Macrons Debakel bringt Frankreich in Bewegung

1. Juli 2024von 3,7 Minuten Lesezeit

Was erwartet worden ist, ist passiert: Le Pen übernimmt langsam aber sicher die politische Führung in Frankreich. Das bringt ganz Europa in Bewegung. 

Seit 2017 ist Emmanuel Macron Staatspräsident von Frankreich. Durchaus mit politisch-strategischen Geschick sicherte er seitdem seine Macht ab und baute Frankreich um und machte den Staat immer autoritärer: Niederschlagung von Protesten (Gelbwesten, Corona, Anti-Pensionsreform), Ausgangssperren, Reformen gegen die Arbeiterschaft und das Volk. Gestern hat er – erwartungsgemäß verloren und dürfte zumindest eine Regierung, angeführt von Le Pens Partei, bekommen, die gegen ihn steht. Damit ist seine Herrschaft de facto vorbei. Für Frankreich brechen neue Zeiten an.

Bürgerkrieg als Ziel?

Macrons Wahlwerbung war recht kurz. Seine Nachricht: Wer nicht ihn bzw. seine Liberalen wählt, wählt letztlich den Bürgerkrieg. Das zog nicht. Macrons Partei wurde weit abgeschlagen Dritter, hinter Le Pen und der linken Sammelbewegung. Wie es erwartet wurde. Aber was passiert jetzt?

Erst muss noch die Stichwahl geschlagen werden, aber schon jetzt ist klar, dass Macrons Regierung Attal (WEF-Mann) stürzen wird. Macron hat verloren. Seine (angebliche) Rechnung, Le Pen mit der plötzlichen Neuwahl auszubremsen ging nicht auf. Das war aber zu erwarten. Man muss sich also fast fragen, was der Plan der herrschenden Klassen, dass man den Sieg Le Pens (die 2027 Präsidentin werden will) erlaubt hat. Eine absolute Mehrheit für Le Pens Rassemblement National (RN) wird schwierig, ist aber noch denkbar. Diese würde Frankreichs Republik dann tatsächlich erschüttern.

Florian Philippot, von der fundamentaloppositionellen „Patrioten“, rechnet, egal wie es ausgeht, mit einer nächsten Auflösung der Nationalversammlung 2025.

Doch relevant könnte auch sein, wie die Straße reagiert. Schon gestern gab es vereinzelt Proteste auf den Straßen. Für französische Verhältnisse waren diese aber, obwohl die Barrikaden gebrannt hatten, überschaubar. Trotzdem ist Le Pen für große Teile Frankreichs verhasst und sie sehen den RN als den neuen Faschismus, der Frankreich nun überziehen wird.

Überlegungen stellte dazu Grundrechtsaktivist Alexander Ehrlich auf, der das Bürgerkriegspotential in den Vordergrund. Er schreibt am Montag:

Was, wenn das Ziel nicht der Wahlsieg, sondern der Bürgerkrieg war? Welche Vorteile hätte das?

Ich sehe mehrere mögliche Vorteile:

  1. a) man könnte den Bürgerkrieg für den – unvermeidbaren, aber noch nicht bei allen in den Köpfen verankerten – wirtschaftlichen Niedergang Frankreichs verantwortlich machen.
  2. b) man könnte die – ohnehin nach übereinstimmender Meinung fast aller seriösen Militärstrategen aussichtslose – Kriegsbeteiligung im Ukrainekrieg unter dem Vorwand des Bürgerkriegs absagen, ohne international das Gesicht zu verlieren.
  3. c) man könnte die zahlreichen in der Ukraine operierenden französischen „Undercover-Agenten“ und „Ausbilder“ (von denen gewiss nicht mehr alle leben), recht einfach unter die „Opfer des Bürgerkriegs“ schummeln.
  4. d) man könnte sich einen neuen Aufschwung der sogenannten „Mitte“ erhoffen, wenn „Links“ und „Rechts“ heftig aufeinander losgehen.

Kann dieser Plan aufgehen?

In Frankreich ist das Gewaltpotenzial bei Demonstrationen (und auch im Alltag) wesentlich höher als in Deutschland oder Österreich. Ein Franzose fragt nicht erst um Erlaubnis, wenn er demonstrieren oder protestieren will, er tut es einfach. Und er lässt sich auch nicht so leicht aufhalten dabei. Frankreich ist auch wesentlich durchmischter als Deutschland, sowohl in politischer als auch in ethnischer Hinsicht. Grundsätzlich könnte man rivalisierende Weltanschauungen und Nationalitäten dort wunderbar gegeneinander aufhetzen.

Aber: ich glaube, dass die „Rechten“ den Bürgerkrieg nicht mitspielen würden. Dass sie sehr genau wissen, dass dies ihren Interessen zuwiderlaufen würde. Dass sie noch anschlussfähiger werden, wenn offenkundig die Gewalt von den „Linken“ ausgeht. Und dass sie taktisch klug agieren und den „Fehdehandschuh“ nicht aufnehmen werden.

Gerade für den letzten Punkt sprechen Le Pens Ambitionen, 2027 Präsidentin zu werden. Dafür müsste sie ihren RN nun „entradikalisieren“, zeigen, dass ihre Partei die bessere Mitte, die besseren Liberalen sind. Entsprechende Schritte hat man bereits unternommen. Dann würde das politische System gar nicht so sehr in Bewegung kommen, zumindest nicht mehr, als es ohnehin schon ist. Denn Macrons Niederlage zeigt vor allem eines: Die „liberale“ Mitte – von christlichen Volksparteien über Sozialdemokraten und Grünen bis hin zu Liberalen à la Macron – hat ihre politische Repräsentation verloren.

Bild „Elections in France“ by cuellar is licensed under CC BY-NC 2.0.

Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



15 Kommentare

  1. xbtory 4. Juli 2024 um 13:06 Uhr - Antworten

    Fällt eigentlich nur mir auf, bzw. warum wird nur von mir die Gleichzeitigkeit der sehr ähnlichen, oberflächlich gesehen völlig unmotivierten Schritte der Spitzen in Frankreich UND Großbritannien thematisiert?

    Zwei der wichtigsten Länder Europas provozieren in ihrem Inneren einen Schwenk – das ist doch kein Zufall. auch wenn nach außen hin die einen angeblich nach „links“ die anderen nach „rechts“ schwenken würden – was eh alles nur Affenschaukeltheater ist.

  2. xbtory 2. Juli 2024 um 12:13 Uhr - Antworten

    Der Plan der Heimlichen Herrscher? Nun, es ist für fast jeden deutlich sichtbar: das „linksgrüne“ Etikett zieht nicht mehr. Allzu viele erkennen inzwischen dass mit „linksgrün“ ihr Leben und das Leben ihrer Kinder immer schlechter wird. Also muss eben mal wieder das alte „rechte“ Etikett her! Frankreich und England bringen den Trend zum erdrutschen. Die „alten rechten“ Parteien wie die cDU/cSU werden wieder ihre alten Slogans aufpolieren. Keine Sorge, Deutschland wird kein AfD-regiertes Land. In der übrigen EU werden sich auch entsprechende Kräfte „rück-besinnen“ oder entsprechend „neu“ definieren.

    Aber was bringt das alles für uns, für den Normalbürger? Nichts! Denn unter dem neuen Etikett wird es weitergehen wie mit dem alten. Wir werden weiter belogen, betrogen, verarscht, ausgebeutet und bedrückt werden. Von den gleichen Monstern, die ihre Superprofite gegen uns einsetzen – um noch mehr davon zu machen. Gut, die Themen werden gewechselt, vielleicht sogar die vermeintlichen Gegner (China statt Russland, …) – aber das Prinzip bleibt: Superprofite für Supermilliardäre.

    Wer dieses „lechts-rinks“-Affenschaukeltheater noch für voll nimmt, dem ist leider nicht mehr zu helfen.

  3. Jurgen 2. Juli 2024 um 11:10 Uhr - Antworten

    Die lahme Ente regiert jetzt nur noch mit dem Präsidenten-eigenen Geheimdienst… während Frankreich in Flammen aufgeht…

  4. Hasdrubal 2. Juli 2024 um 4:30 Uhr - Antworten

    b) man könnte die – ohnehin nach übereinstimmender Meinung fast aller seriösen Militärstrategen aussichtslose – Kriegsbeteiligung im Ukrainekrieg unter dem Vorwand des Bürgerkriegs absagen, ohne international das Gesicht zu verlieren.

    Le Pen hat sich bereits deutlich gegen derartige Kriegsabenteuer ausgesprochen – ein RN-Ministerpräsident würde bereits ausreichen, Frankreich rauszuhalten.

    Es gibt übrigens Medien wie der „Zionistische Einblick“, die schon längst einen schwellenden Bürgerkrieg in Frankreich und Deutschland sehen – und zwar den Clash der Kulturen, der recht oft zuschlägt. Mit einem Messer zum Beispiel.

  5. Hasdrubal 2. Juli 2024 um 4:10 Uhr - Antworten

    schon jetzt ist klar, dass Macrons Regierung Attal (WEF-Mann) stürzen wird

    Vielleicht müsste man in Frankreich darüber reden, dass WEF die CO2-Zertifikate auf jedes CO2-Molekül weltweit erweitern will – wenn Länder wie China, Indien und Russland es verweigern, werden deswegen Kriege geführt? Ferner Derivate auf diese Zertifikate, welche WEF bereits als neue Währung sieht – damit hätte die Finanzbranche mehr Papiere, mit den sie spekulieren könnte. Dazu Zertifikate auf Wasser und sogar Sauerstoff in der Luft – und über eine Bevölkerungsreduktion diskutieren die ganz offiziell. Ahnt man in Frankreich, wie dysotopisch die Pläne wurden?

    Möchte deswegen Gates Bäume verbuddeln – damit man aus seinen Fabriken nicht nur Insekten-Kunstfleisch, sondern auch Sauerstoff zum Atmen kaufen muss? Merken die Leute nicht, wie wahnsinnig diese exzessive Gierentfaltung wurde?

    • Daisy 2. Juli 2024 um 7:12 Uhr - Antworten

      @Gates Bäume… ja, man muss nachdenken, wie sie den Mangel an Atemluft denn erzeugen wollen. Klimafanatiker wurden des öfteren schon der Brandstiftung überführt, etwa in Griechenland, aber auch in Brasilien. Der Amazonasregenwald gilt als „Lunge der Welt“…

      Es ist auch denkbar, dass sie die Luft einfach verpesten, zB über Chemtrails.

      Die Natur ist diesen Scheißern völlig egal, s. der Wahnsinn mit den Windrädern. Man hat den Eindruck, obwohl Windräder doppelt soviel Strom brauchen, wie sie liefern können und 10x soviel kosten (geschätzt) wie sie einbringen, man will sie trotzdem aufstellen, weil man das chic findet, nur so, als Kunstwerk sozusagen…die Grün:innen lieben sie traditionell so innig wie sie Autos hassen. Es ist ein Gefühl…

  6. suedtiroler 1. Juli 2024 um 21:59 Uhr - Antworten

    Macron wird mit Linken und Kommunisten zusammenarbeiten
    Frankreich geht gleich den Bach runter wie Germanistan.

  7. andi pi 1. Juli 2024 um 20:52 Uhr - Antworten

    das französische wahlsystem macht eine mandatsprognose für den zweiten durchgang enorm schwierig. denn in die stichwahl in einem wahlkreis kommen nicht bloß die ersten beiden, sondern alle mit über 12,5% im ersten wahlgang. das ergibt viele dreieckskonstellationen. nun haben sich macron und das linke wahlbündnis in vielen wahlreisen durch verzicht des jeweils schwächeren zusammengetan. aber interessanterweise haben (stand heute 20h) 55 kandidaten aus dem macron-lager zurückgezogen, dafür jedoch gleich 121 aus dem linksbündnis. sehr merkwürdig, denn wenn schon, müsste das verhältnis angesichts der stimmenverteilung im ersten wahlgang eher umgekehrt herum sein. evtl. könnte ein teil der (im unterschied zu sozialisten und grünen eher macron-und systemkritischen) mélenchon-wählerschaft deshalb daheim bleiben.

    • Daisy 2. Juli 2024 um 7:20 Uhr - Antworten

      Ja, die ganzen Linken tun sich jetzt mit der neoliberalen Macron-Partei zusammen, um den WEF-„Knaben“ und Kriegsfetischisten an der Macht zu halten… sie haben auch schon gewalttätige bürgerkriegsähnliche Zustände angekündigt, falls Le Pen gewinnt, um einen Ausnahmezustand herbeizuführen, der Macron ermächtigen soll, trotz Wahlniederlage weiterzuregieren. Es kam schon zu vielen Gewaltexzessen und Ausschreitungen durch die Linksextremen… wie „demokratisch“ das ist, braucht man nicht zu sagen.

  8. Glass Steagall Act 1. Juli 2024 um 20:38 Uhr - Antworten

    Man muss noch erwähnen, dass Macrons ein Rothschild-Zögling war. Die haben ihn damals kurzfristig hervorgekramt und beworben, damit LePen nicht an die Macht kommt. Und wie man sah, wurde die ganzen Jahre Eliten-Politik von Macron betrieben. Mal sehen, wie Eliten nun reagieren werden, denn es ist schlecht für ihre Weltherrschaft in Europa, wenn Frankreich ausschert!

  9. F1 FUTURO 1. Juli 2024 um 17:28 Uhr - Antworten

    Bürgerkrieg = (Neuer) Notstand

    Sollte in Frankreich ein ‚Bürgerkrieg‘ ausbrechen, was würde Macron tun? Den NOTSTAND ausrufen. Was sonst. Die Verfassung aushebeln, und auf unbestimmte Zeit, alle Macht an sich reissen. Daneben würde Corona wahrscheinlich verblassen. Vielleicht ist das der Plan. Letztendlich Spekulation. Wir werden sehen…

    • Ulrich5411 2. Juli 2024 um 12:20 Uhr - Antworten

      toll endlich Action – den guten alten Rothschilds wird ein Zitat zugeschrieben in etwa:

      wenn das Blut in den Strassen fliesst, verdienen wir unser Geld/Gold – wie auch immer

  10. Sabine Schönfelder 1. Juli 2024 um 17:20 Uhr - Antworten

    In der Politik geht es NUR NOCH UM MACHT und Schlagworte im originärsten SINNE. Straßenschlachten oder „Bürgerkrieg“ gibt es dann, wenn an den entsprechenden Stellen
    agents provocateurs installiert werden. Eine Sauerei, die in Macrons Augen nur ein notwendiges Kavaliersdelikt darstellt. Meine Einschätzung. 😁
    Welche Vorteile hätte ein Bürgerkrieg ? Keine. All die Spekulationen entstehen aus reinen Vermutungen. Vielleicht „kloppen“ sich die Globos. 😁
    Makrönchen auf der Kippe, Schwab wird gerade e n t b l ä t t e r t. Er ist eben doch nur ein trauriges Blofeld-Imitat. Seine Young-and- old- global- Versager nur dümmliche Marionetten ohne Charakter. Lehnen wir uns zurück und hoffen wir auf eine angenehme Fortsetzung….

    • Ulrich5411 2. Juli 2024 um 12:25 Uhr - Antworten

      sehr gut auf den eigentlichen Punkt gebracht:

      ES GEHT NUR NOCH UM DIE MACHT
      um die ultimative faschistoide Weltherrschaft

      da das nicht funktioniert bzw funktionieren kann, werden sich jetzt die alten Machteliten gegenseitig bekämpfen.

      biblisch gesehen ist das die Apokalypse, die Offenbarung
      ALLES enthüllt sich aus und durch sich selbst

      da kommt noch einiges auf die Öffentlichkeit zu – siehe auch die jüngsten Exzesse bei der San Franz. Pride Parade … wer sucht wird fündig – aber sei gewarnt denn das ist Hardcore Perversität

      • Sabine Schönfelder 2. Juli 2024 um 13:50 Uhr

        Jetzt wurde ich doch neugierig, und guuuglte nach der Preit Peräid. 😉👍 Was strengen sich die Tschenderlis an, um exaltiert-hemmungslos „rüberzukommen“…😂🤣😂🤣 Denke Kinder nehmen das locker. Der nackte Opi am Straßenrand ist „Biden“ und hat seine Unterhose zu Hause vergessen, der Rest kriegt den A.sch voll, weil er sich offensichtlich daneben benimmt……und ein paar Trinker haben auf die Schnelle keine Toilette gefunden..🤣🥹😎 Da freut sich der Mensch um so mehr auf entspannte Normalität.😂👍🎶🎶🥰😘❤️🥂

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Aktuelle Beiträge