
Alternativen zum US-Dollar
Wegen der vielen Sanktionen von USA und EU, die auf dem Zahlungssystem des Dollars basieren, entsteht für immer mehr Länder die Notwendigkeit Alternativen dazu zu schaffen. Hier ein Vorschlag dazu.
Am 31.01.25 meldete ZDF „Die BRICS-Staaten träumen von der Abkehr vom US-Dollar und einem unabhängigen Zahlungssystem. Trump droht ihnen nun mit Zöllen, sollten die Länder dies wirklich umsetzen.“ Der Internationale Zahlungsverkehr wird zunehmend mit dem West-Rest-Konflikt vermischt, also der Westen gegen den Rest der Welt. Die Sanktionen gegen Russland im Zusammenhang mit der Ukraine, nicht erst sei dem Februar 2022, habe diesen Aspekt auch verstärkt. Es gibt auf der Welt viele Länder, denen die USA wegen Ungehorsam in einem vom US-Dollar dominierten internationalen Zahlungssystem Probleme bereiten könnten. Die Frage nach einer Alternative stellt sich also.
Ein altes Problem
Das Problem betrifft aber auch die westlichen Länder, mit Ausnahme der USA, und es ist älter als der West-Rest-Konflikt. Ein Problem im Welthandel ist die Vereinbarung von Preisen und der anzuwendenden Währung. Zwischen Vertragsabschluss und Zahlung können sich die Wechselkurse verändern. Wenn die Währung einer Seite verwendet wird, trägt die andere Seite das Kursänderungsrisiko allein. Rohstoffpreise werden häufig in US-Dollar vereinbart, auch wenn keiner der Vertragspartner in den USA ansässig ist. Diese Währung ist aber für Verträge ziemlich ungeeignet, weil ihre Kurs von Spekulationen auf internationalen Devisenmärkten beeinflusst wird. Bei steigenden Zinsen in den USA steigen wegen der höheren Nachfrage nach US- Dollar die Kurse was eine zusätzliche spekulative Nachfrage verursacht. Dann steigen ohne sachlichen Grund weltweit die Rohstoffpreise, nur nicht in den USA.
Schon die Initiative des ehemaligen französischen Präsidenten François Mitterrand, das Europäische Währungssystem (EMS) mit der Europäischen Währungs-Einheit (ECU) zu einer vollwertigen Währung auszubauen, sollte eine Alternative zum US-Dollar schaffen. Die Idee kann nach über 35 Jahren mit der Bewertung „gut gedacht, schlecht gemacht“ versehen werden. Eine Weltreservewährung hätte mit einem angemessen großen, aber nicht überdehnten Wirtschaftsraum zunächst Vertrauen aufbauen müssen. Die Deutsche Mark als Stabilitätsanker hätte den Französischen Franc, den Holländischen Gulden, den Belgisch-Luxemburgischen Franc und den Österreichischen Schilling unter einem neuen Namen aufsaugen können. Die sofortige Beteiligung der PIGS-Staaten (Portugal, Italien, Griechenland, Spanien) hat die neue Währung aber überlastet. Zusätzlich haben die USA hinter den Kulissen erfolgreich gegen die neue Konkurrenz intrigiert. Inzwischen kann der Mitterrand-Plan als gescheitert angesehen werden.
Internationaler Interessengegensatz
Donald Trump hat richtig erkannt, dass der Verlust des Status der Weltleitwährung für den US-Dollar und damit für die US-Wirtschaft katastrophale Folgen haben würde. Auf den internationalen Finanzmengen zirkulieren Unsummen an sog. „vagabundierendem Kapital“, meist in US-Dollar. Würde die Welt das Vertrauen in die USA verlieren und den Welthandel in einer BRICS-Währung abwickeln, müssten diese Investitionen kurzfristig in die USA zurückfließen und in Immobilien oder Unternehmen investiert, denn nur dort würde der US-Dollar weiterhin als Zahlungsmittel akzeptiert. Eine solche schlagartige Erhöhung der im Inland zirkulierenden Geldmenge könnte eine Hyperinflation auslösen.
Während der Euro nach dem Mitterrand-Plan den US-Dollar nicht wirklich ersetzen sollte, wäre eine BRICS-Währung eine ernste Kampfansage an die Vormachtstellung der USA. Dass die USA diesen Kampf mit allem Mitteln gewinnen wollen, ist nachvollziehbar. Ebenso verständlich ist, dass ein Teil der BRICS+-Staaten einen offenen Konflikt scheut.
Trotzdem ist der Interessengegensatz nicht wegzudiskutieren, und der hat sich seit Corona deutlich verstärkt. Am 29.01.25 schrieb Alexander Plaschko bei TKP: „Die Zentralbanken haben seit der Finanzkrise 2008 enorme Mengen an Geld gedruckt, um das Banken-, und Finanzsystem zu stabilisieren. Auch während der Covid-19-Plandemie wurden viele Milliarden an Geld gedruckt und in die Märkte gepumpt, um politisch verursachte wirtschaftliche Einbrüche (u.a. durch Lockdown) abzufedern. Doch diese Maßnahmen haben Nebenwirkungen: Sie führen langfristig zu einer Entwertung des Geldes und legen die Grundlage für eine Rückkehr der Inflation.“
Der Verfasser hat sich schon in einer Expertenanhörung der Enquete-Kommission 17/2 „Corona-Pandemie“ des Landtags von Rheinland-Pfalz vom 31.10.2020 ähnlich geäußert. Seine schriftliche Stellungnahme kann hier nachgelesen werden. Seine mündlichen Ausführungen sind hier zugänglich. Aus Anlass dieser Anhörung hat er zudem die Ereignisse der großen Inflation, die im Oktober 1923 ihren Höhepunkt erreichte und mit der Einführung der Rentenmark am 15.11.23 beendet wurde, in einer Abhandlung analysiert.
Auch aufgrund der Erfahrungen von 1923 wurde die Gleichgewichtsformel
Y · P = M · U
(Y = Wirtschaftsleistung, P = Preisniveau, M = Geldmenge, U = Umlaufgeschwindigkeit – vgl. z.B. Massachusetts Institute of Technology, Quantity Theory of Money )
formuliert. Der Inflationstreiber war damals die enorme Umlaufgeschwindigkeit, dass also jeder Geldschein sofort in ein Geschäft getragen wurde, weil er am nächsten Tag schon wertlos sein konnte.
Trotz der extremen Ausweitung der Geldmenge nach 2008 kam es nicht zu einer nach dieser Formel zu erwartenden Inflation. Anders als der Euro und der US-Dollar war die Reichsmark eine reine Binnenwährung, die außerhalb Deutschlands nicht als Zahlungsmittel akzeptiert wurde. Jetzt floss die inländische Geldmenge (= Euro und Dollar) in großem Umfang ins Ausland ab, statt im Inland zu zirkulieren. Im Ergebnis wurde die nordamerikanische und europäische Inflation nach Asien, Afrika und Lateinamerika exportiert; ein Kolonialismus 3.0! Das Problem bestand schon vor Corona, wurde aber ab 2020 erheblich verschärft. In Argentinien als Extrembeispiel stieg die Inflationsrate von 38,5 % im Januar 2021 auf 254,3 % im Januar 2024. Das werden diese Länder auf Dauer nicht akzeptieren können. Hier bezeichnete Patrick Barron am 07.11.2022 eine internationale Alternativwährung als unausweichlich.
Alternativer Lösungsansatz
Es stellt sich nun die Frage, ob es nur die Möglichkeit eines internationalen Handelskonflikts gibt, den die USA als Kampf um ihr Überleben führen müssen, oder es einen anderen Weg geben könnte, auf den die Alternativwährung nicht plötzlich eingeführt wird, sondern langsam wächst. Schon Karl Marx analysierte in seinem Hauptwerk „Das Kapital“ 1867 die Rolle des Geldes, und er bezeichnete Gold und Silber als „Allgemeines Äquivalent“, eine im Kern nutzlose Ware, die als Tauschmittel gegen jede andere Ware akzeptiert wurde.
Nach Marx hat das Geld neben der Funktion als Tausch- bzw. Zahlungsmittel auch die Funktion des Wertmaßstabs, mit dem auch ohne eine konkrete Transaktion Vermögenswerte, Schulden, Erträge und Aufwendungen gemessen werden können. Sehr wichtig sind die Funktion als Wertaufbewahrungsmittel und als Kreditmittel. Die meisten Waren verderben mit der Zeit, Gold und Silber aber nicht. Und er erkannte die Funktion als Weltgeld (money of the world).
Hierzu schrieb er: „Wie für seine innere Zirkulation, braucht jedes Land für die Weltmarktzirkulation einen Reservefonds. Die Funktionen der Schätze entspringen also teils aus der Funktion des Geldes als inneres Zirkulations- und Zahlungsmittel, teils aus seiner Funktion als Weltgeld. In der letzteren Rolle ist stets die wirkliche Geldware, leibhaftes Gold und Silber, erheischt, weswegen James Stewart Gold und Silber, im Unterschied von ihren nur lokalen Stellvertretern, ausdrücklich als money of the world charakterisiert.“ (Karl Marx, Das Kapital, zitiert nach Marx-Engels-Werke Bd. 23, S. 158 f.)
Was wäre, wenn diese fünf Funktionen des Geldes teilweise getrennt würden? Eine international akzeptierte Recheneinheit nach dem Vorbild des ECU würde die Aufgabe des Wertmaßstabs, Kreditmittels und Weltgeldes übernehmen. Nationale Währungen würden auch weiterhin als Zahlungsmittel dienen. Internationale Verträge würden die Kunstwährung verwenden und die Währung definieren, in die der vereinbarte Betrag für die Zahlung zum Tageswert umgerechnet würde. In Ländern mit instabilen Währungen könnte die Kunstwährung auch für inländische Verträge genutzt werden.
Als Wertaufbewahrungsmittel sollten verstärkt Sachwerte genutzt werden, Rohstoffe, Unternehmensbeteiligungen, Immobilien, etc., für deren Übertragung dann aber vereinfachte Verfahren geschaffen werden müssten. Besonders bei selbstgenutzten Immobilien wäre ein Tausch mit Ausgleichszahlung für Wertunterschiede und eine leichte Übertragbarkeit der Finanzierung zu ermöglichen.
Die Kunstwährung könnte auch von einem Konsortium internationaler Banken oder von anderen nichtstaatlichen Organisationen berechnet werden. Es gäbe dann keine Staaten, die die USA mit Sanktionen belegen könnten. Es wäre eine Entscheidung privater Unternehmen, ob sie die Kunstwährung für die Preisvereinbarung nutzen wollen. Gezahlt würde dann in nationalen Währungen.
Alternativ könnte auch ein Kleinstaat, der keine Wirtschaftsbeziehungen mit den USA unterhält, die Kunstwährung offiziell als Währung einführen, und seine Zentralbank würde den Wechselkurs berechnen. Das könnte auch als Parallelwährung geschehen, so wie Kuba bis 2020 eine Parallelwährung für Touristen hatte. In dem Kleinstaat könnten dann international tätige Unternehmen Bankkonten unterhalten, und auch eine Zahlung in Kunstwährung statt in nationaler Währung abwickeln.
Bereits Ende 2018, nach der Lehman-Pleite und vor Corona, entwickelte der Verfasser diese Idee in einem indirekten Zusammenhang mit einem Forschungsprojekt (siehe). Er hat in einem Modell zunächst das Bruttoinlandsprodukt 2017 aller Währungsräume addiert, sofern es 1.000.000.000.000 USD überstieg. Danach wurde eine Kunstwährung berechnet, die am 01.01.2018 den Wert von 1.000 Schweizer Franken (CHF) hatte und sich mit den angegebenen Prozentsätzen aus entsprechenden Beträgen aus den Landeswährungen zusammensetzte.
Die Umrechnung erfolgte anhand der Euro-Umrechnungskurse der Österreichischen Nationalbank. Bei einem Vergleich der Währungsschwankungen zwischen CHF und Kunstwährung ergaben sich durchgängig deutlich niedrigere Schwankungen in der Kunstwährung. Bei einem Versuch, Indien, Brasilien, Russland und Mexiko als die Länder mit den stärksten Schwankungen aus der Kunstwährung zu entfernen, gab es kaum eine Stabilisierungswirkung. Auf solche Eingriffe kann also verzichtet werden.
Für international tätige Unternehmen, egal ob aus dem Westen oder dem Rest der Welt, wäre die Kunstwährung eine Möglichkeit zur Begrenzung von Währungsrisiken. Das würde auch für Banken gelten, wenn die Bankkunden die Risiken mit Devisentermingeschäften absichern und damit an die Banken verkaufen würden. Man sollte nicht vergessen, dass 20 der 100 größten Banken der Welt aus der Volksrepublik China stammen, darunter die Nummern 1 bis 4. Die USA haben 12 Vertreter in diesem Club, und die Chinesen haben mehr als die doppelte Bilanzsumme.
Nur die USA hätten ein Eigeninteresse, einen internationalen Wertmaßstab (money of the world) im Sinne der Marx’schen Geldtheorie zu verhindern, das sich zu einem privatrechtlich organisierten Kreditmittel und damit auch zu einem Weltgeld entwickeln könnte.
Die Diskussionen in der BRICS+-Gruppe drehen sich um eine Indexwährung auf der Basis von Rohstoffpreisen. Weil die aber überwiegend auf Dollar-Basis ermittelt werden, besteht hier eine Lücke. Die würde mit einer Kunstwährung geschlossen. Wie bei der Einführung des Euro würde eine reine Recheneinheit, damals der ECU, den Anfang machen.
Erst wenn ein paar Jahre lang die Rohstoffe in Kunstwährung bewertet würden, könnten die Rohstoffe der verschiedenen Länder als „Schatz“ im Marx’schen Sinne verwendet werden, der den internationalen Zahlungsverkehr absichert. Dann müsste die bisher nicht lösbare Frage geklärt werden, welche politischen Gremien welchen Einfluss auf die Geldpolitik der Gemeinschaftswährung hätten, und wie die besetzt würden. Bei einer Parallelwährung wäre der aber geringer als beim Euro, der die nationalen Währungen ersetzt hat.
Die Institution, die diese Recheneinheit erschafft und die Umrechnungstabellen veröffentlicht, ist austauschbar. Es wäre lediglich eine taktische Frage, ob es eine gemeinsame Einrichtung von Notenbanken aus den BRICS+-Staaten, ein Konsortium chinesischer Großbanken oder eine undurchsichtige NGO ist, die verdeckt von einem nicht-US-Oligarchen oder als NGO von einem Staat finanziert würde.
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wieder. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Prof. Dr. Werner Müller, ehem. Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Mainz, seit 2023 pensioniert und wohnhaft in Spanien.
Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.
Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.
BRICS PAY – neues Zahlungssystem zu Dedollarisierung
BRICS in der Endphase der Abkehr vom Dollar durch neues globales Zahlungssystem
Die einzige Alternative ist und bleibt eches Geld, d.h. Edelmetalle und andere „Rohstoffe“ mit denen man Direkttauschhandel betreiben kann. Warum der Autor das aber nicht weiss?
Obwohl ich selbst keine besitze: Wären nicht Bitcoins eine solche Kunstwährung als Alternative zum US-Dollar?
Als Laie gesprochen: Der ECU war von der Idee her eine feine Sache; der Euro nicht.
Und wenn ich mich recht erinnere, war in den Verträgen zur EU der ECU als gemeinsame Verrechnungseinheit verabredet, der Euro als gemeinsame Währung jedoch nicht; der ECU wurde dann in einer dieser typischen Über-Nacht-Und-Nebel Aktion nach Art des Hütchenspiels gegen den Euro ausgetauscht.
Und dann war er halt da und nicht mehr zu ändern.
Mit allen Konsequenzen bis heute.
Voilá.
Leider handelt es sich beim Euro allerdings nicht um einen hoheitrechtlich fundierten Geldersatz (Scheingeld), sondern nur um ein rein handelsrechtliches Konstrukt…
Eine Währung spiegelt die Gesamtheit der im Währungsraum erhältlichen Produkte und Services. Werden diese schlagartig halbiert, kollabiert die Währung. Inflation ist eine Lohn-Preis-Spirale, die verhindert werden kann, das wissen wir seit Hjalmar Schacht. Es geht um das Vertrauen der Marktteilnehmer. Dies ist auch das Problem bei internationalen Lösungen: Je mehr die internationale Stabilität in Frage steht, desto mehr setzen die Staaten auf Lösungen, die sie sicher kontrollieren können.
Einer der Gründe der aktuellen Verwerfungen ist der Aufstieg des Asiatischen Tigers und die Wachstumsschwäche des Westens, die vor allem eine Frage schwindener (billiger) Ressourcen aber auch des Bevölkerungsrückgangs ist. Der Westen hat schlichtweg zuwenig Überschuss, um die erstarkten Wachstumsmärkte zu disziplinieren wie in der Vergangenheit. Dazu kommt, dass die wichtigen Ölländer mehrheitlich islamisch sind und die Ölmärkte in Verkäufermärkte umschlagen. Diese Länder sind daher nicht geneigt, Lösungen der früheren Mächte zu akzeptieren, Russland und China haben hier einen ideologischen Vorteil. Feministische Außenpolitik gießt noch Öl ins Feuer. Der Ukraine-Konflikt führt dazu, dass die Märkte verstehen, dass die USA andere Länder nicht mehr zwingen können, den Dollar zu akzeptieren. Den BRICS ist außerdem völlig klar, dass die USA nach 2030 keine Rolle mehr als Ölproduzent spielen, der Westen schlägt sich in dieser Frage noch unversöhnlich die Köpfe ein. Damit fehlen dann allerdings 30% des Weltbedarfs – eine Aussage, die sofort Strafmaßnahmen wegen Kontaktschuld erfordert! Diese 30% will man derzeit dadurch kompensieren, dass man CO2 in die Frackingfelder presst, also noch mehr Aufwand treibt als die de dato bereits unrentable Förderung. Und in Europa meint man, dies ginge durch Solar und Wind.
Für die BRICS ist es sinnvoll, ihr billiges Öl für ihren eigenen Aufstieg zu verwenden, anstelle den maßlosen Fußabdruck der Amis mit ihren unendlichen Weiten und ihrer gigantischen Spekulationsblase mitzufinanzieren. Sie werden einfach einen gemeinsamen Markt bilden und abschotten und den Westen sich selbst überlassen.
Die Zolldrohung Trumps hat natürlich die Außenhandelsdefizite gegenüber Europa und China im Blick, er muss damit herunter. Langfristig benötigen die USA natürlich Außenhandel, um Energie einkaufen zu können. Damit begibt er sich in die Abhängigkeit der BRICS. Ich vermute daher eine Annektion Venezuelas, über eine „Eingemeindung“ Kanadas wird ja bereits diskutiert.
Der Euro hat das Problem, dass die Deutschen traditionell auf Disziplin und Stabilität setzen und die PIGS auf „Steuereinnahmen durch Inflation“. Das größere Problem dürften allerdings die fehlenden Ressourcen und das schwache Militär sein. Die EU könnte weder Handelswege sichern noch unabhängig von Energielieferungen produzieren. A propos, was produziert die EU außer Denkverbote, was China und Russland nicht produzieren könnten? Ist die Ingenieursausbildung, die Medizin (Impfungen!), die Software, die Fahrzeugtechnik dermaßen überlegen? Aus meiner Sicht fällt der Westen intellektuell rapide ab.
Das bedeutet, der Westen muss sich auf Degrowth einstellen, da werden eine Handvoll Kernkraftwerke am Rhein auch nicht helfen. Degrowth bedeutet aber einen rapiden Verlust an technischer und wirtschaftlicher Komplexität. Die Staaten und Regionen werden zunehmens auf sich allein gestellt sein. Und ein Rückfall in die 70er oder 40er Jahre würde einen deutlich höheren Anteil an Subsistenzwirtschaft erfordern. Schon allein deshalb, da der Garten und das Kleinvieh hinter dem Haus weniger Energieeinsatz bedeuten als die Lieferkette über Großbetriebe bis in den Supermarkt. Und das limitiert die Idee der städtischen Zentren und damit schließlich technische und militärische Potenz.
Vorerst reicht es, dass sie Handel vor allem in Yuan und Rubel treiben – in diesen Währungen kann auch in den BRICS-Ländern investiert werden. Bereits das macht von den USA unabhängiger. Sollte dort auch noch für 1-2 Jahre Hyperinflation kommen, hat die übrige Welt die USA mit etwas Glück vom Hals – zuerst müssten die sich lange Jahre erholen.