine Machtverschiebung hin zu den vor allem islamischen Ressourcenländern. Dazu wird man in Nahost neue Tatsachen schaffen. Hauptkonkurrent ist der asiatische Tiger.

    Es besteht die Ansicht, dass höhere Energiepreise eine Transformation zu Wind und Solar ermöglichen. Dies ist in der Ökonomie umstritten, aber nicht bei den Regierungsberatern. Man meint, kreative Zerstörung würde zu einer resilienteren Wirtschaft führen.

    Grundsätzlich führt eine Verteuerung von Energie zu einer Verteuerung von Lebensmitteln und zu einem Sinken von Lebensstandard und damit zu einer Abnahme politischer Legitimität – in den USA sieht man das sehr schön. In Europa hebelt man dieses Prinzip durch die WHO-Verträge aus, in deren Folge Nationalrat und Wahlen keine Rolle mehr spielen werden. Die Österreicher wünschen das ja so. Alternativ hätte man das Kriegsrecht.

    • Varus 18. November 2024 um 11:36 Uhr - Antworten

      Es besteht die Ansicht, dass höhere Energiepreise eine Transformation zu Wind und Solar ermöglichen.

      Wenn die Energie teurer wird, können sich die Sonne und der Wind keine Pausen mehr leisten?

      OMV stoppte die Zahlungen mit Verweis auf zugesprochene „Entschädigung“ für irgendwas – wofür genau? Das erklären die bisher gelesenen Artikel nicht so gut.

    • Ogmios 18. November 2024 um 13:29 Uhr - Antworten

      Also Jan hat einmal wieder „gesprochen“.

      Nur weil ein paar wenige Spinner, die der Meinung sind, sich über alles und jeden hinwegzusetzen, etwas entscheiden, heißt das noch LANGE nicht, dass sich „die Österreicher“ dies auch so wünschen!
      Dass damit nun auch die Wirtschaft in Österreich damit endgültig zu Grabe getragen wird, muss jedem klar sein, der 1 + 1 = 2 ausrechnen kann.

      In Molln wurde ein riesiges Öl- und Gasvorkommen entdeckt, mit den Vorkommen im Marchfeld wäre man in Österreich nahezu autark, für die nächsten 30 bis 40 Jahre, vermutlich sogar länger. Aber dazu müsste man ja das „pöse“ Fracking betreiben, welches dank ÖSTERREICHISCHER Entwicklungen gar nicht so „pöse“ ist.

      So geht auch in Österreich eine über Jahrhunderte andauernde großartiger Ära an Ingenieurskunst zu Ende. Ich frage mich nur, wann werden es die Leute endlich lernen?

  2. Dorothea 18. November 2024 um 10:51 Uhr - Antworten

    Es gibt fast keine österreichischen Händler mehr. Tedi und Co, damit man sich mit immer weniger Geld, wenigstens das Nötigste kaufen kann. Und das ist seit Jahren der Plan.
    Statt österreichische Bäcker und Gasthäuser gibt es Kebap Standler oder Geschäfte mit China Nudeln. Alle ehemals grosse Einkaufsstraßen in Wien zieren das Stadtbild mit aufgelassenen Geschäftslokalen.

  3. 1150 18. November 2024 um 10:46 Uhr - Antworten

    die gleichen handlanger, marionetten und quislinge wie in deutschland

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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