Russiagate 2.0 in Ungarn

12. März 2026von 2,4 Minuten Lesezeit

Knapp ein Monat bis zur Wahl in Ungarn. Die EU will Viktor Orbán unbedingt loswerden. Nun versucht man es mit einem alten Gespenst: Russland soll sich massiv in den Wahlkampf einmischen – natürlich zugunsten von Viktor Orbán.

Die Vorwürfe kommen ausgerechnet von der Warschauer Nichtregierungsorganisation VSquare. Diese behauptet, Putin habe über den stellvertretenden Kreml-Chef Sergej Kirijenko ein Team aus politischen Strategen und Agenten des Militärgeheimdienstes GRU nach Budapest geschickt. Ziel: Desinformation und Manipulation, um dem amtierenden Ministerpräsidenten den Sieg zu sichern. Die ukrainische Zeitung Ukrainska Pravda machte die Geschichte zuerst publik; inzwischen greifen westliche Medien wie die Financial Times sie bereitwillig auf. Orbán gewinnt nur durch Putins „Manipulation“.

Ein altes Muster. Es begann mit „Russiagate“ in den USA 2016, als angebliche russische Hacker für den Wahlsieg von Trump verantwortlich gemacht worden waren. Die These fiel einige Jahre später in sich zusammen. 2024 ließ man in Rumänien kurzerhand eine Wahl annullieren – ein beispielloser Staatsstreich. Begründung: Putin habe die Wahl manipuliert. Bis heute fehlen echte Beweise. In Moldau lief es 2025 gleich: Monate vor der Abstimmung warnten Medien und Geheimdienste vor „russischer Einmischung“ über soziale Netzwerke und Desinformationskampagnen. Manipuliert hat aber eh das EU-Lager.

Die Wahleinmischung der Kommission ist mittlerweile für mehrere Wahlen eindeutig belegt – anders als die Einmischung des Kremls.

Und jetzt Ungarn. Orbán liegt in manchen Umfragen hinterher – allerdings nur in solchen, die von EU-nahen liberalen Instituten kommen. Zuletzt sah es eigentlich wieder gut aus – Orbán dürfte gewinnen. Auch, weil er die Institutionen kontrolliert, ist ein rumänisches Szenario in Budapest nicht möglich. Aber ein russisches Komplott kann erklären, warum der „illiberale“ Regierungschef trotz jahrelanger Kritik aus Brüssel und Washington noch gewählt wird.

VSquare beruft sich auf „Quellen aus EU-Sicherheitskreisen“ – also genau jene Kreise, die Orbán seit Jahren als Gegner sehen. Echte Fakten zu der Story gibt es keine – berichtet das US-Magazin Compact. Bislang gibt es keine öffentlich präsentierten Dokumente, keine abgefangenen Mails, keine nachweisbaren Geldflüsse. Stattdessen das Übliche: anonyme Quellen, vage „Indizien“ und die sofortige mediale Verstärkung.

Es gäbe einiges Wichtigeres zu diskutieren: das (offensichtlich gewollte) Energiedesaster der EU, den Ukraine-Krieg, millionenschwere Geldtransporte nach Kiew … Lieber lenkt man aber schon im Vorfeld die Debatte auf das äußere Feindbild Putin. Putin als Sündenbock, während eigene Einmischungsversuche – etwa durch westliche NGOs oder EU-Finanzierung oppositioneller Gruppen – kaum thematisiert werden.

Orbán selbst hat die Vorwürfe bereits als „absurde Propaganda“ zurückgewiesen.

Bild Orbán Viktor miniszterelnök azonnali kérdésre válaszol az Országgyűlés plenáris ülésén 2026. március 9-én. Fotó: MTI

Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



Orbán erklärt Ukraine zum „Feind“

EU-Wahleinmischung in Ungarn: Brüssel-NGO klagt X

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Aktuelle Beiträge