Über den Besuch von Israels Premier Netanyahu in Washington

29. Juli 2024von 4 Minuten Lesezeit

Vorige Woche kam Benjamin Netanyahu nach Washington und absolvierte eine erfolgreiche Tour bei seinen wichtigsten Waffenlieferanten und Geldgebern. Es macht den Eindruck als wäre er derjenige der die Orders gibt und die US-Politik in der Hand hat.

Aber bei weitem nicht alle in der US-Spitzenpolitik unterstützen die Politik Netanyahus des Völkermordes, Kriegsverbrechen und Apartheid, die ihm der höchste Gerichtshof der UNO, der Internationale Gerichtshof, mittlerweile in mehreren Urteilen bestätigt hat. Bei der Rede vor dem Kongress fehlten fast die Hälfte der Abgeordneten, die Anwesenden feierten diese Politik unglaublicherweise mit Standing Ovations.

Im Ron Paul Institute for Peace and Prosperity, des Arztes und langjährigen Kongressabgeordneten der Republikaner, erschien dazu die folgende Einschätzung das international renommierten Kolumnisten Eric Margolis:

Der wahre Boss des Kongresses kommt in die Stadt

Nach Angaben der angesehenen britischen medizinischen Fachzeitschrift The Lancet sind bisher 186.000 palästinensische Erwachsene und Kinder im Gazastreifen getötet worden oder an Krankheiten gestorben. Fast 600 Palästinenser wurden im von Israel besetzten Westjordanland getötet. 10.000 Palästinenser schmachten in israelischen Gefängnissen.

Die offizielle Zahl der arabischen Todesopfer beläuft sich bisher auf 39.670, darunter mehr als 15.000 Kinder. Fast 80.000 Palästinenser wurden verwundet.

Israel gibt an, dass 1.139 Israelis getötet wurden. Die Hälfte der Häuser in Gaza wurde durch ständigen Beschuss, Bombardierungen und Panzerfeuer zerstört. Im Gazastreifen ist gerade die Kinderlähmung ausgebrochen, und die UNO berichtet von massenhaften Hungertod. Die Tiere in Gaza – vor allem Pferde und Esel – haben schrecklich gelitten.

Es handelt sich nicht um einen „Krieg“, wie die Medien es nennen. Es ist ein andauerndes Massaker, ein Schießen auf Fische in einer Tonne.

Die beiden Männer, die dieses riesige Massaker ermöglicht haben, Israels Premierminister Benjamin Netanjahu und der scheidende US-Präsident Joe Biden, trafen sich diese Woche in Washington, um über ihren „Erfolg“ in Gaza zu sprechen. Viele Mitglieder des US-Kongresses applaudierten Netanjahu wie dressierte Robben.

In der Zwischenzeit lieferten die USA unter Verstoß gegen die amerikanischen Waffenexportgesetze Tausende weiterer 500- und 2.000-Pfund-Bomben und 105-mm-Panzergranaten nach Israel. Der vom Internationalen Strafgerichtshof ausgestellte Haftbefehl gegen Netanjahu wurde von den USA ignoriert, die sich weigern, den Weltgerichtshof anzuerkennen. Und das aus gutem Grund. Der frühere Präsident George W. Bush, der mit dem erfundenen Krieg gegen den Irak ein massives Kriegsverbrechen beging, wäre verhaftet und vor Gericht gestellt worden. Fügen Sie Biden und Tony Blair zu dieser Liste von Übeltätern hinzu.

Die US-Atombombe, die die japanische Stadt Nagasaki zerstörte, kostete schätzungsweise 40.000 Menschen das Leben. Damit liegt die Zahl der Toten und Verwundeten in Gaza in der Größenordnung von Nagasaki – nur langsamer. Die Zahl der Toten und Verwundeten in Hiroshima lag bei etwa 70.000. Es kam zu Massenkrankheiten und Hunger – wie heute in Gaza.

Viele fehlinformierte Amerikaner und Unterstützer Israels applaudieren Biden immer noch. Sie irren sich. Er hat den Namen Amerikas angeschwärzt und die Nation durch seine Rolle im Gaza-Massaker in Verruf gebracht und die UNO zum Gespött gemacht.

Wenigstens hat die Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris das Richtige getan, indem sie die Gründung eines palästinensischen Staates forderte. Sie steht bereits unter Beschuss der rechtsextremen Parteien Israels. Sie sind besessen von der hohen palästinensischen Geburtenrate. Innerhalb Israels sprechen sie über Möglichkeiten, die arabische Geburtenrate im Westjordanland und im Gazastreifen zu bremsen. 2.000 Bomben sind ein wirksames Mittel.

Viele Amerikaner wissen nichts von diesem Völkermord. Ihre sehr voreingenommenen Nachrichtensender zeigen wenig von den Schrecken in Gaza. Der einzige Sender, der effektiv aus Gaza berichtet, ist Al-Jazeera. Ich erwarte, dass er bald wegen „Unterstützung des Terrorismus“ verboten wird. Das nächste Ziel der extremen Rechten werden die sozialen Medien sein. Junge Amerikaner, die Nachrichten im Internet verfolgen, demonstrieren im ganzen Land, weil sie mehr Zugang zu echten Nachrichten haben als ältere Amerikaner, die die stark zensierten, voreingenommenen großen Sender sehen.

An der Basis der amerikanischen Politik bleiben riesige Geldsummen der dominierende Faktor. Berichten zufolge stammt die Hälfte der Gelder, die in die Regierung Biden fließen, aus israelfreundlichen demokratischen Quellen. Die Wall Street ist nach wie vor die größte Geldquelle für die pro-israelischen Kräfte. Donald Trump erhält allein 100 Millionen Dollar von der israelisch-amerikanischen Milliardärswitwe des Glücksspielmagnaten Sheldon Adelson aus Las Vegas. Damit kann man eine ganze Menge von den kleinstädtischen Gebrauchtwagenverkäufern kaufen, die unseren korrupten Kongress bilden.


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9 Kommentare

  1. Fritz Madersbacher 29. Juli 2024 um 20:13 Uhr - Antworten

    Bevor die vertrauensseligen Vorschußlorbeeren der Trump-Anhänger/-innen überhandnehmen, sei Folgendes nachgetragen:

    „According to a readout of the meeting put out on Trump’s official website, Netanyahu thanked the former president for steps he took during his time in office:
    “Prime Minister Netanyahu thanked President Trump and his Administration for working to promote stability in the region through, among many historic achievements, the Abraham Accords, moving the United States Embassy in Israel to Jerusalem, recognizing Israeli sovereignty over the Golan Heights, eliminating Qasem Soleimani, ending the horrific Iran Nuclear Deal, as well as combatting anti-Semitism in America and abroad.,” the readout said.
    After the meeting, Trump took aim at Vice President Kamala Harris, who met with Netanyahu on Thursday. Israeli officials were reportedly upset with her public remarks after the meeting … “PM Netanyahu of Israel had a terrible and ‘insulting’ meeting in DC with Kamala Harris …” Trump wrote on Truth Social on Saturday. He also said any Jewish Americans who vote for Harris should “have their heads examined”
    („Antiwar.com“, July 28, 2024)

    Der US-amerikanische Imperialismus wird nicht durch die Wahl des „richtigen“ Kandidaten zu Fall gebracht, ebensowenig wie die Probleme Österreichs durch die Wahl der „richtigen“ Partei gelöst werden. In beiden Fällen sind ganz andere Faktoren massgeblich für die weitere Entwicklung …

  2. therMOnukular 29. Juli 2024 um 13:07 Uhr - Antworten

    Da hat der Autor aber einen wichtigen Part ausgelassen – wundert mich fast, dass Trumpisten das noch gar nicht monierten….na dann halt ich, ich helfe gern:

    Bibi war auch bei Trump zu Gast. Man möge sich verfügbares Bildmaterial in Bezug auf Körpersprache ansehen und selbst entscheiden, wer in diesem Fall wen „im Griff“ hat – oder eben nicht. Ich stimme den Beobachtern zu, die Trump hier eine bewusste Demonstration unterstellen, Bibi „kalt“ zu stellen und links liegen zu lassen. Mir wären da gleich ein paar Momente aufgefallen, in denen Bibi’s Gesicht nichts anderes als Hilflosigkeit zeigte, unfähig sich in der Situation dagegen zu wehren, wie ein Schulbub vorgeführt zu werden.
    Passend dazu gibt es ein aufgezeichnetes Gespräch von Trump, in dem er erzählt einmal Bibi ins Gesicht gesagt zu haben, „you don’t want peace, am I right“ – worauf hin Bibi nur stotterte und Trump seine Schlüsse daraus zog und im Gegensatz dazu über Abbas nur liebenswert berichtet hat, von ihm wie ein Sohn empfangen worden zu sein, usw. Wer weiß, vlt hat Trump ja wirklich mittlerweile (mehr) erkannt, was hier so läuft?

    Trumps Unberechenbarkeit ist hier amS wieder einmal sein As im Ärmel – und er spielt es aus, wann immer er meint. Auch sehr effektiv, wie ich immer mehr feststelle.

    Es nährt zumindest meine Hoffnung, dass Trump vlt wirklich das so ausreichend kleinere Übel ist, dass daraus schon auch grundlegende Dinge positiv wachsen könnten.
    Und wenn es „nur“ mein „Egoismus“ ist, dass mir ein Krieg fernab um Taiwan lieber wäre, als der Tanz auf Europas Messer’s Schneide gegen Russland….

  3. gkazakou 29. Juli 2024 um 10:27 Uhr - Antworten

    Ron Paul ist ein Lichtblick in der politischen Finsternis.

  4. Andreas I. 29. Juli 2024 um 10:16 Uhr - Antworten

    Hallo,
    wenn es praktisch nur noch um Lieferung von Bomben und Granaten geht, dann soll das wohl auf dem Schlachtfeld entschieden werden.
    Aber mal abgesehen von der einzigartigen Grausamkeit des israelischen Völkermordes, die Palästinenser erst einzusperren und dann auszuhungern und zu bombardieren gleichzeitig … die militärischen Fraktionen Hamas, Hesbollah und Houtis schwächt das offensichtlich nicht.

    Und ein Schelm, wer dran denkt, dass USA schon in der Ukraine die Entscheidung auf dem Schlachtfeld gesucht hat – und gefunden.

  5. Jan 29. Juli 2024 um 10:14 Uhr - Antworten

    Die Geburtenrate ist eine Drohung, die strategisch in multiethnischen Gesellschaften eingesetzt wird, Nahost ist nicht der einzige Ort.

    In Palästina ist die Bevölkerung seit 1990 von 2 Mio auf 5 Mio gewachsen.

    Das rechtfertigt natürlich nicht das aktuelle Vorgehen von Bibi und schon gar keinen Genozid.

    Die Idee ist offenbar, einen größeren Konflikt auszulösen, indem das Leid die Muslime gegen Israel einigt und mit Hilfe von Iran/China neue Verhältnisse in Nahost schafft. China hätte Interesse am Öl.

    Bibi hat seit Jahren den Konflikt angeheizt, offenbar gibt es auch im Westen Interesse an einem Krieg, vielleicht hat man die Palästinenser nur instrumentalisiert?

    Westliche Ziele könnten sein, Russland und China in einen Mehrfrontenkrieg zu verwickeln und sich russische und iranische Ölquellen zu sichern, sowie die BRICS-Kandidaten auf der saudischen Halbinsel wieder auf Linie zu bringen.

    Das ginge zu Lasten des Asiatischen Tigers.

    • Andreas I. 29. Juli 2024 um 11:27 Uhr - Antworten

      Hallo,
      Sie betrachten Geopolitik ja aus dem Blickwinkel der Rohstoffe, besonders Öl.
      Für USA dürfte die Kontrolle über die Öl-Region wichtig sein und Israel als faktischer Militärstützpunkt für USA unverzichtbar sein.
      Das wäre dann noch zu ergänzen um die Handelswährungen (Leitwährung vs Ent-Dollarisierung) und die Rohstoffe müssen transportiert werden – also die Handelswege.
      Israel und Gaza ist noch einige Kilometer entfernt vom Suezkanal, aber auf der Weltkarte gleich nebenan und Jemen liegt am anderen Nadelöhr, an der Durchfahrt zum Indischen Ozean. Nun beschießen die Houthis Schiffe von/nach Israel und USA beschießt die Houtis. Das betrifft momentan nur Schiffe von/nach Israel, aber es könnte dabei symbolisch auch um die Kontrolle (oder eben Verlust der Kontrolle) über den Suezkanal bzw. das Rote Meer gehen.

      Naja und USA will sowieso Chinas ,,Belt & Road“ sabotieren.
      Ukraine, Aserbaidschan, Armenien, Ostsyrien, Irak und Israel bilden regelrecht einen Gürtel zwischen Zentralasien und Europa – und der Suezkanal würde den Gürtel abschließen.
      China hat eine strikte Nichteinmischungs-Politik, aber auch eine Handels- und Investitionspolitik. Also China wird die jeweiligen regionalen Feinde der USA indirekt (d.h. ökonomisch) unterstützen, so wie den Iran.
      Und da sehe ich einen Unterschied:
      USA frisst die eigenen ,,Verbündeten“, China kauft z.B. von Iran Rohstoffe, da besteht ein beiderseitiger Vorteil. Daraus könnte man m.E. ableiten, wer das wohl länger durchhalten wird.

    • Fritz Madersbacher 29. Juli 2024 um 13:34 Uhr - Antworten

      @Jan
      29. Juli 2024 at 10:14
      „Die Geburtenrate ist eine Drohung, die strategisch in multiethnischen Gesellschaften eingesetzt wird, Nahost ist nicht der einzige Ort“
      Außer bei den orthodox-religiösen Haredim, denen Kriegsdienst aus religiösen Gründen untersagt ist, hat Israel mit ähnlich sinkenden Geburtenraten und den sich daraus ergebenden Folgen zu tun wie alle westlichen Gesellschaften. Die palästinensische Bevölkerung hat hohe Geburtenraten wie alle Bevölkerungen, deren Kinder durch äußere Umstände (Hunger, Elend, Tod) bedroht sind – sie sind die einzige „Lebensversicherung“ der – ebenfalls bedrohten – Erwachsenen.
      Einen „strategischen Einsatz“ der Geburtenrate gibt es per Verordnung, wenn Bevölkerungszuwachs verhindert werden soll. Die Folgen davon sind neben „Überalterung“ eine (unmerklich) wachsende Einstellung gekennzeichnet von Egoismus und unsozialem Verhalten, wie auch bei uns – mit sinkenden Geburtenraten ohne Verordnung – gut beobachtbar …

  6. Daisy 29. Juli 2024 um 6:58 Uhr - Antworten

    Das ist das gleiche Verhalten wie der Deutschen (und der EU) gegenüber Amerika…

    • Daisy 29. Juli 2024 um 6:59 Uhr - Antworten

      äh, wie das der Deutschen…

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