Kämpft Nordkorea in der Ukraine?

16. Oktober 2024von 3,2 Minuten Lesezeit

Kämpfen nordkoreanische Soldaten bereits an der Seite für Russland in der Ukraine? Es stehen Behauptung gegen Behauptung. 

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies letzte Woche eine südkoreanische Behauptung zurück, wonach nordkoreanische Truppen in die sogenannte „Sondereinsatzzone“ geschickt worden seien, um gegen die Ukraine zu kämpfen. Dennoch verbreitete Selenski den Bericht am Wochenende weiter, woraufhin er von den Mainstream-Medien wie CNN maximal verbreitet wurde. Auch einige prominente Köpfe der alternativen Medien schenkten dieser Geschichte Glaubwürdigkeit. Ukrainische Medien behaupteten kurz darauf, dass 18 dieser nordkoreanischen Soldaten in der Nähe der internationalen Grenze verschwunden seien.

Diese Berichte fallen mit drei Entwicklungen zusammen:

  1. Deutschland, der zweitgrößte Geldgeber der Ukraine, hat gerade als letztes Land nach Polen seine militärische Unterstützung maximal reduziert;
  2. Russland bereitet sich darauf vor, im Sommer das aktualisierte strategische Partnerschaftsabkommen mit Nordkorea zu ratifizieren, in dem die gegenseitigen Verteidigungsverpflichtungen bekräftigt werden;
  3. Die Spannungen zwischen Nordkorea und Südkorea haben sich erneut verschärft. Die Relevanz der einzelnen Entwicklungen für diese jüngsten Berichte soll nun erläutert werden.

Was die erste Entwicklung betrifft, so wird Russlands Vorsprung im „Wettlauf der Logistik“/„Zermürbungskrieg“ nur noch weiter wachsen, wenn die westlichen Länder nicht auf ihre verbleibenden Vorräte zurückgreifen, die sie zur Deckung ihrer minimalen nationalen Sicherheitsbedürfnisse aufbewahrt haben, um den Rückstand verzweifelt zu verringern. Die jüngsten Nachrichten könnten daher erfunden worden sein, um sie unter dem falschen Vorwand unter Druck zu setzen, dass Nordkorea direkt in den Konflikt eingreift, so dass es jetzt mehr denn je um „Demokratien gegen Diktaturen“ geht.

Was den zweiten Punkt betrifft, so verleiht die bevorstehende Ratifizierung des aktualisierten Abkommens zwischen Russland und Nordkorea diesen Berichten einen Anschein von Glaubwürdigkeit, da sie Beobachter zu der Annahme veranlasst, dass das Abkommen bereits heimlich in Kraft getreten sein könnte, bevor diese rechtliche Formalität abgeschlossen war. Die fortgesetzte Besetzung von Teilen der russischen Kursk-Region durch die Ukraine könnte dem Aspekt der gegenseitigen Verteidigung im Pakt eine erhöhte Dringlichkeit verliehen haben, was erklärt, warum einige Alt-Media-Konten ebenfalls auf diese offensichtliche Lüge hereingefallen sind.

Und schließlich provozierte Südkorea die jüngsten Spannungen mit Nordkorea, indem es zwischen dem 3. und 11. Oktober mehrmals Propagandadrohnen über Pjöngjang fliegen ließ, was im Nachhinein betrachtet dazu dienen könnte, den nachfolgenden Berichten über nordkoreanische Truppen, die gegen die Ukraine kämpfen, eine weitere Ebene der Intrige hinzuzufügen. Dieser künstlich hergestellte Kontext könnte dementsprechend bei einigen den Eindruck erwecken, dass Russland und Nordkorea „gemeinsam die regelbasierte Ordnung herausfordern“, was die beiden vorgenannten Ziele erleichtern könnte.

In Anbetracht dieser drei Punkte sieht es zwingend danach aus, dass es sich bei den jüngsten Berichten um Fake News handelt. Sollte sich jedoch herausstellen, dass sie der Wahrheit entsprechen, dann wäre der Zweck dieses Einsatzes, Russlands Militärlogistik zu stärken, einige seiner verlorenen Kräfte aufzufüllen, Lücken in der Grenze zu schließen und/oder einen Durchbruch vorzubereiten, falls sich die Gelegenheit bietet, z. B. wenn Pokrowsk eingenommen wird. Die Wahrheit wird letztendlich ans Licht kommen, aber im Moment ist es das Beste für die Altmedien, skeptisch zu sein.

Bild „0940 – Nordkorea 2015 – Pjöngjang – Parade zum 75. JT der Arbeiterpartei (22976923725)“ by Uwe Brodrecht is licensed under CC BY-SA 2.0.

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.


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7 Kommentare

  1. R.Fongern 16. Oktober 2024 um 18:53 Uhr - Antworten

    Warum sollte Nordkorea nicht für und mit Russland kämpfen?. Deutschland kämpft doch auch für die Ukraine gegen Russland.Kampf heisst nicht“ Mann gegen Mann,“sondern Deutschland liefert Waffen und Geld in unbegrenzter Höhe und ist damit voll in die Kriegshandlungen gegen Russland involviert.

  2. Jan 16. Oktober 2024 um 15:46 Uhr - Antworten

    In Nordkorea gibt es keine Grundrechte, weil Kim Yong-Un es nicht will, in Österreich waren die Grundrechte ohne Notlage (laut RKI-Files) weg, weil es Hanni und Rendi so wollten. Ich erkenne noch einen graduellen Unterschied, aber keinen grundsätzlichen. Wo bleibt der Rechtsschutz, wo die Abwehrrechte gegen den Staat? Warum haben die Institutionen bei der Zulassung versagt und dürfen weiter tun?

    • triple-delta 16. Oktober 2024 um 16:47 Uhr - Antworten

      Wann waren Sie das letzte Mal in der DVRK?

      • Fritz Madersbacher 16. Oktober 2024 um 19:05 Uhr

        @triple-delta
        16. Oktober 2024 um 16:47 Uhr
        Gestern, mit dem ORF, oder mit dem „Standard“, oder mit der „Kronenzeitung“, oder mit einem anderen Prachtexemplar unserer bekannt wahrheitsliebenden Qualitätsmedien?
        Über Nordkorea wissen wir alle bestens Bescheid, wir werden ja seit Jahrzehnten genaustens darüber informiert, meistens aus südkoreanischen oder US-amerikanischen Quellen, eingeschleust in die Handvoll gleichgeschalteter westlicher Agenturen. Die Dementi der offensichtlichen Falschmeldungen Tage, Wochen und Monate später fallen leider unter den Tisch, bleiben uns somit vorenthalten, damit unsere Weltbild diesbezüglich keine Schrammen abbekommt. Auf „Antiwar.com“ kann man sie allerdings häufig nachlesen …

      • Jan 17. Oktober 2024 um 8:28 Uhr

        Das war keine Liebeserklärung an Nordkorea, sondern eine Kritik an zuwenig rechtsstaatlichen Verhältnissen.

  3. Varus 16. Oktober 2024 um 13:58 Uhr - Antworten

    Der Rutube-Blogger Sanya Po Floridie hat gestern das Thema angesprochen – er meinte, ein paar Freiwillige aus Nordkorea gibt es schon. Auf der anderen Seite gibt es Tausende Söldner aus Polen, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA und sogar Kolumbien – der Westen sollte also beim Thema schön still bleiben. Wem es im Westen nicht passt, mag sich bei Kim beschweren.

    • Daisy 16. Oktober 2024 um 17:03 Uhr - Antworten

      Das seh ich ganz genau so. Sich darüber aufzupudeln, ist eine Frechheit.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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