Rubio in München: Trumps angestrebte neue Weltordnung

17. Februar 2026von 3,2 Minuten Lesezeit

Was Trump 2.0 vorhat, ist eine umfassende Erneuerung der westlichen Zivilisation – mit dem Ziel, daraus einen entstehenden Zivilisationsstaat zu formen. Dieser soll dann seine wiederhergestellte kollektive Stärke uneingeschränkt einsetzen, um aufstrebende Rivalen zu zwingen, sich ihm unterzuordnen und so die unipolare Weltordnung wiederherzustellen.

Marco Rubio, einer der einflussreichsten Politiker der USA in seiner Doppelfunktion als Außenminister und Nationaler Sicherheitsberater, hielt am vergangenen Wochenende auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine wegweisende Rede. Darin legte er die von Trump 2.0 angestrebte neue Weltordnung detailliert dar. Seine Ausführungen orientierten sich an der Nationalen Sicherheitsstrategie, der Nationalen Verteidigungsstrategie und der sogenannten „Trump-Doktrin“.

Rubio attackierte die Vorstellung scharf, nach dem Ende des Alten Kalten Krieges sei „das Ende der Geschichte“ eingetreten – jene Idee, wonach liberale Demokratien sich weltweit durchsetzen und eine „regelbasierte globale Ordnung“ die nationalen Interessen ablösen würde. Besonders kritisierte er die Verlagerung der Industrie in die Hände von Gegnern und Rivalen, die Abtretung von Souveränität an internationale Institutionen, die Selbstverarmung „zur Besänftigung eines Klimakults“ sowie die Masseneinwanderung. All das bezeichnete er als Fehler, die die USA nun korrigieren wollen.

Rubio erklärte, Trump 2.0 werde die westliche Zivilisation notfalls allein erneuern und wiederbeleben – vorzugsweise jedoch gemeinsam mit Europa, aus dem die USA hervorgegangen sind. In pathetischen Worten lobte er diese gemeinsame Zivilisation in vielfältiger Weise und betonte, ihre Wiederbelebung werde auch die Streitkräfte beflügeln. Anschließend kam er auf die konkreten Pläne von Trump 2.0 zu sprechen: Reindustrialisierung, Stopp der Masseneinwanderung und Reform der globalen Governance. All das solle den Menschen im Westen spürbare Vorteile bringen.

Entgegen mancher Vermutungen, die USA würden isolationistisch werden, will Washington sein globales Bündnisnetzwerk vielmehr optimieren – allerdings nur unter fairerer Lastenteilung. Die Wiederherstellung des Stolzes auf die westliche Zivilisation gehört zu den zentralen außenpolitischen Zielen von Trump 2.0. Betrachtet man diese angestrebte Weltordnung genauer, orientiert sie sich deutlich an den Zivilisationskonzepten von Samuel Huntington und Alexander Dugin: Gemeinsame Identität wird zum immer wichtigeren Faktor in den internationalen Beziehungen.

Wie zu erwarten, durchzieht die Rede der Gedanke des American Exceptionalism. Das zeigt sich etwa darin, dass Rubio betont, die USA würden die westliche Zivilisation gegebenenfalls auch allein retten, und den vermeintlichen „terminalen Niedergang“ des Westens als bewusste „Entscheidung“ bezeichnet. Damit wird impliziert, dass Multipolarität – also der Aufstieg anderer Zivilisationsstaaten zur Balance gegenüber dem entstehenden westlichen Zivilisationsstaat – keineswegs zwangsläufig ist.

Daraus lässt sich weiter folgern, dass der Aufstieg anderer Pole (ob als Staaten, Zivilisationsstaaten oder Blöcke beschrieben) nach Ansicht Washingtons vor allem auf die kontraproduktive Politik des Westens zurückzuführen ist – und nicht auf die eigenen Strategien dieser Länder. Das ist allerdings zweifelhaft: Zwar hat Nixons chinesisch-amerikanische Entspannungspolitik im Kalten Krieg China tatsächlich Kapitalzuflüsse ermöglicht, doch die Kommunistische Partei Chinas lenkte diesen Prozess bewusst, um die nationale Souveränität zu wahren und das Land zur Wirtschaftssupermacht zu machen.

Letztlich strebt Trump 2.0 an, die westliche Zivilisation umfassend zu reformieren, daraus einen Zivilisationsstaat zu schmieden und dessen geballte, wiederhergestellte Kraft dann einzusetzen, um aufstrebende Rivalen in die Unterordnung zu zwingen – und so die unipolare Vorherrschaft zurückzuholen. Die USA haben im vergangenen Jahr außenpolitisch durchaus Erfolge erzielt. Das heißt jedoch nicht, dass es ihnen gelingen wird, die westliche Zivilisation zu reformieren, einen Zivilisationsstaat daraus zu formen und anschließend die Welt zu beherrschen.


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.


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3 Kommentare

  1. therMOnukular 17. Februar 2026 um 13:36 Uhr - Antworten

    Bei diesem Autor ist Kritik zwar überflüssig geworden – seine „Analysen“ richteten sich stets selbst (oder wurden schnell von der Realität überrollt) – aber allgemein ist es (mir) dann doch wichtig:

    Nein, nicht Trump plant eine neue Weltordnung, sondern die Menschen/Mächte, die ihn steuern und kontrollieren.

    „Autoren“ wie dieser sind offenbar nur dazu da, das Denken der Menschen in alten Schablonen festzuhalten und Sündenböcke zu ermöglichen, die von den eigentlichen Schurken ablenken.
    Trump ist dieselbe (geistig kranke) Marionette wie ein Schnorrlensky.

    Am Iran werden wir (erneut) beobachten können, wer der Hund ist und wer der Schweif.
    Während dem großen C habe ich mich schon gefragt, wann der „Öl-Flügel“ dieser „Elite“ zum Zug kommen darf, nachdem C ja andere „Wirtschaftsmagnaten“ bediente und die Öl-Industrie (Bewegungsverbote etc) dabei wenig Profite generieren konnte.

    Eh, Viola ;))

  2. Jochen Mitschka 17. Februar 2026 um 13:16 Uhr - Antworten

    Korybko ist sehr wohlwollend mit Rubio umgegangen: „Letztlich strebt Trump 2.0 an, die westliche Zivilisation umfassend zu reformieren, daraus einen Zivilisationsstaat zu schmieden und dessen geballte, wiederhergestellte Kraft dann einzusetzen, um aufstrebende Rivalen in die Unterordnung zu zwingen – und so die unipolare Vorherrschaft zurückzuholen.“

    Man könnte auch sagen: „Letztlich strebt Trump 2.0 an, mit mehr Erpressung, mehr Bomben, mehr Zwang, notfalls Krieg Länder zu unterwerfen, wie dies einst Karl der Große so erfolgreich betrieb, wobei Völkerrecht und Menschenrechte natürlich nicht mehr zum Tragen kommen, obsolet wurden. Siehe Gaza, siehe Venezuela, siehe Diebstahl von Tankern, siehe Belagerung und Aushungerungsversuch von Kuba, siehe Kriegsdrohungen gegen den Iran.“ …. Könnte man auch sagen.

  3. Hausmann_Alexander 17. Februar 2026 um 12:58 Uhr - Antworten

    Das Problem ist meiner Meinung nach die Doppel-(Mehrfach)Deutigkeit von Begriffen, welche Politiker benutzen.

    Beispiele:
    Taliban
    (Nein zu: Bacha Bazi;
    bezeichnet und bezeichnet einen Prozess, bei dem Männer jugendliche Jungen ausbeuten und versklaven, sie dazu zwingen, sich zu verkleiden, Make-up zu tragen, anzüglich zu tanzen und als Sexsklaven zu fungieren)

    Taliban
    (Ja zu: Bacha Bazi;
    bezeichnet und bezeichnet einen Prozess, bei dem Männer jugendliche Jungen ausbeuten und versklaven, sie dazu zwingen, sich zu verkleiden, Make-up zu tragen, anzüglich zu tanzen und als Sexsklaven zu fungieren)

    Demokratie (Schein-)

    Demokratie (Macht durch das Volk)

    Demokratie
    (in die durch Propaganda Irre geführte Bevölkerung, durch loyale Politiker (und Geheimdienst) wieder zum Ausgangspunkt von 2020 bringen ,mit absolut ehrlichen Informationen)

    Aber was meinen Politiker wenn sie diese Wörter benutzen?

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