Iran versus Israel – welche Waffensysteme zum Einsatz kamen

28. Oktober 2024von 4,6 Minuten Lesezeit

Der Vergeltungsschlag des Iran am 1. Oktober hatte eine hohe Trefferquote. Bei der Vergeltung für Vergeltung durch Israel am 26. Oktober, war jedoch offenbar die Luftabwehr des Iran höchst erfolgreich und ließ nur einige wenige Treffer zu. Hier ein Überblick über die verwendeten Abwehrwaffen.

Die beiden Luftangriffe erfolgten mit einer sehr ähnlichen Zahl von gleichzeitig einkommenden Raketen. Der Iran setzte am 1. Oktober etwa 180 bis 200 Flugkörper ein. Der Großteil, wenn nicht alle waren ballistische Raketen, ein Teil davon Hyperschallraketen, der Rest Überschall. Von Überschall (super sonic) spricht man Geschwindigkeiten über Mach 1 bis Mach 5. Hyperschall (hyper sonic) reicht von Mach 5 bis Mach 15, das sind 2 bis 6 Kilometer pro Sekunde. Die Reichweite der iranischen Flugkörper beträgt zwischen 1000 und etwa 2000 Kilometer.

Am israelischen Angriff waren nach eigenen Angaben etwa 100 Kampfflugzeuge beteiligt. Diese flogen unter Verletzung der Souveränität via Syrien in den Irak bis etwa 100 Kilometer vor die Grenze des Iran um die Flugzeuge nicht der iranischen Luftabwehr auszusetzen. Dazu war Luftbetankung durch US-Tanker nötig, die USA war also direkt am Angriff beteiligt.

Jedes Flugzeug hat mit einiger Sicherheit 2 Raketen pro Angriffswelle abgesetzt, insgesamt waren also 200 Flugkörper gleichzeitig im Einsatz. Nach Angaben das US-Fachmagazins Military Watch Magazine haben Israels Luft-Boden-Raketen Reichweiten im Bereich von mindestens 300 bis 500 Kilometer, wobei die schnellsten Raketen im israelischen Arsenal mit etwas mehr als Mach 3 fliegen und die meisten deutlich langsamer sind. Das wären also maximal etwa 1,2 km/s.

Ballistische Raketen kommen aus Höhen von 60 km ein. Hyperschallrakten erzeugen durch die hohe Geschwindigkeit vor sich einen sehr hohen Druck und Temperaturen von einigen Tausend Grad wodurch ein Plasmamantel entsteht, der Radarstrahlen verschluckt. Über Mach 5 sind sie also für eine Abwehr unsichtbar. Erst im steil nach unten gerichteten Zielanflug werden sie langsamer und durch dichte Luft bis etwa Mach 4 bis 5 abgebremst und dadurch sichtbar. Bis zum Zieleinschlag beträgt die Flugzeit aber nur etwa 15 bis 30 Sekunden, was eine Abwehr kaum noch möglich macht.: Erfassen, Entscheidung, Waffenauswahl und Start benötigen Zeit.

Der Iran hat eine gestaffelte Raketenabwehr aus russischer und eigener Entwicklung. Es gibt Abfangmittel für kurze, mittlere und weite Distanz. Das Gesamtsystem, das in Verwendung ist, kommt aus Russland und ist dem ähnlich, was auch die Ukraine aus Sowjet-Zeit geerbt hat. Es handelt sich um das S300 mit Radaranlagen verschiedener Reichweiten, Auswerte- und Kommandostationen, verschiedenen Startern für die jeweiligen Abfangmittel.

Raketen Batterie und Radar des S-300PMU-2 Systems

In dem Beitrag schreibt das Military Watch Magazine: „Bei den iranischen S-300PMU-2-Systemen bleibt offen, ob sie mit Boden-Luft-Raketen des Typs 48N6DM ausgerüstet sind, die Berichten zufolge mit einer verbesserten Variante des Systems kompatibel sind und auch als primäre Langstreckenbewaffnung des neueren S-400-Systems dienen. Diese Raketen verfügen über besonders fortschrittliche Raketenabwehrfähigkeiten, da sie über fortschrittlichere Sensoren und höhere Geschwindigkeiten von mehr als Mach 14 verfügen, so dass sie Ziele mit sehr hohen Überschallgeschwindigkeiten, einschließlich Hyperschallgeschwindigkeiten von mehr als Mach 8, bekämpfen können. China hat diese von Russland gelieferte Raketenklasse bereits getestet, um Ziele mit Geschwindigkeiten von mehr als Mach 8 in einer Entfernung von 250 Kilometern erfolgreich abzufangen – eine Leistung, die keine israelischen luftgestützten Raketen und nur sehr wenige luftgestützte Raketen in der Welt erreichen können.“

Unklar dabei ist, welche Erkennungs- und Zielführungssystem dafür in Verwendung sind. Möglicherweise optische System, oder neue Radargeräte, die den Plasmamantel durchdringen und eine Reflexion erhalten können. Oder Kombination davon. Die Russen benutzen für die Steuerung wahrscheinlich aus deutschen Waschmaschinen ausgebaute Prozessoren, Baerbock wollte bekanntlich deshalb die Lieferung solcher Hightech-Gerate an Russland unterbinden.

Ohne diese Abfangrakete hätte der Iran nur den älteren Typ 48N6E2 mit 200 km Reichweite und Abfangmöglichkeiten bis Mach 5, was aber für die Israel und den USA verfügbaren Raketen ausreicht.

Nach einem weiteren Bericht hat der Iran jedenfalls Abfangmittel mit über 100 km Reichweite eingesetzt und auch Erfolge dabei erzielt.

Der Iran ist aber nicht nur auf russische System angewiesen, sondern hat selbst dank der Sanktionen fortgeschrittene Systeme bis in den Hyperschallbereich entwickelt und produziert:

„Im April wurde berichtet, dass Irans leistungsfähigstes einheimisches Luftabwehrsystem mit großer Reichweite, Bavar 373, durch die Integration der neuen Sayyad 4B-Rakete ebenfalls eine Reichweite von 300 Kilometern erreicht hat. Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass das weit verbreitete System zur Abwehr der jüngsten Angriffe eingesetzt wurde, möglicherweise auch zum Abfangen ankommender israelischer Raketen mit einer Reichweite von über 100 Kilometern. Das iranische System Khordad 15 stellt ein leichteres Gegenstück zur Bavar 373 dar und verfügt ebenfalls über eine Reichweite von weit über 100 Kilometern, wobei unklar ist, ob dieses System in großem Umfang eingesetzt wurde. … Das vielschichtige Luftabwehrnetz des Irans stellt für Israel und seine Verbündeten im Westblock eine ungemein starke Herausforderung dar, die die gewaltige Abschreckung durch ballistische Raketen des Landes ergänzt.“

Dem Westen, allen voran den USA ist es nicht gelungen den technologischen Vorsprung von Russland, China und Iran bei den Hyperschallraketen und den Luftabwehrsystem zu schließen. Er wird offenbar sogar laufend größer.


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7 Kommentare

  1. Wahrheitssucher 29. Oktober 2024 um 9:14 Uhr - Antworten

    Interessanter Artikel. Großen Dank. Frage: Wieviel Tankflugzeuge müßen denn da unterwegs gewesen sein? Wenn es 100 Jets zu betanken gilt, kann das nicht ein einziges Flugzeug gewesen sein!

    • Dr. Peter F. Mayer 29. Oktober 2024 um 11:20 Uhr - Antworten

      Ich glaube es waren 4. Die israelischen F15 haben entsprechende Reichweite und brauchen keine Betankung.

  2. Nurmalso 28. Oktober 2024 um 18:01 Uhr - Antworten

    Der Westen besteht nur aus Lügen was auch in der Militärtechnik durchgreift. So werden deutsche Panzer so gebaut, dass viele Teile möglichst rasch verschleißen, damit das Ersatzteil Geschäft erhalten bleibt in kriegslosen Zeiten. Oder der US-Jäger F16 war ein Flop und die Entwicklung diente nur dazu, um innerhalb der Nato durch Lügen viele Geschäfte zu machen mit Nato Ländern. in der Praxis sind diese Kriegsgeräte untauglich. Der Westen hat sich mit seiner Militärtechnik selbst ins Abseits geschossen und versagt nun auf ganzer Linie gegen den Rest der Welt. Bei den mRNA-Impfungen gelten ja die gleichen Geschäftsgebaren der Globalisten. Halt nur Schrott produziert mit maximalen Gewinnen.
    Das Wesen des Kapitalismus ist eine Wegwerfgesellschaft und das wird auch immer so bleiben. So lange ein Staat im Staate (Deep State) im WerteWesten existiert. In Russland, Iran, Syrien, China, Nord-Korea gibt es keinen Deep State, das nurmalso.

  3. Der Zivilist 28. Oktober 2024 um 16:21 Uhr - Antworten

    Dank für die Zusammenfassung.

    Was sich z.Z. bei Radar, Hyperschall, Plasma tut ist hochinteressant, leider wissen wir fast nichts.

    West Stealth ist dafür gemacht, für West- Radar unsichtbar zu sein, Ru hat die Maschinen immer gesehen, wg. anderer Frequenzen. Es ging also im Grunde nur darum, die eigene Kundschaft abzuzocken und die öffentlichen Kassen zu plündern. Solches SU Radar gibt es auch mobil, die NATO hat dem slowakischem Hersteller den Export verboten, ein Segen für Belarus.

    China hat große Fortschritte beim Radar erzielt, niemand weiß, was die Luftabwehr kann, die es Serbien geliefert hat, aber vielleicht ist im Kriegsfall Bondsteel blockiert und vielleicht liefert es Daten nach China.

    China sagt, daß es 10 Mach 20 Flugkörper mit seinem Radar sehen kann, also deren Plasmablasen.

    Im Mai sind 40 Starlink Satelliten einer Plasmablase (eine natürliche außerhalb der Ionosphäre) zum Opfer gefallen, „weil die Luft dichter wurde“ und die tieffliegenden Satelliten abbremste. Das bestätigt, daß man mit dem Ionosphärenheizer HAARP die Ionosphäre anheben kann und also durch rhytmische Luftdruckschwankungen Erdbeben auslösen kann.

  4. Varus 28. Oktober 2024 um 16:16 Uhr - Antworten

    Das klärt nicht, wie erfolgreich die iranische Luftabwehr war – hat sie fast alles abgeschossen oder wurde sie pulverisiert, wie ein anderer gestriger TKP-Artikel behauptet?

    Diese flogen unter Verletzung der Souveränität via Syrien in den Irak bis etwa 100 Kilometer vor die Grenze des Iran um die Flugzeuge nicht der iranischen Luftabwehr auszusetzen.

    In Syrien haben die Russen Stützpunkte mit Luftabwehr und dem Irak hätten sie etwas liefern können, seitdem das Land sich immer offener gegen die US-Besatzung stellt. Warum wurden keine zionistische Flugzeuge oder auch die US-Tankflugzeuge abgeschossen?

    • Der Zivilist 28. Oktober 2024 um 16:23 Uhr - Antworten

      Ja, die US Tanker von den britischen Basen auf Zypern(?), die sind ein interessantes Ziel, auch schon bei Isr’s Angriff auf Jemen.

    • Antermoya 29. Oktober 2024 um 16:18 Uhr - Antworten

      @ Varus
      „In Syrien haben die Russen Stützpunkte mit Luftabwehr und dem Irak hätten sie etwas liefern können, seitdem das Land sich immer offener gegen die US-Besatzung stellt. Warum wurden keine zionistische Flugzeuge oder auch die US-Tankflugzeuge abgeschossen?“

      Ich vermute, daẞ die ‚Gegner‘ einiges damit erreichen:
      1. die direkte Beteiligung der USA ist somit klar
      2 welcher Art ist der israelische Angriff und wozu sind sie fähig
      3. damit haben sie den Israelis ein weiteres Mal demonstriert, daß von letzteren nur große Sprüche zu erwarten ist und deren Drohungen je länger je leerer sind und was sie bei einer Eskalierung auch gegenüber den Verbündeten des Iran zu erwarten haben.
      4. und das ist eine sehr abwegige Annahme: Wer, werter Varus, ausser uns stellt solche Fragen? Ist alles vielleicht ein reines Theater/Drama, das die Entstehung einer dritten und allen gegenüber kritischen/neutralen Meinung verhindern soll?
      Die Äusserungen am BRICS-Gipfel klingen ähnlicher den westlichen Überlegungen, als uns lieb sein kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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