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Politik

Riad bittet Peking um Vermittlung im Jemen – und Sanaa stellt eine Bedingung?

12 Kommentare 12. Oktober 2026 6 Minuten Lesezeit von Jochen Mitschka

Wird Öl und Diesel bald wieder billiger? Saudi-Arabien soll China angeblich offiziell gebeten haben, zwischen ihm und Sanaa zu vermitteln. Das berichten jemenitische Quellen. Eine Bestätigung von Saudi-Arabien oder China liegt bei der Erstellung des Artikels nicht vor. Die Meldung fällt in eine Woche, in der Saudi-Arabien selbst unter Beschuss steht.

Nach Angaben jemenitischer Quellen hat die saudische Regierung Peking gebeten, offiziell als Vermittlerin in Verhandlungen mit Sanaa aufzutreten. Ziel sei ein Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien. Riad habe China zudem signalisiert, einem solchen Waffenstillstand zuzustimmen, der auch die Einstellung sämtlicher Militäroperationen einschließen würde, ausdrücklich die Luftangriffe.

Die Regierung in Sanaa in der Hauptstadt des Jemens unter der Führung der Ansarallah, knüpft daran eine Bedingung: Bevor ein Waffenstillstand verkündet wird, müsse Riad seine Verpflichtungen für eine friedliche Einigung erfüllen. Welche Verpflichtungen genau gemeint sind, geht aus den Meldungen nicht hervor. Chinas diplomatisches Gewicht in der Region wuchs erheblich, als es 2023 erfolgreich das historische Annäherungsabkommen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran vermittelte. Weshalb die Meldung auch ohne das Detail der „Verpflichtung“ plausibel erscheint, wenn auch unbestätigt. Es darf jedoch vermutet werden, dass die Umsetzung der Verpflichtungen aus 2023 gemeint ist, dazu mehr etwas später im Text.

Der Hintergrund: eine Woche der Eskalation

Die Anfrage kommt nicht aus ruhiger Lage. Die Ansarallah hatte 2014 den Präsidenten mit abgelaufener Amtszeit, der keine Neuwahlen zuließ, besiegt, Sanaa befreit. Der Präsident hatte abgedankt und das Land zu verlassen, wurde aber durch den saudischen Kronprinz „überzeugt“, er sei noch Präsident, worauf Saudi-Arabien 2015 mit einer „Koalition“, also Söldnern und der Hilfe der USA und Großbritanniens den Jemen angriff. Natürlich nur, um „die legitime Regierung“ wieder zur Macht zu verhelfen. Weshalb die EU auch von „Bürgerkrieg“ spricht. Nach dem UN-Waffenstillstand vom April 2022 sank die Gewalt deutlich. Im Jahr 2026 ist der Konflikt wieder aufgeflammt: Laut CNN begann die Eskalation im Juli, kurz nachdem der Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran zerbrochen war. Tatsächlich war der Auslöser ein Luftangriff Saudi-Arabiens auf den Flughafen von Sanaa, als eine Delegation zu den Trauerfeierlichkeiten wegen der Ermordung des iranischen Staatschef in den Iran geflogen war. Die Huthis griffen saudische Ölanlagen und Tanker an, Riad antwortete mit Luftschlägen.

Im Oktober hat sich die Lage zugespitzt. Das Global Conflict Tracker des Council on Foreign Relations verzeichnet für den 6. Oktober Angriffe der Regierung in Sanaa auf die Flughäfen Jazan und Najran sowie die Ankündigung einer großen Offensive jemenitischer „Regierungstruppen“, also Söldner im Dienste Saudi-Arabiens, die alle „Huthi-Gebiete“ zurückerobern sollte. Am 8. Oktober schlugen dann ballistische Raketen am Flughafen King Khalid in Riad ein, es gab Tote. Saudische Kräfte meldeten im Gegenzug Angriffe auf Raketenstellungen und Ziele in Sanaa. Nach CNN-Angaben bestätigte zudem Pakistan, Truppen in Saudi-Arabien stationiert zu haben, und mehrere Staaten kündigten nach einem Treffen in Riad an, Verteidigungszusagen umzusetzen.

Es wird nicht erwartet, dass die Türkei und Pakistan sich aktiv an Angriffen gegen den Jemen beteiligen werden, jedoch werden sie die Verteidigung gegen Drohnen und Raketenangriffe verstärken, was indirekt eine Kriegsteilnahme ist. Dies ist umso interessanter, als der Krieg ja 2015 begann und das Verteidigungsabkommen erst 2026 unterzeichnet worden war, also eigentlich gar nicht abgedeckt sein sollte.

Auch CNN analysiert, dass Riad den Wiederausbruch des Krieges „nicht gut vorbereitet habe“. Die Koalition sei auf eine Offensive der Regierung in Sanaa nicht eingestellt gewesen, und der von Riad verlangte rasche Abzug der Emirate habe bei den verbündeten jemenitischen Kräften ein Vakuum hinterlassen. Zugleich sei Riad enttäuscht, was die Verlässlichkeit der USA angeht.

Warum ausgerechnet China?

Peking hat in dieser Region einen großen Vorsprung an Glaubwürdigkeit. Im März 2023 vermittelte China die Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Schon damals schrieb The Intercept, dieser Schritt habe die anschließenden Waffenstillstandsgespräche im Jemen erst möglich gemacht. Ein Iran-Experte, den das Magazin zitiert, wies allerdings darauf hin, dass Chinas direkte Rolle im jemenitischen Teil unklar bleibe.

Im Dezember 2023 verkündete der UN-Sondergesandte Hans Grundberg, dass sich die Parteien zu einem landesweiten Waffenstillstand, zur Zahlung der öffentlichen Gehälter, zur Wiederaufnahme der Ölexporte und zur Lockerung der Beschränkungen am Flughafen Sanaa und im Hafen von Hodeidah verpflichten wollten. Al Jazeera berichtete damals ausführlich darüber. Umgesetzt wurde das Paket nie!

Was Sanaas Bedingung bedeuten könnte

Dass Sanaa Taten vor Erklärungen verlangt, passt zu dem, was Vertreter der Regierung in Sanaa derzeit öffentlich sagen. The Cradle zitiert Hamid Asim, Mitglied der Verhandlungsdelegation Sanaas, die Tür für Gespräche bleibe offen, doch wegen früherer saudischer Verzögerungen werde man die Kampagne nicht für eine bloße Absichtserklärung stoppen. Ein anderer Gesprächspartner des Mediums verlangt Garantien von außerhalb der Region und nennt als mögliche Bürgen den UN-Sicherheitsrat, Russland und China. Das würde erklären, warum Peking als Vermittler für Sanaa vorstellbarer wäre als Riad selbst.

Ein zweiter Streitpunkt ist die Rolle Saudi-Arabiens. Das Arab Center Washington DC beschrieb schon vor Jahren, dass Riad sich als Vermittler zwischen der derzeitigen Regierung in Sanaa unter Führung der Ansarallah, und der „international anerkannter Regierung“, also der Marionettenregierung Saudi-Arabiens, sehen will, während Sanaa erklärbar das Land als Kriegspartei bezeichnet und zuerst mit Riad selbst verhandeln will. Ein Vermittler aus Peking würde diesen Streit umgehen: Riad wäre offen als Partei am Tisch, nicht als Moderator.

Einordnung

Man muss vorsichtig bleiben. Eine Bitte um Vermittlung ist kein Waffenstillstand, und eine Bereitschaft, Luftangriffe einzustellen, ist es auch nicht. Die Meldung stammt aus jemenitischen Quellen, die Konfliktparteien haben naturgemäß ein Interesse daran, Verhandlungsbereitschaft oder Verhandlungshärte zu inszenieren. Gleichzeitig laufen die Kampfhandlungen weiter, und die saudische Führung hat nach Berichten ihre militärische Option noch nicht abgeschrieben. Und Ölpreise haben eine längerfristige Wirkung, insbesondere, wenn wie im Fall des Krieges auf der arabischen Halbinsel, Förder- und Verladeanlagen beschädigt sind.

Bemerkenswert ist dennoch, was die Meldung über die Machtverhältnisse sagt: Ein Land, das seit 2015 aus der Luft Krieg führt, soll nun einen Gegner über einen Dritten um Gespräche bitten, und der Dritte ist weder Washington noch ein europäischer Staat. Ob Peking die Rolle übernimmt, ob es Sanaa überzeugen kann und ob Riad am Ende tatsächlich liefert, ist offen. Die Gespräche von 2023 zeigen, dass Zusagen im Jemen leichter gemacht als erfüllt werden. Genau darauf zielt Sanaas Bedingung.

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12 Kommentare

  1. Jurgen
    Antworten

    Ja, wenn die Felle wegschwimmen greift man wohl nach jedem Strohhalm…

  2. Varus
    Antworten

    Ungeschnittene-Newsticker: „… 12. Okt. 08:39 Während die Huthi-Angriffe auf Saudi-Arabien eskalieren, zieht sich Kronprinz Mohammed bin Salman laut Wall Street Journal in schwer bewachte Paläste mit Schutzbunkern zurück und lässt sich von einer handverlesenen Sicherheitsgarde beschützen – zugleich gehen dem Königreich Berichten zufolge die Abwehrraketen aus. …“ – Wenn der Herr bereits im Fürrerbunker hockt, sollen doch die Ansarallah die Sache beenden – ein Aufstand in Saudi-Arabien und gewisse Entität hat bald keine Vasallen mehr?

  3. 1150
    Antworten

    jo, wie immer, erst zündeln und dann nach der feuerwehr rufen

    1. Jurgen
      Antworten

      Das ist auch in der Software-Branche so üblich…

  4. Jochen Mitschka
    Antworten

    Zitat:
    Der wichtigste internationale Flughafen Saudi-Arabiens ist heute geschlossen, nachdem innerhalb von zwei Tagen der zweite große Angriff erfolgt ist – und es wird immer klarer, dass die über 100 Militärberater, die die USA geschickt haben, um ein gemeinsames Kommando zu bilden, den Königreich nicht vor Angriffen schützen konnten.

    Zusätzlich zu mindestens 13 Toten und 300 Verletzten ist der größte Verlust das Vertrauen der Golfstaaten in den Schutz durch die USA und in die teuren Luftverteidigungssysteme, die sie erworben haben.

    Die Gruppe Ansar Allah im Jemen hat zwei Flughäfen in Saudi-Arabien getroffen – aber das geschieht nach zahlreichen Angriffen durch westlich unterstützte Kräfte in ihrem eigenen Land sowie durch Saudi-Arabien, die USA und das Vereinigte Königreich.

    Der größte Verlust ist das Vertrauen in die Versprechen des Westens. Die Länder hatten zugestimmt, US-Militärbasen zu beherbergen, um Schutz zu erhalten – stattdessen hat das sie zu legitimen Zielen gemacht. In den letzten Wochen hat die USA Berater geschickt, aber keine militärische Intervention.

    Auch zerstört: Das Vertrauen Saudi-Arabiens in die von ihm genutzten Luftverteidigungssysteme, die offensichtlich nicht alle Raketen abfangen konnten.

    Es ist nun klar, dass der Trump-Netanyahu-Angriff auf den Iran in einen ernsten Konflikt in Westasien eskaliert ist. Dies ist ein weiterer tödlicher strategischer Fehler, der zu einer langen Liste hinzugefügt werden kann, die Korea, Vietnam, den Irak und Afghanistan umfasst.
    —- https://x.com/NuryVittachi/status/2109444743977632173

    —–

    Wenn Warnungen als „Verschwörungsmythos“ oder „Terroristen-Propaganda“ verleumdet wird, dann passiert so was halt.

    1. therMOnukular
      Antworten

      Aus Sicht der USA ist eine Eskalation am Golf aber leider kein Fehler, sondern der Grundgedanke ihrer „Strategie“. Deren Energie-Infrastruktur sollen die sich gegenseitig zerstören, damit die USA als einziger großer Player übrig bleiben….

      Dass die USA nicht vertrauenswürdig sind, ist jedem Diplomaten mit mehr als 2 Hirnzellen seit Jahrzehnten bekannt (auch wenn diese zu „diplomatisch“ sind, das auch so zu benennen). Lediglich der Glaube an die waffentechnische Überlegenheit war echt.

      1. 1150

        @,

        wie wir sehen, war die waffentechnische überlegenheit ein bluff –

        schöne, teure schaufensterwaffen um die °°käufer°° zu täuschen,

        welche erst mit allen möglichen argumentationen dazu überredet werden mussten,

        darum würde kuba auch eine schweinebucht 2.0 für die usa werden

  5. cwsuisse
    Antworten

    Es hat den Anschein, als würden für die Amerikaner gerade alle Räder gleichzeitig vom Wagen abfallen.

    1. therMOnukular
      Antworten

      Das hängt amS davon ab, wann US-Boden angegriffen wird, weil die Welt endlich dem Alleinverursacher den Stecker ziehen will/muss. Erst dann läuft es aus Sicht der USA nicht mehr nach Plan, das ist das einzige, was sie nicht einkalkulieren (weil sie es sich in ihrer Selbstherrlichkeit nicht vorstellen können/dürfen).

      1. Varus

        Wenn man Paul Craig Roberts glauben darf, das erledigen die Amis schon unter sich. „The Day Accountability Arrived“ vom 08.10.26: „… The many decades of the white liberals teaching blacks to hate whites, of teaching women to hate men, and of teaching children to mistrust their parents and all authority culminated in the complete collapse of society. … As a nation the United States ceased to exist. …“

        Alles in Vergangenheitsform – mittlerweile praktisch gelaufen.

    2. Jurgen
      Antworten

      Das ist fraglich. Die Strategie à la Rockefeller sieht eher so aus, alle Konkurrenten auszuschalten. Das sieht man gerade weltweit. Und darauf zu spekulieren, dass dann alle von USA kaufen müssen, natürlich in US-Dollar…

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