
USA führen Wirtschaftskrieg gegen die ganze Welt?
Die US-Wirtschaftspolitik ist klar: Die USA muss „gewinnen“, d.h. eindeutig einen Vorteil haben. Es gibt keine „gemeinsamen Interessen“ oder „Win-Win“-Situationen, sondern „The winner takes it all“. Was nichts anderes als ein Wirtschaftskrieg gegen die ganze Welt ist, wie Vertreter des Multipolarismus erklären.
Die USA wehren sich so vehement gegen die neue multipolare Weltordnung nicht nur aus ideologischen Gründen. Sondern vielmehr aus ganz handfesten wirtschaftlichen Motiven. Denn die multipolare Idee, dass Vereinbarungen immer allen Partnern nur Vorteile verschaffen sollten, liegen US-Strategen so fern wie Vampire das Weihwasser.
Wirtschaftskrieg und Bombenkrieg untrennbare Zwillinge
Eigentlich sind Erpressung mit Finanzwerkzeugen und Angriffe mit Bombern die beiden „diplomatischen Zwillinge“ der USA, wenn Länder schwach sind. Ein Beispiel ist Venezuela. Zuerst schwächen mit Wirtschaftskrieg, dann kurz ein paar hundert Menschen töten durch einen Angriff und den Präsidenten entführen und dann mit Medien und Finanzwerkzeugen in Zusammenhang mit Gewalt, einer Blockade, den Willen durchzusetzen.
Aber selbst die Kombination wird immer wieder als schwächer als erwartet bewiesen. So haben „seriöse westliche Medien“ unter Berufung auf „anonyme Quellen“ behauptet, Venezuela würde Öl an Israel liefern, wohl als Zeichen des Sieges von Donald Trump, aber offizielle Quellen in Venezuela haben das dementiert. Und die von den USA verhängte mittelalterliche Blockade von Kuba wurde eben durch einen mexikanischen Tanker durchbrochen, ebenso wie durch Schiffe mit humanitären Gütern, obwohl Trump allen Ländern einen zusätzlichen Zoll androhte, sollten sie mit Kuba Handel treiben.
USA nützt wirtschaftliche Werkzeuge, um andere Ökonomien zu zerstören
Jeffrey Sachs, der einstige Star der Globalisten, mitverantwortlich für die schrecklichen wirtschaftlichen Folgen der russischen Wirtschaft nach der Auflösung der Sowjetunion, profiliert sich schon seit einiger Zeit als ein Dissident des US-Systems und als ein vom Saulus zum Paulus gewandelter Wissenschaftler. In einem Interview, das der norwegische Professor Glenn Diesen mit ihm führte, erklärt er eindringlich, wie die USA vorgehen.
Er klagt die USA an, zu vernichten, was die Menschen in Ländern mit viel Arbeit und unter großen Entbehrungen aufgebaut haben. Der US-Imperialismus und Kolonialismus unterscheide sich von früheren Imperien, indem die USA in den wenigsten Fällen die Länder direkt verwalten, sondern die Politik durch Marionetten, durch Regime-Changes die Ausbeutung dieser Länder durchführen. Insgesamt wurden 64 verdeckte Regime-Changes alleine während des Kalten Krieges durchgeführt.
Trump scheint derjenige zu sein, der die verdeckte Art des Regime-Change durch offene Übernahme ersetzen will, also zurück ins frühe Kolonialzeitalter der alten Imperien zurückkehren zu wollen. Sachs nennt als Beispiel Kanada und Grönland. Zu Venezuela erklärt er, wie die USA seit Jahrzehnten versuchten mit offenen Militärputsch und dann mit Sanktionen, versuchten die Kontrolle über das Land zu erhalten. Dann erklärt er wie auf Grund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten Aufruhr durch Organisationen der USA gefördert und finanziert wird. Wenn diese entstehen, werden die Sanktionen noch einmal eskaliert. Hinsichtlich Venezuela erklärt Sachs die Geschichte, wie Trump seit 2017 die Wirtschaft Venezuelas systematisch zerstörte. Er erklärt genau, welche Rolle z.B. der Dollar spielt.
Die Waffen im Finanzkrieg
Die Hauptwaffe in diesem Krieg ist nicht die „Atombombe“, sondern der US-Dollar, das „Einfrieren“ von Vermögenswerten sowie die Erpressung mit Zöllen und „Strafen“, sollten Länder nicht den Befehlen aus Washington folgen. Dazu gehören die Institutionen, welche weltweit die Finanzmärkte beherrschen. So hatte der US-Finanzminister Scott Bessent nicht nur öffentlich damit geprahlt, die letzten Unruhen im Iran durch Währungsmanipulationen ausgelöst zu haben, sondern machte auch klar, dass Washington bereit sei, den Iran weiter wirtschaftlich durch die Macht über die Finanzwelt zu strangulieren.
Allerdings trifft diese wirtschaftliche Kriegsmacht, (ähnlich wie die 1.500 Milliarden teure US-Militärmacht in Kriegen wie in Afghanistan und im Jemen) inzwischen immer häufiger an ihre Grenzen.
Nun machten am 11. Februar die Nachrichten die Runde, dass die USA die derzeit fortschrittlichsten in Serie gebauten Flugzeuge der US-Luftwaffe ohne die Radaranlage in der Nase des Flugzeuges ausliefern, und stattdessen Gewichte zum Ausgleich einbauen, weil … China seine Exporte von seltenen Erden eingeschränkt hat. Allerdings wird dies in den USA bestritten, dort heißt es, es hinge nicht (hauptsächlich) an fehlenden seltenen Erden, sondern an Verzögerungen beim neuen Radar-Upgrade. Der Hanteleinbau statt Radar sei eher ein Symptom von Entwicklungschaos als von Rohstoffmangel.
Es wird spannend sein zu sehen, ob die 250 Milliarden staatliche Hilfe für die US-Chipindustrie in der Lage sein werden zu verhindern, dass China die Samsun oder taiwanesische Chip-Industrie überholt, und die USA hinter sich lässt. Das Gesetz ist schon 3 Jahre alt, aber es ist noch nicht zu erkennen, dass die US-Chipindustrie eine Führungsrolle übernehmen könnte.
Der Druck auf China
Derzeit weist China die USA in die Schranken. Hatte jener Finanzminister noch China vor einigen Monaten gedroht, sind seine Aussagen inzwischen drastisch verändert. Und China wird sich ein Grinsen nicht verkneifen können. Da hatte doch der Westen den Yuan als unterbewertet bemängelt. Und China erlaubte ihm auf den höchsten Standt seit Jahren zu steigen. Aber gerade durch diesen Schachzug wurde die Wirtschaftskraft Chinas gestärkt. Warum? Der Export wurde kaum beeinträchtigt, aber der chinesische Mittelstand profitierte, der Binnenmarkt wurde angeregt und im asiatische Raum, erhielten jene einen „Bonus“, welche sich bereits auf den Yuan umgestellt hatten.
Wie das Tandem US-Dollar und japanischer Yen durch China ins Hintertreffen geriet, beschreibt ein Artikel von Tanvi Ratna in Substack.
„Als sich der Yen-Carry-Trade im Januar aufzulösen begann, fühlte es sich nicht wie der Beginn von etwas Neuem an. Es fühlte sich an wie das Ende einer alten Ära, einer Zeit, in der Japans Bilanz die globalen Märkte stillschweigend stabilisierte und die Volatilität nicht durch Optimismus, sondern durch ein implizites Versprechen gedämpft wurde. Sollte es brenzlig werden, würde Tokio da sein, die Laufzeiten absorbieren, die Renditen niedrig halten und damit indirekt ein globales System absichern, das auf billigen Krediten und reichlich Liquidität beruhte.
Das war die Entwicklung, die wir verfolgt haben. Japan als Scharnier. Wenn das Scharnier bricht, schwingt die ganze Tür.
Doch Kapitalkriege finden nie nur an einer Front statt. Während die Märkte gebannt auf Japans Renditeschwankungen und den plötzlichen Wertverlust des Dollars reagierten, tat China etwas, das auf den ersten Blick fast pervers erscheint. China setzte verstärkt auf genau das Modell – Produktion und Export –, dessen Überholtheit westliche Analysten seit Jahren prophezeien. Gleichzeitig litt das Land unter Zöllen, geopolitischer Zersplitterung und einem Immobiliensektor, der sich zu einem nationalen Problem entwickelt hatte.
Dann kamen die Zahlen, und das negative westliche Narrativ brach zusammen.
China schloss das Jahr 2025 mit einem Rekord-Handelsüberschuss von rund 1,2 Billionen US-Dollar ab – dem höchsten jemals verzeichneten Wert, trotz des Zollschocks und der ständigen Debatte um die ‚Entkopplung‘. Und obwohl die Binnennachfrage weiterhin schwach blieb, verzeichnete China im vierten Quartal dennoch ein BIP-Wachstum von 4,5 % im Vergleich zum Vorjahr – genug, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Die Exporte trugen maßgeblich dazu bei. Mit anderen Worten:
Gerade als die Welt dachte, China würde sich zurückziehen müssen, fand Peking einen Weg, die Krise in einen Vorteil zu verwandeln. Daraus ergibt sich die Frage: Warum hat China trotz der schwierigen Lage so stark auf Exporte gesetzt? Liegt der Grund ausschließlich in wirtschaftlichen Faktoren oder auch in der Verbreitung des Yuan in allen außerwestlichen Handelskorridoren?
Wenn man aus diesem Artikel über China nur eine Sache mitnehmen kann, dann die: Während wir uns auf den Dollar konzentrierten, macht Peking es im Stillen immer schwieriger, dem Yuan zu entgehen, ohne die Welt dazu aufzufordern, daran zu glauben.“
Interessenten mögen sich registrieren, um den ganzen Artikel zu lesen, der etwas darüber verrät, wie China alle Krisen immer wieder zu einem positivem Ausgang führt, und am Ende sogar noch mit einem Vorteil daraus hervorgeht. Egal welche wirtschaftlichen Kanonen das Imperium versucht gegen China einzusetzen.
Schlussfolgerung
Vielleicht wird der nächste große Krieg ja doch ohne Bomben und ohne Millionen Opfer im Bombenhagel entschieden werden.
Das ist natürlich kein Wirtschaftskrieg, sondern ein Rettungsversuch. Trump baut die Wirtschaft der USA nach dem Vorbild Alexander Hamiltons um, wobei das natürlich nicht 1:1 zu verstehen ist. Er holt nicht nur die GIs heim (was man ungern sieht, besonders in Estland, das dann weniger kläffen kann), sondern auch die Produktion. Sie war ja outgesourced. Besonders China galt als die Werkbank der Amis („der Welt“). Dorthin floss das Kapital der Amis und auch das Know How. Es war durch seine geringen Standards das Traumland der Kapitalisten, auch besonders, was die Medizin betrifft, und daher hat sich auch die Gäts-WHO dort niedergelassen. Doch sind die einstigen Billigarbeiter dabei, die Entwicklungen selbst voranzutreiben, sodass die Amis ins Hintertreffen geraten…in der Chiptechnologie, der KI, des Roboterbaus, der Rüstung usw.
Trump möchte nur Amerika wieder great machen. Dass er damit anderen schadet, geschieht zwangsläufig. Es geht ums Überleben, das sieht MO ganz richtig. Und ich dachte, es ist so simple, was der Mann will, aber anscheinend immer noch zu komplex für manche, deren Gerechtigkeitssinn wohl etwas eiert…
Der Autor umschreibt es selbst in seinen ersten Zeilen, zumindest indirekt (und auch unbewusst?):
Das ist kein Wirtschaftskrieg sondern das „Wasserschlagen“ eines Ertrinkenden. Die „Förderungen“ für die eigene Wirtschaft – bzw einzelner Teile davon – sind kein „Wirtschaftsimpuls“ sondern Löcher-stopfen.
Das erkennt man daran, dass die USA längst nicht mehr regieren, sondern nur noch reAgieren können. Diese „Förderungen“ für die US-Chipindustrie kommen schlicht daher, dass China in den letzten Monaten deutlich gemacht hat, was in den USA passiert, wenn China auf diesem Sektor nicht mehr mitspielt und seinerseits „Sanktionen“ oder „Zölle“ ausruft.
Diese „Investitionen“ sind lediglich Ausdruck dafür, dass man bereits erkannt hat, dass man am A… ist.
PS: „Jeffrey Sachs, der einstige Star der Globalisten, mitverantwortlich für die schrecklichen wirtschaftlichen Folgen der russischen Wirtschaft nach der Auflösung der Sowjetunion, profiliert sich schon seit einiger Zeit als ein Dissident des US-Systems und als ein vom Saulus zum Paulus gewandelter Wissenschaftler.“
Halte ich für Blödsinn. Als wäre er der einzige Berater gewesen – und natürlich für alle Themenbereiche. Er wurde auch von keinen Globalisten entsendet, sondern als bekannter Wirtschaftsprofessor von diversen Ländern angefragt.
Würden ihn Länder wie Russland als Teil der Zersetzungsversuche durch den Westen wahrnehmen, dann wäre er wohl kaum der gern gesehene Gast in diesen Ländern, der er bis heute ist.
Will ihn nicht heilig sprechen, aber ich würde dann doch eher an anderen Orten nach den Verrätern suchen.
Wer mehr über den auch von mir geschätzten Prof. Jeffrey Sachs, den ich wegen seines Mutes bewundere, erfahren will, den empfehle ich die Geschichte des Saulus, wie sie von Aya Velázquez erzählt wird: https://www.velazquez.press/p/the-fabulous-world-of-dr-sachs
Wie gesagt, ich halte Menschen, welche sich von Unterstützern eines falschen Systems zu dessen Kritiker verwandeln sogar noch für mutiger und glaubwürdiger als Kritiker, die quasi schon als Kritiker geboren wurden.
Diese Bewunderung hätte ich Ihren Formulierungen nach nicht erkannt. Der „Star der Globalisten“ klingt für mich negativ.
Vermutlich bin ich subjektiv vorbelastet, aber ein Schulfreund von mir ist J.S. zum verwechseln ähnlich. Er ist Banker und hat Jahre lang in hohen Positionen über etliche Milliarden der Deutschen Bank „verfügt“, das Minimum seiner Auftragsfelder waren Kontinente – ohne jemals den Wert von 100 Euro zu vergessen, ohne jemals von einem tollen Auto zu träumen etc. Dieser Mensch hat sich seit der Schule nicht verändert – nur gewachsen. Er hat sich aus fachlichem Interesse in diese Höhle der Löwen begeben und, um es besser zu machen und sich tatsächlich nie korrumpieren lassen (bis man ihn durch einen Willigen ersetzte).
Hat dieser Mensch nun dem System geholfen? War er Mitläufer? Zugegeben, die Grenzen sind hier fließend. Aber dank meines Freundes glaube ich an solche Menschen. Es gibt auch solche, die von Anfang an das Richtige sagen und tun (wollen), aber von den Richtigen überhört werden und von den Falschen befohlen. J.S. wirkt auf mich wie so jemand. Der musste sich nicht wandeln. Der kann das heute nur einfacher aussprechen, weil er keine Existenz mehr damit aufs Spiel setzt. Und hätte er das alles von Beginn an so offen verkündet, dann wäre er nie in die Position gelassen worden, um überhaupt etwas berichten zu können. Ihm wird es wie allen klugen und anständigen Beratern gegangen sein: man prallt dabei auf zu viele Menschen, die tatsächlich so dumm sind wie Gewerkschafter sprichwörtlich übergewichtig; und wie solche Menschen mit klugen, bescheidenen Experten verfahren, kann man jeden Psychologen fragen….(oder meinen Freund, als er zB noch den Verbund auf die „Strommarktliberalisierung“ vorbereiten sollte und gestöhnt hat, weil die bis zum Schluss nicht begreifen konnten, dass die Kraftwerke, die Leitungen, Transformatoren etc. nicht mehr „ihre eigenen“ sind und auch nicht die von Kollegen, mit denen man sich abspricht….;))
Aber so sind wir uns zumindest im Respekt für J.S. einig. Ich kann ihm nicht genug danken.