Das Öl der Saudis brennt

2. März 2026von 2,7 Minuten Lesezeit

Iranische Drohnen haben die Raffinerie von Saudi Aramco, eines der größten Ölverarbeitungszentren der Welt, getroffen, und sie steht still. Der ohnehin bereits panische Öl- und Energiemarkt könnte schnell in apokalyptischen Modus eintreten.

Am Montag hat ein iranischer Drohnenangriff einen begrenzten Brand auf der Raffinerie Ras Tanura ausgelöst. Dort werden rund 550.000 Barrel pro Tag verarbeitet. Es ist eine der größten Anlagen der Welt und nun steht sie still. Der Brand scheint zwar unter Kontrolle gebracht worden zu sein, doch der Schlag gegen saudische Öl-Infrastruktur markiert eine entscheidende Eskalation.

Zuletzt griffen Drohnen und Marschflugkörper die saudischen Aramco-Anlagen in Abqaiq und Khurais 2019 an. Die Angriffe setzten rund 5,7 Millionen Barrel täglicher Ölproduktion außer Betrieb – über die Hälfte der saudischen Gesamtförderung. Damals hatten die Houthis die Verantwortung übernommen, USA und Saudi-Arabien beschuldigten jedoch den Iran. Ölpreise stiegen sprunghaft, die Produktion war binnen Wochen wiederhergestellt. Es war der bislang schwerste Angriff auf saudische Öl-Infrastruktur. Nun greift der Iran die wirtschaftliche Lebensader der Saudis direkt an.

Pro-iranische Beobachter deuten dies als Kriegsstrategie des Iran: Fokus auf wirtschaftliche Schäden, vor allem auch unter den US-Vasallen. Als solcher gilt ganz besonders Saudi-Arabien, der sunnitische Erzfeind des Iran – obwohl sich die Beziehungen in den letzten Jahren entspannt hatten und unter chinesischer Vermittlung sogar das „Peking-Abkommen“ 2023 unterzeichnet wurde. Wenn der Iran die saudischen Ölfelder ins Visier nimmt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem massiven Ölpreisschock in Europa kommt. Man sollte besser aufgetankt haben…

Israelische Beobachter sehen dies naturgemäß anders. Sie bewerten den Angriff auf Aramco als „suizidale Verzweiflung“ und „schlichtweg wahnsinnig“. Der Iran würde sich nun an Mohammed bin Salman (MBS) und den Saudis rächen. Laut US-Medien habe Riad die Amerikaner zum Angriff auf den Iran gedrängt.

Bisher ist noch kein arabisches Land in den Krieg gegen den Iran eingetreten. Der Außenminister von Saudi-Arabien veröffentlichte gemeinsam mit Katar, Bahrain, Jordanien, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA eine gemeinsame Erklärung am Montag:

„Die ungerechtfertigten Angriffe Irans haben zivile Infrastrukturen beschädigt, Zivilisten gefährdet und souveränes Territorium ins Visier genommen. Das ist ein Angriff auf die Stabilität der Region. Wir haben das Recht auf Selbstverteidigung.“

Ein klares Signal zu „Gegenmaßnahmen“, für einen Kriegseintritt – danach kam es zum Angriff auf das Öl. Allerdings hat noch nie ein arabisches Land an der Seite Israels Krieg geführt, es wäre eine mehr als symbolische Wende, noch dazu gegen ein anderes muslimisches Land. Wie das die Bevölkerung und die Muslime weltweit beurteilen werden? Das Risiko für einen globalen Flächenbrand, wenn gleich ein relativ isoliertes Iran sich behaupten muss, würde wohl nur steigen. Und das Risiko eines globalen massiven Energiepreisschocks steigen – für Architekten eines „Great Reset“ ein optimales Szenario.

Update: Der Iran hat den Angriff dementiert. Die Nachrichtenagentur Tasnim erklärte unter Berufung auf eine Quelle des Revolutionsgarde-Militärs: „Ölanlagen in Ländern der Region waren und werden nicht zu den Zielen iranischer Angriffe gehören.“


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.


Luxus-Hotspot Dubai plötzlich Kriegsschauplatz

Fico: Ukraine blockiert Pipeline-Untersuchung



 

4 Kommentare

  1. Jan 2. März 2026 um 15:14 Uhr - Antworten

    Knapp 6 Mio bpd sind mehr als die Hälfte des EU-Ölbedarfs. Diese Mengen sind nirgendwo auf der Welt aufzutreiben. Zum Vergleich: die Druschba hat eine maximale Kapazität von 2,5 Mio bpd, Norwegen liefert etwa 2 Mio bpd in die EU, die USA produzieren etwa 20 Mio bpd.

    Österreich steht aufgrund der grundlastfähigen Wasserkraft relativ gut da und kann daher etwa 25% des Primärenergiebedarfs selbst produzieren. Damit wäre selbst bei Ausfall aller Importe von Öl, Kohle und Gas eine autarke Basisversorgung möglich. Vorausgesetzt, die Suchtabhängigen, die ständig gewählt werden, bekommen die Verteilung hin.

    Der Minderverbrauch während der Pandemiejahre durch reduzierte Heizung und verringerten Individualverkehr dürfte um die 12% betragen haben. Das ist wohl auch die Grenze an Einsparungen, die möglich ist, ohne dass es zu gröberen wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen kommt.

    Die Zerstörung der saudischen Anlagen wird natürlich auch indirekt zu Verwerfungen führen, da Kohle, Gas, Stahl, Glas, Zement, Dünger und sogar Holz ebenfalls ölabhängig sind.

    Die EU importiert etwa 16% aus Saudi-Arabien und dem Irak, der durch die Hormus-Sperre auch betroffen sein dürfte. Österreich bezieht den Hauptteil seines Öls aus Russland, Kasachstan und Aserbajdschan. Wenn man aber annimmt, dass die EU ein Umverteilungsmanagement einführt, dann entsprechen 16% weniger Ölimporte einer Reduktion des österreichischen Primärenergiebedarfs von 7%.

    Das ist absolut machbar, aber man wird es irgendwie steuern müssen.

  2. weirdo 2. März 2026 um 13:47 Uhr - Antworten

    Auch mein erster Gedanke war: Wieder von allen im Hinterzimmer genau abgesprochen. Keine Zufälle, keine „beleidigten“ Mullahs, sie wissen alle genau was sie tun. Öl brennt, Preise unerschwinglich, kein fliegen mehr, E-Autos werden plötzlich das ultimative Fahrzeug, der restliche Autoverkehr kommt zum Erliegen, schöne neue Welt.

    • 1150 2. März 2026 um 14:28 Uhr - Antworten

      @,
      ja, wenn der ölpreis explodiert, werden die pösen russen und der oberschurke putin wieder geld für ihren krieg bekommen, nachdem sie vorige woche schon blank waren.
      nun können sie in der ukraine weiterschlachten bis ganz europa komplett erobert wurde.
      ob die kallas, meindl/reisinger, strack/zimmermann, etc. nun schlaflose nächte haben???

      • Gabriele 2. März 2026 um 15:07 Uhr

        Die werden trotzdem gut schlafen, weil der Aufzug noch nie ganz nach oben gefahren ist bei deren Plänen und „Hilfsaktionen“. Ich hätte noch ein Sparschwein mit ein paar Euros, um allen Ländern dieser Welt zu helfen, Krieg zu führen. Natürlich nur zur „Selbstverteidigung“.
        Frau von der Leiden wird bestimmt wissen, was zu tun ist – und alle werden ihr huldigen…

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Aktuelle Beiträge