Goldrausch ohne Ende

29. März 2025von 3 Minuten Lesezeit

Goldrausch an den Märkten: Die Rally geht ungebremst weiter. Woher kommt das Verlangen nach Gold und wie wird sie weitergehen?

Das Jahr 2025 ist an den Finanzmärkten bisher das Jahr des Goldes. Seit 2018 hat sich der Preis fast verdreifacht, vor wenigen Wochen hat der Preis erstmals die Marke von 3.000 US-Dollar pro Unze überschritten. Kaum jemand glaubt, dass der Goldrausch damit vorbei ist. Michael Hudson, weltweit bekannter kritischer Wirtschaftsprofessor („Der Dollar verschlingt den Euro“), und Paulo Nogueira-Batista Jr., ehemaliger Spitzenbeamter des IWF, diskutierten vor wenigen Tagen die Entwicklung: Was treibt den Anstieg an? Und wird er halten?

Michael Hudson sieht die Ursache des Goldbooms in einem Machtverlust der USA, eine These, die er schon länger vertritt. Seit der Ablösung des Goldstandards 1971 habe die US-Regierung versucht, den Goldpreis künstlich niedrig zu halten, um die Dominanz des Dollars zu sichern. Instrumente dafür waren Verkäufe und das Leasing von Goldreserven aus Fort Knox und der Federal Reserve an Händler, die es auf dem Comex-Markt verkauften. Doch die Strategie ist an ihre Grenzen gestoßen: „Die USA haben so viel Gold verliehen, dass sie den Preis nicht mehr drücken können“, erklärt Hudson. Gleichzeitig wachse das Interesse an physischem Gold, auch weil Länder wie Deutschland Schwierigkeiten hätten, ihre Reserven zurückzubekommen. „All das hat dazu geführt, dass die Leute denken, die USA können den Goldpreis nicht mehr kontrollieren“, sagt er. Zudem fördere die „De-Dollarisierungsbewegung“ von Staaten wie China oder Russland die Nachfrage weiter.

Paulo Nogueira-Batista Jr. sieht ebenfalls einen Wendepunkt und glaubt nicht, dass der Goldrausch bald enden könnte: Gold werde zunehmend als Alternative zum Dollar gesehen, der durch geopolitische Spannungen und Sanktionen an Vertrauen verliere. „Länder wie China, Russland und Indien lagern Gold als Vorsichtsmaßnahme“, sagt er. Der Dollar sei nicht mehr zuverlässig, seit die USA und Europa nach der Ukraine-Invasion russische Reserven eingefroren hätten. Auch der Euro habe als Alternative ausgedient:

„Dies hat viele Zentralbanken dazu veranlasst, auf Gold umzusteigen. Das ist bei China, Russland, Iran und Indien der Fall. Der US-Dollar ist nicht mehr so zuverlässig.“

Gold sei nur sicher, wenn es im eigenen Land gelagert werde – ein Grund, warum Länder wie Venezuela unter eingefrorenen Reserven in Großbritannien litten. Der chinesische Renminbi könne diese Rolle nicht übernehmen, da China seine Kapitalmärkte noch nicht vollständig öffne.

Die globale Unsicherheit treibt den Goldpreis an. Hudson verweist auf die Pläne der Trump-Regierung, Importzölle auch auf Gold zu erheben, um die Nachfrage zu dämpfen – ein verzweifelter Versuch, den Preis zu kontrollieren. Doch die Nachfrage habe sich verändert: „Früher wurde auf dem Comex-Markt nur spekuliert, heute wollen Investoren physisches Gold besitzen. Das destabilisiert den Markt, denn niemand weiß, wie viel Gold die Händler wirklich haben“, sagt er. Nogueira-Batista ergänzt, dass Zentralbanken wie die Chinas oder Indiens ihre Käufe – etwa 1.037 Tonnen im Jahr 2023 – nicht immer transparent melden. „Das zeigt ein Misstrauen gegenüber traditionellen ‚sicheren‘ Anlagen wie US-Staatsanleihen“, betont er.

Nogueira-Batista warnt vor der Preisschwankung: „Zentralbanken werden nicht alles auf Gold setzen.“ Der Goldpreis könnte also zwischenzeitlich fallen. Hudson hingegen sieht keinen Rückgang: „Die Nachfrage steigt seit Jahren, und die US-Strategie versagt.“ Solange Unsicherheit und Misstrauen gegenüber dem Dollar bestehen, bleibt Gold gefragt – und wird es wohl auch bleiben.

Hier geht es zum ganzen Gespräch auf Englisch.

Bild „Local Villager Mining for Gold and Gems in Thailand“ by Captain Kimo is licensed under CC BY-NC-ND 2.0.

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13 Kommentare

  1. Jurgen 29. März 2025 um 23:28 Uhr - Antworten

    Manche Banken (wie Goldmann Sucks) reden jetzt schon von bis zu 4500 Dollar pro Unze innerhalb eines Jahres als möglich herbei. Fehlen nur die Kleinanleger, die wie immer als letztes schalten, während die Großen schon alles in trockenen Tüchern haben…

  2. Glass Steagall Act 29. März 2025 um 20:40 Uhr - Antworten

    Womit die wenigsten privaten Goldanleger rechnen werden ist, dass sich die westlichen Regierungen diesen Anstieg nicht lange ansehen werden und dann ziemlich sicher ein Verbot für private Anleger aussprechen werden! Da heißt, der Besitz allein ist strafbar und das gilt auch für den Handel damit. Kein Kauf oder Verkauf wird dann noch erlaubt sein! Vielleicht muss dann jeder sein Gold zwangsverkaufen! Wer allerdings meint, sein Gold versteckten und horten zu können, sollte wissen, dass der Staat beim Handel der letzten Jahre schon alle Daten der Käufer und die Mengen gespeichert hat! Die westlichen Staaten werden alle Lücken zur Flucht schließen! Nur noch die Staaten selbst werden damit Handel betreiben können.

    Bevor also die Währungen den Bach runter gehen, werden die Regierungen nicht tatenlos zusehen und zu den Alternativen einen Riegel vorschieben! ! Das wird wahrscheinlich auch für Bitcoin und co. gelten.

  3. ibido 29. März 2025 um 18:02 Uhr - Antworten

    mit dem Einfrieren des russischen Vermögens hat sich der Westen selber ins Knie geschossen. Ganz klar, dass alle anderen Länder das Vertrauen in den Dollar verlieren und langfristig versuchen auszusteigen.
    Ich versteh es nicht, warum man das machte. Ich bin ein ökonomischer Laie, aber das versteh sogar ich.
    Denke, in der Zukunft wird auch das digitale Gold – Bitcoin – immer wichtiger werden. Es wird ja schon über Bitcoins im Staatshaushalt (diverse Länder) als Reserve gesprochen. Und BRICS-Länder handeln zum Teil mittels Bitcoin.
    Es kann nicht schaden ein paar Satoshis langfristig anzulegen. Gibt dazu schon gute Infos im Netz. Auch von Michael Ballweg/digitaler Aktivist.

    • ibido 29. März 2025 um 18:05 Uhr - Antworten

      PS: grad jetzt, wo der digitale Euro immer konkreter wird.

    • Jurgen 29. März 2025 um 23:33 Uhr - Antworten

      Ist der Bitcoin erst in Staatshand, ist er die neue CBDC… Bitcoin hat nur ideellen Wert und den inneren Wert NULL und ist damit auch nicht besser als jedwede Fiatwährung…

      • ibido 30. März 2025 um 10:33 Uhr

        Wir wissen nicht, wie es sich in Zukunft entwickeln wird.
        In meinen Augen hat Bitcoin eher die Eigenschaften von Gold als von Fiatwährungen/CBDC. Da es dezentral organisiert ist, kann es von keinem einzelnen Staat übernommen werden. So wie bei Gold, wird ein Staat mehr oder weniger davon haben, aber kann den Wert nicht singulär bestimmen. Es kann auch nicht immer mehr davon gedruckt werden, wie bei Fiatwährung. Bitcoin können nicht wie bei CBCD auf Knopfdruck erzeugt werden. Und sie können nicht von Staaten programmiert werden im Sinn, dass sie nur für bestimmte Dinge ausgegeben werden dürfen. Sie sind das genaue Gegenteil von staatlichen Währungen und beschränken die Macht der Zentralbanken.
        Was bleibt, ist die Möglichkeit von Verboten. Genau wie bei Gold.

        Bitcoin ist ein Wertspeicher, so wie Gold ein Wertspeicher ist. Auch Gold hat nur einen marginalen „inneren“ Wert als Rohstoff, sondern den, den wir ihm zuschreiben. Ob Bitcoin sich als Wertspeicher und (zwischenstaatliches) Bezahlsystem durchsetzt, wird die Zukunft zeigen. Vieles spricht dafür.

      • Glass Steagall Act 31. März 2025 um 0:41 Uhr

        @ibido

        Gold hat einen physischen Gegenwert, Bitcoin nicht!

      • ibido 31. März 2025 um 18:19 Uhr

        @Glass Steagall Act
        habs gelesen :-)

  4. Jan 29. März 2025 um 14:02 Uhr - Antworten

    Vor der Münze Österreich stehen Horden von Mittelständlern aller Herren Länder und wechseln Mittelklassewagen und Eigentumswohnungen in Gold. Die Standardfrage, auf die die Mitarbeiter Antworten herunterlaiern, ist die nach der nicht meldepflichtigen Obergrenze.

    Das Vertrauen in Politik und Justiz ist zu Recht gefallen.

    Bei einem absehbaren Finanzcrash würde Gold sofort aufwerten, daher lohnt sich immer eine kleine Sicherheitsreserve.

    Was man im Kopf behalten sollte: Jede Währung besitzt den aktuellen Wert aller im Währungsraum produzierten Waren und Dienstleistungen. Wo es nichts gibt, kann auch Gold nichts kaufen!

    • Jurgen 29. März 2025 um 23:30 Uhr - Antworten

      Altes und bewährtes Saatgut ist das neue Gold!

      • Glass Steagall Act 31. März 2025 um 0:44 Uhr

        Wenn der Staat die Landwirtschaft kontrolliert, wird es schwierig, auf eigene Faust zu handeln!

    • Fritz Madersbacher 29. März 2025 um 16:11 Uhr - Antworten

      @Oekologe
      29. März 2025 um 11:57 Uhr
      Interessanter Artikel, sagt er wirklich das Gegenteil?
      „Der Dollar im freien Fall: Die Länder, die seine Nutzung verboten haben und was das für die globale Wirtschaft bedeutet – Die Vorherrschaft des Dollars im internationalen Finanzsystem steht auf der Kippe. Mehrere Länder haben beschlossen, seine Nutzung bei kommerziellen und finanziellen Transaktionen zu verbieten, was einen Wendepunkt in der globalen Wirtschaft markiert“

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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