Merz feierte zuerst die „Drecksarbeit“, die Israel für den Westen mache und nun jammert er über 100 Milliarden Euro Kosten. Der iranische Außenamtssprecher Esmaeil Baghaei hat Bundeskanzler Friedrich Merz und dem deutschen Außenminister deshalb scharfe Vorwürfe gemacht.
Merz und seine Regierung seien von „Gleichgültigkeit und moralischem Verfall“ geprägt. Sie würdigten weder die menschlichen Opfer und mutmaßlichen Kriegsverbrechen, noch verstünden sie den wirtschaftlichen Schaden, den der von ihnen unterstützte Krieg dem eigenen Land und Europa zufüge. Baghaei formulierte seine Kritik direkt auf Deutsch in einem X-Post Posting.
Baghaei erinnerte an die berüchtigte Aussage des Kanzlers vom Juni 2025. Damals, wenige Tage nach Beginn der israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran, hatte Merz am Rande des G7-Gipfels in Kanada im ZDF-Interview erklärt: „Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht für uns alle.“ Er habe „größten Respekt“ vor dem Mut der israelischen Armee und Staatsführung.
Genau diese Formulierung hatte in Deutschland für erheblichen Wirbel gesorgt. Merz hatte den Begriff der Interviewerin dankbar aufgegriffen. Später relativierte er, man müsse den Ausdruck nicht wiederholen.
Nun, im Herbst 2026, klagt derselbe Kanzler bei einem Besuch in Südkorea über die wirtschaftlichen Folgen. Der Konflikt habe Europa allein durch gestiegene Energiepreise mehr als 100 Milliarden Euro gekostet. Gleichzeitig plädiert er für eine diplomatische Lösung.
Baghaei hält dem die doppelte Moral vor: Erst die Angriffe als „Drecksarbeit“ für Europa feiern, dann über die Rechnung jammern. Er zitierte das deutsche Sprichwort „Aus Schaden wird man klug“ und verglich die deutsche Führung sarkastisch mit Hans Guck-in-die-Luft aus dem Struwwelpeter – dem zerstreuten Jungen, der vor lauter Blick in den Himmel nicht merkt, wohin er läuft – offenbar Hans-Guck-in-die-Luft:
Einst hatte Bundeskanzler Merz voller Begeisterung verkündet, Israel erledige mit seinem Angriff auf Iran „die Drecksarbeit für uns“. Doch nur wenige Monate später beklagt derselbe Kanzler, dass dieser Krieg die europäische Wirtschaft 100 Milliarden Euro koste! Nun sieht sich auch sein Außenminister bemüßigt, den militärischen Überfall auf Iran zu rechtfertigen. Er ist von einer solchen Gleichgültigkeit und einem derartigen moralischen Verfall geprägt, dass er weder die menschlichen Opfer und begangenen Kriegsverbrechen zur Kenntnis nimmt noch die wirtschaftlichen Schäden begreift, die dieser Krieg seinem eigenen Land und Europa zufügt.
„Aus Schaden wird man klug“, sagt ein deutsches Sprichwort. Doch Hans Guck-in-die-Luft scheint nicht lernfähig zu sein.
— Esmaeil Baqaei (@IRIMFA_SPOX) November 4, 2026
Außenminister Abbas Araghchi hatte zuvor bereits scharf reagiert. Er erinnerte an die damalige Begeisterung des Kanzlers und erklärte, 100 Milliarden Euro seien nichts im Vergleich zu dem „vernichtenden Schlag“, den die iranischen Streitkräfte jenen versetzen würden, die dem iranischen Volk Schaden zufügten. „Rote Linien gehören der Vergangenheit an“.
Die Episode zeigt beispielhaft die Haltung der deutschen und großer Teile der europäischen Führung. Man unterstützt oder begrüßt militärische Aktionen gegen den Iran, spricht von „Drecksarbeit“, die andere erledigen sollen, und wundert sich anschließend über steigende Energiepreise und wirtschaftliche Schäden. Während die eigenen Bevölkerungen die Zeche zahlen, pflegt man den moralischen Überlegenheitsanspruch.
Merz und seine Regierung haben sich mit der „Drecksarbeit“-Rhetorik endgültig als willige Unterstützer einer aggressiven Politik entlarvt, deren Folgen sie nun selbst zu spüren bekommen – und dennoch kaum Lernbereitschaft zeigen. Die iranische Kritik trifft den Kern: Wer Angriffskriege als Dienst an Europa feiert und gleichzeitig die Rechnung beklagt, ohne die menschlichen Kosten oder die eigene Mitverantwortung anzuerkennen, offenbart tatsächlich einen tiefen moralischen und politischen Verfall.
Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇
Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.
Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.
Deutschlands Kriegsschiffe vor Dschibuti: Wie Berlin sich in Merz’ „Drecksarbeit“ hineinmanövriert
Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann. Benutzer haften für den Inhalt ihrer Kommentare.
Sie müssen angemeldet sein um Kommentare zu posten. Noch kein Konto? Jetzt registrieren.