Der Anti-Verschwörungs-Kongress des Sir Peter Ustinov-Instituts

7. Februar 2025von 15,4 Minuten Lesezeit

In den letzten Jahren werden im verstärkten Ausmaß sogenannte „Experten für Verschwörungstheorien“ für die Aufklärung gesellschaftspolitisch relevanter Fragen eingesetzt. Man kann mittlerweile sogar von einer regelrechten Anti-Verschwörungs-Industrie sprechen.

Vor wenigen Wochen wurden die Beiträge einer im Jahr 2022 am Sir Peter Ustinov Institut in Wien abgehaltenen Konferenz veröffentlicht, deren Ergebnisse für die verschwörungstheoretisch ambitionierte Leserschaft dieses Blogs von Interesse sein dürfte.1 Was also sagt „die“ Wissenschaft über uns?

Im Jahr 2022 veranstaltete das Sir Peter Unstinov Institut in Wien eine Konferenz mit dem vielsagenden Titel: „Radikalisierung durch Verschwörungstheorien. Zum Umgang mit einem demokratiegefährdenden Phänomen“. Der Name ist hier Programm. Die teilnehmenden Forscher teilen das Corona-Narrativ und bewegen sich durchgehend im Meinungskorridor der Anti-Verschwörungs-Industrie.

Kritiker dieses Forschungsansatzes wurden offenbar überhaupt nicht eingeladen. Das ist deswegen bemerkenswert, weil ja gerade bei einer solchen Veranstaltung die Möglichkeit eines kontroversiellen Gedankenaustausches bestünde. Es erscheint aber bezeichnend, dass hier innerhalb der eigenen Blase agiert wird und allfällige Diskussionen in den intendierten und eng umrissenen Bahnen verbleiben. Das ist wenig verwunderlich da diese Veranstaltung von der SPÖ geführten Stadt Wien unterstützt wurde (7), einige der Teilnehmer kommen aus einschlägigen Instituten und Forschungsprojekten (an prominenter Stelle ist hier Michael Butter zu nennen), Ulrike Schiesser ist Leitern der Bundesstelle für Sektenfragen (diese Institution verfasste den berüchtigten Sektenbericht zu den Coronaprotesten)2, bei Elke Ziegler wiederum handelt es sich um eine ORF-Mitarbeiterin.

Auffallend ist bei fast jedem Wissenschaftler der fehlende Bezug zum Untersuchungsgegenstand. In der angegebenen Literatur finden sich praktisch ausschließlich Fachpublikationen, aber keinerlei Hinweise auf die Literatur oder die Positionen der sogenannten Verschwörungstheoretiker.

Es handelt sich somit großteils um eine Soziologie ohne wirklichen Kontakt mit den untersuchten Teilen der Gesellschaft. Mehrfach wird eine Verbindung der Proteste gegen die Corona-Maßnahmen mit Rechtsextremismus, Antisemitismus und Verschwörungstheorien hergestellt. Der Sammelband ist 2025 erschienen und etliche der Positionen lesen sich heute mit einem gewissen Amüsement. In dieser Publikation werden auch Artikel veröffentlicht, welche sich vom eigentlichen Thema deutlich entfernen, in der folgenden Übersicht werden nur themenrelevante Aufsätze berücksichtigt. Die hier publizierten Positionen erscheinen als durchaus repräsentativ für die sogenannte Anti-Verschwörungs-Industrie, und da deren Vertreter sehr gerne in den Massemmedien als (natürlich unabhängige) Experten präsentiert werden, dürften einige dieser Positionen der Leserschaft bekannt sein.

Der Verfasser des Vorwortes ist der SPÖ-Politiker und Vorstandsvorsitzende des Institutes Hannes Swoboda. Dieser lässt keine Zweifel an der präventiven und politischen Stoßrichtung der Veranstaltung. Verschwörungsmythen, so Swoboda, fördern Impfskepsis, Vorurteile, Fake News und Wissenschaftsskepsis. Ziel der Veranstaltung sei daher „die Demokratie und die notwendige Entscheidungsfreiheit der Wähler*innen zu stärken“ (8). Es handelt sich also anscheinend um eine wissenschaftlich getarnte Anti-FPÖ-Veranstaltung.

In der Einleitung von Astrid Séville wird klargestellt, dass Verschwörungstheorien „Anfechtungen politischer sowie epistemischer Autoritäten“ darstellen, „auf die eine Antwort gefunden werden muss“(20).

Das erscheint als eine sehr bezeichnende Selbstoffenbarung. In einer Demokratie sollte das Volk der Souverän sein, von dem die eigentliche Autorität ausgeht. Bei den epistemschen Autoritäten handelt es sich offenbar um die Vertreter „der“ Wissenschaft. Auch hier erscheint die Formulierung kritikwürdig, da Forscher üblicherweise nicht als epistemische Autoritäten angesehen werden, sondern vielmehr als Experten, deren Thesen zu diskutieren sind.

Der Eindruck entsteht, dass hier ein hochgradig autoritäres, antidemokratisches und wissenschaftsfeindliches Denken praktiziert wird und der Kongress in Wirklichkeit die Autoritäten (zu denen auch die Sponsoren gehören) gegen Kritik immunisieren soll. Hier trifft sich also eine akademische Elite, die (quasi im Auftrag der Politik) dem gemeinen Volk mit der Nazi-Keule droht, wenn dieses es wagt, gegen diese Autoritäten aufzubegehren.

Nils Kumkar (Verschwörungstheorien als Gegenstand sozialwissenschaftlicher Erkenntnis), unterstellt den „Verschwörungstheoretikern“ die „Diskursverweigerung als Beteiligung im politischen Diskurs“. Darin liege „die theoretische Wurzel der Gefährlichkeit von verschwörungstheoretischer Kommunikation“ (24).

Diese These ist gerade bei einem Kongress verwunderlich, bei dem kein einziger Mitwirkender es der Mühe für wert befunden hat sich mit den einschlägigen Postionen auseinanderzusetzen und den Diskurs zu suchen. Im Gegensatz dazu haben sich die „Verschwörungstheoretiker“ in ihren Publikationen sehr wohl mit dem herrschenden Narrativ auseinandergesetzt. Die alternative Diskussionsrunde von „Fair Talk“ hatte ursprünglich das Ziel eine faire Diskussion zwischen den beiden Lagern zu ermöglichen, das Konzept scheiterte an der konsequenten Gesprächsverweigerung der Mainstream-Vertreter. In den meisten Mainstream-Medien werden „Verschwörungstheoretiker“ unter Hinweis auf die sogenannte „False Balance“ grundsätzlich nicht eingeladen. Diese Diskursverweigerung geht soweit, dass teilweise sogar die Teilnahme an Diskussionen bei Servus- TV verweigert wurde. Gerade den „Verschwörungstheoretikern“ pauschal Diskursverweigerung zu unterstellen, ist eine Verkennung der Realität. In diesem Zusammenhang sei auch die Frage erlaubt in welchen Publikationen die Positionen der Covid 19-Verschwörungstheoretiker widerlegt wurden.

Michael Butter wiederholt im Interview seine bekannten Positionen zu Verschwörungstheorien.3 Bei ihm finden sich Ansätze einer differenzierten Herangehensweise. Interessanterweise hat er sich – im Unterschied zu den meisten seiner Kollegen – sogar der Mühe unterzogen einschlägige Publikationen der „Verschwörungstheoretiker“ zu lesen.

Im Gegensatz zu der oftmals proklamierten Wissenschaftsfeindlichkeit der sogenannten Verschwörungstheoretiker gesteht Butter sogar ein, dass kein diesbezüglicher Automatismus vorliege. Vielmehr weiß er zu berichten, dass in den Büchern und sonstigen Veröffentlichungen sehr wohl wissenschaftliche Studien und Statistiken zu finden sind. Ebenso informiert er die Leserschaft darüber, dass sich diese „Verschwörungstheoretiker“ oftmals als echte Wissenschaftler empfinden, die im Gegensatz zur Mainstream-Konkurrenz unabhängig agieren und nicht gekauft sind (45). Dem Verfasser sei hier eine ironische Bemerkung gestattet: Es ist gerade angesichts solcher Kongresse völlig unverständlich, wie diese Aluhutträger derartig absurde Vorstellungen entwickeln können.

Leider kommt Michael Butter trotz dieses Befundes nicht auf die Idee, dass es daher lohnend sein könnte sich mit diesen wissenschaftlichen Argumenten auseinanderzusetzen. Wer kann ihm dies auch verdenken? Herr Butter könnte in dieser Auseinandersetzung zu Überzeugungen gelangen, welche einer weiteren Finanzierung seiner Anti-Verschwörungs-Forschungen entgegenstehen.

Clara Schliesser (Alles eins? Zum Verhältnis von Autoritarismus, Verschwörungsmentalität und Esoterik) bietet einen tiefenpsychologischen Ansatz und untersucht die Zusammenhänge von Verschwörungstheorien zu Sadomasochimus, ödipaler Phänomene und dem autoritären Denken der Verschwörungsgläubigen. Diese Tendenz zur autoritären Unterwürfigkeit zeige sich etwa am unkritischen Glauben der „Verschwörungstheoretiker“ an alternative Quellen und Führungspersönlichkeiten wie Putin und Trump.

Auch diese Einschätzung überrascht bei einem Kongress, bei welchem schon eingangs das autoritäre Denken beschworen wird und wo die Teilnehmer, bedingt durch den unkritischen Glauben an die Seriosität der Mainstream-Medien und der Politiker, brav und artig die autoritären Anordnungen (vermutlich inklusive Genbehandlung) befolgen. Es erscheint schon als ein echtes Kunststück jetzt genau jenen Menschen, welche diese Autoritäten hinterfragen, autoritäres Denken (inklusive diverser sonstiger psychischer Auffälligkeiten) zu unterstellen.

Im gleichen Stil geht es dann bei Markus Brunner und Florian Knasmüller (Sozialpsychologische Betrachtungen von Protest und Radikalisierung in Corona-Zeiten) weiter. In Anlehnung an vorliegende Forschungsergebnisse werden Verschwörungstheoretiker als eine Misstrauensgemeinschaft charakterisiert, welche jene Wissensgrundlage aufgekündigt hat, „auf deren Basis politische Konflikte ausgehandelt werden“ (89). Diese Szene zeichne sich durch eine zunehmende Radikalität und Gewaltbereitschaft sowie die offensichtliche Präsenz rechtsextremer Akteure aus.

Bereits diese Grundeinschätzung offenbart dass sich die Autoren bei ihren Ausführungen an der Darstellung der Massen-Medien orientieren und daher die Coronaproteste illegitimerweise kriminalisieren. Die Abhängigkeit an der Mainstream-Narrative zeigt sich auch bei der inhaltlichen Charakterisierung der sogenannten Verschwörungstheorien. Als Verschwörungstheorie gelten folgende Positionen:

Die Maßnahmen werden vom Staat zur Überwachung und Kontrolle missbraucht, Politik und Medien stecken unter einer Decke, dieses politisch-mediale Kartell verschweigt der Bevölkerung die Wahrheit, die Welt wird von geheimen Organisationen gesteuert und die Politiker sind nur deren Marionetten. Das Virus ähnelt einer normalen Grippe, seine Gefährlichkeit wird übertrieben.

Als ebenso verschwörungstheoretisch gelten Zweifel am menschengemachten Klimawandel (90).

Wie können diese Verschwörungstheoretiker nur einen solchen Unsinn glauben? Die Autoren sind auch mit rationalen Erklärungen und der entsprechenden Einordnung rasch zur Stelle: Die Verschwörungstheoretiker reagieren damit einordnend auf das emotionale Chaos, in solchen Situationen ist es hilfreich angesichts der auftretenden Ohnmachtsgefühle konkrete Übeltäter nennen zu können. Mit der Suggestion der relativen Harmlosigkeit des Virus wird eine deutlich geringere Verängstigung bewerkstelligt. Mit diesen Erkenntnissen und Erklärungen werde ein psychisch bedingter, kollektiver Narzissmus produziert, der als Feindbild eine Elite erkennt, die das Volk betrügt.

Es gibt hier aber auch einen wirklichen – und offenbar repräsentativen – Kontakt zum Forschungsgegenstand. In der „Forschungswerkstatt Coronaproteste“ erfolgten Umfragen, welche das überraschende Ergebnis erbrachten, dass der Rechtsautoritarismus in dieser heterogenen Szene nicht stärker ausgeprägt ist als in der Restbevölkerung. Wie ist dieses Ergebnis mit der Berichterstattung der Qualitätsmedien in Übereinstimmung zu bringen? Ist der mediengläubige Leser nicht jetzt massiv verunsichert? Diesbezügliche Sorgen sind aber unbegründet. Kurz darauf wird sogleich festgehalten, dass Verschwörungstheorien ein Scharnier für den Rechtsextremismus darstellen und sich immer (Hervorhebung RB) auch bei antisemitischen Bildern bedienen (107).

Ulrike Schiesser kontrastiert in ihrem Interview klar zwischen Verschwörungsglauben und Faktenwissen. Sie kann nicht nachvollziehen, warum nach zwei Jahren Pandemie noch keine Abkehr von der Verschwörungsgläubigkeit zu verzeichnen ist. Böse Zungen könnten hier einwenden, dass diesbezüglich möglicherweise die vorliegende Evidenz ausschlaggebend ist.

Auch sie bedient die weit verbreitete Auffassung, dass ein höherer Bildungsgrad eine Prophylaxe gegen Verschwörungsglauben darstelle. Es ist eine verführerische Vorstellung die eigene Position mit einer ausgeprägteren Intellektualität in Verbindung zu bringen, nur leider wird hier Korrelation mit Kausalität verwechselt. Höher Gebildete sind deutlich länger dem Indoktrinierungsmarathon des Bildungswesens ausgeliefert und können sich aufgrund ihrer Abhängigkeit von staatlichen Geldern oppositionelle Positionen auch schwerer leisten als Handwerker, kleine Angestellte und Hilfsarbeiter.

Da Frau Schiesser davon ausgeht, dass es sich bei Verschwörungstheorien um religiöse Überzeugungen handelt, bezweifelt sie in vielen Fällen die Sinnhaftigkeit einer argumentativen Auseinandersetzung. Diese ehrliche Einschätzung erlaubt Rückschlüsse auf die oben erwähnte Diskursfreudigkeit.

Im Beitrag von Maria Do Mar Castro Varela (Gibt es ein Recht auf Desinformation? Hassreden und Staatsphobie in sozialen Medien) gibt die Verfasserin Einblick in ihre Sichtweisen hinsichtlich des Begriffes Desinformation, denn gerade während Covid 19 wurde (nach ihrer Ansicht) massiv Desinformation verbreitet. Träger und Empfänger dieser Falschinformationen ist ein „loser Zusammenschluss von Menschen, die einzelne staatliche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie abgelehnt und zudem Misstrauen gegenüber wissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnissen propagiert“ hat (121).

Als Desinformation gelten etwa wissenschaftsfeindliche Positionen wie „Impfungen gegen das Virus seien tödlich oder zumindest gesundheitsschädlich“ (122). Wie gesagt, wir befinden uns im Jahr 2022. Es ist immer noch beeindruckend, wie die Propaganda ein völlig neuartiges (und in seinen Neben- und mittelfristigen Wirkungen unbekanntes) Medikament als sichere Schutzimpfung verkaufen konnte und die Menschen dabei so manipulierte, dass jeglicher Zweifel an dem Glaubensbekenntnis „Die Impfung ist sicher und wirksam“ als Ketzerei betrachtet wurde.

Die Autorin bringt diese Kritik in Zusammenhang mit der Delegitimierung des Staates durch die Reichsbürger, und natürlich darf hier auch nicht der Hinweis auf antidemokratische Ideologien, Antisemitismus (inklusive der Protokolle der Weisen von Zion und der Theorie des großen Bevölkerungsaustausches, der angeblich mit einer antijüdischen Verschwörungstheorie in Zusammenhang steht) und Rassismus nicht fehlen.

Auch ihr Weltbild scheint massiv von den Massenmedien geprägt zu sein, es wird davon ausgegangen, dass Leitmedien und Politiker grundsätzlich die Wahrheit sagen. Im Gegensatz dazu wird der Bürger in Alternativmedien durch Hassrede desinformiert und mit einem Misstrauen gegen die Regierung und die Parteien ausgestattet, das zur Staatsphobie führt. Dieser digitale Hass bewirke unzutreffende Vergleiche von Regierungsmaßnahmen mit Stasi- und Nazimethoden.

Fazit

Der vorliegende Band erscheint auch dahingehend bemerkenswert, da er (unfreiwilligerweise) die grundsätzlichen Probleme dieser Anti-Verschwörung-Industrie dokumentiert. Diese Probleme liegen primär in der mangelnden Sach- und Methodenkompetenz der Forscher begründet.

Ohne jegliche Kenntnis, oder auch nur den Ansatz einer seriösen Auseinandersetzung hinsichtlich des medizinischen Forschungsstandes, der innerfachlicher Diskussionen oder der Ergebnisse journalistischer Recherche, werden allgemein kolportierte Vorurteile übernommen und Menschen (inklusive etlicher angesehener Wissenschaftler) mit anderen Meinungen mit dem Kampfbegriff des Verschwörungstheoretikers belegt und in einen überaus fragwürdigen Kontext gesetzt.

Die Vertreter dieser Richtung übernehmen ohne Einzelfallprüfung die Narrative der Propaganda und errichten auf Basis dieser dubiosen Voraussetzungen Theoriegebäude, welche unter Einsatz des Kampfbegriffes „Verschwörungstheorie“ hinsichtlich ihrer argumentativen Wertigkeit völlig unterschiedliche weltanschauliche Erklärungsansätze zusammenfassen und hierbei teilweise auch nicht davor zurückschrecken Menschen mit anderen Weltanschauung in psychischer Hinsicht zu pathologisieren, beziehungsweise selbige zu kriminalisieren. Dies gipfelt dann teilweise in der Behauptung der Existenz einer Verschwörungsmentalität, welche dann den Rahmen für weitere psychologische und politische Spekulationen bietet.

Gefördert wird diese methodisch und ethisch höchst fragwürdige Vorgangsweise durch die in diesem Segment generell zu verortende, mangelhafte methodische Stringenz. In Ermangelung einer klaren und einheitlichen Definition des Begriffes „Verschwörungstheorie“, sowie der unreflektiert pejorativen Verwendung desselben, sind propagandistischem Missbrauch und ideologischer Willkür Tür und Tor geöffnet.

Es gehört zu den Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens als ersten Schritt bei der Theorienbildung nach einer gesicherten Ausgangsbasis zu suchen. In der scheinbaren Sicherheit des Mainstreams zu schwimmen ist verführerisch, aber medial verbreitete Narrative stellen eben kein geeignetes Fundament für die Theorienbildung dar. Mit anderen Worten: Das ist keine seriöse wissenschaftliche Herangehensweise sondern vielmehr die akademische Variante vom Russischen Roulette! Derartig mangelhafte Methodik produziert keine wissenschaftlichen Erkenntnisse sondern lediglich akademische Unverbindlichkeiten (der moderne Ausdruck hierfür lautet Geschwurbel). Die umfangreiche Anwendung derartiger unmethodischer Herangehensweisen lässt die Frage nach der Qualität der universitären Ausbildung legitim erscheinen.

Im konkreten Fall Corona stellt es geradezu den Gipfel der Peinlichkeit dar, dass die kolportierten „Wahrheiten“ (also die propagierten medizinischen und wissenschaftlichen „Erkenntnisse“), welche von den „Verschwörungstheoretikern“ geleugnet wurden, sich als Falschinformationen erwiesen haben.

Die Maßnahmen waren überzogen, das Virus bewegte sich im Bereich des Gefahrenpotentials einer Grippe, „die“ Wissenschaft folgte wider besseres Wissen den Vorgaben der Politik, die Mainstream-Medien haben sich mit ihrer narrativgläubigen Berichterstattung bis auf die Knochen blamiert und die Spritze hatte schwere gesundheitliche Schäden, beziehungsweise manchmal auch den Tod zur Folge.

Summa summarum hatten die hier tendenziell als rechtsextrem geframten Mitbürger extrem recht und die Jünger „der“ Wissenschaft (inklusive der politischen und epistemischen Autoritäten) erweisen sich nun als leichtgläubige Opfer von Massenpsychose, Staatspropaganda und Pharma-Werbung. Die hier dokumentierte Vorgangsweise sollte wissenschaftshistorisch aufgearbeitet und als ein warnendes Beispiel für den Missbrauch der Wissenschaft im Sinne von Politik und Industrie dokumentiert werden. Der wissenschaftliche Wert einer derartigen Forschung liegt also nicht in der Validität der Ergebnisse, sondern vielmehr in der Materialgenese für die Vorurteils- und Propagandaforschung.

Die hier skizzierte „Wissenschafts“-Praxis erzeugt auf Basis falscher Grundannahmen und unzutreffender Stereotypen Feindbilder, welche die Spaltung der Gesellschaft befördern. Die Wissenschaft dient somit als ideologische Grundlage für geistige Brandstiftung. Vermutlich ist den Forschern nicht bewusst wie nahe sie geistig jenen Positionen stehen, die sie vorgeben zu bekämpfen. Eine Wissenschaft, welche gesellschaftliche Akzeptanz erlangen will, muss sich von dieser ideologisch determinierten und politisch opportunen Gefälligkeitsforschung distanzieren und den Weg in eine evidenzbasierte und methodisch stringente Forschungspraxis finden.

Von Sir Peter Ustinov zu Kaiser Ferdinand I?

Es stellt sich hier ernsthaft die Frage, ob eine derartige Wissenschaftsshow im Interesse eines kritischen Freigeistes wie Sir Peter Ustinov liegen kann. Aber vielleicht werden wir ja gerade Zeuge eines Autoritätenwechsels.

Die ORF-Mitarbeiterin Elke Ziegler, widmet sich in ihrem Beitrag (Wissenschaftskommunikation in der Krise. Binnenansichten einer Journalistin in Österreich), den diesbezüglichen Optimierungspotentialen in der Kommunikation. In diesem Artikel geht es zwar nicht direkt um Verschwörungstheorien, allerdings stellt Frau Ziegler unter Hinweis auf die „Ursachenstudie zu Ambivalenzen und Skepsis in Österreich in Bezug auf Wissenschaft und Demokratie“, fest4, dass von großen Teilen der Bevölkerung Wissenschaft und Politik als elitärer Interessensverband wahrgenommen werden.

Eine selbstkritische Reflexion der Ursachen einer derartigen wissenschaftsskeptischen Sichtweise der Bevölkerung ist von der hier präsentierten Wissenschaft wohl nicht zu erhoffen. In Anbetracht der oben erwähnten Huldigung des Autoritären und der lokalhistorischen Tradition im Sinne eines Kaiser Ferdinand I, ist wohl eher zu erwarten, dass der nächste diesbezügliche Kongress in Wien unter dem Motto steht: „Ja, dürfen’s denn des?“5

Referenzen

3 Er ist Verfasser des Standardwerkes: „Nichts ist, wie es scheint. Über Verschwörungstheorien“. Im Gegensatz zu den oftmals völlig unkritischen Verherrlichungen des Mainstreams ,sei hier auf die Rezensionen von Norbert Häring (https://norberthaering.de/news/butter-verschwoerungstheorie/) und Paul Schreyer (https://paulschreyer.wordpress.com/2018/03/18/verschwoerungstheorien-alles-ist-wie-es-scheint/) hingewiesen. Sehr ausführlich analysieren auch Andreas Anton und Alan Schink, Essay Review, Verschwörungstheorien zwischen Sein und Schein, Zeitschrift für Anomalistik, 19, 2019, 471- 468. https://www.academia.edu/41349969/Anton_A_and_Schink_A_2019_Rezension_zu_Michael_Butter_2018_Nichts_ist_wie_es_scheint_%C3%9Cber_Verschw%C3%B6rungstheorien?nav_from=fdbca8b6-1d33-45f3-8420-b348cb8d4bc2

4 Jhannes Starkbaum et. al. Ursachenstudie zu Ambivalenzen und Skepsis in Österreich in Bezug auf Wissenschaft und Demokratie – Endbericht, Wien 2023: https://pubshop.bmbwf.gv.at/index.php?article_id=9&type=neuerscheinungen&pub=1042

Bild: Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Dr. Ronald Bilik studierte Alte Geschichte und Philosophie. Seine Dissertation verfasste er als Stipendiat der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er war jahrelang Vizepräsident des Humanistischen Verbandes (vormals Freidenkerbund) und Chefredakteur der Freidenker-Zeitschrift. Ronald Bilik arbeitet im Trainings- und Personalbereich und war unter anderem Personalchef des Roten Kreuzes/Niederösterreich. Er verfasste etliche Artikel zu den Themen Christentum und Islam und ist Autor des Buches Pandemische Irrtümer. Kritische Bemerkungen zur erfolgreichen Missionierung der Corona-Gläubigen. Zu diesem Thema gab er auch Interviews beim Kontrafunk, bei Punkt Preradovic und Nadia Danneberg.


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11 Kommentare

  1. Sabine Schoenfelder 7. Februar 2025 um 15:42 Uhr - Antworten

    Erstaunlich welch ausgefallene Bezeichnungen schlichte ZENSUR sich selbst verpaßt !
    „ Anti-Verschwörungs-Kongress“….😂🤣…wirklich köstlich …. und mindestens so irre, wie Ustinov als „Nero“…..

  2. Pfeiffer C 7. Februar 2025 um 13:48 Uhr - Antworten

    Im konkreten Fall Corona stellt es geradezu den Gipfel der Peinlichkeit dar, dass die kolportierten „Wahrheiten“ (also die propagierten medizinischen und wissenschaftlichen „Erkenntnisse“), welche von den „Verschwörungstheoretikern“ geleugnet wurden, sich als Falschinformationen erwiesen haben.

    Die Maßnahmen waren überzogen, das Virus bewegte sich im Bereich des Gefahrenpotentials einer Grippe, „die“ Wissenschaft folgte wider besseres Wissen den Vorgaben der Politik, die Mainstream-Medien haben sich mit ihrer narrativgläubigen Berichterstattung bis auf die Knochen blamiert und die Spritze hatte schwere gesundheitliche Schäden, beziehungsweise manchmal auch den Tod zur Folge.

    Dieser Anti-Verschwörungs-Kongress spiegelt recht deutlich eine intellektuelle Kernschmelze des wissenschaftlich-politisch-medialen Komplexes.

    NEVERFORGET! & SIE WERDEN DAMIT NICHT DURCHKOMMEN!

  3. Andreas I. 7. Februar 2025 um 12:53 Uhr - Antworten

    Hallo,
    ,,Clara Schliesser … bietet einen tiefenpsychologischen Ansatz und untersucht die Zusammenhänge von Verschwörungstheorien zu … ödipaler Phänomene“

    Ach.
    Ich habe das selten, aber manchmal habe ich zwanghaft die Vorstellung, wie Evelyn Hamann einen Text lesen würde.

  4. Varus 7. Februar 2025 um 9:30 Uhr - Antworten

    einige der Teilnehmer kommen aus einschlägigen Instituten und Forschungsprojekten (an prominenter Stelle ist hier Michael Butter zu nennen), Ulrike Schiesser ist Leitern der Bundesstelle für Sektenfragen

    Wie stark wurden diese Vereine von USAID und ähnlichen Anstalten Westeuropas gefördert?

  5. Jan 7. Februar 2025 um 8:04 Uhr - Antworten

    Eine Verschwörung ist eine Verabredung mindestens zweier zu Lasten eines Dritten. Viele Verträge und politische Kooperationen fallen in diesen Bereich. Firmen pochen sogar auf Datenschutz, wenn Dritte, der Steuerzahler, diese Verträge bezahlen! Verschwörungen in diesem Sinne sind somit allgegenwärtig. Nächtliche Zusammenkünfte um einen Salzkreis sind nicht erforderlich.

    Es handelt sich vielmehr um die Etablierung von Denkverboten. Dass ein Swoboda dies nicht erkennen sollte, ist unglaubwürdig!

    Die Spritzen wirken laut Aussage des Herstellers nicht wie ein Impfstoff (keine Reduktion von Transmission und Infektion) und haben ein im Vergleich deutlich erhöhtes kurzfristiges Schadpotential.

    Einige Studienergebnisse lassen den Schluss zu, dass darüber hinaus langfristig jede dieser Injektionen erheblichen Schaden anrichtet, der wahrscheinlich auf eine Verringerung der Lebenszeit hinausläuft. Auch dürften Erbkrankheiten ansteigen.

    Wenn trotz dieser ernsthaften Bedenken die Produkte dennoch nicht vom Markt genommen werden und Staat und Justiz in ihren Garantenstellungen versagen, lässt dies nur den Schluss zu, dass es absichtlich und vorsätzlich passiert.

    Als Vorsatz gilt bereits „in Kauf nehmen“.

    Welches Motiv Einzelne dabei hatten und wie dieses Vorgehen organisatorisch zustande gekommen ist, ob sie sich im Salzkreis getroffen haben, ist nebensächlich.

    Wenn Personen wie Dr. Swoboda diesen Vorsatz unterstützen, muss man daraus natürlich für sich selbst Konsequenzen ziehen. Denn am Ende bleibt man für sich selbst verantwortlich. Das ist das Ergebnis von Aufklärung und Hauptmerkmal des „citoyen“.

  6. Daisy 7. Februar 2025 um 7:36 Uhr - Antworten

    Ich liebe Ustinov sehr, allein, wenn ich das Bild oben sehe, muss ich schon schmunzeln. Als Nero hat er sich auch voll ausleben können. :-)
    Gewiss hätte er mit diesen Leuten keine Freunde. Dazu war er viel zu intelligent und ein wirklicher Menschenfreund und -kenner.

    „Die hier skizzierte „Wissenschafts“-Praxis erzeugt auf Basis falscher Grundannahmen und unzutreffender Stereotypen Feindbilder, welche die Spaltung der Gesellschaft befördern. Die Wissenschaft dient somit als ideologische Grundlage für geistige Brandstiftung.“

    Ja.
    Das sind keine Wissenschaftler, sondern einseitig verblendete Parteiheinis, die Andersdenkende diskreditieren und ihnen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Geisteskrankeit unterstellen. Das ist das System Gulag. Dort hatte man jede Menge Irrenhäuser für Systemkritiker errichtet. Die Vorwürfe waren ähnlich – Kritiker wurden als „faschistisch-rechtsextrem und geisteskrank-paranoid“ bezeichnet. Damit hat man sie ausgeschaltet, weggespexxt und schließlich auch umgebrxcht. Der Gulag verursachte einen riesigen Braindrain, denn es waren just die Intellektuellen und anständigen Menschen, die er aus dem Genpool entfernt hat…

    • Jan 7. Februar 2025 um 9:11 Uhr - Antworten

      „denn es waren just die Intellektuellen und anständigen Menschen, die er aus dem Genpool entfernt hat“

      Aktuell passiert das Gegenteil.

      • Daisy 7. Februar 2025 um 10:23 Uhr

        Ja, für den Durchschnitt mag das stimmen. Ich dachte anfänglich auch, wieso lassen sie die Gescheiteren und Selbstdenker überleben? Kommt irgendwo noch ein dickes Ende? Sind die vielleicht gegen irgendetwas anderes geimpft?

    • triple-delta 7. Februar 2025 um 10:08 Uhr - Antworten

      Sie wissen leider gar nichts über das „System Gulag“, außer was die Westpresse für Sie für wissenswert hält.
      Das ist die große Tragik fast aller, die sich für kritisch und aufgeklärt halten. Sie erkennen den ihnen anerzogenen Antikommunismus nicht und plappern fleißig die Lügen nach, die man ihnen erzählt hat. Das Schlimmste für das Kapital wäre, wenn sich die Menschen davon befreien könnten und sich ihnen eine Perspektive außerhalb des Kapitalismus eröffnen würde.

      • Daisy 7. Februar 2025 um 11:59 Uhr

        Es wäre vielleicht angebracht, analog der Leugnung der Gräueltaten des N-Sozialismus auch jene des realen S. zu verbieten.

        Lesen Sie Archipel Gulag und bezeichnen Sie Solschenizyn nicht als Lügner. Ich selbst weiß genug aus meiner Jugendzeit von den vielen Lagern und Irrenanstalten in Sibirien. Ich kann nur den Kopf schütteln. Und genau das bahnt sich auch jetzt wieder an. Deswegen merken es ja die Menschen aus dem ehem. Ostblock sehr deutlich, bis auf ein paar Ausnahmen. Der K-ismus ist nicht wegen des Kapitalismus gescheitert, sondern wegen sein religiösen Verblendetheit, die die menschliche Natur nicht akzeptiert und daher ändern will, leider nicht nur mit psychischer (Umerziehung, Gehirnwäsche usw.), sondern auch mit physischer Gewalt.

        Was das Kapital anbelangt, so müsste man es tatsächlich entfernen, es nur den einen wegzunehmen, die es zumeist redlich und mit Fleiß verdient haben, und dann selbst zum Kapitalisten zu werden, ist halt nicht die Lösung. Damit kriegt man den bösen Kapitalismus nie weg, wissen Sie?
        Und dann sind wir bei Schwab: „You will own nothing“, aber „some are more equal“…

    • Andreas I. 7. Februar 2025 um 13:14 Uhr - Antworten

      Hallo,
      mal abgesehen davon, ein System, in dem die Profiteure von IG-Farben über Krupp, bis zu all den Zulieferern der Rüstungsindustrie allesamt privatwirtschaftliche kapitalistische Unternehmen waren, als ,,sozialistisch“zu bezeichnen … was solls, manche Leute haben halt Rechts-Links-Schwäche.

      Unterhaltsam ist auch das:
      ,,Der Gulag verursachte einen riesigen Braindrain, denn es waren just die Intellektuellen und anständigen Menschen, die er aus dem Genpool entfernt hat…“

      Das ist deshalb unterhaltsam, weil dem die Vorstellung zugrunde liegt, dass sich Intelligenz und Anstand (was auch immer man darunter verstehen mag) genetisch vererben würden.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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