Antidepressiva lähmen mehr als Depressionen und haben weitere schädliche Nebenwirkungen

16. August 2024von 5,9 Minuten Lesezeit

Die Leitlinien-Medizin ist rasch bei der Verschreibung von Medikamenten, die aber meist nicht mehr machen als Symptome zu unterdrücken und die Ursache nicht angehen. Dazu kommen häufig Nebenwirkungen, die dann weit mehr beeinträchtigend und schädlich sind als das bekämpfte Symptom. Besonders übel ist das bei den als Depression bezeichneten Symptomen.

Eine dieser Nebenwirkungen ist Asexulaität vor allem bei Mädchen und Frauen. SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) sind eine gängige Klasse von Antidepressiva, die zur Behandlung von Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Problemen eingesetzt werden. Beliebte SSRIs sind Fluoxetin (Prozac), Escitalopram (Lexapro) und Sertralin (Zoloft). Es ist allgemein bekannt, dass diese Medikamente sexuelle Nebenwirkungen haben. Man geht sogar davon aus, dass zwischen 40 und 65 % der Menschen, die einen SSRI einnehmen, in irgendeiner Form unter sexuellen Funktionsstörungen leiden. Was jedoch nur wenige wissen, ist, dass diese Nebenwirkungen auch nach dem Absetzen der Medikamente bestehen bleiben können – ein Zustand, der als Post-SSRI Sexual Dysfunction (PSSD) bezeichnet wird, wie hier beschrieben.

Dabei handelt es sich um mehr als nur eine geringe Libido. Es kann zu einem völligen Verlust der Libido, Taubheit im Genitalbereich, Erektionsstörungen, Orgasmusunfähigkeit und einem völligen Fehlen sexueller Anziehung kommen. Auch eine emotionale Abstumpfung ist häufig, wobei die Betroffenen eine Abstumpfung positiver Emotionen, keine romantischen Gefühle und Schwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme mit anderen beschreiben. PSSD kann sofort auftreten – nach nur wenigen Pillen – und über Jahre, Jahrzehnte oder sogar dauerhaft anhalten. Eine Behandlung gibt es nicht.

Obwohl PSSD seit den 90er Jahren in den Krankenakten verzeichnet ist, werden die Patienten nur selten vor dem Risiko gewarnt. Das Risiko wird auf 1 zu 216 geschätzt. Warum wird nicht gewarnt? Denn es ist im Interesse derer, die die Bevölkerung reduzieren wollen, wie es Malthus und der Club of Rome empfohlen haben. Die Anhänger davon sind meist in den Reihen der Eliten und Milliardäre zu finden. Wie es in den USA unter anderem umgesetzt wird, ist hier nachzulesen.

Denkt man an die steigende Zahl von SSRI-Verschreibungen unter der Generation Z, so ist der Plan offenbar recht gut unterwegs in der Umsetzung. Im Vereinigten Königreich werden jedem dritten Teenager zwischen 12 und 18 Jahren Antidepressiva verschrieben. Allein im Jahr 2022 stieg die Zahl der Kinder im Alter von 13 bis 19 Jahren, die Antidepressiva einnehmen, um 6.000 auf 173.000. Das sind Kinder, die Medikamente einnehmen, von denen bekannt ist, dass sie sexuelle Funktionsstörungen verursachen – Medikamente, von denen das Royal College of Psychiatrists zugibt, dass sie bereits in der Pubertät zur Kastration von Sexualstraftätern eingesetzt werden.

Antidepressiva lähmen

Über andere Auswirkungen schreibt Dr. Roger McFillin in seiner X-Timeline sehr häufig. Hier ein Beispiel:

Er beschreibt, dass heute diese wirksamen Medikamente für eine alarmierende Vielzahl von Symptomen verschrieben werden, für die sie nie gedacht waren: Magen-Darm-Probleme, Fibromyalgie, Trauer, chronische Schmerzen und Essstörungen, um nur einige zu nennen. Diese Verschreibungsepidemie beruht nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auf einem gefährlichen Mythos – der Verlockung einer schnellen Lösung für die komplexen Probleme des Lebens. Die Ärzteschaft und die psychosozialen Gemeinschaften, die scheinbar durch das Versprechen einer „antidepressiven“ Wirkung hypnotisiert sind, haben sich unwissentlich an einem großen Experiment mit der menschlichen Neurochemie beteiligt.

Diesem Phänomen liegt ein beunruhigendes Paradox zugrunde: Der Mechanismus, der diesen Medikamenten das Etikett „Antidepressivum“ verleiht – die emotionale Abstumpfung – schadet mehr als er nützt. Indem sie unsere Fähigkeit, Gefühle zu empfinden, dämpfen, bieten diese „Medikamente“ einen faustischen Handel: potenzielle kurzfristige Erleichterung des Leidens auf Kosten der gesamten Bandbreite menschlicher Erfahrungen.

Für diejenigen, die mit schweren klinischen Depressionen zu kämpfen haben, mag der Kompromiss der emotionalen Abstumpfung ein notwendiges Übel sein. Doch paradoxerweise haben diese Menschen oft am stärksten mit der Leere zu kämpfen, die durch Antidepressiva noch verschlimmert werden kann. Noch beunruhigender ist, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen, die in das sich ausweitende Netz der Antidepressiva-Verschreibungen geraten, nicht mit solch schweren depressiven Episoden zu kämpfen hat. Für sie war die Möglichkeit einer dauerhaften emotionalen Abstumpfung nie eine Überlegung, geschweige denn ein Risiko, das sie wissentlich in Kauf nahmen.

Das medizinische Establishment hat in seiner Eile, die Symptome zum Schweigen zu bringen, eine grundlegende Wahrheit vergessen: Schmerz, in all seinen Formen, ist nicht nur eine Unannehmlichkeit, die es zu beseitigen gilt. Er ist ein lebenswichtiges Signal, ein Aufruf zum Handeln, ein Katalysator für Wachstum und Veränderung. Indem wir dieses Signal wahllos dämpfen, behandeln wir nicht nur Depressionen – wir setzen das Wesentliche aufs Spiel, das uns zu Menschen macht.

Doch die Folgen dieser chemischen Verflachung gehen weit über persönliches Unbehagen hinaus. Jüngste Forschungen haben eine erschreckende Wahrheit ans Licht gebracht: SSRIs vermindern die affektive Empathie, unsere Fähigkeit, mit den Erfahrungen anderer emotional mitzufühlen. Neuroimaging zeigt eine Verringerung der Aktivität in drei wichtigen Hirnregionen, die mit Empathie für Schmerzen in Verbindung gebracht werden. In unserem Versuch, uns vor Leiden zu schützen, haben wir eine Generation von emotionalen Zombies geschaffen, die nicht in der Lage sind, sich wirklich in die Freuden und Sorgen ihrer Mitmenschen einzufühlen.

Die Folgen gehen weit über das Individuum hinaus. Eine Bevölkerung, die nicht in der Lage ist, tiefe emotionale Resonanz zu empfinden, ist reif für Manipulation, Apathie und moralischen Verfall. Absicht?

Wie können wir von den Menschen erwarten, dass sie gegen Ungerechtigkeit kämpfen, sich für die Unterdrückten einsetzen, sich für das Allgemeinwohl aufopfern, wenn sie nicht mehr die brennende Empörung oder das überwältigende Mitgefühl spüren, die solche Handlungen antreiben?

Wir wissen längst, dass Bewegung das beste Mittel gegen Depression ist. Aber welcher Arzt sagt das noch seinen Patienten.

Auch McFillin geht auf die Post-SSRI Sexual Dysfunction (PSSD) ein. Die Zahlen sind erschütternd: Bis zu 73 % der Patienten, die mit diesen Antidepressiva behandelt werden, berichten von einer oder mehreren dieser das Schlafzimmer vernichtenden Auswirkungen. Das ist keine Nebenwirkung, er bezeichnet es als regelrechten Angriff auf die menschliche Sexualität.

McFillin empfiehlt jedem, das PSSD-Netzwerk zu besuchen, um mehr über diese lähmende Krankheit zu erfahren.

Bild von Elisa auf Pixabay

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11 Kommentare

  1. Jurgen 18. August 2024 um 18:29 Uhr - Antworten

    Jetzt schafft man schon künstliche Autisten per Antidepressiva, damit ja niemand Neuanfang wagt!

    • Jurgen 18. August 2024 um 18:30 Uhr - Antworten

      Bei Depressionen liegt oft der Grund im Dickdarm! Das ist leider bei den meisten Ärzten kein Allgemeinwissen!

    • Gast 20. August 2024 um 15:25 Uhr - Antworten

      Das ist ein Vorurteil, dass Autisten keine affektive Empathie haben, ihnen mangelt es an kognitiver Empathie, aber bei der affektiven Empathie, die die SSRIs vermindern, haben Untersuchungen gezeigt, dass sich Autisten nicht von Nichtautisten unterscheiden – kann man googeln. Was allgemein die Fähigkeit zu fühlen anbelangt, kann es sogar sein (oder ist vielleicht auch so), dass Autisten mehr fühlen als Nichtautisten.

  2. Salo 17. August 2024 um 9:47 Uhr - Antworten

    Sehr interessantes Buch dazu: Allen Frances, „Normal. Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen“. Frances beschreibt auch den Medikamentenmissbrauch. Dass Antidepressive bei Jugendlichen wirken, ist wissenschaftlich umstritten. Allerdings sollte man Antidepressiva nicht grundsätzlich ablehnen. In Fällen sehr schwerer depressiver Erkrankungen (Major Depression) sind Antidepressiva zur Unterbrechung des depressiven Teufelskreises nützlich und hilfreich. Nur sollten sie nicht dauerhaft eingenommen werden. Depressionen (wie fast alle psychischen Probleme) sind nicht allein linear-kausal begründbar (wie bekämpfen wir die Ursachen), sondern auch (und zum Teil überwiegend) über Erwartungen. „Meine Stimmung ist im Keller, sie wird auch morgen im Keller sein“. Die „Ursache“ liegt also oft in der Zukunft.

  3. Martin Lan 16. August 2024 um 22:18 Uhr - Antworten

    Auch eine sogenannte medikamentös induzierten Demenz kann entstehen, war bei meiner Mutter so bis ein Arzt ihr im Zuge einer Operation die Mittel abgesetzt hat. Danach war sie nicht wiederzuerkennen,die Lebensfreude kam zurück und alltägliche Dinge waren wieder möglich .

  4. Kinesiologie Köhn Potsdam 16. August 2024 um 17:38 Uhr - Antworten

    Auch Schmerzmittel wie z.B. Oxycodon und Verwandte hemmen mehr als nur die Schmerzen. Z.B. wird das Immunsystem beeinträchtigt. Wer Oxycodon über einen längeren Zeitraum nimmt wird häufiger krank. Dies ist eine Erfahrung aus der Begleitung von Krebspatienten. Wurde das Mittel abgesetzt / fertig ausgeschlichen, erholte sich das Immunsystem wieder.

  5. Fritz Madersbacher 16. August 2024 um 17:29 Uhr - Antworten

    „Die Folgen gehen weit über das Individuum hinaus. Eine Bevölkerung, die nicht in der Lage ist, tiefe emotionale Resonanz zu empfinden, ist reif für Manipulation, Apathie und moralischen Verfall. Absicht?“

    Wohl kaum. Sondern Ergebnis deprimierender ökonomischer und gesellschaftlicher Zustände, die propagandistisch zu einer „Wohlstandsgesellschaft“ umgeleugnet wurden und den Wucherungen der verschiedenen Kapitalskomplexe zu Diensten waren. Nach Jahrzehnten Kapitalsherrschaft breitet sich vor unseren Augen eine Gesellschaft mit überhandnehmenden Problemen aus, soweit das Auge reicht. Vor den kommenden Wahlen werden diese Probleme aus kleinkariertester Schrebergartenparteipolitik den jeweils anderen Parteien angelastet. Aber diese infantilen Sichtweisen sind blind für die eigentlichen Ursachen und daher außerstande, auch nur die winzigsten Details dieser Misere zu ändern, die auf der Gülle der Profitwirtschaft gewachsen sind. Bei den nächsten Wahlen wird sich dieses unwürdige Schauspiel auf noch abstoßenderer Basis wiederholen …

  6. Jan 16. August 2024 um 16:46 Uhr - Antworten

    Varna Chandreswaran hat gerade im Interview mit Jasmin Kosubek gesagt, was Wokeness tut, sei im Grunde das Gegenteil von kognitiver Verhaltenstherapie.

    In der Verhaltenstherapie sage man, hey, stell dich deinen Ängsten!

    Im Wokeness sagt man, bau dir dein Safer Space und macht ne Triggerwarnung und vermeide all das.

    Kognitive Verhaltenstherapie sagt, hinterfrag deine Gedanken!

    Wokeness sagt, vertrau deinen Gefühlen, man muss Betroffenen glauben.

    Kognitive Verhaltenstherapie sagt, übernimm Verantwortung und versuch selber etwas zu ändern und Wokeness sagt, Schuld sind die anderen.

  7. Gabriele 16. August 2024 um 14:13 Uhr - Antworten

    Sie entfalten häufig auch paradoxe Wirkung und machen“munterer“ – jedenfalls gerade so munter, dass der Betreffende die Kraft findet, sich umzubringen, woran ihn die Depression zuvor sinnvollerweise hinderte, weil der Körper nichts ohne Sinn tut. Was übrigens ganz besonders für die SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer – Selective serotonine reuptake inhibitors) gilt. So einen Cocktail, samt Alkohol, hatte auch der Fahrer des Mercedes im Blut, der Lady Diana und ihren Freund Dodi ins Himmelreich beförderte. War in den 90ern großes Thema, weil jeder SSRI plus Antidepressiva gegen die neu gefundene „Angststörung“ verschrieben bekam…Stichwort „Prozac“ – Raten Sie, von wem das Mittel ist/war, wie später auch Viagra… Na? Alles Gute kommt von… Pfizer!
    Wann immer noch möglich, den Film „Love and other drugs“ mit dem genialen Jake Gyllenhaal anschauen. Was damals zum Lachen war, ist es heute nicht mehr so… hier war es noch erlaubt und üblich, die Machenschaften der Pharmaindustrie ganz offen zu zeigen und zu verarschen… Wer hätte gedacht, dass sie noch in so vielfältiger Weise wahr würden… Ich denke, daher weigert man sich, das Movie noch via TV zu präsentieren.
    Wäre heute denkbar schlechte Publicity…

    • Dorothea 16. August 2024 um 14:43 Uhr - Antworten

      Dazu noch ein guter Film zu diesem Thema: „Silver Linings“ mit Bradley Cooper. Vorzüglich!

      Wer sich Pfizer unterwirft, gerät regelrecht in einen Teufelskreis. Von der Wiege bis zum Sarg geht es in deren Medikamenten – Reservoir.
      Einem Depressiven kann man nur raten, sich selbst am Schopf zu packen und herauszuźiehen, eben auch durch viel Bewegung in der Natur.

      • Gabriele 16. August 2024 um 20:31 Uhr

        So einfach ist es leider nicht – auch nicht mit noch so viel Bewegung. Das darf man nicht vergessen.
        Depressionen sind keine Einbildung, sondern sehr ernst und die Betroffenen können sich weitaus nicht alle selber helfen, denn gerade dieser Wille liegt ja am Boden. Aber psychologische Hilfe sollte weitaus besser zur Verfügung stehen. Oft fehlt das soziale Umfeld, was besonders schlimm ist.
        Und die Ernährung muss alle nötigen Nährstoffe enthalten, samt Vermeidung von Allergien und Unverträglichkeiten. Auch schwer zu schaffen ohne das nötige Wissen. Es gibt kein Parademittel.

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