Zeitenwechsel: Iran und Türkei kooperieren in Verteidigung

28. Dezember 2025von 5,1 Minuten Lesezeit

Israel beklagt sich über türkische Radareinrichtungen in Syrien und die Türkei besuchen den Iran und vereinbaren enge Sicherheitskooperation.

Vor dem Regimewechseln in Syrien, also bis Ende 2024, hatte die Türkei die Terrorgruppen unterstützt, welche die dortige Regierung letztlich stürzten, während der Iran der Regierung in ihrem Kampf gegen den IS und andere Terrorgruppen maßgeblich half. Als die syrische Regierung unter den Sanktionen und von der Türkei (mit Hilfe der Ukraine und der CIA) organisierten Vormarsch der Terrorgruppe implodierte und der Präsident versuchte, einen möglichst unblutigen Übergang der Macht zu ermöglichen, zogen sich iranische Kräfte aus Syrien zurück.

Der Zeitenwechsel

Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis die Türkei begriffen hatte, dass die wahre Gefahr für die Türkei nicht von dem Iran ausging, sondern im Gegenteil, dass der Iran ein potentieller Verbündeter, war, insbesondere, was zukünftige Handelswege aus dem Osten in Richtung Europa betraf. Und als Energielieferant ein bevorzugter Partner der Türkei, einem Land, das sich versuchte, als Energieverteilungs-Knotenpunkt unentbehrlich zu machen. Und es kam, was kommen musste.

Mehr als Annäherung

Es gab ein hochrangiges Treffen zwischen Vertretern der Türkei und des Iran. Es handelte sich um einen Besuch des türkischen stellvertretenden Verteidigungsministers und Sicherheitsdirektors, General İlky Altındağ, in Teheran am 24. Dezember 2025, auf Einladung des iranischen Brigadegenerals Seyed Majid Mirahmadi, stellvertretender Leiter für Geheimdienste und Sicherheit beim Generalstab der iranischen Streitkräfte. Und es zeichnet sich eine neue Freundschaft ab. Altındağ betonte, dass die Sicherheit des Irans ein untrennbarer Teil der türkischen Sicherheit sei und sie den Iran als ihr eigenes Zuhause betrachteten. Mirahmadi hob hervor, dass die Sicherheit und Stabilität der Türkei für den Iran von vitaler Bedeutung sei, und bedankte sich bei Ankara für die Ablehnung israelischer Aggressionen. Die Diskussionen umfassten regionale Entwicklungen, Grenzfragen (vermutlich auch die Frage der Kurden), gemeinsame Bedrohungen, militärische Kooperation, Übungen und Delegationsaustausch.

Sowohl die Türkei als auch der Iran sind uralte Zivilisationen, welche vom Westen vollkommen unterbewertet werden. Und sie scheinen sich darüber einig zu sein, wer der Faktor in der Region ist, welcher Unsicherheit, Krieg und Destabilität verbreitet, nämlich Israel.

Erdogans Reisepläne

Aber der Besuch und die gegenteiligen Versicherungen waren nur die Spitze des Eisbergs. Aktuellen Berichten zufolge ist ein Besuch von Präsident Recep Tayyip Erdoğan in Teheran geplant. Die genauen Daten werden in Quellen als „nächste Woche“ oder „in den kommenden Wochen“ beschrieben, was auf Anfang Januar 2026 hindeutet. Der Trip befindet sich in den finalen Koordinationsphasen, und türkische Offizielle haben den Besuch bestätigt. Erdoğan soll mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian und möglicherweise mit dem Obersten Führer Imam Khamenei treffen. Die Hauptthemen der Gespräche drehen sich wieder um regionale Sicherheitsfragen, insbesondere zu Syrien.

Erdoğan plane, den Iran zu überzeugen, diplomatische Beziehungen zur neuen syrischen Regierung (unter Führung von al-Jolani) aufzunehmen. Im Austausch würde die Türkei Radarsysteme in syrischem Gebiet installieren, um Iran frühzeitig vor israelischen Angriffen zu warnen – ähnliche Systeme existierten zuvor, wurden aber von Israel zerstört. Und diese System werden bereits installiert.

Was bedeuten die Radarsysteme?

Im letzten Krieg hatte Israel zunächst alle Radaranlagen in Syrien zerstört, und war dann Angriffe über Syrien und den Luftraum des Iraks, der durch die USA maßgeblich kontrolliert wird, ausgeführt. Der Grund dafür war, dass die Nachbarländer Israels einen Angriff Israels über ihr Hoheitsgebiet ausdrücklich untersagt hatten, aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen des Iran. Sie hatten war andererseits geholfen, die Drohnen und Raketen des Iran, die in Richtung Israel flogen, zu eliminieren, aber das war in der gleichen Logik, des Verbots, den eigenen Luftraum für militärische Zwecke zu benutzen.

Warum jetzt die Eile?

Ein Grund, so meinen Beobachter, für die plötzliche Eile, sei die Reaktion auf die kürzlichen strategischen Kooperationsabkommen Israels mit Griechenland und Zypern, die die Türkei als Bedrohung sieht. Dies führt nun offensichtlich zu einer engeren türkisch-iranischen Annäherung gegen vermutete regionale Gegner. (Israel erklärt natürlich, die Kooperationsabkommen seien nur notwendig, um die Türkei einzudämmen.) Weitere Punkt die angeblich besprochen werden sollen sind die türkische Unterstützung für Aserbaidschan (das in israelischen Angriffen auf Iran involviert war) und allgemeine militärische Kooperation, einschließlich Grenzsicherheit und Stabilität in der Region.

Israels Reaktion

Die Nachrichten sind noch sehr frisch. Die Situation entwickelt sich noch. Der israelische Ministerpräsident Netanyahu warnte nicht nur den Iran vor einer „sehr harten Reaktion“ auf mögliche Angriffe, sondern bezog dies auch auf die Türkei, indem er vor erneuten imperialen Bestrebungen warnte. Israelische Quellen äußern Bedenken über die türkische Militärpräsenz in Syrien, den Einfluss auf Gaza und die potenzielle Koordination mit Iran gegen „israelische Interessen„. Kritiker sagen, mit dem Bündnis seien die Pläne Israels, in Richtung Großisrael zu expandieren in Gefahr. Trotz der Gefahr für die „interessen Israels“ wird das Eskalationsrisiko als gering gesehen.

Kommentar

Israelische Analysten sehen jedoch die Türkei zunehmend als Bedrohung, vergleichbar mit dem Iran, in dem Sinn „same, same but different“. Es gibt Berichte über US-Geheimdienste, die Israel vor iranischen Übungen warnten, was indirekt mit der türkischen Annäherung verknüpft wird. Die Türkei reagierte scharf auf Netanyahus Aussagen und warf Israel Hysterie vor. Es wird vermutet, dass Netanjahu im Hintergrund Druck auf den US-Präsidenten ausübt, seinen Einfluss über die Wirtschaft der Türkei einzusetzen, um die Radaranlagen abzuziehen oder zu verhindern, aber ohne Gefahr eines Krieges zwischen der Türkei, einem NATO-Land und Israel.


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



6 Kommentare

  1. Daisy 29. Dezember 2025 um 6:11 Uhr - Antworten

    Isr. beklagt also die „imperialen Bestrebungen“ der Türkei. Wie witzig. WER da wohl…nicht wahr? Die türk. Regierung tanzt auf vielen Hochzeiten. Das Hauptproblem „da unten“ ist gewiss die Uneinigkeit der von I.s Gebietsgelüsten betroffenen Staaten. Die Türkei ist an sich westlich orientiert. Sie ist durch seine geopolitische Lage ein extrem wichtiges NATO-Mitglied, das daher gewiss massiv subventioniert und hochgerüstet wurde und wird. D.h.: trauen kann man Erdowahn wohl nicht. Doch hat er zumind. verbal die Verbrxchen am palästin. Volk immer wieder scharf verurteilt. Gut wärs ja, wenn sich da mal ein ernstzunehmender Abwehrblock bildete, denn die Türkei ist auch USrael eine Nummer zu groß…

  2. Jan 29. Dezember 2025 um 1:18 Uhr - Antworten

    Die große Ungewählte sprüht Geifer und Dreiwettertaft. Wir brauchen Krieg, krächst sie.

    • Varus 29. Dezember 2025 um 2:23 Uhr - Antworten

      Böses Medium gestern: „Irans Präsident: Wir sind im „totalen Krieg“ mit dem Westen“ – ein anderer Artikel berichtete, dass Von Der in einer Rede bei den Zionisten den Talmud lobte. Nicht die Tora, welche sich die Religionen teilen. Angeblich soll es dort antichristliche Aussagen geben.

    • Daisy 29. Dezember 2025 um 5:55 Uhr - Antworten

      Mich würde nicht wundern, wenn sich diese Blase regelmäßig zu s@tanistischen Ritualen mit allem Pipapo träfe. Nicht, dass ich an sowas glaube, aber die gewiss…

  3. Varus 28. Dezember 2025 um 21:40 Uhr - Antworten

    Kritiker sagen, mit dem Bündnis seien die Pläne Israels, in Richtung Großisrael zu expandieren in Gefahr.

    Hoffentlich wird nichts aus diesen Plänen – selbst wenn vor 4000 Jahren die Propheten Gierschlund und Raffke den Zionisten halb Nahost versprochen haben mögen.

  4. triple-delta 28. Dezember 2025 um 16:06 Uhr - Antworten

    Das hätte Erdogan mit Assad alles einfacher und billiger haben können.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Aktuelle Beiträge