Spermienkrise: Männliche Fruchtbarkeit im Sinkflug

24. Oktober 2025von 3,7 Minuten Lesezeit

Die Fruchtbarkeit der Männer ist in den letzten Jahrzehnten dramatisch gesunken. Das ist kein isoliertes Phänomen, sondern weist auf eine tiefe Gesundheitskrise bei Männern hin.

Frühe Tests zur Spermienzahl aus den 1950er Jahren berichten von einer Spermienkonzentration von 100 Millionen pro Milliliter Samenflüssigkeit. Heute definiert die WHO eine gesunde Spermienkonzentration bei mindestens 15 Millionen. Allein seit den 1970er Jahren, damals lag sie durchschnittlich bei 75 Millionen, hat die Spermienkonzentration um mehr als 50 Prozent abgenommen, der Rückgang beschleunigt sich jährlich – das betrifft vor allem den Westen.

Umweltgifte, Smartphone, Lebensweise

Dieser Trend ist nicht nur ein Problem der Fruchtbarkeit, sondern ein Indikator für eine breitere Gesundheitskrise bei Männern. Er hängt mit chronischen Erkrankungen, Hormonstörungen und sogar einer verkürzten Lebenserwartung zusammen. Zwar ist bezüglich Fruchtbarkeit nicht die Quantität der Spermien allein entscheidend. Zudem gab es lange Zeit keine Qualitätskontrollen bei Spermaproben. Über den Verfall der Fruchtbarkeit gibt es wissenschaftlich keinen Zweifel, der Rückgang ist unbestrittenen. Was diskutiert werden kann, ist die Qualität der Daten.

Der Rückgang der Spermienqualität ist multifaktoriell, wesentlich ist die Lebensweise: Übergewicht, Diabetes und Insulinresistenz stören das Hormongleichgewicht, senken Testosteron und erhöhen Östrogen, was die Spermienproduktion behindert. Eine ungesunde Ernährung, Alkoholkonsum, Rauchen und Bewegungsmangel verschärfen das Problem.

Umweltgifte sind ein weiterer Schlüsselfaktor. Seit dem Zweiten Weltkrieg haben hormonstörende Chemikalien (Endocrine Disruptors) wie Pestizide, Kunststoffe und Schwermetalle zugenommen. Diese Substanzen imitieren Hormone und schwächen die Spermienproduktion. Luftverschmutzung, Abgase und Mikroplastik führen zu kleineren Hoden, schlechterer Morphologie und reduzierter Fruchtbarkeit. Chemische Belastung korreliert zudem mit mehr Fällen von Hodenkrebs.

Psychischer Stress rundet das Bild ab. Hohe Cortisolwerte unterbrechen die Verbindung zwischen Gehirn und Hoden, was Spermien- und Testosteronproduktion beeinträchtigt. Eine Studie mit über 9.000 Männern in China ergab, dass starker Stress über fünf Jahre zu einem signifikanten Rückgang der Spermienkonzentration führte, besonders bei Studenten.

Dann gibt es noch weitere mögliche Faktoren, über die ungern gesprochen wird und kaum geforscht wird. Etwa ein möglicher Zusammenhang zwischen der Liberalisierung von Pornografie und dem Fruchtbarkeitsverlust. Häufigere Masturbation könnte die Spermienqualität beeinträchtigen. Etwas, worüber wenig gesprochen wird, in einem Oe1-Podcast hat Stefan Schlatt, Belegt ist, dass enthaltsamere Männer deutlich mehr Spermien im Samen haben als jene, die häufig ejakulieren. Eine Studie zum Korrelation zwischen der Abnahme der Spermienzahl und der breiten Verbreitung von Pornografie gibt es aber nicht.

Eine Studie mit College-Studenten fand 2021, dass früher Pornokonsum mit niedrigeren Hormonspiegeln und geringerer Spermienkonzentration bzw. der Spermienquantität korrelierte. Hohe Nutzungsfrequenz und Masturbation dabei verstärkten dies.

Ein weiterer Punkt der wenig untersucht wird, ist das Smartphone in der Hosentasche. Auch dazu gibt es wenig Forschung. Das Smartphone steht im Verdacht, nicht nur die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen, sondern auch die Gesundheit der Genitalien selbst. Eine systematische Review aus dem Jahr 2014 analysierte neun Studien und fand, dass die Exposition gegenüber Mobiltelefonen mit einer Reduktion der Spermienmotilität um durchschnittlich 8,1 % und der Viabilität (Lebensfähigkeit) um 9,1 % verbunden war.

Und dann ist da noch die Corona-Impfkampagne. Untersuchungen zur Fruchtbarkeit im Zusammenhang mit mRNA behandeln vor allem Frauen, mehr Forschung wäre dringend nötig.

Spiegel der Gesundheit

Die Konsequenzen reichen weit über Unfruchtbarkeit hinaus. Niedrige Spermienwerte sind mit Herzkrankheiten, Diabetes, Krebs und höherer Sterblichkeit verbunden. Spermienqualität dient als Spiegel der allgemeinen Gesundheit – ein Warnsystem des Körpers für chronische Leiden.

Die Lösung liegt auf der Hand: Mehr Bewegung und körperliches Training, dies fördert Testosteron, Durchblutung und Stressabbau. Gesunde, antioxidantienreiche Ernährung mit Lebensmitteln, die wichtige Nährstoffe wie Zink, Selen, Folsäure, Coenzym Q10 sowie Vitamine C und E enthalten. Eine Studie aus dem Jahr 2020 zeigte, dass Männer mit mediterraner Ernährung – reich an Gemüse, Fisch, Fleisch und Olivenöl – bessere Spermienwerte hatten als jene mit westlicher Kost.

Die Reduktion von Umweltgiften, etwa durch Vermeidung von BPA, Phthalaten und Pestiziden, schützt die männliche Fruchtbarkeit ebenfalls. Abstand vom Smartphone, intime Beziehungen statt Internetpornografie. Das Gute: Ändern Männer ihre Lebensweise, können auch die Spermien wieder fruchtbarer werden. Nur selten ist ein Mann irreversibel unfruchtbar. Allerdings braucht die Regeneration von Spermien auch Zeit.

Bild „Angespannung“ by flierfy is licensed under CC BY-NC-SA 2.0.

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11 Kommentare

  1. Jurgen 25. Oktober 2025 um 13:17 Uhr - Antworten

    Zur Befruchtung reicht schon ein einziges Spermium…

    • Sabine Schoenfelder 25. Oktober 2025 um 18:32 Uhr - Antworten

      Leider nein.😌 Das e i n e Spermium sollte vital und gesund sein….und dann benötigen wir noch eine EIZELLE im RICHTIGEN Entwicklungsstand, 😁👍🏼 heißt, auch der Zeitfaktor ist nicht unerheblich. ⏳
      Sehe schon, Sie müssen noch üben, üben, üben….😉🥂

      • Jurgen 26. Oktober 2025 um 12:00 Uhr

        Bei meinen Kindern war jeweils immer nur ein einziges Spermium zielführend. Die anderen Millionen waren nur Beiwerk. Fast wie im täglichen Leben, es sind haufenweise Nullen unterwegs…

      • Sabine Schoenfelder 26. Oktober 2025 um 14:29 Uhr

        Ich bewundere Ihre Zielgenauigkeit….😉🤓….und welche VERSCHWENDUNG…..😂

  2. Daisy 25. Oktober 2025 um 5:08 Uhr - Antworten

    Es kann auch psychisch sein. Männer wurden mit der Emanzipation der Frau immer mehr klein gehalten. Die Scheidungen nahmen aufgrund des Frauenschutzes immer mehr zu, denn in der Regel musste der Mann dann eben weiterzahlen. Der Mann gilt seit den 80ern mehr oder weniger als Übeltäter und Frauenkränker. Da zieht man sich eben zurück. Die Folge: Heute wollen immer mehr Männer Frauen sein und wollen von hinten genommen werden, weil vorne nix mehr los ist mit ihnen. :-) Neulich bin ich auf YT auf Interviews und Showauftritte von Ester Vilar gestoßen. Sehr unterhaltsam. :-) Sie machte sich einen Namen, indem sie sich auf die Seite der Männer schlug, und das Buch „Der dressierte Mann“ schrieb.

    Männer habens aus schwer…;-)

    YT
    Debate – Esther Vilar vs. Alice Schwarzer – February 6, 1975 [ + Multi-language subtitles ]

    • Daisy 25. Oktober 2025 um 5:11 Uhr - Antworten

      auch schwer…höre mir im Hintergrund gerade die Debatte an, haha, köstlich, wie sich die beiden angifteln :-)

    • Jurgen 25. Oktober 2025 um 13:25 Uhr - Antworten

      Da die Frau von heute eher konfrontativer mit dem Mann umgeht, als die Frauen früher, müssen sie sich eben oft als Alleinerziehende durchschlagen. In der Beziehung muss man eben kompromissfähig sein, an einem Strang ziehen, oder des bricht auseinander. Leider verlangen diese sogenannten emanzipierten Frauen aber die Unterwerfung des Mannes und wollen nicht mehr den Beschützer und Versorger, sondern nur noch den Versorger und erhalten damit die Schimäre, den Beziehungsversager, weil ein Mann eben keine Frau sein kann…

      • Sabine Schoenfelder 25. Oktober 2025 um 18:46 Uhr

        Emanzipiert ? Wir reden jetzt nicht über die angeblödeten Female-Handlanger: innen im 👉 Politzirkus, der ausschließlich von Reichen, 👉 männlichen Milliardären, dominiert und Stellen-besetzt wird ….warum ? ..weil Inkompetenz und Dummheit leichter zu lenken sind. Mit dieser Masche wurde der Mann indirekt k a s t r i e r t….auf die hinteren Plätze verwiesen. Wenn er mal ran darf, dann „merzt“ er sich selbst aus…😂
        Im Alltag, Juurgen-Schatz, tragen W I R die Doppelbelastung, falsch, die Dreifachbelastung oft a l l e i n e. Arbeit, damit mehr Kohle in der Haushaltskasse klingelt, Kinder und Haushalt….nebenbei sollen wir schlank, schön und klug sein…
        Also hören Sie mit der Jammerei auf…ich bitte Sie. 😎🥂

  3. Jan 25. Oktober 2025 um 3:54 Uhr - Antworten

    Alles Eunuchen, nichts in der Hose. Nicht einmal gegen ihre eigene Entmannung wehren sie sich!

  4. Sabine Schoenfelder 24. Oktober 2025 um 16:26 Uhr - Antworten

    Eine allgemeine „Spermienreduktion“ wurde bereits in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts konstatiert, als das Handy noch nicht in der Hosentasche steckte, und Pornographie ebenso vorhanden war. Vielleicht etwas verschämter.
    Die Faktoren sind zahlreich. Schauen Sie sich um. Viele junge Männer sind speckig und verweichlicht…und die steroidösen Muskelprotze lenken die ganze Energie in ihre Bizeps…😂
    Kein Testosteron, keine gute Spermienqualität. Der Zeitgeist will keine Nachkommen. Der will die Erde retten…🤣…wie, warum, wo vor und für wen, – das wissen die Propagandagötter.

  5. Hausmann_Alexander 24. Oktober 2025 um 16:19 Uhr - Antworten

    Also das erinnert mich irgendwie an den Film: „Der Wixxer“

    und an „Die Simpsons“ Folge, wo Homer sein Sperma untersuchen lässt, ob sie noch ein viertes Kindes zeugen wollen und diese ein X als Augen haben.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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