Haben Iran und Israel die Luftherrschaft über jeweils das andere Land?

11. März 2026von 3,6 Minuten Lesezeit

Die USA und Israel greifen den Iran überwiegend mit Flugzeugen an, der Iran umgekehrt mit ballistischen Rakete und Drohnen. Die Koalition beherrscht aber den Luftraum des Iran nicht wie behauptet, sondern greift aus „sicherer“ Entfernung mit Raketen an.

Wie berichtet widerlegte kürzlich er Chefredakteur von „The War Zone“ widerlegt das weit verbreitete Missverständnis, dass die USA und Israel die vollständige Luftüberlegenheit über den Iran erreicht haben. Seiner Einschätzung nach wurde die Überlegenheit nur in bestimmten Gebieten erreicht, aber die Luftstreitkräfte der USA und Israels verfügen nicht über vollständige Handlungsfreiheit. Ein aktueller Bericht in einem anderen Fachmagazin lässt nicht mal einfach Luftüberlegenheit im Westen und über Teheran erreicht.

Schon der Titel des Artikels legt das nahe: „Neue israelische F-16-Konfiguration ermöglicht vier RAMPAGE-Raketenangriffe aus sicherer Entfernung außerhalb des iranischen Luftraums“. Es geht also um sichere Entfernung außerhalb der iranischen Luftraums, nicht einmal von in der Nähe oder gar innerhalb.

Die F-16 Kampfflieger bilden das Rückgrat der israelischen Luftwaffe. Sie sind zum Beispiel derzeit intensiv damit beschäftigt zivile Wohnhäuser im Libanon zu bombardieren und zu zerstören und 700.000 Libanesen zu vertreiben wie die israelische Zeitung Haaretz berichtet. Was übrigens genau das ist, was 1948 mit einer ungefähr ebenso großen Zahl von Palästinensern geschehen ist, die aus dem heute Israel darstellenden Gebiet vertrieben wurden, zu einem großen Teil in den Libanon.

Es wurde nun „eine neue Konfiguration für ihren F-16I-Kampfflieger vorgestellt, die für Mittelstreckenangriffe außerhalb der Sichtweite auf gut verteidigte Bodenziele optimiert ist“. Die F16 wurde mit vier RAMPAGE-Raketen ausgerüstet, weil „die F-16 als Hauptarbeitstier für Israels intensive Luftangriffe gegen iranische Ziele dient“.

Die RAMPAGE-Rakete wurde Mitte bis Ende der 2010er Jahre als Gemeinschaftsprojekt der Israel Aerospace Industries (IAI) und der Israel Military Industry (IMI) entwickelt, um der Forderung der israelischen Luftwaffe nachzukommen, Ziele angreifen zu können, die durch fortschrittliche Luftabwehrsysteme geschützt sind, insbesondere in Syrien. Die Rakete wurde als Ableitung der Lenkrakete Extended Range Artillery (EXTRA) entwickelt. Mit einer Reichweite von 150 bis 220 Kilometern kann die Rakete aus relativ sicherer Entfernung abgefeuert werden.

Da die iranische Luftabwehr eine große Anzahl von hochwertigen Drohnen der USA und Israels abgeschossen hat, „die für risikoreichere Missionen im iranischen Luftraum eingesetzt werden“, wird diese Konfiguration mit ballistischen Raketen in der Nähe des Iran eingesetzt. Amit Haimovich, Direktor für Marketing und Geschäftsentwicklung bei IAI Malam, kommentierte die Bedeutung der RAMPAGE-Rakete wie folgt: „Wenn man den Nahen Osten und die durch Luftabwehrsysteme geschützten Gebiete betrachtet, besteht der Sinn dieser Rakete darin, dass sie Ziele aus sicherer Entfernung treffen kann“, ohne das startende Flugzeug zu gefährden.

Das Fachmagazin weist drauf hin, dass westliche Kampfflugzeuge „eine viel geringere Reichweite und eine geringere Raketentragfähigkeit als ihre chinesischen und russischen Pendants“ haben. Selbst das westliche Kampfflugzeug mit der größten Reichweite, die F-15, benötigt mehrere externe und konforme Treibstofftanks, um von Luftwaffenstützpunkten in Israel aus den Iran überfliegen zu können.

Anders die russische Su-35: „Die Su-35-Kampfflugzeuge, die der Iran bei Russland bestellt hat, könnten dagegen Israel von iranischen Stützpunkten aus mit voller Waffenlast und ohne externen Treibstoff problemlos überfliegen.“

Die F-16 hat eine deutlich geringere Reichweite als die F-15, was die Unterstützung durch Betankung und den Transport von Raketentypen mit größerer Reichweite besonders wichtig macht. Die Raketen erreichen Geschwindigkeiten von Mach 2 und folgen quasi-ballistischen Flugbahnen, wodurch sie schwieriger abzufangen sind als die meisten Unterschall-Marschflugkörper.

Die iranischen ballistischen Raketen und die Drohnen können den israelischen Luftraum mühelos erreichen. Wie der MIT-Physiker, Raketenwissenschaftler und Pentagon-Berater erläutert, ist die westliche Luftabwehr überfordert. Die Abfangquoten für  die ballistischen Raketen bewegen sich im einstelligen Prozentbereich und für die Drohnen sind sie auch nicht überragend.


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