EZB-Bericht: Digitaler Euro mehrheitlich unerwünscht

13. März 2025von 3,9 Minuten Lesezeit

Eine aktuelle EZB-Studie zeigt, dass viele Europäer an Bargeld und herkömmlichen Bankkonten festhalten, was eine Kluft zwischen politischen Plänen und realen Zahlungsgewohnheiten aufzeigt.

Eine aktuelle Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) hat ein geringes Interesse der Verbraucher am digitalen Euro ergeben, was Bedenken aufwirft, während die Bank ihre Pläne für eine mögliche Einführung vorantreibt.

Das EZB-Arbeitspapier zur Umfrage zu den Verbrauchererwartungen (CES), das am 12. März veröffentlicht wurde, befragte etwa 19.000 Personen in den elf größten Volkswirtschaften des Euroraums.

Untersuchungen zeigen, dass die Europäer die bestehenden Zahlungssysteme bevorzugen und in einer digitalen Währung der Zentralbank (CBDC) wenig Nutzen sehen.

Die Teilnehmer wurden gebeten, hypothetisch 10.000 Euro auf verschiedene Vermögenswerte aufzuteilen.

Anteil des investierten Vermögens nach Anlagekategorie/Quelle: EZB-Arbeitspapierreihe

Die Ergebnisse des EZB-Berichts zeigen, dass Verbraucher zögern, einen erheblichen Teil dem digitalen Euro zuzuweisen, und sich stattdessen für traditionelle Bankoptionen wie Bargeld, Girokonten und Spareinlagen entscheiden.

Der EZB-Bericht hebt die größten Hürden für die Einführung einer CBDC hervor, darunter tief verwurzelte Verbrauchergewohnheiten und Skepsis gegenüber der Notwendigkeit eines neuen Zahlungssystems.

Laut der Studie „gibt ein erheblicher Teil der Verbraucher an, dass sie den digitalen Euro wahrscheinlich nicht annehmen würden, vor allem aufgrund einer starken Präferenz für bestehende Zahlungsmethoden.“

Trotz der Zurückhaltung der Verbraucher ist die EZB der Ansicht, dass ein digitaler Euro die Finanzstabilität nur minimal beeinträchtigen würde.

Zurückhaltung der Befragten bei der Einführung des digitalen Euro / Quelle: EZB-Arbeitspapierreihe

Die Bank räumte jedoch ein, dass die Überwindung des öffentlichen Widerstands einen strategischen Ansatz erfordern würde, insbesondere bei der Verbraucheraufklärung.

Die Studie ergab, dass Bildungsinitiativen, wie z. B. videobasierte Inhalte, dazu beitragen könnten, die Verbraucher mit den Vorteilen von CBDCs vertraut zu machen.

Doch selbst wenn kostenloses Videomaterial angeboten wurde, entschieden sich viele Teilnehmer dafür, sich nicht weiter zu beteiligen, was auf anhaltenden Widerstand hindeutet.

Die EZB arbeitet aktiv an der Einführung des digitalen Euro, wobei die Testphase im Gange ist.

Das Projekt begann im November 2023 und umfasst Diskussionen mit Interessengruppen und die Entwicklung von Regelwerken. Die Testphase soll bis Oktober 2025 abgeschlossen sein.

Trotz des Vertrauens von EZB-Präsidentin Christine Lagarde in das Projekt herrscht bei den EU-Gesetzgebern weiterhin Skepsis.

Ein Bericht von Reuters vom 10. März deutet darauf hin, dass viele politische Entscheidungsträger die Machbarkeit und Notwendigkeit einer CBDC in Frage stellen.

Kritiker haben auch Bedenken hinsichtlich staatlicher Übergriffe und des Datenschutzes geäußert, da sie befürchten, dass der digitale Euro zur Verfolgung von Finanztransaktionen verwendet werden könnte.

Einige haben das Projekt als potenzielle „Finanzdiktatur“ bezeichnet.

Zweigleisiger Ansatz der Europäischen Zentralbank zur Blockchain-Integration

Neben der Entwicklung des digitalen Euro arbeitet die EZB im Rahmen ihrer umfassenderen Strategie für digitale Finanzen auch an der Integration der Distributed-Ledger-Technologie (DLT) in Zentralbanktransaktionen.

Am 20. Februar skizzierte der EZB-Rat einen zweiphasigen Ansatz, um diesen Übergang zu erleichtern.

In der ersten Phase liegt der Schwerpunkt auf der Einrichtung einer Interoperabilitätsverbindung zwischen Blockchain-basierten Transaktionen und der bestehenden TARGET-Services-Plattform.

Diese Verbindung soll eine sichere und effiziente Abwicklung mit Zentralbankgeld gewährleisten.

In der zweiten Phase plant die EZB die Entwicklung einer umfassenderen langfristigen Infrastruktur, um eine breitere Palette von DLT-basierten Finanzgeschäften, einschließlich Devisenabrechnungen und anderer internationaler Transaktionen, zu ermöglichen.

Ein detaillierter Zeitplan für diese Initiative wird voraussichtlich in Kürze veröffentlicht.

Kritik am digitalen Euro

Die Sorgen der Kritiker sind bekannt. Der CBD-Euro wäre das optimale Mittel für eine totalitär-digitale Überwachungsdiktatur. Jede Zahlung wäre dann in Echtzeit zentral erfasst und gespeichert und könnte von der Zentralbank direkt blockiert werden. Steuern und andere Zwangsabgaben an die EU und Nationalstaaten könnten direkt abgezogen werden. Berüchtige „Bank Runs“, die Banken vor einen Bargeldmangel stellen, wären als Risiko entfernt, da es kein Bargeld mehr gibt. Zudem kann jeder einzelne Euro programmierbar sein, entweder als Schwundgeld, also mit „Haltbarkeitsdatum“, oder zweckgebunden, der also nur für bestimmte Zwecke ausgegeben werden darf.

Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was mit diesem Instrument für einen autoritären Staat alles möglich wäre. Die nächsten Monate dürften für den digitalen Euro und damit für die EU-Bürger kritisch und entscheidend werden.


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4 Kommentare

  1. Glass Steagall Act 14. März 2025 um 10:46 Uhr - Antworten

    Allein schon die Fragen und Antwortmöglichkeiten die man den Befragten gegeben hat, gehen völlig am Thema vorbei! Denn diese implizieren schon, dass der digitale Euro kommen soll. Man braucht nur eine Frage zu stellen: „wollen sie den digitalen Euro“, ja oder nein? Danach wäre das Thema vom Tisch … wenn wir Politiker hätten, die tun, wofür sie gewählt worden sind!

    Stattdessen gehören solche Umfragen zur Werbekampagne des digitalen Euro. Alles dient nur dazu, dass die Bürger diesen völlig akzeptieren. Ein „Nein“ will man gar nicht hören!

  2. Jan 14. März 2025 um 0:17 Uhr - Antworten

    Der Vorteil von CBDCs ist die Möglichkeit des Negativzinses.

    Das muss man erklären.

    Am Ende aller Tage, wenn die mit passablem Aufwand auswertbaren Ressourcen ihre Nachfrage nicht mehr bedienen können und somit das Wirtschaftswachstum limitieren, wird es zu Minuswachstum kommen. Es ist schnell einsichtig, dass Minuswachstum, also strukturelles Schrumpfen, nicht zyklischer Abschwung, im Kapitalismus nicht geht, da niemand jemandem etwas leiht, der morgen weniger hat als heute. Mit Negativzinsen oder Inflation, die so hoch sind, dass sie das Vermögen noch mehr schmälern als die Investition in eine rückläufige Wirtschaft, soll es aber gehen. Das ist Piketti.

    Inflation bedeutet, dass die Preise täglich angepasst werden müssen – und das bei jedem Vertrag und jeder Zahlung. Negativzinsen sind deutlich umsetzbarer.

    Aber wenn Geld am Konto weggezinst wird, dann hebt man es ab und legt unters Kopfkissen.

    Daher bedeutet Negativzins CBDCs.

  3. Daisy 13. März 2025 um 17:54 Uhr - Antworten

    Das ist ein Problem mit den Älteren. Sie sind strikt gegen die Abschaffung des Bargeldes. Stxrbt diese Generation mal weg – das dauert aber noch mind. 40 Jahre, zumal ich die Übervierzigjährigen mitrechne – ist diese letzte Bastion gefallen. Den Jüngeren ist alles egal. Sie haben alles im Smartphone, keine Ahnung, wo sie ihren Kontostand finden, keine PINs und PUKs, nur noch QR Code einscannen oder NFC, geht schon. Ist nicht genug Geld da, piepts…ich kenn einen, der hat für alles nur ein Passwort und bleibt überall eingeloggt. Dem ist alles wurscht. Er hat Internet erst am Handy kennengelernt. Nicht einmal einen klassischen Browser versteht er, da hat er eine Gugl App, wo er was suchen kann. Das Amazon Konto hab ich ihm eingerichtet. Ich habe ihn mehr fach zu warnen versucht. Ist ihm wurscht. Er hat nichts zu verbergen usf. Das sind die Typen, denen auch das Bargeld egal ist. Er hat eh keins…also kann man ihn auch nicht enteignen.

    Sollte es soweit kommen, mach ich das dann auch so. Ich kauf mir lauter unnützes Zeugs. Ach, Geld kann man schnell loswerden. Jedenfalls bleibt nix mehr am Konto. Schmuck, Pelze… oder alte Autos. Wovon ich zB träume, das wäre ein 50er Jahre Pickup, Chevy, Ford… na, und dann miete ich mir eine Halle und fahre zB mit einen Alva Guilietta Veloce Zweisitzer 60er Jahre zum Billa….

    • Daisy 13. März 2025 um 17:57 Uhr - Antworten

      Alfa natürlich tsts, hatte sogar mal einen :-)

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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