Kehrtwende bei Firefox Browser: „Kill Switch“ zum Deaktivieren aller KI-Funktionen

28. Dezember 2025von 4,1 Minuten Lesezeit

Die Entwickler von Apps, Browsern, Betriebssystemen und anderer Software glauben offenbar, dass alle Benutzer sehnsüchtig auf KI und noch mehr KI gewartet haben. Dem ist aber nicht so, die Gegenreaktion gegen KI, die fast jeden Aspekt der Computerwelt durchdringt, wächst von Tag zu Tag.

Kürzlich hatte eine Umfrage von Pew Research gezeigt, dass Benutzer zwar eine Rolle für KI sehen, aber selbst die Kontrolle über die Verwendung behalten wollen. Insbesondere angesichts einer Flut von unbrauchbaren KI-Produkten, die die Nachrichtenfeeds überschwemmen, beginnt sich die Technologie wie eine massive Ablenkung anzufühlen – und große Teile des Internets sind desillusioniert oder sogar wütend.

Beispielsweise weigerte sich eine große Anzahl von Windows-Nutzern, ein Upgrade durchzuführen, nachdem Microsoft angekündigt hatte, das Betriebssystem in ein sogenanntes „agentes“ Betriebssystem umzuwandeln.

Selbst bekannte Namen in der Open-Source-Branche sind nicht sicher. Nach seiner Ernennung zum neuen CEO des Open-Source-Softwareunternehmens Mozilla, dessen Firefox-Browser seit langem als überzeugende Alternative zu Googles Chrome und Apples Safari gepriesen wird, kündigte Anthony Enzor-DeMeo an, dass man den Einsatz von KI verdreifachen werde.

In einem Blogbeitrag vom 16. Dezember kündigte Enzor-DeMeo an, dass Firefox zu einem „modernen KI-Browser werden und eine Reihe neuer und vertrauenswürdiger Software-Ergänzungen unterstützen” werde.

Doch eine heftige Gegenreaktion zwang das Unternehmen schnell dazu, Schadensbegrenzung zu betreiben.

„Ich habe noch nie ein Unternehmen gesehen, das so erstaunlich wenig Kontakt zu den Menschen hat, die seine Software nutzen wollen”, twitterte ein enttäuschter Nutzer als Reaktion auf die Nachricht.

„Ich bin Ende letzten Jahres zu Firefox zurückgekehrt, WEIL es der letzte KI-freie Browser war“, beklagte sich ein anderer. „Ich hätte es wissen müssen.“

„Bitte machen Sie Firefox nicht zu einem KI-Browser“, flehte ein weiterer. „Das ist ein guter Weg, uns zu Alternativen zu drängen.“

Die Empörung war so groß, dass Mozilla die Äußerungen des neuen CEO des Unternehmens klarstellen musste.

„Etwas, das noch nicht klargestellt wurde: Firefox wird eine Option haben, um alle KI-Funktionen vollständig zu deaktivieren“, schrieb das Unternehmen in einem Update auf Mastodon. „Intern nennen wir das den KI-Kill-Switch. Ich bin mir sicher, dass er unter einem weniger mörderischen Namen ausgeliefert wird, aber so ernst und absolut nehmen wir das.“

Ein offener Brief, der im Firefox-Subreddit veröffentlicht wurde, kritisierte die neue Ausrichtung von Enzor-DeMeo.

„Ironischerweise wurde in einem Beitrag, in dem diese neue Ausrichtung angekündigt und ‚Handlungsfreiheit und Wahlmöglichkeiten‘ hervorgehoben wurden, kaum auf Nutzerbeiträge oder Feedback eingegangen“, heißt es in dem Brief. „Dies verdeutlicht eine Diskrepanz, die viele von uns täglich erleben: Mozilla hat Schwierigkeiten, grundlegende Funktionen zu implementieren und zu unterstützen, und oft versäumt es das Unternehmen sogar, ernsthaftes Nutzer-Feedback anzuerkennen.“

„Firefox muss nicht zu Google oder Microsoft werden, um sowohl nach geschäftlichen als auch nach Nutzerstandards erfolgreich zu sein“, heißt es in dem Brief weiter. „Es ist gerade deshalb so beliebt, weil es das nicht ist. Ich hoffe, dass diese Besonderheit nicht verloren geht, wenn Mozilla als Teil eines ‚breiteren Ökosystems vertrauenswürdiger Software‘ in sein ‚nächstes Kapitel‘ eintritt.“

In einem offensichtlichen Versuch, die treuesten Fans des Unternehmens zu beruhigen, äußerte sich Enzor-DeMeo in den Kommentaren.

„Seien Sie versichert, dass Firefox immer ein Browser bleiben wird, der auf der Kontrolle durch den Nutzer basiert“, schrieb er. „Das gilt auch für KI. Sie werden eine klare Möglichkeit haben, KI-Funktionen zu deaktivieren. Ein echter Kill-Switch wird im ersten Quartal 2026 eingeführt.“

Seine Versuche, die Situation zu beruhigen, schürten jedoch die Flammen noch weiter.

„Wenn ein ‚Kill-Switch‘ die offizielle Kontrollfunktion dafür ist, dann muss das gesamte Unternehmen aufhören, Ihre KI-Funktionen als ‚Opt-in‘ zu bezeichnen“, antwortete ein Nutzer. „Dies ist eindeutig ein Opt-out.“

„Wenn Mozilla sich nicht auf diese grundlegende Definition einigen kann, sehe ich nicht, wie die Nutzer darauf vertrauen sollen, dass es tatsächlich funktioniert“, fügte der Nutzer hinzu.

Die Frequenz, mit der neue Versionen von Software auf Computer und Smartphones eingespielt wird, hat in den letzten Jahren ohnehin unangenehme Ausmaße angenommen. Wenn alle zwei Tage neue Funktionen auftauchen und die Bedienung geändert wird, geht der Nutzen davon gegen Null, der Ärger darüber steigt exponentiell.

Die Entwickler vergessen offenbar, dass die Benutzer ihrer Programme damit anderes tun wollen als sich mit Änderungen zu befassen und eine neue Bedienung zu erlernen.

Besonders unangenehm sind neue Funktionen, die implizit ausgelöst werden, wie etwa durch eine Wischbewegung oder eine Bewegung mit der Maus. Beim Opera Browser etwa „klebt“ durch eine Neuerung plötzlich ein Tab an der Maus fest, wenn man auf eine bestimmte, aber undefinierte Art darüber fährt, und legt die Seite dann in einem anderen Tab ab. Jeder Computer- oder Smartphone-Nutzer kennt wohl  mehr als genug solcher Beispiele.


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8 Kommentare

  1. hossa 29. Dezember 2025 um 4:20 Uhr - Antworten

    Ich habe das autoupdate von firefox schon vor lägerer Zeit mit einem reg hack deaktiviert. gibt es bei chip.de

  2. EarlGrey 28. Dezember 2025 um 22:09 Uhr - Antworten

    Dafür gibt es schon eine Lösung bzw. bessere Herangehensweise ohne KI – siehe Artikel:
    „WATERFOX entscheidet sich gegen KI“ :
    https://linuxnews.de/waterfox-entscheidet-sich-gegen-ki/

  3. Stunning Greenhorn 28. Dezember 2025 um 16:50 Uhr - Antworten

    Die Botschaft ist mir sympathisch. Aber soweit es mich anbetrifft (mit einen Vierteljahrhundert Erfahrung in der Softwareentwicklung sowie der Systemadministration) so halte ich das Vertrauen in die Möglichkeit, hier etwas abschalten oder gar im Griff haben zu können, für einen groben Denkfehler. Wir wissen ebenso wenig, welche Funktionen ein tägliches Softwareupdate verändert, wie wir wissen, welche Inhaltstoffe und Nebenwirkungen bei einer bestimmten Charge der verfluchten Impfung bekannt oder gar beabsichtigt waren. Natürlich können wir irgend etwas anklicken oder eintragen. Aber was es bewirkt, weiß vielleicht nicht einmal der Himmel. Mir graut angesichts der Vorstellung, dass man im Rahmen der kognitiven Kriegsführung unseren Vertrauensbegriff derart aufweichen oder dass Ethiker einen neuen Begriff von Vertrauen entwickeln und in der Gesellschaft installieren könnten, dass herkömmliche Vernunft und bewährtes logisches Denken unbemerkt nicht mehr zur Verfügung stehen und wir nicht mehr in der Lage sind, im traditionellen Sinne Vertrauenswürdiges von Nichtvertrauenswürdigem zu unterscheiden. In einem derartigen intellektuellen und emotionalen Klima wären wir einem passend konfigurierten Vorhaben der Psychopropaganda wehrlos ausgeliefert. Wenn Sie das nächste Mal Ihr Haus oder Ihre Wohnung verlassen, halten Sie an Nachbars Gartentür kurz inne und vergegenwärtigen Sie sich, dass Sie nicht wissen können, was in Nachbars Haus gerade vor sich geht. Mit der Software auf ihrem PC, Notebook oder Smartphone ist es ebenso, unabhängig vom Betriebssystem, übrigens. Lassen Sie sich nichts anderes einreden!

    • no-op 29. Dezember 2025 um 16:34 Uhr - Antworten

      Grundsätzlich gebe ich Ihnen Recht.

      Aber man muss auch über Lösungen nachdenken und Ansätze suchen, das Ganze teilweise zu verbessern. Und Firefox geht (oder ging) als Open-Source-Software grundsätzlich in die richtige Richtung: natürlich kann man da nicht alles individuell nachprüfen, aber eben doch kollektiv einen Einblick haben.

      Ähnlich ist es mit vielen Kleinkram-Verbesserungsversuchen wie etwa alternative Medien, Bio-Ernährung, Strategien zur Selbstbestimmung etc. Oder auch Kommentare in einem Blog machen ;-)
      Nichts davon ist ideal, aber alle Mal besser, als sich komplett einer passiven Hoffnunglosigkeit hinzugeben.

      • Stunning Greenhorn 30. Dezember 2025 um 13:06 Uhr

        Ich verstehe, was Sie meinen, bekräftige aber meine Mahnung zum gesunden Menschenverstand. Das Problem besteht darin, unseren Begriff von Vertrauen aufzulösen. Wir wissen nicht, ob Firefox eine bestimmte Eigenschaft hat oder nicht. Mehr ist nicht zu sagen. Aus welchem vernünftigen Grund sollte man dieser Aussage vertrauen, jener aber nicht? Im herrschenden intellektuellen und emotionalen Klima sind Eigenschaften von Software eine bekannte Unbekannte, mit einem wesentlichen Nachteil allerdings: hier ist mit informierten Hypothesen und wohlbegründeten Vermutungen nichts auszurichten.

        Noch eine Mahnung: Wir leben in einer von freudianisch-esoterischer Psychotherapie vernebelten Gesellschaft. Die Wahrheit und Wirklichkeit werden in diesem fundamentalistischem Dogmensystem von einer lächelnden Autorität durch hinterlistig erfundene Ersatzwahrheit und Ersatzwirklichkeit ausgetauscht. Die so konditionierte Gesellschaft unterstützt den vergeblichen Versuch des ohnehin geschundenen Klienten, seiner wirklichen Not zu entkommen, durch Mitmachpropanda, nachdem der Debattenraum seit Jahrzehnten von Einwänden reingehalten wird. Platon hat das Offensichtliche in klaren Worten zusammengefasst: Die Mehrheit kann irren.

  4. local.man 28. Dezember 2025 um 16:05 Uhr - Antworten

    So wie mit den Browsern verfahren wird, nämlich den technologischen Fortschritt optional als persönliche Hilfe und Werkzeug zu gebrauchen, so muss es im Grunde sogut wie überall sein.
    Keine Zwangs eID, kein eGeld, keine ePA, kein alles nur noch digital und du musst ein Handy haben sonst bist du raus, ob Beruf oder Privat, Amt oder Bank.
    Die Technik ist nur dann für unsere Zukunft sinnvoll, wenn sie unsere Leben bereichert, sie nicht unterwirft.
    Nach diesem Muster verfahre ich übrigens schon immer. Oftmals genau so lang, bis man mich zwingt, was ich idR. ablehne. Z.B. nutze noch immer mTan, mit meinem Uralt-Handy, sonst ist es aus. Irgendwann wurde das sogut wie beerdigt und dann kam TAN Generatoren. Aber mir hat auch eine Papier TAN Liste ausgereicht. Ok Papierverbrauch.. Die alte mobil TAN war aber völlig ok und auch nichts groß anderes als eine 2WA(Two Way Authentification).

    Wir bekommen aber diese Technik dann aufgezwungen und zwar genau so, dass am Ende die Kontrolle an Dritte übertragen wird und wir keine Option mehr haben nein zu sagen und dazu noch überwachbar werden. Inaktzeptabel!

    Ich nutze seit puh.. Also fast mit Erscheinen von Firefox nur diesen Browser durchweg. Ich wusste also gar nicht, wie schlimm es mit KI schon beim Rest ist. Klingt sehr ungemütlich.
    Auch wenn ich KI Unterstützung auf der einen Seite als sehr gut ansehe, z.B. Übersetzung automatisch, solange sie auch erstklassig ist, oder hilf mit dabei etwas zu schreiben, MODs zu erstellen etc., so bin ich wie immer nur soweit bereit das zu akzeptieren, solange es für mich nur ein Werkzeug ohne Nachteile bleibt.
    Ein Hammer ist ein Hammer, ein Rasenmäher ein Rasenmäher. Eine KI macht hier keine Ausnahme und sollte nicht plötzlich mir meine Daten stehlen, mein Leben fremdbestimmen, oder mir meine Freiheiten berauben. Wenn mein Leben durch die Nutzung einer Spühlmaschine ins negative abrutscht, dann nutze ich sie nicht mehr, warum auch?
    So verhält es sich natürlich bei allen Sachen, inkl. KI, Roboter und sonstigen Fortschritt.

    Den Herrschenden ist das natürlich nicht genehm, da hier die Freiheit verborgen drin liegt. Sie mögen Kontrolle und das bis auf den Toilettengang.
    Das wird nicht aufgehen, maximal mal wieder mit Zwang und Leid, was ja offenbar als Plan B für den Great Reset über Krieg mitlerweile vorbereitet wird.

  5. Pet van de Werft 28. Dezember 2025 um 13:44 Uhr - Antworten

    Wen es interessiert… KI Abschalten bei Firefox / Librewolf / Mullvad und Konsorten:
    in Adresszeile about:config eintippen und mit Enter bestätigen
    in der Eingabemaske folgende Parameter mit dem Umschalt-Schalter (ganz rechts, der mit den Pfeilen) auf false setzen (wird automatisch gespeichert):
    browser.ml.enable
    browser.ml.chat.enabled
    browser.ml.linkPreview.enabled
    extensions.ml.enabled
    browser.tabs.groups.smart.enabled
    browser.tabs.groups.smart.userEnabled
    Quelle: url Angabe bei tpt evtl nicht erlaubt…

  6. Sabine Schoenfelder 28. Dezember 2025 um 11:45 Uhr - Antworten

    Gute Nachrichten. Ein HILFSMITTEL muß für jeden Nutzer freiwillig, z u s ä t z l i c h zur Verfügung stehen und darf keinesfalls übergriffig in die Systeme ungefragt verankert werden. 👉 Denn dann ist es ein Manipulationsmodul.
    Schlimm genug, daß die Menschen durch ihre Bequemlichkeit zunehmend die eigenen Fähigkeiten freiwillig opfern….
    So viele fremdgesteuerte Algorithmen beherrschen uns bereits. Wir schaffen uns selbst ab. Eines unserer größten menschlichen Talente.
    Der Faule ist immer auch ein wenig dumm.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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