Wofür die EU-Kommission die digitale ID wirklich will

27. Oktober 2025von 3,3 Minuten Lesezeit

Für EU-Bürger zieht sich die Schlinge schleichend, aber sicher, immer mehr zu: Digitale ID für alle. Die EU-Kommission präsentiert Pilotprojekte, die zeigen, wie der EU-Bürger damit umfassend überwacht werden kann.

Die „digitale Brieftasche“ der EU – gemeint ist ein App-Programm am Smartphone – soll bis 2030 auf den Handys aller Bürger sein. Das ist der Plan, und dieser wird konsequent fortgesetzt. UK macht die digitale ID überhaupt gleich verpflichtend, und die EU arbeitet mit Druck und sanftem Zwang daran. Pilotprojekte zur Nutzung zeigen die mannigfaltige Nutzbarkeit, die angeblich das Leben der Bürger „bequemer“ machen soll.

Der deutsche Journalist Norbert Häring berichtet über die Präsentation der Kommission von der Europäischen Digitialen Indentitätsbrieftasche (EDIW). Im Internet zeigt man Pilotprojekte, die weit über einfache „Bequemlichkeit“ (so wirbt Österreich für die ID Austria) hinausgeht:

„Der Plan ist, dass Bewegungsprofile, die gesamte Kommunikation und die Finanzen der Europäer über eine eindeutige digitale Identität automatisiert zusammengeführt werden können. Der Totalüberwachung wird Tür und Tor geöffnet“, resümiert Häring.

Die Projekte betreffen die Mobilität, die Finanzen und soziale Angebote. Letztlich wird jeder Lebensbereich in das digitale System integriert werden. Ein zentralisiertes Kontrollsystem wird damit hochgezogen, aus dem es nur noch schwer ein Entrinnen geben kann.

Häring schreibt: „Es ist absehbar, dass man sich vielen der Anwendungsfälle schon bald nicht mehr entziehen kann, auch wenn die Nutzung der EDIW formal freiwillig ist.“

Österreich bietet sich hier optimal als Beispiel an, da man mit der ID Austria weiter ist als die meisten west- oder mitteleuropäischen Länder. Während auf oberste Ebene der Behörden daran gearbeitet wird, jegliche Interaktionen zwischen Staat und Bürger nur noch digital bereit zu stellen, ist man als Bürger bereits mit vielen „Anwendungsfällen“ konfrontiert.

Finanzonline (die Plattform, um Steuererklärungen selbstständig abzufassen)  verlangt seit wenigen Wochen eine Zwei-Faktor-Authentifizierung, nachdem das Portal jahrzehntelang ohne diesem Anmeldeschritt gelaufen ist. Als „einfachster“ Weg wird die ID Austria angeboten, noch erlaubt man andere Wege. Es ist aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis diese gestrichen werden und man ID Austria benötigt.

Ein anderes aktuelles Beispiel: Das österreichische Arbeitsmarktservice stellt sich Mitte November online neue auf. Aus dem eAMS wird „MeinAMS“, was die ID Austria mit dem Onlineportal verknüpft. Noch gibt es einen zweiten Weg über eine Emailadresse. Das dauert aber „mehrere Tage“, während der Weg via ID Austria „nur wenige Minuten in Anspruch nimmt“, wie das AMS sehr deutlich für einen Weg wirbt.

Aber nicht nur bei Behörden ist Österreich flott: Auch private Banken und Versicherungen integrieren bereits ID Austria, das später in das EU-Programm digitalen ID aufgehen soll und wird. Im April gab die Allianz Versicherung die Integration der ID bekannt – TKP hat berichtet. Und das war nur der Anfang. Seither sind mehrere private Finanzunternehmen nachgezogen, erst letzte Woche meldete Wüstenrot die Integration von ID Austria in den Abschluss von Bank- und Bausparprodukten“.

Bisher gilt in all diesen Fällen die Nutzung als „zusätzlicher Service“, doch bis 2030 ist noch einiges an Zeit. Formal bleibt die ID dabei „freiwillig“. Wer sie aber nicht will, verzichtet „freiwillig“ auf AMS, selbständige Steuererklärungen, Bankkredite und Versicherungen.

Aktuell meldet die Kommission sechs „groß angelegte Pilotprojekte,  die die digitale EU-Identitätsbrieftasche vor ihrer Einführung in den Mitgliedstaaten testen. Derzeit laufen zwei groß angelegte Pilotprojekte, vier weitere sind bereits abgeschlossen. Dabei werden bereits „elf Anwendungsfälle für den täglichen Gebrauch der digitalen EU-Identitätsbrieftasche getestet“. Insgesamt sind an den Pilotprojekten 550 private Unternehmen und Behörden sowie 26 Mitgliedstaaten, Norwegen, Island und die Ukraine beteiligt.

Es ist die Infrastruktur der digitalen Kontrolle, und sie wird immer schneller ausgebaut.

Bild „Bike path graffiti; ‚Stop Digital ID‘“ by ajft is licensed under CC BY-NC-ND 2.0.

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Erste Versicherung integriert ID Austria



12 Kommentare

  1. Jurgen 28. Oktober 2025 um 17:01 Uhr - Antworten

    Alles souveräne zielt auf Ausstieg und Autarkie. Digitale Enthaltsamkeit und körperlichen Mikrowellenschutz. Bankkonto ade. Neben der EU gibt es da noch mehrere andere völkerrechtlich relevante Organisationen, die international gültige Ausweise ausstellen…

  2. Jan 28. Oktober 2025 um 0:05 Uhr - Antworten

    So einfach ist das nicht, es gibt nämlich bisher keine Verpflichtung ein Smartphone für Behördenkontakte bereithalten zu müssen – auch nicht für die Kommunikation mit dem AMS. Dazu sind auch viele Bürger, nach Studien ca 16%, gar nicht in der Lage, das ist der digitale Analphabetismus.

    Wäre das Smartphone verpflichtend, müsste es zumindest für Sozialhilfeempfänger auch bezahlt werden.

    Natürlich versuchen sie es, aber es wird zu komplett lächerlichen Gerichtsurteilen führen müssen. Erinnert sich noch jemand an die AMS-Schulungen, in denen Notstandshilfeempfängern erklärt wurde, sie müssten jetzt 600 EUR für die Anschaffung einer Microsoft-Software ausgeben oder sie würden vom Bezug gesperrt werden?

    Dazu kommt, dass zumindest nach meiner Auffassung das Smartphone überhaupt nicht für sicherheitsrelevante Software eingerichtet ist. Dass wird alleine dadurch deutlich, dass die Behörden zugreifen können.

    Können es die Behörden, können es technisch gesehen Angreifer auch. Damit ist der Nachweis aber nicht mehr möglich, dass man die Apps selbst bedient hat. Es läuft also alles darauf hinaus, dass etwas gilt, bis man widerspricht. Das muss man auch kontrollieren können und tun.

    Und damit will der Staat hoheitliche Kontrolle ausüben? Das meinen die nicht ernst, oder?

    • Jurgen 28. Oktober 2025 um 16:55 Uhr - Antworten

      Hoheitlich geht in den deutschen Gebieten nicht, die sind im Handelsrecht!

  3. Daisy 27. Oktober 2025 um 22:04 Uhr - Antworten

    Es ist eine Falle, die 2-Faktor-Authentifizierung (für Finanz Online) über das Smartphone oder Google-Konto zu machen. Dann kannst du schon nicht mehr sagen, dass du keins hast, und sie wissen dann, wieviele eins haben, was uns dieses Argument nimmt. Und Google ist ein NoGo, eine Dattenkralle.
    Ich empfehle Windows-PC mit WinAuth. Einfach die App installieren und dann die Registrierung auf Finanz Online durchlaufen – dort findet man eine Schritt-für-Schritt Anleitung. Hab mir dazu einen virgin Laptop zugelegt mit Windows 10. Nja, und dann einloggen wie gewohnt mit Mail und PW und die App muss nur offen sein, schon erscheint der 4-stellige Code.

    Aber natürlich werden sie etwas erfinden, warum das alle tun müssen. Wahrscheinlich, weils eh schon viele tun und es daher einfacher wäre. Da lob ich mir die Volkbank. Zwar kann ich dort den TAN-Generator benützen, muss aber nicht, geht auch noch mit Login Tan. Beim TAN-Generator muss man die Bankkarte einlegen, Startcode eingeben und dann auf den Flicker-Dings einstellen, sodass man den eigentlichen Code zur Freigabe einer Überweisung erhält.

    Keine Frage, die Digitale ID dient der totalen Űberwachung und ist die Voraussetzung für das Sozialkreditsystem.

    • Jurgen 28. Oktober 2025 um 16:57 Uhr - Antworten

      Microsoft Windows ab Version 8 ist auch Überwachungssoftware. Ich würde daher lieber Linux nehmen…

      • Daisy 29. Oktober 2025 um 11:41 Uhr

        Hab ich ja, aber mit Ubuntu klappt WinAuth nicht. Deswegen habe ich mir ja einen „jungfräulichen“ Lappi zugelegt, gebraucht, und gleich mal alles deaktiviert, was spioniert…

      • Daisy 29. Oktober 2025 um 12:56 Uhr

        Mit Win 7 gez ned und mit 8 auch ned…hätt eh alles probiert :-)

  4. Daisy 27. Oktober 2025 um 22:02 Uhr - Antworten

    Es ist eine Falle, die 2-Faktor-Authentifizierung (für Finanz Online) über das Smartphone oder Google-Konto zu machen. Dann kannst du schon nicht mehr sagen, dass du keins hast, und sie wissen dann, wieviele eins haben, was uns dieses Argument nimmt. Und Google ist ein NoGo, eine Dattenkralle.
    Ich empfehle Windows-PC mit WinAuth. Einfach die App installieren und dann die Registrierung auf Finanz Online durchlaufen – dort findet man eine Schritt-für-Schritt Anleitung. Hab mir dazu einen virgin Laptop zugelegt mit Windows 10. Nja, und dann einloggen wie gewohnt mit Mail und PW und die App muss nur offen sein, schon erscheint der 4-stellige Code.

    Aber natürlich werden sie etwas erfinden, warum das alle tun müssen. Wahrscheinlich, weils eh schon viele tun und es daher einfacher wäre. Da lob ich mir die Volkbank. Zwar kann ich dort den TAN-Generator benützen, muss aber nicht, geht auch noch mit Login Tan. Beim TAN-Generator muss man die Bankkarte einlegen, Startcode eingeben und dann auf den Flicker-Dings einstellen, sodass man den eigentlichen Code zur Freigabe einer Überweisung erhält.

    Keine Frage, die Digitale ID dient der totalen Űberwachung und ist die Voraussetzung für das Sozialkreditsystem.

  5. Monika 27. Oktober 2025 um 18:04 Uhr - Antworten

    alles zielt auch zusätzlich auf impfzwang ab, wenn wir dann nicht spuren und endlich mitmachen, dann ist unser kto und alles einfach weg…..man kann also entscheiden will man nichts und den hungertod oder leiden mit impfe und konsum der dann auch eingeschränkt wird bis zum baldigen tode

  6. rudifluegl 27. Oktober 2025 um 15:35 Uhr - Antworten

    Ich benutze auch nur ein 20 Jahre alte Siemens obwohl ich ein Tablet für technische Dinge wie Oszi, Klavierstimmen, Infrarot etc ohne Sim-Karte habe.
    Bezüglich Geld passt gut der Film_ „Das Wunder von Wörgl“ dazu!

    • rudifluegl 27. Oktober 2025 um 15:42 Uhr - Antworten

      Das war eine Antwort für Local-man! Zeilenirrtum???

  7. local.man 27. Oktober 2025 um 14:58 Uhr - Antworten

    Ich habe kein S.m.a.r.t-Phone und auf Wunsch meiner damaligen Partnerin, ihr altes Tastenhandy übernommen von 2007 glaub. Damit geht nur SmS und Telefon, Wecker ist noch drauf und ein Kalender, sowie ein Kontaktbüchlein in Listenform, völlig einfach.

    Also erstmal, möchte ich dann ein entsprechendes Gerät gestellt, gewartet, bezahlt und erneuert bekommen. Ich kaufe mir keine Wanze und Bestrafungsgerät selbstständig.
    Meine Probleme damit sollen auf ganzer Linie erstmal nicht meine sein, abgesehen von der darauf aufbauenden modernen Sklaverei.

    Und natürlich treiben die Herrschenden alle diese Dinge voran.
    Diese Leute wollen die Mathezahlen auf dem Bildschirm, versehen mit einen Zeichen und betitelt als Euro oder einfach nur noch “ Deine verfügbaren Punkte diesen Monat“, spielt dabei keine Rolle, da es eh nur ein Kontrollmechanismus ist.

    Und natürlich wollen sie mir eine Brandmal wie bei den Sklaven in der Antike verabrechen. Heute eben modern digital und nennen es eID.
    Aber es ist das gleiche, nur das die Beherrschung und was man alles anstellen kann, damit umso mächtiger ist und das 24/7 von Geburt bis Friedhof.

    Die Herrschenden wollen auch ein Social Score, Armut, Abhängigkeit zu ihnen uvm.

    Sie brauchen es, sonst geht deren Macht verloren, weil der Fortschritt andersrum angewandt, auch immer ein Spiegel für die eigentlich existierenden Freiheiten darstellt.
    Es wird halt nur in einem veralteten System einer Machtpyramide, top down gegen die Insassen angewandt und zwar aus einem ganz logisch nachzuvollziehenden Druck heraus.

    Und wenn die Insassen nun mehr Freiheit haben wollen, dann geht das nur mit Systembruch.. Kein bisschen hier abändern und da neu anmalen.. Solange es diese Machtsekten über ihre Mittelchen und Kontrollstrukturen, Besitztumsidiologien und Fehlverteilung gibt, solange stecken wir in der Knechtschaft fest..

    Leider haben wir keine echten Vorstellungen und klare realitätsnahe neue Systemoptionen, weil das maximal unterdrückt ist.
    Es gab sie hier und da mal in Ansätzen mit freiem Geld, wobei Geld ja mit immer mehr Maschinenarbeit überflüssig wird.
    Die Menschen wissen im Grunde fast nichts über das Spielchen der maximalen Niederhaltung und wie extrem sie dies ihre Lebenszeit und Energien kostet. Welche drastischen Auswirkungen sowas wie z.B. gepl. Obsoleszenz eigentlich wirklich haben und wie furchtbar abhängig dieses Systemmodell davon ist.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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